Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1844)
- Date
- 1844-01-15
- Page
- Seite 36 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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36 Betriebe des Ackerbaues und der Gewerbe stieß man sie zurück; gaben sie sich dann aber dem Wucher hin, den man ihnen speziell überwies, und der für sie beinahe das einzige Mittel bildete, sich ernähren zu können, so erbitterte dies auf's Neue gegen sie, gab neuen Grund zu Beschuldigungen ab!" u. s. w. Der Verf. huldigt durchgängig dem Liberalismus in der monarchisch konstitutionellen Form, aber einem Liberalismus, der nicht, wie so mancher Andere bei den Deutschen, mindestens so lange, als er selbst nicht Alles erreicht hat, an den Juden sein Müthchen kühlen will. Die ganze Menschheit soll Hand in Hand mit ihm der vollkommenen materiellen und geistigen Freiheit entgegen gehn. Deßhalb auch wird sein Buch von hoher Wirkung sein, um manches Vorurtheil zu zerstreuen. Der Vers, steht in großem Ansehn bei den Koryphäen des deutschen Liberalismus, er ist ein sehr thatiger Mitarbeiter des Staats-Lexikons. Er spricht sich unbedingt für die Emanzipation der Juden aus, und will sie ausdrücklich von keiner religiösen Ansicht abhängig gemacht wissen. Wir scheiden somit von unserm Vers, mit der tiefsten Achtung und dem aufrichtigsten Wunsche, daß recht viele unserer Glaubensgenossen sein treffliches Werk lesen möchten. Es ist ein „Supplement zu allen Werken über Weltgeschichichte," welchen zweiten Titel es auch führt, und sollte daher in keiner Bibliothek fehlen. — Der billige Preis des-Werkes und die schöne Ausstattung werden auch dazu beitragen. Dr. Elias Grünebaum, Bezirks - Rabbiner. Aus Ungarn, im Dezember. (Privatmitth.) Beleuchtung der ungarischen Broschüre: - Anspruchlose, vom religiösen Standpunkte ausgehende Ansichten, über die Emanzipation der Juden in Ungarn von Dr. G.... (Güns, Druck bei Reichard, 1843). Gedenkend der frommbegeisterten, in Recht erglühten und weisedurchdachten Aeußerungen der wohtlöblichen Stände und Magnaten Ungarns, welche am Reichstage 1840, die Emanzipation der Juden als Sache des Rechts, der Billigkeit und der Sühne beschlossen — haben die Israeliten Ungarns es nicht erwartet, daß ihre Angelegenheit, von Seite Ungarns, noch einer Frage unterläge. Ist Ungarn seit 3 Jahren ein Anderes worden? Ist in den Adern seiner Edeln das für Menschenrechte heißerglühete Blut so schnell erkaltet? Haben ihre Herzen für Edelsinn und Tugend keinen Raum mehr? — Sind die gewordenen Israeliten weniger jener Worte der Wahrheit, und des Rechts würdig, als es die frühem Juden waren? Haben sie sich der Paar Rechte nicht würdig gezeigt, die ihnen im Gesetzbuchs zuerkannt wurden? — Und doch gab es am 10. Oktober dieses Jahres in einer Zirkularsitzung der wohllöblichen Stände neue Debatten über jüdische Angelegenheiten. Der kleingeistige Eigennutz wurde neuerdings in den Mantel politischer Vorsicht gehüllt, die langst entfernte Galle des Judenhasses wurde neuerdings auf den Tisch gebracht; aber nur um neuerdings von den Löwen Ungarns besiegt zu werden—um neuerdings dem Rechte und der Wahrheit einen Triumph zu bereiten. — Eine Ueberzahl stimmte für die Judensache. — Aber die Feinde Israels haben noch 'einen Ausweg, da sie dort, wo sie gezählt werden, nichts ausrichten, so wenden sie sich in Flugschriften an das leichtberedete Volk — an den, für alles Gedrückte Achtung hegenden Bürger, sprechen von religiösen Ansichten, um so sicherer die frommen und ruhigen, schlichten Gemüther zu bestechen. — Nun gut — ihr flüchtet euch dorthin, wo ihr nicht gezählt werdet, so lasset eure Worte wägen, sehen, ob euer hohles Wortgepränge und gefährliches Gezische, der Wahrheit das Gleichgewicht zu halten im Stande ist.- Herr Dr. G...., Verfasser einer solchen ungarischen Broschüre, deren Beleuchtung wir uns zur Aufgabe gemacht, beantwortet in derselben vier Fragen: Erstens, WaS für eine Nation ist die jüdische, und welche sind die Eigenschaften, die sie von anderen Nationen auszeichnen? — Zweitens, Worin bestünde ihre Einbürgerung? — Drittens, Ist sie ausführbar und möglich? —- Viertens, Wenn sie wirklich zu Stande käme, was müßte früher oder später daraus entstehen? — In einer Zeit, wo in Deutschland, von den größten christlichen Staatsmännern und Gelehrten so viel Großartiges für Judenemanzipation geschrieben wurde — in einem Jahre, wo die rheinischen Stande für unsere gute Sache erschöpfend gesprochen und gestimmt — wo von den erleuchteten Rabbinen unserer Zeit so viel Vermittelndes, über unsere Religionsverhältnisse dem Staate gegenüber, gehört und gelesen wird — ist es einem, der deutschen Sprache unkundigen Ungar unverzeihlich, ohne Kenntnkß der neuern jüdischen Literatur über jüdische Angelegenheiten zu schreiben — und ohne mit jüdischen