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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-02-12 · Heft 7 (12.2.1844) · p. Seite 87

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 7 (12.2.1844)
Date
1844-02-12
Page
Seite 87 (sequence 3)
Language
German
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87 Wir wissen wohl, daß dies ein schweres Werk ist. Wir können hier nicht alsbald alle die Wege zeichnen, -Le uns dahin zu führen scheinen. Wir wollen heule nur von einer Bedingung und von einem Wunsche sprechen. Die Bedingung ist, daß der jüdische Geistliche seine Mission höher zu stellen sich gewöhne, als es meistens geschieht, freier in die Welt zu schauen, das Leben mehr zu begreifen, und die Mittel und Wege, darinnen zu wirken, schärfer zu erkennen sich befähige. Es ist nimmer gut, daß die Religion zum bloßen Systeme werde; selbst im Theologen nicht. Denn System und Leben sind durch eine ewige Kluft getrennt, und der Geistliche findet dann eben so wenig die Brücke zum Leben, wie der Laie vom Leben zum Systeme. Der Geistliche wird sich dann wol Nachbeter und Anhänger bilden, aber um diese herum einen desto breiter« Gürtel der Oede legen. Religion muß ihm stets der freie Funke in jeder Menschenbrust sein, den er anfachen soll zur lichten, Hellen Flamme, die allerdings keine regelmäßige Gestatt annimmt, aber leuchtet und wärmt. Nur dann wird er der Freund und Lehrer Aller werden, in ihm wird einem Jeden die Religion mit Friedensgruß und Freundeslippe entgegentreten — andernfalls wird er Vielen als Gegner, als Feind, als rigoroser Mahner mit Zuchtruthe und Schwert erscheinen, von dessen Gegenwart man nicht bald genug erlöset werden könne. Der Wunsch ist: daß sich aus dem bemittelten Stande, ja aus dem der Begüterten und Reichen wehr Jünglinge dem jüdisch-theologischen Lehrfache zuwenden mögen. So lange nur noch in der Regel die Kinder der Armen sich ihm widmen, so lange wird das Amt als Feld und Heerd erscheinen, nach denen gerungen werden muß, um dem Hunger zu entgehen, so lange wird dem jüdischen Geistlichen Mangel an Lebenskenntniß, Schwerfälligkeit, Unbeholfenheit ankleben, er wird jener msanee, jener richtigen Anschauung der Verhältnisse, jener Sicherheit, die mit leichter Bewegung Hand in Hand geht, schwer und bitter entbehren — und die Vorbilder fehlen ihm. Von der andern Seite nimmt wol der jüdische Eeistlichenstand jetzt bereits eine solche Stufe ein, daß er auch für bemittelte Eltern eine Befriedigung des Ehrgeizes und die Sicherung des Brodes mit sich führt — was reizt denn wol in unserer Zeit zum ärztlichen Stande? Und aus wem Nichts geworden ist, der hat in jedem Stande sein Ziel verfehlt.— Uebrigens glaube man nicht, daß Unabhängigkeit zur Herrschsucht führet. Gerade umgekehrt, sagt die Erfahrung. Der Abhängige strebt mit aller Macht nach Herrschaft, theils um sich zu rächen für frühere Unbitle, theils um sich auf seiner Höhe zu erhalten, theils weil die Eitelkeit um so schärfer ihn stachelt. Wer unabhängig ist, und die Amtsstellung entbehren könnte, der übersieht Vieles, der hascht nicht nach kleinlicher Ehre, der wird das Wesentliche schärfer tn's Auge fassen. Jährliche Rabbinerversammlungen. Die Zusage zur ersten, diesjährigen Versammlung haben bereits eingesandt: Herr Landrabbiner Dr. Herx - heirner zu Bernburg, Herr Landrabbiner Dr. Herzfetd zu Braunschweig, Herr Rabbiner Dr. Geiger zu Breslau, Herr Landrabbiner Dr. Holdheim zu Schwerin, Herr Oberrabbiner Kahn zu Trier. Literaturverein. Seit unsrer letzten Bekanntmachung hat sich die Zahl der Mitglieder nur wenig vermehrt. In diesem Augenblicke ist eine neue Austage der Statuten fertig geworden, und Eremplare stehen einem Jeden gratis zu Diensten. Man braucht sich deshalb nur zu wenden an die Redaktion. Gutachtliche Aenßeruiig eines st'idlscheli Theologe» i'ibco den Rcformverein an eine« sich dafür iiitercssirelideii Christen, von Dr. Einhorn. Fürstenth. Birkeufeld, Hoppsiädtcu, d. 5. Dez. 1843. Bei dem regen Interesse, welches Sie am Streben des Reformvereins nehmen, fühle ich mich in ergebenster Erwiederung Ihres Geehrten gedrungen, Ihnen meine Ansicht über diesen Verein, für welchen ich nichts weniger, als Ihre Sympathie theile, schriftlich mitzutheilen. Daß das Judenthum einer Entwickelung fähig sei, lehrt schon die Thatsache, seine ganze Geschichte. Ja der Talmud selbst bildet einen Hauptmoment in diesem Entwicketungsgange, wie sehr er auch andererseits zur Verknöcherung jüdischen Lebens ohne Zweifel beigetragen hat.

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