Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 15 (2.2.1839)
- Date
- 1839-02-02
- Page
- Seite 14 (sequence 6)
- Language
- German
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14 nur ist das Französische, das im Auslände cursirt; und die! es wirklich sprechen,, mir Herz-und mit Geist,, aus sich herar^^icht^ au^-Gesprächh-ücherynuy-, d^Md.— Franzos sen, das geistreichste Volk, aber auch um kein Haarbreit weniger beschrankt, als seine Sprache. Die lateinische Sprache ist eine Weltsprache geworden, jedes Volk hat sich in ihr versucht, jedes Volk hat sie bereichert; und wenn auch eine jede jetzt lebende Sprache, einzeln genommen, reicher ist und reicher sein muß, als jene, so ist sie es wiederuck doch nur in demjenigen Theile, welchen die Lieblingskdee ihrer Natkon^hervorgebracht hat, muß aber in allen anderen Theilen gegen die überallher angewachsene lateinische weit zurückstehcn. Hierdurch hat es die lateinische Sprache dahin gebracht, Vehikel einer europäischen Bildung geworden zu sein; was sie von allen Landen und Orten an Ausbildung gewonnen, hat, das'befähigt sie jetzt, jede Welle, die sich in dem Meere unserer geistigen- Interessen erhebt, hinüberzuspülen nach allen Landen und Orten, und die sprachlich Verbundenen mehr und mehr in Verbündete des Geistes-, in ein Volk gemeinsamer Interessen umzuwandeln. Israel, habe ich zuvor gesagt, hat zur Aufgabe erhalten, die religiöse, Idee zu evolviren. Ich mochte nicht ebendiese seine Mission mit denen von Hellas und Rom zusammcnstellen, denn sie ist noch nicht erfüllt, das Volk, - welchem sie geworden ist, regt sich vielmehr wieder in jugendlicher Kraft, um sie der. Erfüllung naher zu führen; aber doch auch nicht verkennen, oder etwa nur ahnen laßt sie sich, wie die Aufgaben der modernen Völker, sie zählt schon ihre grauen Jahrtausende, und ihr Tritt durch die Geschichte ist wohlbekannten Klanges, und die Spur ihres Fußes kennt-' lkch jedem Auge. Dieser Aufgabe gemäß, habe ich vorhin hinzugefügt, hat Israel für alle Verzweigungen und Verästelungen des religiösen Gedankens Ausdrücke geschaffen, und seine Sprache, um sie mit' Einem Worte zu charakterksiren, sei die Sprache der Religion. Nun aber ist diese Sprache durch das Schicksal des Volkes zu einer allgemeinen Sprache geworden, sie wird geschrieben , vom stillen Ocean bis zum stillen Ocean, und vom Nordpol bis zum Südpol. Doch nicht wie die lateinische hat sie nach innen und außen zugleich, über die Disciplinen und über die Länder, ihre Herrschaft ausgedehnt. Israel ist kein Volk mehr, sondern ein religiöser Verband. Das Volksthümliche wurzelt in' dem Boden des Vaterlandesden volkstümlichen Richtungen der Volker, in deren Mitte Israel lebte, schloß es sich an, wo das gelitten wurde, und wählte zum Ausdruck derselben die Sprache des Bodens, der es trug. Nur einmal'wurde es gelitten, unter den humanen Araberfürsten, und wir sehen in Medizin, Astronomie, Philosophie unter wen Händen der Juden ' eine arabische Literatur erblühen. Aber-^die Religion hat ihr Vaterland im Himmel, als reli- >giösez Verbrüderung sind wir nicht Eingeborene Spaniens, Afrikas, Babyloniens, sondern Golim, 83ne Gola, ins Exil Hinausgesendete, um unseren Auftrag an die Völker nicht durch Rede, nicht durch Predigt, nein, schweigend und durch unser bloßes Dasein auszurichten. Und mögen wir hierüber verkannt werden! Unser Planet vollendet , seinen Lauf um. die Sonne durch unausgesetzten eigenen Umschwung, unbekümmert darum, daß er anderen Sternen, bald vorwärts, bald rückwärts zu schreiten scheint; gleich ihm können wir den Lauf um die Sonne ^unserer Religion nur durch fortgesetzten Umschwung unserer selbst bewerkstelligen, und dürfen der Hoffnung leben, daß einst außerhalb Israels ein religiöser Kopernikus aufstehen wird, dem es gelingt, das Gesetz unserer Bahn aufzusinoen. — Aber als Golim lieben wir die Sprache unseres einstigen Vaterlandes; nur durch Erinnerungen und.Religion sind wir verbrüdert: die Erinnerungen haben hebräische.Formation, vielleicht auch mehr noch, vielleicht müßte ihr'Geist, in jede andere Form gegossen, sich verflüchtigen;'und die Religion, die uns umschlingt — die hebräische Sprache allein hat sich zur Sprache der Religion ausgebildet, sie allein hat ihre Grenzen niemals weiter gesteckt, als für den jedesmaligen Umfang der Entwickelung des religiösen Gedankens erforderlich war. Das haben Israels Schriftsteller/wenn auch über Jahrtausende und über Meilentausende zerstreuet, wohl gefühlt, unklar, ohne Bewußtsein, aber lebhaft, aber ohne widerstehen zu können. Die Literatur der Juden ist eine der reichsten, und in ihr fast kein einziges Werk nichtceligiösen Inhalts! Sie haben in den' verschiedenen Ländern verschiedenartige Einflüsse erlitten, kleinere, weil sie unvermischt lebten, aber immer noch gewaltige, tiefeindringende Einflüsse — Klima und Umgebung sind allmächtig. Zwischen Gcanada's schweigsamen Bewohnern haben sie denken gelernt, die hebräische Literatur verdankt öem eine Religionsphilosophie; unter Italiens schönem Himmel haben sie gesungen- — religiöse Lieder; in Aegyptens Wüsteneien hatten sie glühende Phantasien — soh'arischer Theophanien; in den asiatischen, in den europäischen Despotien/wo alle Falle möglich waren, errichteten sie kasuistische Pyramiden — überall Religion, Religion ihr Alpha, Religion ihr Omega. Da -hat es sich gezeigt, wie schöpferisch der Geist ist, um seine flüchtigen Blüthen festzubannen. Wie hoch die Philosophie damals' steigen konnte, so hoch klimmte Ibn Tibbon's, Albo's, Penini's Sprache' ihr nach. Es ist wahr, Kalir hat cyclopische Verse gemacht, aber cyclopische Gedanken waren es , die sie.ihm eingaben. Wo hat Jakob Böhm solche Süße, wie sie dem Sohne Iochai's