Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 17 (24.4.1883)
- Date
- 1883-04-24
- Page
- Seite 268 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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268 Knechtschaft vorhanden, rnfe man zuversichtlich einander zu: rc~r'r „aus Knechtschaft zur Freiheit!" Freiheit siegreich über uns aufleuchten. Ja, wo immer noch J die jüdische Nation begrenzten. Er hätte hierbei nicht bloß bei diesen schnell verschwindenden und vergessenen Pamphleten stehen zu bleiben gebraucht. Die Meinung wird auch von gelehrten orthodox-christlichen, selbst historischen und philosophischen Schriftstellern hartnäckig festgehalten und verbreitet, während wir andrerseits nicht verkennen dürfen, daß sich in jüngster Zeit bedeutende Autoritäten für den universellen Inhalt des Judenthums aussprachen, jedoch mit dem Vorbehalt, daß dieser die nationale Tendenz nicht durchbrochen und im allgemein menschlichen Sinne nicht ausgestaltet habe. Sie übersehen hierbei, daß dieses Durchbrechen und Herausgestalten durch die aus dem Judenthume entsprungenen Töchterreligionen geschehen sollte und theilweise geschehen ist, daß diese aber, um die heidnischen Völker zu gewinnen, sich der Geistesrichtung dieser anschmiegten und mit deren Anschauungen die ihrigen vermischten, so daß das Judenthum auf seinem bisdafigen Boden beharren und sich fortentwickeln mußte, um den universellen ethischen Monotheismus rein zu erhalten. Da nun die Gegner des Judenthums sich bei ihren Angriffen auf aus dem Zusammenhänge und der Situation gerissene Stellen der Bibel und des Talmuds berufen, die den stammlichen Charakter des Judenthums bezeugen sollen, so schlägt Montesiore vor, dem gegenüber in der Bertheidigung Bibel und Talmud fallen zu lassen, d. h. uns auf die universellen Lehren derselben und auf eine richtigere Auslegung der angegriffenen Stellen nicht zu berufen, sondern allein auf die Ansichten und Bestrebungen der modernen Juden und auf die Auslassungen, auf die Doktrinen und Glaubensbekenntnisse derselben. Er will ferner unter Judenthum die Religion der in civilisirten Ländern wohnenden Juden der Gegenwart verstanden wissen. Wir müssen uns hierin entschieden gegen den Berf. erklären, und zwar zunächst, weil Ein Paradoxon. In Nr. 7. des laufenden Jahrg. brachten wir einen Artikel, verfaßt von Herrn vr. Landsberger in Darmstadt: „Heber den Charakter des Judenthums", in welchem über einen in der Zeitschrift „The Contemporary Review“ enthaltenen Aufsatz des Herrn Claude Montesiore: Is Judaism a tribal religion (Ist das Judenthum eine Stammesretigiou?) referirt wurde. Damals lag uns. diese Abhandlung selbst nicht vor, und genügte uns die Unterschrift des verehrten Collegen, uns zur Aufnahme des Artikels zu bestimmen. Seitdem ist uns die angeführte Zeitschrift zugekommen , und da nun jene Abhandlung einmal in diesem Blatte zur Sprache gebracht worden. Herr Dr. Landsberger aber in der Absicht, die Leser nur mit den Ansichten des Verfassers bekannt zu machen, jede kritische Bemerkung unterlassen hat, fühlen wir uns verpflichtet, auf dieselbe unsrerseits zurückzukommen. Unsere Leser wissen, daß wir nicht zu jenen grämlichen Alten gehören, die sich zu dem Spruch des Naevius bekennen: Proveniebant oratores novi, stulti adoleseentuli (Cie. de Seneet. 6, 20.), daß wir vielmehr jeder neuen Erscheinung, jedem jugendlichen Aufstreben, in welchem sich Begeisterung, Umsicht und scharfe Beobachtung offenbaren, mit Freude eutgegcnkommen. Und dies haben wir allerdings von der vorliegenden Abhandlung zu rühmen. Zeigt sich doch der Berf. auch in mancherlei neueren deutschen Schriften belesen, während er seinen vaterländischen Glaubensgenossen den Borwurf nicht erspart, von der jüdischen Literatur, komme sie von diese ganze Operation unseren Gegnern gegenüber völlig ervlthodoxer oder reformatorischer Seite, gar keine Kenntniß folglos wäre. Weiß der Berf. nicht, daß unsre Gegner, ob zu nehmen, und doch ist die englisch-jüdische Literatur, einige! sie orthodoxer oder radikaler Richtung seien, wir erinnern z. B. Wochenschriften ausgenommen, höchst dürftig. Jndeß andrerseits billigen wir die krankhafte Neigung unserer Zeit durchaus nicht, welche z. B. die Eltern sich mehr nach den Wünschen und Ansichten ihrer Kinder zu richten drängt, als umgekehrt, und welche die Warnung: non jurare in verba an Dühring und v. Hartmann, die modernen Juden mit kurzer Hand für gar keine Juden erklären? Es ist dies selbstverständlich ein Cirkelschluß. Sie behaupten, das Judenthnm sei eine engherzige, einseitige Stammesreligion, und wenn man ihnen den universellen Inhalt und die universelle magistri fast in das Gegentheil Verkehren läßt: non jurare i Tendenz des Judenthums nachweist, so sagen sie, das sei in verba diseipuli — so sehr fühlen sich gegenwärtig die Jünger über ihre Lehrer erhaben und sehen fast mit Mißachtung auf ihre Vorgänger hin, die ihnen doch die Bahnen kein wirkliches, sondern dem Christenthum und der modernen Bildung abgelerntes Judenthum. Würden wir nun in unserer Beweisführung Bibel und Talmud mit Stillschweigen übergeöffnet und geebnet haben. — Herr Claude Montesiore will. gehen und nur moderne jüdische Schriftsteller citiren, so würdie Frage behandeln, ob das Judenthum eine Stammes- oder > den sie triumphirend ausrufen, da seht Ihr ja. wie Recht eine universelle Religion ist? Er blickt hier zunächst auf die j wir haben, das ist ja gar kein Judenthum, das ist ein Abucuqten antisemitischen Broschüren hin, welche das Juden- \ stractum, das sich die modernen Juden aus den Elementen tbum als eine eng beschränkte Stammesreligion stigmatisiren, i des Zeitgeistes und des Christenthums fabricirt haben! An laeu Gottesbegriff und Sittlichkeitsprinzipien sich allein auf { uns ist es vielmehr, immer und immer wieder, unermüdlich