Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1877)
- Date
- 1877-03-13
- Page
- Seite 171 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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171 Persönlichkeit auf unterrichts-behörvlichem Gebiete, von Sr. Excellenz dem Herrn Cultus- und Unterrichtsminister, das schönste Lob in ebenso unumwundener, als für unseren Lehrkörper aufmunternder Weife verkündigt wurde. Wie ergreifend die erfolgreiche Thätigkeit unserer Anstalt selbst auf Fremde und unbefangenere Gäste wirkte, bewies der Umstand, daß von einem nicht-israelitischen und nicht-österreichischen Gönner des Instituts, einem edlen Menschenfreunde, der im Jahre 1873 das Institut besucht hatte, die namhafte und hochherzige Gabe von st. 600 zugewendet wurde. Es ist dies Herr Thomas Coats aus Paisley in Schottland, der feiner philanthropischen Gesinnung solchen Ausdruck gegeben, und dem wir hiermit unseren wärmsten Dank dafür aussprechen. Italien. Aus OberitaUeu, 18. Februar. (Privaimitth.) Dieses Mal muß ich leider! mit einer Trauerbotschaft kommen. Salomon Samuel Olper, seil achtzehn Jahren Oberrabbiner in Turin, ist am 14. d. M. nach mehrwöchentlichem Leiden mit Tode abgegangen. Die Gemeinde bezeigte sich über den herben Verlust untröstlich. Schon im Verlaufe der Krankheit ersah man an dem ängstlichen Nachfragen über deffen Zustand, wie lheuer und lieb der geistliche Führer seiner Gemeinde war; und kaum hatte sich die Trauerkunde von deffen Ableben verbreitet, als alle Handlungen und Wechsler-Stuben, die an vielen Straßen der weiten Stadt zerstreut liegen, wohl in viel größerer Anzahl als am Sabbath und an Festtagen geschloffen waren. Daffelbe geschah während des imposanten Leichenbegängniffes, welches ihm bereitet wurde, an welchem nebst der ganzen Gemeinde, Alt und Jung, Männer, Weiber und Kinder, auch eine Unzahl anderer Mitbürger cheilnahmen. m 122 bnrr Aber der Mann war auch so vieler Zuneigung und Liebe würdig. Die Erziehungs- und Wohlthatigkeitsanstalten blühten stets unter deffen hingebender Leitung, Einiges wurde unter seinem eifrigen Walten gestiftet; er war ein ganz ausgezeichneter Redner; nicht selten gelang es ihm, seine Zuhörer zu begeistern. Er vereinfachte aus eigenem Antriebe vor ungefähr zwölf Jahren die Trauergebräuche, und ging vor ein Paar Jahren damit um, die zweiten Festtage mba b© von Pefsach, Schawuolh und Sukkoth in feiner Gemeinde abzuschaffen, welches ihm aber aus Mangel an Zustimmung der meisten Gemeindeglieder nicht gelang. Es ist jedoch bemerkenswerth, und spricht für die ehrenwerthe Gesinnung der italienischen Rabbiner, daß ungeachtet Olper's Reformen bei manchen derselben keine gute Aufnahme fanden, und sie bei Gelegenheit dieses offen erklärten, beinahe alle Rabbiner Piemonts und die Gemeinden von Rom, Livorno, Florenz, Ferrara, Reggio, Modena durch ihre Repräsentanten bei deffen Leichenbegängniß zugegen waren, bei welchem einige Trauerreden, unter andern eine sehr rührende selbst von dem 8 0jährigen sehr conservativen Rabbiner von Vercelli, dem ehrwürdigen Herrn Guiseppe Raffael Levi, gehalten wurden. Der Verblichene wurde in Rovigo im Jahre 1811 von dürftigen Eltern geboren, genoß eine gute Erziehung in Venedig, gehörte zu den ftühesten Jüngern der Rabbiner-Schule zu Padua; war zuerst Bice-Rabbiner in Venedig; im Jahre 1848 mußte er als eifriger und compromittirter Patriot das Venerianische verlaffen, hielt sich einige Zeit in Livorno als geachteter Privatlehrer auf, wurde bald darauf Rabbiner in Florenz, das er jedoch nach kurzer Zeit verließ; im Jahre 1857 ward er Rabbiner in Casale, und endlich 1859 in Turin, wo er seine glänzende Laufbahn beendigte. Er war daselbst von Jedermann geschätzt und geachtet; und der König zeichnete ihn mit beiden hier zu Lande üblichen Ordenszeichen aus, mit dem der hh. Maurizio und Lazzaro, und dem der Krone Italiens. ro-nb pnis ist Großbritannien. BvUU, 28. Februar. (Privaimitth.) Wir erhalten eine Abschrift eines Schreibens des ottomanischen Gesandten in London Musurus Pascha an Sir Moses Montefiore vom 17. Febr. d. I. Wie wir bereits mitgetheilt, hat Sir Moses 100 Pfd. St. (2000 M.) für die Verwundeten der türkischen Armee gespendet. Hierfür sagt ihm der Gesandte im Namen des Sultans Dank, und fügt hinzu, daß er den Auftrag von seiner Regierung habe, Sir Moses zu gleicher Zeit zu versichern, „daß die Fürsorge Sr. kais. Majestät des Sultans sich stets auf die Israeliten gleichwie auf die anderen Gemeinden des Reiches erstrecken werde." Obgleich diese Zusicherung nichts Neues enthält, so wollten wir doch den uns ausgesprochenen Wunsch erfüllen, das Schreiben zu veröffentlichen. London, 25. Februar. (Privaimitth.) In England hat seit der Wiederzulaffung der Juden unter Cromwell der Brauch bestanden, daß man gar keine Proselyten aufnahm, weil man damals dem Vorurtheile der Unwissenden und Bigotten, welche wähnten, es suchen die Juden die Zulaffung in England bloß zu dem Zwecke nach, um Anhänger für ihren Glauben zu gewinnen, keine Nahrung geben wollte. Ja, man hatte es sich aus diesem Grunde von Menaffe ben Israel bis auf den heutigen Tag zur Verpflichtung gemacht, keine Proselyten aufzunehmen, und mußten daher diejenigen Christen, welche zum Judenthume überzutreten wünschten, nach Holland, Belgien oder Frankreich zu diesem Behufe gehen. Da jenes Borurtheil indessen längst geschwunden ist und in neuester Zeit Mischehen häufiger vorgekommen sind, hat sich vr. Adler endlich entschlossen, Proselyten die Reisekosten zu ersparen und ihnen nun auch in England selbst den Uebertritt unter den üblichen strengen Prüfungen jedoch in Betteff der Auftichtigkeit und der Kenntniffe der Lehren des Judenthumes zu gestatten und die Ceremonie dort zu vollziehen. 11