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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-02-12 · Heft 7 (12.2.1844) · p. Seite 88

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 7 (12.2.1844)
Date
1844-02-12
Page
Seite 88 (sequence 4)
Language
German
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88 Eine durchdringende, aber auf die nicht zu verrückenden Grundsteine des Mosaismus, — Monotheismus und Offen barungsglauben — zu basirende Reform des Judenthums findet innerhalb der jüdischen Kirchengeschichte sicherlich ihre völlige Legitimation. Das Streben nach einer solchen Reform haben fast alle neueren jüdischen Theologen sich zur Aufgabe gemacht und hierbei in stillschweigender llebereinkunft, wie sie eben aus dem Bedürfnisse hervorgegangen, gleich von vorn herein den doppelten Gesichtspunkt festgestellt: die starrgewordenen Formen vorerst durch den Einhauch des lebendigen Geistes zu entfesseln und gleichsam flüssig zu machen, sodann diese Formen überhaupt nach Maßgabe ihres Alters und ihrer Wesenheit zu sichten und nach den sich herausstellenden Ergebnissen ihre ungeheuere Anzahl, worunter allerdings das Judenthum seufzt und keucht, zu verringern. Die Lösung des zweiten Theils dieser Aufgabe ist offenbar durch die des ersten Theils derselben bedingt. Es mußte vor Allem dem Prinzipe der Innerlichkeit, gegenüber der leeren Werk- Heiligkeit, nach dem Vorbilde der Propheten zu seinem guten Rechte verhelfen, die Lehre in ihrer ursprünglichen Reinheit hergesiellt und hierdurch das Verhaltniß dieser Lebre zum Gesetze überhaupt festgestellt werden, um das Menschliche und Staatliche und Temporelle vom Göttlichen, Wesentlichen und Kirchlichen im Judenthume trennen zu können. Wie sehr nun auch schon die bisher erzielten Ergebnisse, ständen deren praktischer Geltendmachung nicht noch Hindernisse allerlei Art entgegen, eine bedeutende Umgestaltung der religiösen Satzungen bewirken wurden; so wird glcichwol kein Sachkenner bei der Neuheit einer wissenschaftlichen Bearbeitung der jüdischen Theologie, durch welche ein genügendes und vollständiges Resultat doch wol lediglich gewonnen werden kann, ein solches jetzt schon erwarten wollen. In diesen allmähligcn und sein Ziel desto sicherer verfolgenden Entwicklungsgang tritt nun der sogenannte Reformverein nicht nur nicht fördernd, sondern äußerst störend und hemmend ein. Abgesehen davon, daß er eine vom Ehrisienthume ohnehin niedergedrückte Kommune auch noch zersplittern, auseinander reißen und so der Kraft berauben, daß er ein unheilvolles Schisma in eine religiöse Gemeinschaft bringen will, welche eben sowol wegen der bürgerlichen Stellung ihrer Glieder, als auch dem wüthenden Eifer christlicher Proselitenmacherei gegenüber, der Einheit im höchsten Grade bedarf; ist seine ganze Tendenz lediglich der Umsturz und die Entwurzelung des Judenthums, welches er zu reformiren heuchelt. Sein Glaubens- oder vielmehr NichtglaubenS-Bekenntniß in das Zwielicht der wehtschichtigen Phrase einer unbegrenzten Bildungsfähigkeit des Mosaismus einhüllend, sucht er alle jene Israeliten, welche, obgleich mit den bestehenden Satzungen in Zwiespalt, doch mit tausend Fasern des Geistes und Gemürhes im Judenthume wurzeln und gerade deshalb nach einer bessern Gestaltung desselben sich sehnen, auf hinterlistige Weise .von diesem abzulocken und die Sehnsucht nach einem religiös-gesetzlichen Zustande durch Sanktionirung der Gesetzlosigkeit zu beschwichtigen. Auf den ersten Anblick weiß man eigentlich gar nicht, was mit dem ersten und Hauptgliede des dreigliederigen Bekenntnisses zu beginnen sei; ob nämlich die Möglichkeit einer unbegränzten Entwicklung im Mosaismus von dessen Gesetz oder Lehre behauptet werde, und wenn von Letzterer, ob in der Art, daß dem Geiste des Mosaismus blos eine relative Entwickelung, d. h. im Verhältnisse zum menschlichen Verständnisse, ein für den Meuschengeist unerschöpflicher Gehalt vindizirt, oder eine absolute Entwickelung, eine perpetuelle Bewegung, resp. Abwechselung an sich angedichtet werden sott. Die Möglichkeit einer fortschreitenden Entwickelung in Rücksicht auf die Form und auch auf den Geist der israelitischen Lehre, in wie ferne dieser immer klarer und reiner in das menschliche Bewußtsein zu treten fähig erachtet wird, hat das Judenthnm in seinen verschiedenen Stadien thatsächlich gezeigt, und kein Jsraelite, der seine Religion kennt, wird dieser eine Perfektibilität absprechen wollen, wornach zwar ihr allverkettendes Wesen über die ausschließende Form zu siegen uranfänglich bestimmt war, jedoch diese als schützende Schale und gleichsam als Israels Priestergewand, so lauge unmöglich abgestreift werden könne und dürfe, bis jenes die Menschheit nach ihrem ganzen Innern und ganzen Umfange durchdrungen und der Mosaismus mit der Ankunft des mesfianischen Reiches seine Priesierseudnug vollführt haben wird. Hingegen muß^eder Jsraelite feierlichst gegen eine dem Geiste des Mosaismus zugedachte absolute Entwickelung protestiren, indem das Göttliche als ein in sich Vollkommenes eine solche Bewegung, deren Linien noch obendrein in diametraler Richtung laufen, nicht zutassen kann und somit eine solche Behauptung die Nichtgöttlrchkeit des Mosaismus involvirt. Der Reformverein läßt uns aber bei näherer Betrachtung nicht länger zweifeln, daß die unbegränzte Bildungsfähigke:t, welche er dem Mosaismus zuerkennt, von der letzten Art, und die ganze mosaische Lehre ihm blos eine Emanation des Menschengeisies, ja sogar der Quell und An-

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