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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-03-23 · Heft 13 (23.3.1875) · p. Seite 205

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 13 (23.3.1875)
Date
1875-03-23
Page
Seite 205 (sequence 9)
Language
German
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205 zu machen. Da die Petition eines näheren Nachweises und einer näheren Begründung entbehrt, so hätte man dieselbe unberücksichtigt lassen können. Da es sich aber um Abgaben handelt, deren Existenz überhaupt schwer zu begreifen ist, da das königliche StaatSministerium sich selbst über den Bestand dieser Abgaben wunderte unv keine Einwendung gegen Len Antrag erhob, so glaubt Referent dem hohen Hause Vorschlägen zu müssen: es möge das hohe Haus dem Beschlüsse der Kammer der Abgeordneten beitreten. Dies geschah ohne alle Debatte einstimmig und ist sonach Gesammtbeschluß der beiden Kammern über diesen Gegenstand erzielt. — Bon der Tribüne aus verfolgten eine Anzahl von Abgeordneten, darunter der k. Advokat Frankenburger von Nürnberg, die Verhandlung. Der genannte Herr Abgeordnete hatte sich unseres Wissens in der Kammer der Abgeordneten der Petition angenommen, wie derselbe überhaupt stets die Interessen der bayerischen Juden, sofern dieselben rechtlich begründet sind, in seiner Kammer zu vertreten pflegt. Er hat auch im Jahre 1872 bewirkt, daß der Landtag den bayerischen Rabbinern eine Congrua von 000 st. gewährte. Oesterreich-Ungarn. Wien, im März. (Privatmitth.) Das hier ruhig, aber stetig wirksame Bet ha-Midrasch unter der Leitung des Herrn Ur. Adolf Jellinek hat seinen Rechnungsausweis für das Jahr 1874 veröffentlicht. Es werden in demselben wöchentlich 171/2 Stunden Borträge über Talmud, Midrasch, Jore-Deah und Bibel regelmäßig gehalten. Die Bortragenden sind die Lectoren Friedmann und Weiß, Dr. Jellinek und Director S. Szanto. Außerdem wurden 9 öffentliche Borlräge über wissenschaftliche Gegenstände gehalten. Die Bibliothek ist täglich von 10—12 Uhr geöffnet. Die Ausgaben betrugen 3459 fl. und verblieb der Bermögensstand am Schluffe des Jahres an Capitalien 29,650 fl. und baar 2516 fl. Man ersieht hieraus, daß die Anstalt eine wohlbegründete und in stetem Wachsen begriffene ist. —. Das israelitische Blindeninstitut aus der Hohen Warte bei Wien hielt am 7. d. M. seine Generalversammlung ab. Bom Präsidenten Pr. Ludwig August Frankl mit kurzer Ansprache eröffnet, trug der Schriftführer, kaiserlicher Rath Pr. Wölfler, den Rechenschaftsbericht vor. Die Zahl der Zöglinge ist derzeit 22 — 13 Knaben, 9 Mädchen.— Alle, mit Ausnahme Eines Zöglings, erhalten Berköstigung, Bekleidung und Unterricht unentgeltlich. Nicht weniger als drei Doctoren überwachen die Sanität. Nach dem Cassenberichte zahlt der Verein 478 Mitglieder — unter ihnen 40 Gemeinden — welche jährlich an 6000 st. beittagen, und besitzt ein vom Gründer der Anstalt gesammeltes Stammvermögen von 140,000 fl. in Papieren, nebstdem ein Capital von 17,400 fl. Silberrente als Unrerstützungsfonds für die nach einer achtjährigen Lehrzeit aus der Anstalt tretenden Zöglinge. Interesse erregten die ausgestellten Arbeiten der Zöglinge, Körbe aller Größen von zierlichster Form, bunte Tischdecken, feine Sttohgeflechte, Bürsten aller Art, Stickereien, Häkeleien, Hauben, Leibchen, Macaffar u. s. w. Wim, 9. März. (Privatmitth.) Die historische Section der hiesigen Alliance israelile gedenkt ein Archiv für Geschichte der Juden in Oesterreich zu begründen. Zu diesem Zwecke wird sie sich an Gelehrte und Fachmänner, an die Vorstände der jüdischen Gemeinden und an die Rabbiner, Prediger und Lehrer, schließlich an die Vorstände der öffentlichen und Privatarchive wenden, und sie bitten, Urkunden und Documente, die Juden in Oesterreich betreffen, wenn möglich im Originale (und sollen dieselben nach genommener Abschrift wieder zurückgesendet werden) odrr in correcten Abschriften einzusenden. Selbstverständlich ist es ganz gleichgiltig. in welcher Sprache immer die betreffenden Documente abgesaßl sind, wenn sie nur überhaupt historischen Werth haben. Von Zeit zu Zeit gedenkt die genannte Section mit Publicationen auf geschichtlichem Gebiete hervorzutreten, und zwar entweder als fonles oder verarbeitet in Essays:c. Es mag hinzugesügt werden, daß Herr Reichsrathsabgeordneter Pr. Ignaz Kuranda, Präses des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde, Vorsitzender dieser Section ist. Vor einigen Tagen starb hier hochbetagt Herr Moses Edler v. Hönigsberg. Dessen Großvater, Regierungsrath Israel Hönig, war der erste Jude, der unter Joseph ll. am 24. August 1789 in den österreichischen Adelsstand erhoben wurde (die Nobilitirung Jacob Bassewis' unter Ferdinand 11. am 29. August 1622 blieb eine vereinzelte Erscheinung). Der jüngst verstorbene Moses, der erst vor wenigen Jahren nach Wien übersiedelte, war 42 Jahre Vorsteher der Beerdigungsbrüderschaft in Prag. Obschon er nicht reich an Glücksgütern war, förderte er doch nach besten Kräften jüdische Vereine und Institutionen, und trug er allein die Kosten für die Hönigsbergsynagoge. Er besaß Verttrutheit mit der jüdischen Literatur, welcher er oft seine Mußestunden widmete. Was seinen Charakter betrifft, so kam über seine Lippe kein bitteres Wort; er ertrug ruhig Unbill und das Unglück philosophisch. Sein Streben war, unter allen Verhältnissen als ehrenhafter Mann zu erscheinen, und war er bemüht, ferne Kinder nach diesen Grundsätzen zu erziehen. Möge ihm die Erde leicht sein. Zu Ehren des verstorbenen Seminardirectors l)r. Zacharias Frankel hielt Herr Prediger Pr. Jellinek eine ausgezeichnete Rede im Beth ha-Midrasch; Herr Rabbiner Pr. Güdemann beklagte ven Tod des Dahingeschiedenen in einer Predigt in der Leopoldstädter Synagoge, wo ein solenner Trauergottesdienst abgehalten wurde. Pest, 7. März. (Privatmitth.) Der frühere Prediger und gegenwärtige Reichstagsabgeorvnete Eduard Horn ist als Staatssecretär in's Handelsministerium eingetreten. Notizen. Der Rabbiner von Czechonown bei Plctzt 13

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