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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-01-13 · Heft 3 (13.1.1885) · p. Seite 39

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 3 (13.1.1885)
Date
1885-01-13
Page
Seite 39 (sequence 7)
Language
German
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39 neue Ordnung der Abgaben für den Tempel. Zum Schlüsse Culturströmung ergriffen wurde, dieser nicht zu widerstehen zeigte der Vortragende, wie jener Geist, welcher Esra bevermochte, wie sich das auch in der Gegenwart überall da herrschte, in manchen Epochen der Geschichte heilsam gewirkt, zeigt, wo das Judenthum von der modernen Bildung durchwie er aber da, wo das Judenthum von einer mächtigen tränkt wird. 9 Deutschland. Berlin, 30. Dez. (Privatmitth.) Der Beschluß des Reichstages vom 1ö. d. wegen Streichung der für das auswärtige Amt gestellten Mehrforderung von 20l)00 M. hat bekanntlich in vielen Kreisen großes Mißfallen geweckt. Diese Aufregung wollten auch die hiesigen Antisemiten benutzen, um sich bemerklich zu machen und veranstalteten am 27 d. zwei Versammlungen, die eine des „Antisemitenbundes" auf der Bockbrauerei, die andere des „Deutschen Volksvereins" auf Tivoli. In der ersteren präsidirte Pickenbach und Henrici redete; in der anderen präsidirte Liebermann v. Sonneberg und Paul Förster und Ernst Müller hielten die Reden. Diese Leute waren in der Wahlbewegung durch die Größen Stöcker, Wagner und Cremer völlig zurückgedrängt worden, und wollten sich auch einmal wieder sehen laffen. Es versteht sich von selbst, daß in beiden Versammlungen die Juden als Urheber und Träger jenes Beschluffes angeklagt wurden!! In der ersten derselben waren die Antisemiten „ganz unter sich" und Alles verlief nach der Schablone. In der zweiten dagegen hatten sich auch Sozialdemokraten, wenn auch nicht in großer Anzahl, eingefunden, und nun entstand ein fortgesetzter Tumult mit gewaltigen Schlägereien, so daß sich die Polizeimannschaft zwischen die Kämpfenden werfen mußte. Nach und nach wurden die widersprechenden Sozialdemokraten hinausgeworfen, und da bei alledem die Versammlung polizeilich nicht aufgelöst wurde, konnte sie zu Ende geführt werden. — Das Buch des Herrn Eduard v. Hartmann hat lange nicht das Auffehen erregt, welches er beabsichtigt und erhofft batte. Schließlich findet man darin nur was die Antisemitenpreffe schon hundertmal gesagt hat. Neu darin ist nur das Bemühen Hartmanns, die „Wortführer des Judenthums" anzuschwärzen und mit den Juden selbst in Zwiespalt zu bringen. Man ersieht daraus, daß sich der einsame „Philosoph" mit seiner Phantasie das Bilv einer wohlorganisirten politischen Körperschaft . züsammenconstruirt hat, das er Judenthum nennt, und in welcher es von großem Effekte wäre, wenn man die Juden von ihren Wortführern trennen könnte. Wir brauchen nicht zu bemerken, welch' leerer Dunst dies Alles ist. Wenn jemand zur Verteidigung des Judenthums und der Juden auftritt, so kommt es darauf an wie weit ihm dies gelang, um einen großen Leserkreis zu erlangen. Sein Einfluß besteht lediglich in der Güte der Gründe und in dem zutreffenden Ausdruck. Damit ist er zu Ende, und spielt weiter keine Rolle. Aber die Gegner wollen hiervon nichts wiffen, weil sie eben, um sie angreifen zu können, die Juden als eine eompaete und festorganisirte Maffe betrachten wollen. — Die Anschauungen selbst freisinniger Blätter charakterisirt es, daß ein Rückblick auf die Nekrologie des Jahres 1864 in der „Voff. Ztg.", in welchem die Verstorbenen als Fürstliche und hochadlige Personen, als Theologen, höhere Militärs und Beamte abgetheilt sind, die Rabbinen nicht unter die Theologen gerechnet werden, und z. B. der Herzog!. Braunschw. Landesrabbiner Dr. Levi Herzfeld unter den „Gelehrten und Schriftstellern" aufgeführt wird. Es ist dies natürlich gleichgültig, aber bezeichnend. Der Herzogl. Bernb. Landesrabbiner Dr. Herxheimer bleibt unerwähnt. Berlin, 4. Januar. Es lag nahe, daß die Gegner zu Neujahr, ehe die Wiederwahl des Dr. Straßmann zum Stadtverordnetenvorsteher vor sich ginge, möglichst weitreichende Jntriguen einleiten würden. Diesen sollte jedoch die Spitze abgebrochen werden. Eine Deputation von Stadtverordneten, bestehend aus dem stellvertretenden Stadtverordneten-Borsteher Büchtemann und den Stadtverordneten Dr. Stryck, Dr. Kürten, Spinola, Salze und vr. Horwitz überreichte gestern Mittag dem Stadtverordneten-Borsteher Dr. Straßmann die nachstehende, von 104 Stadtverordneten Unterzeichnete Adresse: „Berlin, den 31. Dezember 1884. Hochverehrtester Herr Vorsteher! Gegenüber den bedauerlichen Angriffen, die vor Kurzem in einer Anzahl öffentlicher Blätter gegen Ihre Amtsführung gerichtet worden sind, fühlen wir uns gedrungen, dem Gefühl des Vertrauens, der Dankbarkeit und Verehrung Ausdruck zu geben, welche Ihrer hingebenden und für das i Wohl des städtischen Gemeinwesens erfolgreichen Thätigkeit gebührt. Wir beklagen es lebhaft, daß Ihre Zuverlässigkeit und Pflichttreue auch nur von Einzelnen in mißverständlicher Deutung in Frage gestellt werden konnte und daß Meinungs-; Verschiedenheiten, die nur im Schooße der Versammlung zum! Austrage gelangen dürfen, in einseitiger Auffaffung und

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