Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 15 (2.2.1839)
- Date
- 1839-02-02
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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II. Jahrgang. Literarisches ii u b hom 1 le tisch es B Leipng, -rn 2. Februar 1839. No. 4. eiblatt. Ein Wort über die neu hebräische .Sprache, nebst Beurtheilung der na« rvr'prj von Sal. 33rief Altona, Gebe. Bonn. Von Dr. Levi Herzfeld, in Braunschweig. Der Vorzug einer allgemeinen Sprache vor der Sprache einer einzelnen Nation besteht in Folgendem: Diese, indem sie nur von derjenigen Nation, welcher sie angehört, gesprochen und geschrieben wird, nimmt nothwendiger Weise Theil sowol an den Vorzügen, als an der Beschränktheit und Einseitigkeit, welche einer jeden Nation als solcher d. h. als einem Individuum — zwar höherer Act, aber doch Individuum — zu Theil geworden sind. Die Betrachtung der Weltgeschichte lehret nämlich, daß eine jede Nation die Ausgabe hat, irgend eine integrirende -Idee des göttlichen Geistes hervorzutreiben, auszubilden und, wenn auch nicht immer zum Bewußtsein zu bringen, doch zu tragen und für das Bewußtsein und die Anerkennung des späteren Denkers aufzubewahren. Den Hellenen räumt, man auf diese Weise ein, die Kunst, den Römern, das Recht repräsentier zu haben; und wenn wir beanstanden, die individuellen.Ällissionen anderer alter und neuer Völker anzugeben, so geschieht dies nur, weil wir die Geschichte keines Volkes der alten Welt — über die Hebräer nachher— so genau kennen, als dieser beiden, und die Geschichte der neueren Völker noch nicht abgeschlossen ist, so daß jedes Urtheil der Art, als'auf mangelhaften Vordersätzen beruhend, zurückgehalten werden muß; nicht aber halte sich Jemand dadurch berechtigt, diesen Beruf der Völker überhaupt in Abrede zu stellen. Nun ist aber jede Position nur vermittelst einer Negation, einer Li-' mitatiefn möglich: bei diesem Volke ist. diese Richtung vorherrschend—d. h. auch: alle anderen Richtungen des menschlichen Geistes treten bei ihm gegen diese Richtung mehr oder weniger zurück. Die Sprache eines Volkes ist aber daS Spiegelbild aller seiner Interessen: die Idee, zu deren Träger es berufen ist, bedarf zu ihrer Constatirung zahlloser Evolutionen, deren eine jede, um an's Licht zu treten, neue Ausdrücke schaffen/ neue Wendungen hervortreiben muß; die Atmosphäre dieser Idee wird je nach dem Gehalt der letzteren mehr oder minder umfangsreich erscheinen, jedenfalls aber mit demjenigen Theile der Sprache des fraglichen Volkes congruiren, welcher in ihr der reichste und ausgebildetste ist, wogegen der Rest der Sprache, als tonische Bezeichnung nicht so ausgebkldeter oder gar vernachlässigter Richtungen,, sich dürftig und unentwickelt zeigen muß. Ja es kann der Fall eiNtreten, daß bei einem Volke von seiner Hauptrichtung manche andere Richtungen des menschlichen Geistes fast ganz absorbirt sind, und die Folge hiervon ist notwendig die, daß seine Sprache ausnehmend reich und'ausnehmend arm zu gleicher Zeit ist. Um ein schlagendes Beispiel zu geben, sei es mir erlaubt, mir selbst vorzugreifen. Die Idee, welche Israel angewiesen ist.'zu tragen, ist die Religion; es hat aber diese Idee mit solcher Intensität ergriffen, und mit solcher Beständigkeit ausgebildet, daß der Reichtum, welchen die hebräische Sprache zum Ausdruck religiöser Beziehungen entfaltet hat, nur . mit ihrer Armuch in Bezeichnung alles Profanen verglichen werden kann. Weiter. Ein vielseitiges Volk d. i. ein Volk, welches neben seiner Hauptrichtung noch secundäre Richtungen.verfolgt, oder den Primärrichtungen anderer Völker Gerechtigkeit und auch wol Liebe angedekhen laßt, ein Volk, wie das deutsche, Muß für diese sekundären Richtungen doch auch einen verhältnißmäßkgen Sprachvorrath schaffen, 'und so sehen wir, daß alle vielseitigen Völker, das altgriechische, das arabische, das deütsche, reiche Sprachen haben. Jetzt ist es klar, daß eine allgemeine Sprache d. h. eine solche, welche alle oder viele Völker zum Austausch ihrer Gedanken wählen, eben dadurch , daß'jedes einzelne'Volk sie mit einem Sprachschatz bereichert, welcher seiner Lebensidee entspricht, ungemein reich werden muß/ Ich fürchte nicht, da? Hiergegen von der französischen Sprache ein' Einwand herge-. nommen wird, welche ungeachtet ihrer großen Ausbreitung ein in sich sehr beschränkter Idiom ist. In dieser Sprache wird freilich sehr viel und von sehr Vielen parlirt, aber nur. von Franzosen wird sie gesprochen — ich will sagen:, stehende Phrasen, herüber und hinüber combinirt, das ja doch"