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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-03-01 · Heft 9 (1.3.1881) · p. Seite 141

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 9 (1.3.1881)
Date
1881-03-01
Page
Seite 141 (sequence 9)
Language
German
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141 Bruchtheil der gebildeten Jugend umfassen sollte. — Eine zweite bezügliche Stelle lautet folgendermaßen: „sJiein, m. H, diese Hetze, diese Agitation ist nicht von Geschäftsleuten, Handwerkern und Arbeitern begonnen worden, sondern theils von jungen Leuten, die überhaupt noch nichts verdienen, weil sie aus den Taschen ihrer Eltern leben, oder von solchen, die aus öffentlichen Eaft ihr Gehalt beziehen. Sie ist von solchen eingeführt und getragen worden. die eine amtliche Vertrauensstellung einnehmen und um so mehr sich hätten dem fern halten sollen. Die gebildeten Kreise sind es gewesen oder solche, die sich gebildet nennen, die diese Bewe gung angesangen haben." Die Richtigkeit des Stenogramms ist der Stenograph eventuell bereit zu bezeugen." Leipzig, im Februar. (Privatmitth.» Wenn Sie in der Einleitung zu dem in Nr. 2 Ihrer geschätzten Zeitung ad gedruckten Artikel aus der „Wiener Allgem. Zeit." sagen, man werde gut daran thun, die darin enthaltenen Nachrichten ins Reich der Fabel zu verweisen, so wird das durch die mir zugegangene Antwort auf meine desfallsige Erkundigung bestätigt. Ein den besten Kreisen angehöriger und bestunterrichteter Mann schreibt mir wie folgt, unter Datum London, den 27. Januar 1881: „1) Jefsel's Vater war ein reicher jüdischer Kaufmann, Namens Zedekiel Jessel. Ich weift nicht, daft er ein Pole gewesen. 2) Mundella ist kein Jude. Er soll italienischer Abkunft sein. Seinem Namen und Aussehen nach (er ist ein Mann von hoher Gestalt mit Adlernase), sollte ich glauben, er habe etwas jüdisches Blut in seinen Adern; doch har man ihn stets für einen Christen gehalten. 3) Ich habe nichts davon gehört, daß John Brighr's Tochter einen jüdischen Arzt geheirathet habe. Man hat blos häufig gesagt, eine Ahnftau John Bright's sei eine Jüdin gewesen." v. A. Dresden, 11. Febr. Unter dem Schutze einer starken Polizeimannschast hielten nun doch die hiesigen Antisemiten, die sich „deutscher Reformverein" nennen, eine Versammlung ab, in welcher Henrici seine bekannten Reden hielt. Dieselbe war stark mit Unwahrheiten gewürzt, z. B. daß in Berlin an den höheren Lehranstalten 56 Prozent von den Lehrern Juden wären, in der Mark Brandenburg es 50 Prozent jüdische Richter gäbe u. dgl. Welche hohe Sittlichkeit, welche Wahrheitsliebe besitzen diese Leute! Zum Schluß sandte die Versammlung an den Fürsten Bismarck ein Begrüßungstelegramm. Breslau, im Februar. (Privatmitth.) Der „Jahresbericht des „jüdisch-cheologischen Seminars" ist soeben ausgegeben worden. Die wissenschaftliche Arbeit, die derselbe bringt, ist von dem neuen Seminar-Rabbiner vr. D. Ivel (früher Rabb. zu Krotoschin) verfaßt, und zwar als Heft I von „Der Aberglaube und die Stellung des Judentums zu demselben". Die höchst verdienstvolle Arbeit wird wotst eine besondere Würdigung in dieser Zeitung finden. Hcrvorheben wollen wir nur, daß der Verfasser einen kleinen Bann durchbricht, welchen die vom Seminar bis jetzt verössentlichren Ab Handlungen umgaben, nämlich den, die Schriften gewisser Zeitgenossen zu ignoriren und nirgends zu erwähnen. Daruln kümmert sich der gegenwärtige Seminar Rabbiner nicht, sondern citirt alle Schriftsteller, die ihm auf dem Wege seiner Untersuchungen begegnen ohne irgend welche Parteinahme. Dies gereicht ihm gewiß zur Ehre. Was den Bericht selbst betrifft, so enthält er zunächst die Einführung des I>r. Joi-l in sein Amt in den ersten Tagen des Januar 18d<>. Er bekannte sich dabei als Schüler des sel. Rabbi Akiba Eger und führte deshalb drei wesentliche Punkte der Methode seines Lehrers an, die er sich zu eigen gemacht. Die Frequenz des Seminars hat auch im versloffenen Jahre;uge nommen, und zwar sind 8 neue Hörer eingetreten, wogegen 3 Hospitanten austraten und 3 Hörer nach bestandener Prü sung entlaffen werden. Die Zahl der gegenwärtigen Zog ' linge ist aber nicht angegeben. Drei neue Legate zu resp. 1500 Fl., 2250 M. und 600 M. kamen dem Seminar zu Gute. Potsdam, 11. Febr. (Privatmitth.) Hier halten jetzt die Berliner Heroen des Protestanten-Vereins eine Wiederholung ihrer Vorträge in Berlin. Diese Männer nehmen einen eigenthümlichen Standpunkt ein. Jemehr sie die kirchlichen Dogmen in Abrede stellen, desto mehr bemühen sie sich, alle Ehren aus das Christenthum und deffen Stifter zu häufen. Dies ginge nun Niemanden etwas an, wenn sie nicht dabei sich die größten Ungerechtigkeiten gegen Andere gestatteten. Sv hielt gestern Pros. Pfleiderer einen Vortrag über „Religiöses Drama". Er behauptete unter Anderem: „Jesus von Nazareth war der größte Dramatiker aller Zeiten, denn erst von ihm und seiner Lehre aus konnte ein wahres Drama, die Vereinigung des Göttlichen und Menschlichen, die Durchdringung der Kunst mit den höchsten Ideen erstehen." Gewöhnlich nennt man einen Dramatiker den, der ein Drama versaßt. Aber abgesehen hiervon, haben nicht allein die Indier schon Musterdramen gehabt, die Chinesen und Japaner eine ausgedehnte dramatische Literatur, sondern auch das ganze moderne Drama aller christlichen Völker hat sich an das griechische Drama angelehnt und theoretisch an Aristoteles. Dann sagt er: „Das Judenthum konnte kein Drama! Hervorbringen, denn in ihm standen sich Gott und Natur so schroff, so feindlich gegenüber, daft keine Vermittelung möglich war." Da muß man doch die Unverfrorenheit eines Professors bewundern, da man ihm doch nicht gerade Unwissenheit zuschreiben darf. Bon einer Schroffheit, einer Feindseligkeit zwischen Gott und Natur ist wahrlich im ganzen jüdischen Schriftthum keine Spur, weder im biblischen, s

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