Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 44 (1880)
- Issue
- Heft 15 (13.4.1880)
- Date
- 1880-04-13
- Page
- Seite 229 (sequence 5)
- Language
- German
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229 unseren Statuten, daß für den Volksschulunterricht das Landesgesetz maßgebend ist. Aladär Molnür: Wenn die Stiftungsplätze für jüdische Blinde im hiesigen Landes-Blinden-Jnstitute erhalten werden können, so ist kein Hinderniß vorhanden, daß die jüdischen Stiftungsplätze für Taubstumme eventuell im Waitzner Landes-Taubstummen-Jnstitute erhalten werden. Der Beschluß des Abgeordnetenhauses sagt deutlich, daß die Stiftungsplätze im Baterlande sein müssen, das jedoch wurde nicht ausgesprochen, daß die Stiftungsplätze in einem Institute untergebracht seien. Wenn daher die Erfahrung zeigen sollte, daß orthodoxe Eltern, deren Kind ein Stiftungsplatz gewährt wurde — was ich nicht vermuthe —, erklären sollten, daß sie ihr Kind in das Budapester israelitische Taubstummen- Jnstitut aus religiösen Bedenken nicht geben können, so möge der Minister dasselbe im Waitzner Landcs-Taubstummen-Jnstitute unterbringen. Daran jedoch, daß die Stiftungsplätze ohne Ausnahme in Ungarn seien, kann nicht gerüttelt werden. Ueberdies erfordert es auch die Nothwendigkeit, daß die taubstummen Kinder hier im Lande gebildet werden, da ein Kind aus Bihar oder Szaboles, das in Wien deutsch gelernt hat, nach Hause zurückgekehrt mit den Leuten nicht sprechen kann. Minister Trefort: Wenn die Orthodoxen aus religiösen Bedenken ihre Kinder nicht in das hiesige jüdische Institut geben wollen, wie würden dieselben es aufnehmen, wenn ihre Kinder sodann — ad normam des Blinden-Instituts — im Waitzner Landes-Jnstitute würden erzogen werden? Reich: Was Einzelne thun, darum kümmere er sich nicht. Er kann im Namen seiner Confcssion tvicderholen, was er gesagt hat. Will man die ganze Judenheit an der Wohlthat der Stiftungsplätze betheiligen, so soll man sie dort unterbringen, wo sie Jeder benützen kann. Aladär Molnstr: Ist Herr Reich dessen gewiß, daß es Eltern gibt, die ihr Kind lieber taubstumm belasten, ehe sic es nach Budapest oder Waitzen in Erziehung geben? für das Kind gut wäre. Wenn ich nicht wissen möchte, daß der große Rabbiner Moses Schreiber sich so ausgesprochen hat, und mich als Privatmenschen fragen möckt', was gefchcidter ist, ob das Kind hier oder in Waitzen lernt, oder ob es taubstumm bleibt, ich war' gleich fertig mit der Antwort; aber so kann ich gar nichts sagen, denn es hat sich ausgesprochen: Moses Sofer, und gern möcht' ich den Menschen auf dieser Welt sehen, der diesen großen Rabbiner zu critisiren sich unterstehen möcht'!') Minister Trstfort legt als fernere Frage vor, ob cs statthaft sei, daß Talmud-Thora-Schulen auch fernerhin Unterstützung erhalten? Pr. I. Simon meint, daß die Frage, so allgemein gestellt, nicht verneint werden kann. Ter Congreß hat die Errichtung von Talmud-Thora-Schulen beschlossen, so auch die Subventionirrmg derselben zugclasscn, und da diese Beschlüsse allerhöchsten Orts sanctionirt wurden, so unterliegt es keinem Zweifel, daß die Unterstützung von Talmud-Thora-Schulen dem a. h. Willen des Königs, daher auch „der Stiftung" entspricht, wie dies bei allen Auslagen aus dem Fond im Sinne des Reichstagsbefchlustes erforderlich ist. Anders verhält es sich aber, wenn gefragt wird, welche Talmud-Thora- Schulen zu unterstützen seien. Hierauf kann wieder nur mit den Congreßbestimmungen geantwortet werden, daß nämlich nur solche auf Subvention Anspruch haben, die im Sinne des vom Kongresse geschaffenen OrganisationS- und Lehrplanes errichtet und erhalten werden. Hiernach hat die Talmud-Thora die Bestimmung, für's Rabbinen-Seminar Zöglinge vorzubereiten, die gleichzeitig auch das Untergymnasium frequentiren. Ohne Talmud-Thora müßte das Rabbinen-Seminar nach untenhin erweitert werden, damit cs den Schülern möglich sei, daselbst sich auch jenes Maß von jüdischem Wissen anzueigncn, das sie nöthig haben, um jetzt in die Rabbincnschule ausgenommen zu werden. Derzeit existircn solche Talmud-Thora-Schulen in Budapest, Raab und Päpa. Mayer Trebitsch: Gewiß hat ein jeder schon gehört! Welches Bcwandtniß es jedoch mit den Talmud-Thora-Anstalmelden den weltberühmten Rabbiner Moses Sofer. Tcn!ten der sogenannten „Orthodoxen" hat, darüber fehlt jeder Rabbiner hat einmal ein Israelit aus Temesvür gefragt, ob! Anhaltspunkt, da weder Zweck und Bestimmung, noch Orgaer soll schicken sein Kind in das Wiener Taubstummen - Innisations- und Lehrplan derselben bekannt sind. Diese könstitut, oder ob er es soll lieber gar nicht lernen lassen? Auch j neu umsoweniger unterstützt werden, als es iu oer Natur aus der Türkei hat man Fragen an ihn gerichtet, ob man! der Sache gelegen ist, daß aus jedem öffentlichen Fond nur darf schicken ein jüdisches Mädchen in eine nichtjüdische Schule? i solche Anstalten subventionirt werden können, die auf Grund — Wissen Sie, was dieser große Mann geantwortet hat?!- Er hat gesagt, man soll das Kind lieber zu Hause behalten, i 1) Wir sind cs dein Andenken des frommen und gelehrten Rabbi denn ganz was Andcrcs w°-° cs. wenn °°u cincr Lcbcnsj 5Ä gefahr die Rede wäre, weil Gott das Leben der Juden begegengesetzte von dem, was Redner ihm in den Mund legt. Es heißt in! seinen „Schaaloth-u-theschuwotli'4 zum *Choschen_haiuischpath“ Nr. 83: „Die jüdischen Satzungen gestatten es, daß jüdische taubrpeisen bereiten darf, aber wenn! stumme Binder bis zu ihrem 13. Lebensjahre auch in einem christ?üten will, und wenn es sich um ein Leben handelt, nmnjg"'- jüdischen Satzungen 'gestatten es, daß jüdische'taubsogar auch am Samstag _ __ _ „ . . . . mrfitho« s;« lichen Institute erzogen werden, selbst dann, wenn dieselben gezwun ch Von Lebensgefahr dle Rede tst, io muß man jagen. ^fu wären, daselbst nicht rituell zubereilcte Speisen zu genießen". „Es ist nicht erlaubt!" auch dann, wenn man weiß, daß es ' Aumerk. des Ueberseyers. ä