Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1877)
- Date
- 1877-03-13
- Page
- Seite 170 (sequence 8)
- Language
- German
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170 umfassen außer einer Anzahl christlicher Einwohner die ganze jüdische Gemeinde. Sie sind nicht nur in Gemeindeangelegenheiten rechtlose Nullen, die an allen Lasten der Gemeinde mitzutragen haben, sondern haben auch Ehesteuer und Hintersafsengeld zu bezahlen. Die israelitischen Gemeindemitglieder, welche zur Besoldung der städtischen Volksschullehrer ebenso gut beizutragen haben wie der erste Bürger, muffen auf eigene Kosten ihre Elementar- und Religionsschule unterhalten, ohne auch nur einen Reichspsennig von der Sladtcaffe zu erlangen. Wäre es nicht wünschenswerlh, dem Herrn Minister Eulenburg einen Unterstaatssecretar zu suchen, der ihn zuweilen daran zu erinnern hätte, daß da und dort noch Staatsbürger vergebens auf die Anerkennung ihrer rechtlichen Existenz warten? (Warum wenden sich die Israeliten Hechingens nicht, auf Grund des Bundesgesetzes vom 3. Juli 1869, an den Reichstag?) Oesterreich - Ungarn. Wien, im Februar. (Privatmitth.) Unter den einzelnen Zweigen der allgemeinen Wohlthätigkeit sind wohl, ganz im Sinne unsrer Weisen zwei ganz besonders zu würdigen, und folglich diejenigen anzuerkennen, welche ihnen Ester und Opfer widmen, wir meinen: die Verbreitung von Handwerken unter den Juden und die Unterstützung armer Studirenven. Die Oeffentlichkeit uiuß daher den Anstalten für diese Wohlthätigkeitszweige eine besondere Aufmerksamkeit schenken, um sie auf diesem Wege zu fördern. Der hiesige Handwerkerverein hat in diese» Tagen seinen vierunddreißigsten Jahresbericht veröffentlicht, und es ist wohl am zweckmäßigsten, um die Lage und Wirksamkeit des Vereins zu kennzeichnen, den ersten Theil dieses Berichtes hier wiederzugeben. „Der hiermit der Oeffentlichkeit übergebene vierunddreißigste Jahresbericht unseres Vereins giebt im Ganzen und Großen ein getreues Bild der Zeiwerhälmiffe. Stetige Vermehrung der Zöglinge bei andauernder Minderung der regelmäßigen Zuflüsse. 369 Zöglinge sind in diesem Jahre — gegen 319 im vorigen — unter der Obhut des Vereins gestanden. Neu ausgenommen wurden 111 — gegen 77 — die Lehre vollendet haben 71. Diese letzteren bilden eine seit dem vierunddreißigjährigen Bestände des Vereins noch nie erreichte Zahl. — Die Lehre vor ihrer Vollendung haben 46 verlassen, und so zählte der Stand Ende des versioffenen Jahres 252 Zöglinge. Im Gegensätze hierzu müssen wir zu unserem Bedauern abermals eine Abnahme der Mitgliederzahl um mehr denn 70, und in dessen Folge auch einen Ausfall in den Jahresbeiträgen um fast fl. 400 constatiren, wobei die unerläßlichen Ausgaben, wie Taxen, Wäsche und Bekleidung um beinahe fl. 800 zugenommen haben. Im Vergleiche zum Vorjahre betrugen die E innahmen 1876 1875 An Jahresbeiträgen. fl. 4304.55 fl. 4666.30 - Capiralsu. Stiftungszinsen. - 3902.34 - 3892.84 - Spenden. - 313.50 - Rückvergütungen .... - 832.50 - 285.— fl. 9193.89 fl. 9157.64 Die Ausgaben: 1876 1875 Für Genossenschaftsgebühren . . fl. 655.86 fl. 499.25 - Wäsche und Bekleidung . . - 5594.78 - 4967.06 - Bildungsanstalten.... - 415.80 - 491.98 - Werkzeuge, Unterstütz., Regie - 2249.37 - 2332.28 fl. 8915.78 fl. 8290.57 Aus der Liste der Zöglinge kann man sich überzeugen, daß gerade die schweren Handwerke wie Schlosser, Kupferschmiede, Metalldrechsler, Schmiede, Tischler u. dgl. von den meisten, die feineren, welche eine geringere Arbeitskraft erfordern, z. B. Tapezier, Uhrmacher u. dgl. von den wenigsten Zöglingen gewählt worden. Möge daher der Ausfall an Mitgliedern und Beiträgen recht bald wieder ausgefüllt werden. — Ich brauche nicht darauf hinzuweisen, welche Zierden unsrer Gemeinde die beiden Anstalten: das israelitische Taubstummen- und das Blinveninstitut sind. Das erstere hat soeben seinen dreinndzwanzigsten Bericht veröffentlicht. Es ist in der glücklichen Lage, über einen Rückgang seiner Einnahmen nicht klagen zu brauchen. Seine Einnahmen beliefen sich auf fl. 45,283, von denen die Ausgaben mit einem Baarüberschuß von fl.6,882 bestritten wurden, der gegen das Saldo vom vorigen Jahre einen Mehrbetrag von fl. 3550 befaßt. Aus dem Vorworte heben wir folgenden Absatz hervor: Im abgelaufenen Schuljahre 1875/76 zählte das Institut 71 männliche und 37 weibliche, also zusammen 108 Zöglinge, von denen 38 vollständig unentgeltliche Aufnahme und Verpflegung fanden. Erwägt man den Umstand, daß eine heuer grassirende Epidemie sich ihre zahlreichsten Opfer gerade aus den Reihen der Schuljugend holte, während in unserem Asyle, außer einigen sporadischen Ausnahmen, kein einziger erheblicher Krankheitsfall zu verzeichnen war, so wird man diese erfreuliche Wahrnehmung gewiß nicht unterschätzen und der Sorgfalt, sowie der Umsicht der Administration die Anerkennung nicht versagen dürfen. Wir sehen uns veranlaßt, hier unseren wärmsten Dank dem Jnstitutsarzte Herrn l)r. Leopold Ornstein auszusprechen, der sich mit einer besonderen Sorgfalt und unermüdlichen Thätigkeit in uneigennütziger Weise verdient gemacht hat. Ueber die pädagogischen und didaktischen Leistungen dieser Anstalt eingehende Erörterung zu pflegen, dürfen wir uns um so eher enthalten, als erst vor wenigen Wochen in offener Sitzung des hohen österreichischen Abgeordnetenhauses von der maßgebenden