Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 17 (24.4.1883)
- Date
- 1883-04-24
- Page
- Seite 269 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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-.'SS i __ 269_ und angestrengt zu erweisen, daß das Judenthum von seinem den civilisirten Ländern auf gleicher Stufe standen, und doch Beginne an eine Fülle wahrhaft universeller Lehren und haben wir diesen Zeiten bis Mendelssohn eine so lange Principien verkündet und durch alle seine Phasen entwickelt Reihe ausgezeichneter Männer zu verdanken, hat, ja daß selbst in seinem Specialgesetz universelle Prin- Aus diesem Gesichtspunkte nun versucht unser Vers, die cipien enthalten seien, und daß es nur einer einfachen Untervon den Gegnern erhobenen Einwendungen zu widerlegen scheidung des Objektiven und des geschichtlich oder persönlich und den universellen Charakter des Judenthums nachzu- Subjectiven bedarf, um diese Wahrheit einzusehen. Dies weisen. Es ist dies immerhin eine recht dankenswerthe Armüffen wir Nachweisen, hinsichtlich der Bibel wie des Talbeit, die uns von dem Berf. bei größerer Reife viel Gutes muds; dadurch allein vermögen wir unsre Gegner zu enterwarten läßt. Und doch zeigt er auch hier eine gewisse waffnen, und darum berufen sich die jüdischen Schriftsteller, Einseitigkeit, welche seinen Vortrag nicht vor dem Borwurf aus denen Montefiore Stellen anführt, Schritt vor Schritt der Lückenhaftigkeit zu schützen scheint. Er stellt sich hier auf Bibel und Talmud, z. B. Löwenstein, Herxheimer und überall auf den Standpunkt zweier Extreme: die orthodoxe Feilchenfeld in ihren Katechismen, und ohne dies wären sie und die radikale Reform; das große Mittelgebiet, der fruchtgar nicht brauchbar. — Noch schädlicher würde die Ansicht barste Theil der modernen jüdischen Cultur und Literatur, M.'s für die Conlinuität im Judenthume sein. Eine Relientgeht ihm. Sehr gut zeichnet er. auf welche Weise die gion beruht wesentlich auf der ununterbrochenen Ueberliefeorthodoxe Partei den Universalismus herausstellt, ohne den rung durch die Generationen hindurch, auf dem Bestände Boden der nationalen Satzung und der specifischen Sitte auf- und der einheitlichen Entwickelung durch alle ihre Phasen, zugeben. Aber wie dürftig sind hier die Quellen. die er Hierin unterscheidet sie sich von einem philosophischen System, benutzt! Isaak Löwensteins längst vergessenes Confirmationsdas seinen Ursprung in einem einzigen Genius hat und kaum büchlein (Frankfurt 1842), Feilchenfeld's Katechismus und noch von dessen nächsten Jüngern eine weitere Entfaltung einige (englische) Vorträge und Reden Hermann Adler's. das erfährt; so abgeschlossen und vom nachfolgenden System überist Alles. Bon S. R. Hirsch's Arbeiten, von den bedeutenholt, wirkt es im Kreise der Wissenschaft literarisch fort, ohne den neu-hebräischen Schriften, welche der Osten Europas pro eiuen lebendigen Zusammenhang mit einer größeren Genossenducirt hat, keine Spur. Bon der anderen Seite, wie gesagt, schaft. Eine Religion, die sich als das Produkt einer einzinur der Maßstab der extremen Reformer und der Berliner gen Zeitepoche darstellt, insbesondere ein Judenthum nur der Reformgenossenschaft, welche letztere doch nur auf ihren engeu Gegenwart, würde geradezu in der Luft hängen. Was wäre Kreis beschränkt blieb, auf einen belebenden Einfluß im das Judenthum ohne seine große Geschichte, ohne die Fülle Judenthume verzichtet hat und so weit gegangen, aus ihrem denkwürdiger Erscheinungen, die in seinem Schoße entstanden Gebetbuche die Bezeichnung „heilige Schrift" entfernt zu und unentbehrliche Glieder seines großartigen Organismus haben. Unser Berf. beschränkt sich selbst auf den in den wurden? Seine wirksamste Lebenskraft, seine die Jahrtausende Anfängen der vierziger Jahre von Holdheim und Geiger aufüberwindende Elasticität wäre verloren. Gerade deshalb gestellten Grundsatz der Reform: alles Nationale und Polidarf die Kenntniß, die Würdigung und das Verständniß der tische aus dem Judenthume zu entfernen. Wir haben diesen Bibel, des Talmuds und der rabbinischen Größen nicht verschon damals bekämpft, und er ist längst aus dem Bewußtabsäumt und muß die reiche Gedankenwelt in ihnen stets sein der Zeit geschwunden. Denn zunächst ist er nichts als wieder an das Licht gebracht werden. Gerade hierzu aber Negation, aber die bloße Verneinung vermag kein lebendiges regt die Polemik am ehesten an, und durch dieselbe wird das System zu schaffen. Bei seiner consequenten Verfolgung, allgemeine Publikum und das jüdische insbesondere vermöge die man übrigens nirgends versucht hat, würden vom Judendes Interesses, das sie hervorruft, am leichtesten mit ihnen thume nichts als einige wenige allgemeine Lehrsätze übrig bekannt. Wir gestehen, daß wir der Beseitigung jener Borgeblieben sein, die nichts als einen nüchternen rationalistischen urtheile, die man gegen das Judenthum hegt, die Berbreitnng Deismus bezeichneten. Jener Grundsatz ist um so unhalt- und Klärung biblischen und talmudisckcn Wissens weit voranbarer, als er die grundlegende Wesenheit des Judeuthums, stellen; jene würde durch den Verlust dieses viel zu theuer die Einheit der Lehre und des Lebens, die Einheit aller erkauft. — Nicht minder ist es einseitig, das Judcnthum Beziehungen des Menschen zur religiösen Idee aufhebt, den auf die Begriffswelt der in den civilisirten Ländern wohreligiösen Zusammenhang zwischen dem Menschen als Glied nenden Juden der gegenwärtigen Epoche zu beschränken. Ein der Gesellschaft und als Individuum, die Einheit der Moral kleiner Theil vertritt das Ganze nicht, und gerade dann nicht, für Gesellschaft und Individuum und deren Zurückführung wenn es sich von dem Nebrigen stark unterscheidet. Was in auf Gott. Es ist dies eine Fundamenlallehre, aus welcher diesen lebt, gehört mit zur Totalität des Judeuthums, und zur Zeit die Bersittlichung der israelitischen Nation, oberes ist kaum ein Jahrhundert her, daß auch die Juden in prineipiell auch die Bersittlichung der ganzen menschlichen 17*