Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 5 (29.1.1909)
- Date
- 1909-01-29
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Viel zu dem finanziellen Erfolge hat auch die Vergnügungs- Sektion unter Leitung des Herrn Gustav Waldmann beigetragen, die es sich in der Hauptsache zur Aufgabe macht, unter d$n Mitgliedern und Freunden des Vereins jüdische Bildung und Geselligkeit zu pflegen. In den Turnrat wurden nachfolgende Mitglieder gewählt: Herren Rudolf Elkan, Kommerzialrat Leopold Büß, Kultusvorsteher S. Steiner, Gustav Waldmann, Felix Popper, cand. ing. Josef Kirschmann, Frl. Helene Abeles, cand. ing. Theodor Steinherz, Andreas Säbel, cand. ing. Paul Lengsfelder, Max Spielmann, Isidor Gelbart, Frl. Gisella Reichenfeld, Hermann Lengsfelder, Heinrich Hacker, cand. ehem. Sigmund Justitz. Nachschrift: Der Verein ist mit ca. 70 Mitgliedern der Jüdischen Turnerschaft beigetreten. Sg^_REVUE DER PRESSEjggliil >«•»■«««»«««*»2«Ü'SÄ Zivilisation der „grande nation" zum Trotz des einfachsten Bürgerrechts beraubt sind, unterrichtet in anschaulicher Weise eine Artikelserie unseres Bruderblattes „Le Defenseur", das sich die Verteidigung der Rechte der Juden in Tunis zum Ziele gesetzt hat. Wir geben den Schluß dieser Artikelserie wieder, aus dem die gerechten Forderungen unserer tunesischen Brüder deutlich erhellen: „Die tunesischen Juden, welche weit davon entfernt sind, in bezug auf die Naturalisation eine durch Gesetz sanktionierte Bevorzugung ihrer Lage zu verlangen, beklagen sich mit gutem Recht, sogar von der Nutznießung des allgemeinen Rechtes ausgeschlossen zu sein. Sie konstatieren mit Bedauern dieses ungerechte Verhalten, welches sehr schlecht ihre Gefühle und ihr Verhalten Frankreich gegenüber belohnt und sie sagen sich, daß der Umstand, daß sie sich stärker von Frankreich angezogen fühlen, doch für dasselbe kein Grund sein dürfe, sie um so schroffer zurückzustoßen. Die systematischen feindlichen Verfügungen der Verwaltung müssen unterbleiben. Und wenn sie alsdann eine Ausdehnung der Naturalisation verlangen, fordern sie dieselbe zugunsten aller Tunesier, denen die Naturalisation Nutzen bringen kann, ohne Unterschied der Religion. Was uns selbst anbetrifft, so ist es im eigenen Interesse Frankreichs, wenn wir folgendes verlangen: 1. Die Rechtsgrundsätze des code civil, welche die Naturalisation der Ausländer im allgemeinen regeln, sollen auf alle •Tunesier, welche in Frankreich wohnen, ohne Ausnahme Anwendung finden; 2. Die Anwendung des Artikels I, Absatz 2 der Erlasse yon 1887 und 1899 auf alle Tunesier ohne Ausnahme und in Verfolg dieser Maßnahme die Erlaubnis als Freiwillige in das französische Heer oder in die französische Marine einzutreten; 3. Die Möglichkeit der Naturalisation: a) Für alle Tunesier, welche mindestens 3 Jahre ein öffentl ches Unterrichtsinstitut in Frankreich besucht, dort einen Titel erlangt, oder die erste höhere Prüfung bestanden haben, unter der Bedingung, daß sie noch in dem Alter sind, ihrer Militärpflicht im stehenden Heer zu genügen; b) Für diejenigen, welche eine Französin geheiratet haben; man könnte, wenn nötig, hinzufügen: wenn sie legitime oder durch die Heirat legitim gewordene Kinder haben; c) Für diejenigen, welche Frankreich wichtige Dienste geleistet haben. Es ergibt sich hieraus von selbst, daß in jedem besonderen Falle die Machtbefugnis der Regierung unvermindert bleibt, besonders aber in solchen Fällen, bei denen der Antragsteller nicht für würdig genug gehalten wird, naturalisiert zu werden. Ausgedehnt und beschränkt auf die Kategorien, welche wir soeben angegeben haben, wird die Naturalisation des Tunesiers keineswegs die Gefahr des Eindringens fremder, ungleichwertiger Volksteile in die französische Nationalität mit sich bringen. Haben wir nötig hinzuzufügen, daß es auch für Frankreich weder in diolomatischer, noch in politischer Hinsicht nicht die geringste Gefahr bringen könnte, und daß dadurch keineswegs die bestehenden Verträge in Mitleidenschaft gezogen würden? Im Gegenteil, diese billige und weise Maßregel könnte Frankreich nur von Nutzen sein, denn sie führt ihm Kreise zu, die sich aus den besten und staatstreuesten Elementen zusammensetzen, und würde den guten Ruf Frankreichs als eine gerechte, edle Nation vermehren.** Kreolische Judenhetze Auc!j Argentinien hat seine Antisemiten. Der nachfolgende Ausschnitt aus dem in Buenos Aires erscheinenden „Argentinischen Wochenblatt" zeigt uns, daß sich die Judenhetze dort in denselben Formen abspielt, wie bei uns: „Die gewöhnlich für „liberal" gehaltene „Nacion" — wir konstatieren dies mit dem lebhaften Bedauern — stimmt heute in einem längeren Artikel in den Chorus ein, der es auf die Judenschulen abgesehen hat, d. h. dieselben aus rein nationalen, anscheinend also patriotischen Gründen von der Bildfläche verschwinden sehen möchte. Wir wundern uns über die Kurzsichtigkeit der Chauvinisten, welche in den Judenschulen durchaus eine Gefahr für die Nation erblicken wollen. Hjlten sie sich etwa für zu schwach, um dem verhältnismäßig kleinen Judenelemente die Stange halten zu können? Das wäre doch gar zu droll g. Für sie wäre es viel praktischer, wenn sie sich an das weise „Iaisser faire, Iaisser aller und laisser passer" halten wollten. Wir denken doch, daß das kreolische E'ement mächtig genug ist, um auf dem Felde des friedlichen Wettkampfes nicht nur über Juden, sondern auch über Türken, Araber, Syrier „et reliqui" zu triumphieren." Reiseeindrücke aus Palästina In der Zürcher Monatsschrift ,Am häuslichen Herd", schreibt Dr. Max Oettli, Glarisegg, über „Reiseeindrücke aus Palästina" und lobt die jüdischen Kolonien. Es heißt dort: „Ackerbautreibende Zionistenkolonie, das bedeutet für mich etwas ganz Großes und Schönes, etwas, was reichstes, lebenswertes Leben in sich birgt. Das Äußere der Kolonie habe ich angedeutet, es ist Nebensache. Das Schöne sind die Menschen, ihr Glaube, ihr Arbeitsmut. Für wen von uns, die Juden inbegriffen, ist der Begriff Jude nicht mit der Vorstellung der Wurzellosigkeit verknüpft und mit all dem Unangenehmen, was damit zusammenhängt? Und ich zählte natürlich auch zu denen, welche diese Eigenschaft trotz gelegentlicher besserer Überlegung für eine 'Rasseneigenschaft halten. Ist es nicht etwas Großes und des Erzählens Wertes, daß man da urrten in Palästina wortkarge Juden trifft, daß man ruhige, sichere Menschen sieht, denen jede Sucht zu glänzen vollständig fremd ist: wortkarge, sichere und dazu frohe Juden! Und ich bin überzeugt, daß ich nicht nur durch liebenswürdige Gastgeber und ein paar andere Bekannte verblendet worden bin. Wo wir hinkamen, herrschte die gleiche freudige Arbeitslust. Zufällig betrat ich eine kleine Käserei. Eine kleine Frau zeigte mir still und voll Stolz die Einrichtung, den Kupferkessel, die Schleudermaschine, die Presse. Blitzblank war alles, und rührend war es zu sehen, wie die Frau bemüht war, das, was ich ihr über unsere alpine Milchwirtschaft sagen konnte, auf ihre Verhältnisse zu übertragen. Täusche ich mich, oder steckt hinter diesem stillen, sachlichen Eifer etwas Wunderbares? Ist es Voreingenommenheit, wenn ich glaube, daß unter ähnlichen Umständen in Europa in 90 unter 100 Fällen das Gespräch etwa mit: „Hören Sie mal, ich will Ihnen etwas sagen," oder ähnlich angefangen hätte und dementsprechend fortgeführt worden wäre? — Im selben Hause wohnte auch der Lehrer, der sjch so einfach gab wie die Wirtin. Er erzählte von seinen Obersetzungen und erkundigte sich n*ach ein paar deutschen Schulbüchern. Übersetzungen! In allen zionistischen Schulen, wird nämlich der ganze Unterricht in der althebräischen Sprache erteilt, Rechnen, Naturkunde, Geographie, alles. Die Kinder sprechen unter sich Althebräisch und auch mit ihren Eltern, und diese sind stolz auf die Sprache ihrer Kinder und erlernen sie mit ihnen. Wieviel Glauben mußten die Menschen besitzen, die daran zu denken wagten, die alte Nationalsprache neu erstehen zu lassen; wie viel unermüdliche selbstlose Arbeit gehörte dazu, den Gedanken zu verwirklichen, und das zu einer Zeit, wo Juden die Juden aus Palästina fortschaffen mußten! In Beirut trafen wir später einen jüdischen Bankier, dem wir von unsern Eindrücken erzählten. Wie er leuchtete vor Hoffnung und Zuversicht! Ein protestantischer Theologe war damals bei uns. Bald kamen die beiden auf die ersten Christengemeinden zu sprechen. Ich staunte, ich wußte nicht, wer mir