Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1883)
- Date
- 1883-09-11
- Page
- Seite 605 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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605 stimmig zum Prediger der dortigen Synagogengemeinde gewählt worden ist. — Aus P-osen schreibt man uns, daß am 28. August der ehrwürdige Prediger S. istleßner nach! vierzigjähriger Thätigkeit in der dortigen Gemeinde im! 87. Lebensjahre nach kurzem Krankenlager verschieden ist.' Die außergewöhnliche Theilnahme, welche das Hinscheiden! dieses wahrhaft frommen und für die Religion begeisterten! Mannes erweckte, bekundete sich in dem Leichenbegängniß,! bei welchem alle in hiesiger Gemeinde vorhandenen religiösen! Schattirungen vertreten waren. An seiner Bahre sprachen Rabbiner Dr. Feilchenfeld; der Sohn des Verstorbenen, Dr. Elias Ptcßner, Rabbiner zu Rogasen; Dr. Hildesheimer und! Dr. Berliner. —n.— (Sal. Pleßner entwickelte eine lebhafte literarische Thätigkeit in der Zeit von 1833 bis 1841. <5tnc ■ Uebersetzung eines Theiles der apokryphischen Bücher ins! Hebräische (1833), Belehrungen und Erbauungen in reli-! giösen Borträgen <1836), Die kostbare Perle oder das Gebet j in 13 Borträgen (1837), Trauungs- und Confirmationsreden! (1839), Festreden (1841), eine Religionslehre (1838). Der-! selbe, in Breslau geboren, war niemals von einer Gemeinde; angestellt, aber seine Thätigkeit als Kanzelredner und Psalmen-! ausleger fand in Breslau, Berlin, und zuletzt in Posen stets! einen großen Anklang, da er mit seiner streng orthodoxen Richtung ein tiefes Gemüth, eine glühende Begeisterung und exegetischen Scharfsinn verband. Redact.) — Aus Puchow in Ungarn meldet man uns den Tod des Rabbiners der dortigen Gemeinde, Samuel Deutschländer, in seinem 77. Lebensjahre. Derselbe war noch ein Schüler des sel. Moses Sofer, darauf in den dreißiger Jahren ein Hörer der Prager Universität. Er gründete in Batorkes, Totis und Puchow Schulen, denen er mit Eifer Vorstand. 1847 erschien von ihm eine deutsche Uebersetzung nebst hebräischem Commentar des Hohen Liedes, sowie er sich auch lange Zeit mit einer hebräischen Uebersetzung und Commentar der Nicomachischen Ethik des Aristoteles beschäftigte. Im Jahre 1848 bethätigte er sich als glühender ungarischer Patriot, was ihm noch lange Zeit Widerwärtigkeiten zuzog. Friede seinem Andenken! London, 28. Aug. (Literarische Notizen.) Shapira, der ein getaufter Jude ist, hat seine moabitischen Handschriften vor einiger Zeit auch der Königlichen Bibliothek in Berlin zum Kaufe angeboten. Es ward eine Commission unter dem Vorsitze des Professors Lepsius ernannt, welche nach anderthalbstündiger Prüfung im Hause des Professors Lepsius, während Shapira im Nebenzimmer wartete, die Handschriften einstimmig für Fälschungen erklärte. Zu diesem Entschlüsse gelangte die Commission einige Wochen vor der Veröffentlichung des Franzosen Clermont-Ganneau. Dr. Ginsburg, welcher vom britischen Museum mit der Prüfung der Shapiraschen Handschriften betraut worden war, hat nun auch sein Urtheil abgegeben. Dasselbe lautet gleichfalls auf Fälschung. Die Gründe, welche Dr. Ginsburg anführt, lassen keinen Zweifel darüber aufkommen, daß es sich in diesem Falle, ebenso wie mit den moabitischen Steinen, um einen äußerst rasfinirten Betrugsversuch handelt, bei dem die Gelehrsamkeit in die Dienste eines oder mehrerer Spitzbuben trat. Der Versuch ist jedoch trotz allen Aufwandes von Gelehrsamkeit mißglückt. Dr. Ginsburg weist den Betrug aus der Beschaffenheit des Schreibmaterials und aus dem Inhalte des Geschriebenen nach. Der Text selbst ist mit großem Geschick abgefaßt, allein der Berfaffer war nicht zugleich der Schreiber, und dies führte zu Jrrthümern, welche die Aufdeckung des Betruges verhältnißmäßig leicht und sicher machten. Er dictirte offenbar zwei Schreibern, die Juden aus Deutschland, Oesterreich oder Rußland waren, wo das hebräische Kaph und das gutturale Chet gleich ausgesprochen werden. Dadurch entstanden arge Jrrthümer; wenn es heißen sollte „der Herr gerieth in Zorn", so schrieben die Schreiber „der Herr beging Ehebruch", und andere derartige Schnitzer mehr. Ab und zu finden sich auch i Ausdrücke, die, im Vergleich zu der gebrauchten archaischen! Schrift, modern sind. Im ganzen glaubt Dr. Ginsburg, daß! nicht weniger als fünf Fälscher zusammen arbeiteten, um! dieses „2600 Jahre alte Manuscript" herzustellen, dessen! Entstehungsgeschichte jedenfalls weit interessanter sein würde I als sein gefälschter Inhalt. Jeuilleton. Eorresponden). Die erste Entlassungsfeier des amerikanischen Rabbiner-Seminars. Cincinnati, im Juli. Der 11. dieses Monats wird sicherlich in der Geschichte des amerikanischen Judenthums als ein denkwürdiger Tag verzeichnet werden, da an ihm die erste Entlastung von 4 im hiesigen Rabbiner-Seminar (Hebrew Union College) ausgebildeter Candidaten in feierlichster Weise stattfand. Die Verheißung: ~sd ms*' -yxo rrrr, scheint sich an diesem Seminar bewähren zu wollen. Als vor 8 Jahren das Präparatorium dieser Anstalt unter den Auspicien des amerikanischen Gemeindebundes von Herrn Rabbiner Dr. Wise eröffnet wurde, da ward das Unternehmen von allen Seiten i belächelt. Man erklärte es geradezu für unmöglich, hier in dem Lande des Materialismus eine solche Stätte zur Pflege jüdischer Wissenschaft und zur Heranbildung junger Rabbiner gründen zu wollen. Wer wird, so hieß es da, hier in Amerika Begeisterung und Opferwilligkeit für ein derartiges Unternehmen haben, um die erforderlichen Mittel herzugeben? 37*