Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1877)
- Date
- 1877-03-13
- Page
- Seite 172 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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172 Türkei. Berlin, 2. März. Die Anzeige des gestern mit Serbien erfolgten Friedensschlusses ist in einem kurzen Telegramm aus Konstantinopel an die Vertreter der Türkei im Auslande mitgetheilt. Der Friede wurde auf Grund der bekannten Punkte abgeschlossen, nachdem die serbischen Bevollmächtigten in einer Note befriedigende Erklärungen über die von der Pforte verlangten moralischen Garantien gegeben hatten. — In Konstantinopel wurde, wie versichert wird, eine Verwaltungs-Schule für Ausbildung der Beamten und Diplomaten ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses errichtet. In der Molivirung des Entwurfs wirv ausdrücklich darauf hingewiesen, daß in der Wahl der Beamten zukünftig die Tüchtigkeit der Person allein, nicht aber irgend welche confessionelle oder nationale Berücksichtigung maßgebend sein soll. Serbien. Belgrad, 17. Februar. Die „Pester Corr." enthält einen Artikel, der sehr klar die Sachlage auseinandersetzt, und den wir deshalb hier wiedergeben: Bekanntermaßen hat die Pforte in ihre Friedensbedingungen einen Punkt zu Gunsten der Gleichberechtigung der Israeliten in Serbien ausgenommen, Len die serbische Regierung entschieden unberücksichtigt lasten will und wird. Als der Special - Gesandte der Pforten - Regierung. Perten Efendi, Herrn Ristics von dem Punkte bezüglich der Juden Kenntniß gab, sagte Ristics: J'espöre que la sublime Porte n’insistera pas sur ce point, (ich hoffe, daß die Hohe Pforte auf diesen Punkt nicht bestehen wird), worauf Perten Efendi die Antwort gab: Je ne crois pas que la sublime Porte aura besoin d’insister sur un point qui regarde la civilisation, la justice et le progrfes (ich glaube nicht, daß die Hohe Pforte nothwendig haben wird, auf einen Punkt zu bestehen, der die Civilisation, die Gerechtigkeit und den Fortschritt betrifft). Es ist dies nicht das erste Mal, daß die Pforte für die Gleichstellung der Juden in den Donaufürstenthümern in die Schranken tritt. In den Hattischeriffs von Humayun und Gülhane vom Jahre 1830 und 1834, welche die Autonomie des Fürstenthums Serbien bestätigen, ist die Gleichberechtigung der Juden als eine Bedingung dieser Autonomie festgesetzt. Auch der Pariser Vertrag von 1856 bekräftigt riese Gleichberechtigung im §. 27. Trotz alledem sind die serbischen Juden seit 1861 ihrer Rechte beraubt; sie sind Wähler und wählbar, sie können sogar nach der Verfastung Minister werden, aber es ist ihnen.verboten, außerhalb Belgrad zu wohnen, Geschäfte und Handwerke zu betreiben. Diese Restriction hat ihren einzigen Grund in der Handelsconcurrenz. Die Kaufleute der orthodoxen Kirche angehörend, votirten die Restrictiv-Gesetze gegen die Israeliten, um sich ein Monopol zu schaffen. Würde tiiej Ausnahmestellung der Juden aus der Intoleranz der Serben j hervorgegangen sein, so könnte man auf die Abschaffung der jüdischen Restrictiv-Gesetze einige Hoffnung hegen; da es sich jedoch hier um die Abschaffung eines Monopols handelt, so dürften alle Schritte erfolglos bleiben, ebenso wie die Vorstellungen es waren, welche die Großmächte zu wiederholten Malen bei der serbischen Regierung machten. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die Großmächte auch jetzt die Forderung der Pforte bezüglich Gleichberechtigung der Juden nachdrücklichst unterstützen werden, mit Hinweis darauf, daß Serbien sich fortan nicht mehr über Verletzung von Principien beklagen kann, welche es selbst in seinem Lande nicht anerkennt. Die serbischen Juden werden voraussichtlich auch der jetzigen Skuptschina eine Petition unterbreiten, worin sie die Abschaffung der mehrerwähnten Ausnahmegesetze verlangen; sie werden darin ausführen, daß sie unter Milosch dieselben Rechte besaßen, wie ihre christlichen Mitbürger, daß sie alle Pstichten eines Staatsbürgers erfüllen und sogar einen Bluttribut bezahlen, ohne dieselben Rechte ihrer übrigen Mitbürger zu genießen. Leider werden alle diese Bemühungen resultatlos bleiben, wenn die Großmächte nicht eine starke Pression auf Serbien ausübea. (Wenn die Sache von der Pression der Großmächte, z. B. Rußland, abhängen soll, so werden wir wohl noch lange Zeit auf die Befferung warten müffen!) Konstautiuopel, 27. Februar. Per Telegramm wird der „K. Z." gemeldet, daß in der heutigen Conferenz der serbischen Delegirten mit Safvet Pascha das Uebereinkommen der Pforte mit der serbischen Regierung endgültig festgestellt sei. Zu den von Serbien eingeraumten Frievensbedingungen gehört auch „d i e Gleichstellung der Juden mit den Angehörigen der anderen Confessionen". (Dasselbe berichtet auch die N. fr. Pr.) —. Auch in Smyrna haben sich zahlreiche Juden in die Listen der zu bildenden Nationalgarde eivschreibeu lassen. Die Localcommission, welche für die letztere zusammengetreten, zählt auch zwei israelitische Mitglieder. Belgrad, 28. Febr. Nach einem Telegramm der „K. Z." hat die Skuptschina die mit der türkischen Regierung vereinbarten Friedensbevingungen angenommen. Rumänien. Bukarest, im Februar. (Privatmitlh.) Das Bild der hiesigen Misere würde nicht vollständig sein, wenn ich Ihnen eine einzelne Kundgebung verschwiege, die dadurch eine Bedeutung hat, weil sie von einem Theile der jüdischen Intelligenz ausgegangen. Daß 28 Israeliten die jetzt unbestreitbar erwiesenen Gewaltthaten in Baslui in einer Erklärung dementirt haben, hat sich geradezu als eine Fälschung erwiesen. Mau hat sich ganz unbekannter und fingirter Namen dazu bedient. Aber die folgende Zuschrift, welche ich Ihnen in wortgetreuer Uebersetzung mittheile, ist keine Erfindung, so gern man sie dafür halten möchte.