Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 38 (15.9.1885)
- Date
- 1885-09-15
- Page
- Seite 613 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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613 stichen fürchterlich zugerichtet, sein Gesicht bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet und sein Körper mit zahllosen Wunden bedeckt. In eben so unmenschlicher Weise sind die Angehörigen Roller's gemordet worden. Die Wütheriche plünderten sodann sämmtliche in der Wohnung des Schankwirthes befindlichen Werthgegenslände. Bon der Familie Roller's blieben nur noch ein 6 Monate altes Kind und zwei Mädchen im Alter von 10 und 13 Jahren am Leben. Während des grauenhaften Masiacres hatten sie sich in den Betten unter Polstern und Decken versteckt. Auf Grund der Schilderungen der geretteten Kinder wurden vier Bauern, die in den benachbarten Dörfern ihren Wohnsitz haben, als der That verdächtig festgenommen. Bonn, 7. Sept. (Notizen.) Man schreibt aus Berlin- Ein in Berlin auch in weiteren Kreisen, besonders aber in den nordöstlichen Theilen Berlins durch seine gemeinnützigen Bestrebungen .und seine eifrige Vereinsthätigkeit bekannter Mann, der Landschaftsmaler I. Munk, ein Bruder des bekannten schon vor ihm verstorbenen gelehrten Brüderpaares, des Philologen und Literarhistorikers Eduard Munk und louie immer ansehnlicher. Viele zeichnen sich in jedem Zweige der Industrie aus; zwei Generäle jüdischer Religion befinden sich in der aktiven Armee. Pest, 26. Aug. (Literarische Notizen.) Jahresberichte öffentlicher Unterrichtsanstalten werden gewöhnlich nach einer und derselben Schablone zusammengestellt; sie enthalten in der Regel die üblichen statistischen Daten und zuweilen irgend eine gelehrte Abhandlung oder einen Artikel, welcher von der Handhabung irgend einer Schuldisciplin handelt. Ganz anders ist der „Bericht der ungarisch-israelischen Landes-Lehrer-Bildungsanstalt pro 1867 8—1884/5" (Az orszagos izraelita tanitokepzö intezet ertesitü), welcher in diesen Tagen in ungarischer Sprache erschienen ist (Budapest 1885) und Hrn. Heinrich Deutsch, den Dircctor der Anstalt, zum Verfasser hat. Der Bericht enthält die ganze Entwickelungsgeschichte der Anstalt, besonders die mit seltener Sachkenntniß ausgearbeiteten tabellarischen Ausweise, den detaillirten Lehrplan, die Stundeneintheilung u. a. m., was von der gesammten geistigen Thätigkeit dieser Musteranstalt, aus der in dem Zeitraum von siebzehn Jahren nicht lveniger des Orientalisten Salomon Munk, wurde am 2. September als 3089 Lehrer hervorgegangen sind, ein ebenso lebendiges zur letzten Ruhe bestattet. Der Verstorbene war wegen seines treuherzigen braven Charakters, seines empfänglichen Sinnes für alle gemeinnützigen Bestrebungen und seiner nie rastenden Thätigkeit und Bereitwilligkeit, mit Rath -und That für sie einzutreten, eine weithin geachtete und beliebte Persönlichkeit. Der Kommune hat er lange Jahre hindurch in den verschiedensten Aemtern seine Dienste gewidmet. Der Stadtv. Haeseke hielt an seinem Sarge eine zu Herzen gehende Ansprache, in der er die Bürgertugenden des Entschlafenen ehrte. Deputationen zahlreicher Vereine gaben ihm das letzte Geleit, und eine große Anzahl von Freunden und Leidttagenden umstanden seine Ruhestätte und legten reiche Blumenspenden auf das als farbenreiches Bild liefert. Dem Berichte voran geht ein sehr schätzbarer Beittag zur Geschichte des erziehlichen Unterrichts „Die Methodologie der Mischna (777171 p:p p-*>). Diejenigen welche für die Weisen des Talmud nichts als Schmähung und Lästerung haben, können aus dieser Abhandlung erfahren, daß alle die leitenden Grundsätze und Normen der heutigen Pädogik sich, wenn auch in prägnanter Kürze, schon in der vor mehr als anderthalb Jahrtausende edirten Mischna verzeichnet finden. Schade daß dieser 131 Seiten umsassende Bericht nicht auch den Fachmännern anderer Zunge zugänglich gemacht wurde. Möge Hr. Director Deutsch, der sich um die, seit siebzehn Jahren von ihm geleitete israel. Grab. Die liberale Partei verliert in ihm einen tteuen, nie j Landes Lehrerbildungsanstalt, sowie um das Unterrichtswesen wankenden Anhänger. - In Sansibar wohnen gegenwärtig i im Allgemeinen, bleibende Verdienste erworben hat, zum 20 Juden, 7 Europäer, 10 Beni-Jsrael aus Indien und 3 Frommen der jüdischen Schule seine segensreiche Thätigkeit aus Aden. — In der Stadt Mexico wird die jüdische Co-j noch lange in ungeschwächter Kraft fortsetzen. X H. Ieuilleton. Enuuerunzru gesetzes u. s. w. Am äußersten Flügel dieser Reformer stand Samuel Holdheim, eine eindrucksvolle Erscheinung, groß und Vziemlich stark, mit bleichem intelligentem Gesichte, etwas kleinen Die Braunfchweiger Rabbinerversammlung (1844) hat ausdrucksvollen Augen, aus welchen bisweilen recht viel Schalkin ihrem Verlaufe einen sehr gemäßigt reformistischen Standheit herausschaute. Er war beredt; seine Rede stets knapp Punkt eingenommen, und nur erst in den Anttägen für die; und präzise, seine Gedanken aussprechend, stets schlagfertig, zukünftigen Versammlungen bekundete sich der weitgehende um dem Gegner siegreich zu antworten. Sein Organ war reformistische Sinn der Majorität. Man dachte an eine volle ansprechend, aber sehr schwach, so daß an seinen Predigten Umgestaltung des Gottesdienstes, des Eherechtes, des Sabbathnur diejenigen Geschmack finden konnten, welche den geist-