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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1885-01-13 · Heft 3 (13.1.1885) · p. Seite 40

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
49 (1885)
Issue
Heft 3 (13.1.1885)
Date
1885-01-13
Page
Seite 40 (sequence 8)
Language
German
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40 tendenziöser Färbung durch die Presse zum Ausdruck gebracht wurden. Eine Genugthuung für diese Unbill möge Ihnen, verehrter, durch die lebhafte Anerkennung aller derer zu Theil werden, die in halbjähriger, gemeinsamer Wirksamkeit mit Ihnen zum Wohle der Kommune Ihre Wahrhaftigkeit, Treue und Hingebung kennen und würdigen zu lernen Gelegenheit gehabt haben. Mögen Sie auch ferner ausharren in der fruchtbringenden Thätigkeit, auf dem hervorragenden Platze, wohin Sie das Vertrauen Ihrer Collegen in so gewichtiger Weise seit einer langen Reihe von Jahren wiederholentlich berufen hat! In aufrichtiger Verehrung: Die Stadtverordneten. (Folgen 104 Unterschriften.) — Die Sylvesternacht ist hier sehr ruhig verlaufen; von antisemitischen Kundgebungen diesmal keine Spur. Darmstadt, im Dezember. (Privatmitth.) Es ist als eine recht erfreuliche Thatsache zu verzeichnen, daß selbst in kleinen jüdischen Landgemeinden, wo man noch den überlieferten Satzungen und Bräuchen mit gewissenhafter Treue anhangt, man in jüngster Zeit bestrebt ist, manchem heiligen Brauche die veraltete Mißgestalt abzunehmen, ihn in ein modernes Gewand zu kleiden und auf diese Weise dem Sinne für Anstand Sowohl seitens der Juden wie der Christen wurde diese Neuerung mit Beifall ausgenommen, und bereitet den dortigen Israeliten desto mehr Ehre, als, wie man hört, die meisten nicht zu den Reichen gezählt werden können, aber sich dennoch bereit fanden, dem Fortschritt dieses Geldopfer zu bringen. — Es giebt allerdings noch viel Orthodoxe, die in solcher Neuerung eine Nachahmung fremder Sitten erblicken und sie daher für unerlaubt halten. Aber möchten sie doch des Ausspruches des Talmuds eingedenk sein, daß die Israeliten zwar die fremden thörichten Sitten meiden, dahingegen die vernünftigen und löblichen nachahmen sollen. Und man wird doch wahrlich die Sitte, die Todtenbestattung in einer schönen anständigen Form zu verrichten und dadurch ihr Ansehen und ihre Werthschätzung zu erhöhen, zu den löblichen rechnen müssen! Am Grabe des verstorbenen Salomon Montag hielt Rabbiner Or. Landsberger eine ergreifende Rede; während des Leichenzuges läuteten die Glocken der Kirche. Fürth, 2. Januar. (Privatmitth.) Anläßlich des Neujahrsfestes hat Se. Majestät der König von Bayern folgenden Glaubensgenossen das Ritterkreuz erster Klasse des Verdienst¬ und Schicklichkeit Rechnung zu tragen. Ein Beispiel hierzu; ordens vom h. Michael zu verleihen geruht: Herrn Landtagslieferten dieser Tage die kleinen jüdischen Gemeinden Wolfs-! abgeordnetenRechtsanwaltW. FrankenburgerinNürnberg,Herrn kehlen, Goddelau und Erfelden. In der Provinz Starken-! Professor Dr. Rosenthal in Erlangen, Herrn Oberstabsarzt bürg bestehen nämlich ungefähr 5 bis 6 israel. Friedhofsveri erster Klaffe Dr. Neuhöfer in München. Prof. Dr. Rosenbände, von welchen an manchem 10 bis 15 oder gar noch mehr Landgemeinden participiren, und von diesen liegen die meisten stundenweit von dem gemeinschaftlichen Begräbnißplatze entfeint. Tritt in einer solchen Gemeinde ein Todesfall ein, fo wird der Verstorbene, nachdem sein Tod vom Arzte constatirt und die Erlaubniß, ihn zu begraben, ertheilt worden ist, in einen Sarg (Oron) gelegt, dieser auf einen Wagen geladen und unter Begleitung der Verwandten, Freunde, Glaubensgenossen rc. bis zum Begräbnißplatze gefahren und daselbst begraben. Dieser Wagen besteht gewöhnlich in einem sogen. Leiterwagen, manchmal aber auch in thal wurde bekanntlich bei der letzten Rektoratswahl übergangen. obschon der Turnus seine Wahl erforderte. Dr. Frankenburger hat sich als Landtagsabgeordneter — eine Zeit lang war er auch Mitglied des deutschen Reichstages, nahm aber kein Mandat für diesen wieder an — viele Verdienste erworben, und haben wir hervorzuheben, daß er auch für seine Glaubensgenossen stets eifrig eintrat. Ihm ist die Aufbesserung der Gehälter der Rabbinen aus Staatsmitteln und die Aufhebung des lästigen Judenzolles an die Kirchen zu verdanken. Marienburg, 30. Dezember. (Danz. Zig.) „Der langeinem Mistwagen. Eine Leiche, auf einen solchen Wagen j jährige unbesoldete Beigeordnete unserer Stadt, Herr Kaufgestellt, bietet wahrlich einen ganz widerlichen Anblick dar, der noch vergrößert wird, wenn dieselbe stundenlang im Regenwetter transportirt wird. Da haben sich denn jüngstens die oben erwähnten 3 Gemeinden, deren gemeinschaftlicher Begräbnißplatz bei dem Kreisstädtchen Großgerau liegt, zusammengeschaart, aus eigenen Mitteln die erforderliche Summe Geldes aufgebracht, und mit dieser einen bedeckten, mit schwarzem Tuche überzogenen Todtenwagen sowie auch einen schwarzen Anzug für den Fuhrmann angekauft. Herr M. Sternfels aus Erfelden bewilligte überdies 2 schwarze Decken für die Pferde. Und am Sonntag den 21. d. M. wurde der erste Todte, Salomon Montag aus Goddelau, in dieser modernen Bestattungsart zu Grabe gebracht. mann I. Katz, ist jetzt bei seiner Wiederwahl, nachdem er das Amt ca. 24 Jahre mit großer Umsicht verwaltet hat, von der königlichen Regierung in Danzig nicht bestätigt worden. Herr Katz ist ein in allen Kreisen der Bürgerschaft geachteter Mann von ebenso großer Tüchtigkeit als gemäßigter und humaner Gesinnung. Freilich gehört er der liberalen Partei an, und wohl nur dieser Umstand giebt eine Erklärung für die auffällige Versagung der Bestätigung für das von ihm bisher so hingebend verwaltete Ehrenamt." Hierzu erschien folgende Erklärung: „Die politische Richtung des Herrn Katz ist bei der Beschlußfassung des Bezirks-Ausschusses, dessen Zustimmung es gegenwärtig zur Nichtbestätigung der Wahl eines Ma-

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