Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 49 (1885)
- Issue
- Heft 3 (13.1.1885)
- Date
- 1885-01-13
- Page
- Seite 38 (sequence 6)
- Language
- German
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SS stellung dessen, was über das Chazarenreich bekannt ist, und | Der Redner zeigte in recht anschaulicher Weise, wie das was davon von den Kritikern als historisch begründet be- Princip des Esra, das während der ganzen Entwickelung des trachtet wird. Es war in der ersten Hälfte des 10. Jahr- Rabbinismus herrschend blieb, sich durch die Verhältnisse seiner Hunderts, als der an der Spitze der Staatsleitung zu Cordova Zeit erklären läßt. Dasselbe definirte er als die Tendenz, stehende jüdische Minister Abu Jussuf Chisdai ben Schaprut, die Gemeinde Israels durch die Klammer des Gesetzes fest der durch Reisende erfahren hatte, daß im fernen Osten dos zusammen- und von der umgebenden Welt abzuschließen. Reich der Chazaren von einem jüdischen Könige beherrscht Die Nothwendigkeit dieses Princips ergab sich aus der Winzigwerde, einen Brief durch Boten an diesen König sandte, in keit der neuen Ansiedlung in Palästina und aus dem zu welchem er ihn um Nachrichten über das Reich, die Völker Tage getretenen, raschen inneren Verfalle derselben während und die ganzen dortigen Verhältnisse ersuchte. Der Brief der vorangegangenen Jahrzehnte in Folge der freundschaftligelangte wirklich in die Hände Joseph's, des regierenden chen Annäherung an die heidnische Umgebung. Durchführbar Königs der Chazaren, und dieser beantwortete ihn in einem aber wurde dieses Princip, weil die heidnischen Nachbarvölker ausführlichen Schreiben. Nachdem er über die frühere Geweder durch allgemeine Cultur, noch durch Gesittung den Juschichte der Chazaren Mittheilungen gemacht, erzählte er von den irgendwie imponirten, diese vielmehr mit Recht ein Gefühl dem verständigen und gerechten Könige Bulan, welcher, sowie der Superiorität über jene hegen konnten. Der Redner zeigte, seine Fürsten, Diener und das ganze Volk sich zum jüdischen wie Esra, diesem Grundsätze folgend, über das mosaische Ge- Glauben bekannten. Die Fürsten von Byzanz und Arabien setz hinausging, das, soweit es überhaupt zur Geltung gehalten zu ihm Weise geschickt, welche ihn bekehren sollten. Der König ließ auch einen gelehrten Juden kommen und alle drei mit einander disputiren. Da keiner den anderen überzeugte, so befragte der König am anderen Tage den Bertheidiger des Christenthums, ob er dem Islam oder dem Judenthume den Vorzug gebe. Dieser erklärte sich entschieden für das letztere, da es auch die Grundlage des Christenthums sei. Nun befragte er ebenso den Jslamiten, und dieser entschied sich für das Judenthum und gegen das Christenthum. Der König ließ nun alle drei vor sich erscheinen und össentbracht werden sollte, auch nur allmälig in die Praxis eingeführt wurde. Eingehend behandelte er die rigorose Maßregel der Ausstoßung der Frauen von nichtjüdischer Herkunft und ihrer Kinder aus der Gemeinde, ein Verfahren, das eben die Consequenz jenes Grundsatzes war, sich aber durch das mosaische Gesetz nicht begründen ließ. Auch auf das Buch Ruth ging der Redner näher ein, das ja bekanntermaßen die Kämpfe jener Zeit wiederspiegelt, er wies auf den Umstand hin, daß als Grund der Auswanderung i der judäischen Familie die in ihrer Heimath herrschende lich ihre Aussprüche wiederholen. In diesem Umstande fand! Hungersnoth angegeben wird, die sich doch jedenfalls auch er, der sich bereits zum jüdischen Glauben bekannt hatte, eine Bestätigung seiner Gesinnung, und nun folgte auf Bnlan eine ganze Reihe jüdischer Könige mit biblischen Namen, die sich durch fromme Werke und durch musterhafte Duldsamkeit auszeichneten, da unter ihrem Scepter Juden, Christen und Mohamedaner in größter Eintracht mit einander lebten. — auf das benachbarte Moabiterland erstreckt haben müsse. Hier fanden also die ihren Unterhalt, die zu Hause darben mußten, ein Beweis, daß schon damals bei jenen ostjordanischen Völkerschaften die gehässige Gesinnung nicht mehr existirte, um derentwillen die Verschwägerung mit ihnen für zehn Generationen untersagt wurde, und die sich darin bekundet haben Diesen durch die beiden Schriftstücke verbürgten Vorgang j sollte, daß jene Völker den Israeliten, als sie ihren Grenzen griss Juda ha-Levi, obschon damals das Reich der Chazaren > nahten, nicht mit Brot und Wasser entgegenkamen. Ferner bereits über ein Jahrhundert den anstürmenden Russen erlegen > ist es nicht ohne Bedeutung, daß in jener Erzählung die war, aus, um seinem Werke die Form zu geben, die er für; alte Sitte der Leviratsehe eine so große Rolle spielt, da ja dasselbe als die angemessenste hielt, und die ihm in so glän-! gerade in dieser Sitte eine starke Pietät gegen die Frauen zender Weise gelang, daß Herder sie über die der Gespräche1 zum Ausdruck gelangt, die ihnen von Seiten der Familie, in Platons setzte und sich in seinem berühmten Werke über die j die sie geheirathet haben, erwiesen werden soll. Eine besonhebräische Poesie zum Vorbild nahm. Dies zur Empfehlung! dere Aufmerksamkeit wandte dann der Redner dem achten der vorliegenden Arbeit für den Leserkreis, der das Werk des! Capitel des Nehemiah zu, in welchem er das erste Beispiel unsterblichen Juda Ha-Levi noch nicht kennt. — | einer Kenesseth hagdolah erkennt. Eine förmliche Beschluß- H am bürg im December. In dem hiesigen Verein für fassung schien dann erforderlich, wenn man Festsetzungen traf, Vorlesungen aus dem Gebiete der Wissenschaft des Juden- ■ die nicht durchaus den mosaischen Vorschriften entsprachen, thums hielt der hiesige Prediger am israelitischen Tempel Der Art waren die vier aus jener Versammlung hervorge- Herr vr. H. Jonas neulich einen Vortrag über Esra, der gangenen Beschlüsse, nämlich das absolute Verbot, am Sabbath sich an zwei von ihm im vorigen Winter über die Propheten von Heiden etwas zu kaufen, ferner die Aufhebung der Feldgehaltenen Vorträge anschloß. brache im Erlaßjahre und endlich eine in vielen Punkten 9