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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-01-15 · Heft 3 (15.1.1844) · p. Seite 35

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 3 (15.1.1844)
Date
1844-01-15
Page
Seite 35 (sequence 11)
Language
German
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35 Ligten schon manchen schonen Funken geweckt, und glauben wir, daß unsere Wahl eine recht glückliche war. Literarische Nachrichten. Landau in der Pfalz, 23. Dezember, [©cs schichte.^ Geschichte der Menschheit und der Kultur. Von G. F. Kolb. (Schluß.) Ueber die Trefflichkeit des Werkes im Allgemeinen können wir um so kürzer sein, als der Name des Verfaffers, der bereits durch mehre ausgezeichnete Werke — wir nennen hier nur seine: Darstellungder französischen Gesetzgebung von 1787—1813. Speier, Neidhard 1834 und 1836, und sein Leben Napoleons — bei der deutschen Nation einen guten Klang hat, für die Tüchtigkeit des Werkes bürgt, und die Beurtheilungen, unter welchen wir nur auf die von vr. Dieffenbach in der Didaskalia aufmerksam machen, nur Eine Stimme darüber an den Tag legen. Das Prinzip und zugleich das Ziel des Verf. ist, gleichsam den geistigen Gehalt unserer Meffiaslehre: das fortwährende, immer mehr der Vollendung entgegengehende Fortschreiten der Menschheit ohne Ausnahme zum Bessern und Edlern durch die ganze Geschichte nachzuweisen. Von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet werden wir ihm gerne Einzelnes, bei welchem wir ihm unsere Zustimmung versagen muffen, und selbst das in vieler Beziehung ungünstige Urtheil über die alttestamentliche Verfassung zu Gute halten. Uns geht in Bezug auf das Leben vor Allem die Gegenwart an, und dem humanen Beurtheiler der Gegenwart lassen wir gerne seine historische Ansicht über die Vergangenheit. Doch hatte sich der Verf. über Manches, wie darüber, daß der alttestamentliche Gott nur als der Gott der Juden erscheine, so wie daß er nicht als gütiger Vater, sondern meistens zürnend und Rache nehmend geschildert werde, eine Ansicht, die er wahrscheinlich aus der von ihm zitirten Abhandlung in dem Staatslexikon: Hebräer und h. Schr. das A. T. vom Kirchenrath Paulus, die wir zwar nicht gelesen, geschöpft hat, aus vielen neueren Schriften eines Andern belehren können *). Desto unbefangener zeigt *) Wir verweisen den Herrn Verf. auf unsere Abhandlung: „der Grundzug der Liebe im Judenthume,^ Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie von 0r. sich der Verf. bei Beurtheilung der spateren religiösen Verhältnisse der Juden, und findet er auf diese Weise freilich auch hier eine Stütze für sein System des ewigen Fortsschritts der Menschheit. Zwar ziemt es uns nicht, gerade hierauf naher einzugehn, da sie einer Abhandlung des Unterzeichneten selbst großentheils entnommen ist. Wenn aber ein christlicher Schriftsteller, statt aus den freilich getrübten, aber leider! noch immer so oft beliebten Quellen im Eisenmenger, Schudt und Konsorten zu schöpfen, sich an einen Israeliten selbst wendet, um sich über die ihm unzugänglichen Religionsquellen der Israeliten zu belehren, so ist dies gewiß kein kleiner Beweis von Vorurtheitslosigkeit und äcyter Wahrheitsliebe. Noch mehr aber muß uns dieses klar werden, wenn wir diejenigen Passagen über die Juden lesen, wo der Verf. selbst aus eigenem Quellenstudium sein Urtheil sich bildete. Wir heben deshalb aus der zweiten Abtheilung das Kapitel: Judenverfolgungen S. 255 ff. besonders hervor, und erlauben uns, folgende Stelle zum Beweise des Geistes, in welchem der Verf. schreibt, hier mitzutheilen: „Mit den Kreuzzügen, heißt es S. 255 — mit jenem Ereignisse, von dem selbst ausgezeichnete Geschichtschreiber eine Regenerirung der Kultur herzudatiren versuchen! — begann der Fanatismus der in Unwissenheit und Aberglauben herangezogenen, vurch Zeloten aller Art immer auf's Neue entflammten Christen gegen jene unglücklichen Menschen einen der abscheulichsten und martervollsten Vertilgungskrlege, von denen die ganze Geschichte erzählt. Europa, die ganze gebildete Menschheit fühlt sich mit Recht empört bei dem Gedanken an die Bartholomäusnacht. Die Juden aber hatten solche Verfolgungen ein halbes Jahrtausend lang und zwar in allen Ländern Europa's zu erdulden! Die unsinnigste Anschuldigung des ersten besten Fanatikers oder Verbrechers genügte immer wieder, den Vectilgungskrieg auf's Neue wider sie anzusachen. Bald sollten sie Christenkinder insgeheim abgeschlachtet, bald Hostien verunreinigt haben; entstand eine Feuersbrunst, oeren Ursache man nicht entdeckte, oder die vielleicht gar ein verbrecherischer Fanatiker absichtlich angelegt hatte, so mußten sie und zwar immer in Masse und ohne Ausnahme die Urheber sein; brach eine ansteckende Krankheit aus, so mußten sie die Brunnen vergiftet haben u. s. f. Vom Abraham Geiger II. Band S. 285. III. Band S. 59 und S. 180 ff.

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