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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-09-11 · Heft 37 (11.9.1883) · p. Seite 604

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 37 (11.9.1883)
Date
1883-09-11
Page
Seite 604 (sequence 10)
Language
German
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t ■:i y-, lli» i«! Q IN;!!»■ i:f ■ 604 Großbritannien. London, 26. Aug. Der „Times" wird aus Petersburg, 21. August geschrieben: Mit Bezug auf die Ausweisung eines englischen Juden aus Petersburg in voriger Woche ließ sich das britische Auswärtige Amt von seiner Botschaft Hierselbst auf telegraphischem Wege eine Erklärung erbitten und es wird jetzt ohne Zweifel über den ganzen Thatbestand vollkommen unterrichtet sein. Zu gleicher Zeit mit dem Vertreter der Herren Raphael Tuck u. Sons wurde auch ein amerikanischer Jude ausgewiesen und beide Herren reisten gestern zusammen nach Warschau, nachdem sie vier Tage in St. Petersburg zugebracht hatten. Die Ausweisung bestand wie üblich in solcben Fällen aus einem volizeilichen Bisa auf beiden Pässen mit dem einfachen Verbot, in St. Petersburg zu leben oder zu weilen. Hätten die beiden Reisenden das Anerbieten des britischen und amerikanischen Consuls, von dem Präfecten für sie die Begünstigung, ihre Geschäfte abzuwickeln, zu erbitten, angenommen, wie dies in fehlte, deren erster, von vr. Wiener-Braunsberg ausgebracht, unserem allverehrten Kaiser, galt. Straßburg, im August. Am 8. Juli hielt der Verein der jüdischen Vorbeter von Elsaß-Lothringen zu gegenseitiger Unterstützung seine Versammlung unter dem Borsitz des Vorbeters von Mülhausen. Die Gesellschaft besitzt bereits ein Capital von 5600 Mark, obschon sie erst seit fünf Jahren besteht. Sie zählt 80 Mitglieder außer den Ehrenmitgliedern , und besitzt bereits die Mittel, um ihre Mitglieder in Krankheitsfällen, sowie die Wittwen und Waisen zu unterstützen. So verspricht die Zukunft des Vereins eine segensreiche Wirksamkeit. Frankreich. Paris, im August. Wiederholt wurde auch in diesem Blatte berichtet, daß in Algerien, namentlich in Oran, sich eine feindliche Gesinnung gegen die Juden bemerkbar gemacht hat, die ihnen ihre bürgerliche Gleichstellung durch das bekannte Dekret der provisorischen Regierung nicht gönnt und sich wie in zahllosen Zeitungsartikeln, so auch jüngst in einem! dem Falle des Herrn Levisohn geschah, so hätten sie ohne Tumulte zu Tlemzeu Luft machte. Es geht dies selbstver-! Zweifel ihren Aufenthalt verlängern können. Beide Herren ständlich von der französischen Bevölkerung aus, da die ara-! lehnten es indeß ab, eine solche Gunst zu erbitten, wenn sie bische am öffentlichen Leben gar keinen Antheil nimmt.! dieselbe nicht als ein Recht verlangen konnten, und darum Wundert man sich nun, daß es Franzosen sind, welche der-! konnte nichts für sie gethan werden. Es kann nicht oft ge' artige Unduldsamkeit beweisen, so wird uns dies erklärlicher,! nug wiederholt werden, daß es Ausländern hebräischen wenn man die Beschaffenheit dieser französischen Bevölkerungj Glaubens, ebenso wie russischen Juden, nicht gestattet ist, in Algeriens näher kennen lernt. Ein von dem bekannten Herrn St. Petersburg oder Moskau zu wohnen. In dem gegen- Wilson, dem Schwiegersohn des Präsidenten der Republik gej wärtigen acuten Stadium der Judenftage in Rußland, die gründetes Blatt La Petite France enthielt jüngst einen Arnicht so sehr religiöser als ökonomischer Natur ist, ist sehr tikel, der folgendermaßen lautet: „Die ftanzösische Bevölkc-! wenig Aussicht auf eine Aufhebung dieses Verbots vorhanruug in Algerien taugt nichts. Rekrutirt aus den niedrigsten! den. Die Tausende von Juden, welche trotzdem hier und in Klaffen der Gesellschaft, zusammengesetzt in ihrem größten! Moskau leben, gehören augenscheinlich einer privilegirten Theile aus Bankerotteuren, von der Justiz Bestraften und Klaffe an. Sie sind entweder Kaufleute erster Gilde oder ähnlichen Subjecten, die dem Arme des Strafrichters ent- Commis solcher Kaufleute, oder sonst umgehen sie in gewischt sind, genießt sie die Achtung nicht, welche mit dem schickter Weise das Gesetz. (Man ersieht hieraus, daß die Namen „Franzose" verbunden sein sollte. Neben den Beenglische Regierung nicht gesonnen ist, oder sich nicht in der amten, welche der Dienst nach Algerien gerufen, und einigen Lage fühlt, durch etwaige Repressalien die russische Regie- Familien, die aus unsren braven Departements des Nordens rung zur Erfüllung der dessallsigen Bestimmungen des Han- und des Ostens gekommen, sieht man in der Colonie nur delsvertrages, die keinen Unterschied zwischen englischen Unterden Abschaum der Bevölkerung des Südens. Mit einem thanen jüdischer oder christlicher Religion kennen, zu zwingen. Worte, die französische Bevölkerung ist allzu oft arm an Ebenso wenig ist nach den gemachten Erfahrungen von der Redlichkeit und Arbeitslust." — Daß eine solche Bevölkerung amerikanischen Regierung etwas zu erwarten. Wenn es oben auf jedes Vorwärtskommen der jüdischen Bürger neidisch und heißt, daß die gegenwärtigen Judenverfolgungen in Rußland gehässig ist und gewiffenlos genug, um sie mit Schmähungen ökonomischer, nicht religiöser Natur seien, so fragen wir, ob und Verleumdungen zu verfolgen, kann nicht auffallen. das Verbot, daß jüdische Fabrikherren christliche Arbeiter be- — Die israelitische Jugend bestimmt sich noch immer schuftigen, mit den dazu gegebenen Motiven nicht religiöser selten zum Seedienst. Jüngst stellten sich drei junge Jsrae- Natur sind?) liten, und zwar sämmtlich Elsässer, zum Examen der See-! ---- schule: Ruef, Coblentz und Heymann. Sie bestanden die Bonn, 3. Septbr. (Notizen.) Aus Nordhausen Prüfung und erhielten das Zeugniß zur Zulaffung. itheilt man uns mit, daß Dr. Gelbhaus aus Carlstadt ein-

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