Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 13 (23.3.1875)
- Date
- 1875-03-23
- Page
- Seite 204 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3227014-3227028--33397-3303183- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
204 in einen fröhlichen CommerS auslief. Aus den im Berichte angeführten Zahlen heben wir folgende hervor. Der Verein besitzt ein Stammvermögen von 3300 Mark und ein jährliches Einkommen von circa 700 Mark. In dem verflossenen Bereinsjahre wurden an b Petenten 500 Rm. vertheilt. Der Vorsitzende schloß mit dem lebhaften Wunsche, es möge dem Vereine vergönnt sein, sich zu kräftigen und empor zu blühen und nach allen Seiten und in immer weitere Kreise sein humanes Wirken zu verbreiten. Cassel, 12. März. (Privatm.) J. Einsender dieses hatte am 4. d. M. Gelegenheit, in Witzenhausen a. d. Werra einer seltenen Feierlichkeit beizuwohnen: „Ein israelitischer Veteran, Samens Noa Gans, im siebenundachtzigsten Jahre, dem es vergönnt gewesen, nach Beendigung der Freiheitskriege 1813 mit den siegreichen deutschen Heeren in Frankreich einzuziehen, wurde heute zu Grabe getragen. Unter den ergreifenden Klangen eines Trauermarsches, intonirt von einem Theile der Capelle des 83. Linienregiments aus Cassel, welcher der Kriegerverein von Witzenhausen in voller Uniform in 3 Colonnen folgte, wurde der Sarg, geschmückt mit Helm und Degen, durch mehrere Straßen hindurch, nach dem israelitischen Friedhose getragen. Dem Sarge voraus ging ein Mitglied aus dem Kriegervereine, die Orden des Entschlafenen auf einem Sammetkissen tragend; die jüdische Gemeinde, ein Theil der Bürgerschaft gaben ihrem verstorbenen Mitbürger das letzte Geleite. Auf dem Friedhofe angelangt, ergriff Herr 0r. Silberstein, Rabbiner aus Möhringen in Württemberg, welcher gerade Besuchsweise in seiner Vaterstadt war, Las Wort, um in schwungvoller Rede den Gefühlen der so zahlreich Anwesenden Ausdruck zu geben. Redner nahm besonders Gelegenheit, die Errungenschaften einer lichtvollern Zeit hervorzuheben, die sich nicht besser bekundeten, als wenn, wie heule, Deusschlands Krieger, ferner von jedem religiösen Borurtheile, ihrem israelitischen Mitbruder auf eine so feierliche Weise ihre Achtung und Liebe selbst noch im Tode bekundeten. Drei Ehrensalven über das offene Grab beschloffen die Feier." Wiesbaden, 14. März. (Privatmittheil.) Wir erhalten folgende Notiz aus dem zu Wiesbaden erscheinenden „Rheinischen Kurier" vom 12. Marz, welche wir zur Berücksichtigung dringlich unsren Glaubensgenoffen empfehlen. Die Redaction der Allg. Ztg. d. I. „Wie wir hören, soll das Judenbad zu Friedberg in der Welterau verkauft werden und Herr Gustav Dieffenbach daselbst hiermit beauftragt sein. Wer dieses merkwürdige, reich ornamentirte Bauwerk, eine Perle des Uebergangsstyles, aus eigener Anschauung oder aus der Darstellung desselben in den „Denkmälern deutscher Baukunst", Darmstadt 1856, kennt, wird mit uns übereinstimmen, daß keines der bekannten Judenbäder dieses an Interesse und architectonischer Schönheit übertrifft und nur das in Speher ihm hierin gleichkommt, er wird mit uns lebhaft wünschen, daß dasselbe durch den Uebergang in andere Hände nicht Schaden leiden möge. Wenn wir sehen, wie viel von den Christen für die Erhaltung ihrer kirchlichen Denkmäler geschieht, so liegt es nahe zu hoffen, daß auch die israelitischen Religionsverwandten, oder ein einzelner mit Glückgütern Gesegneter derselben eintreten für die Erhaltung eines mit ihrem CulmS und selbst räumlich mit ihren Synagogen so nahe verbundenen Denkmals, zumal da für dessen Restauration kein dringendes Bedürfniß vorliegt und der dafür mit der darüber gelegenen Hofraithe gesetzte Preis 3000 Mark nicht erreichen soll. Würzburg, 9. März. IPrivatm.) Bekanntlich bestand hier seit vielen Jahren eine Jeschiwa, die gewöhnlich an zwanzig Bechurim zählte. Mit dem Jnslebentreten der Berliner Hochschule für Candidaten der jüdischen Theologie verminderte sich aber die Jeschiwa dahier dermaßen, daß nunmehr nur noch vier over fünf junge Polen hier als Bechurim herumgehen. Eigenthümlich und für die bekannte Würzburger Orthodoxie sehr bezeichnend ist der Umstand, daß die meisten der von hier fortgegangenen jungen Leute nicht nur wegen Mangels an jedweder Gelegenheit zu ihrer Ausbildung in den profanen Wiffenfchaften, sondern buchstäblich auch vor Hunger ihren hiesigen Aufenthalt aufgeben mußten. Mit Ausnahme eines einzigen von den Bechurim selbst erhaltenen Vereines giebt es hier keine Anstalt, die es zur Aufgabe härte, solche Leute zu unterstützen. So und so oftmal des Jahres kann man in den Fachblätteru lesen, daß abermals Tausende Gulden aus Würzburg und Umgebung nach Palästina gewandert sind, aber arme, wissensdurstige Jünglinge sieht man mir ruhigem Gewissen ihrer Armuth unterliegen. Es ändert am Ende wenig an dem Weltenlauf, ob in Würzburg eine Jefchiwah besieht oder nicht, aber das ist es allenfalls: Ein Zeichen der Zeit. München, 12. März. (Privatmitth.) -i. In der heutigen Sitzung der Kammer der Reichsrärhe kam eine Petition von mehreren israelitischen Gemeinden Unterftankens zur Verhandlung. Besagte Petition ging dahin: der Landtag wolle aussprechen, daß die Entrichtung einer Anzahl von Abgaben, welche die Gemeinden unter dem Namen Judensteuer u. s. w. bisher zu entrichten hatten, aufzuhören habe. Der Bericht des Referenten, Reichsraths Freiherrn von Schrenkh «des letzten bayerischen Bundestagsgesandten), besagte ungefähr Folgendes: Man sollte glauben, daß die genannten Abgaben in Folge des Ablösungsgesetzes vom 4. Juni 1848 bereits hätten unentgeltlich in Wegfall kommen müssen. Die Abgaben selbst scheinen ursprünglich ein Ersatz für die der Geistlichkeit entgangenen Stolgebühren gewesen zu sein. Im Laufe der Zeit mögen sie aber einen privatrechtlichen Charakter angenommen haben. Die Kammer der Abgeordneten hat deshalb der Bitte in ihrem Wortlaut keine Folge gegeben, sondern Beschluß dahin gefaßt, es sei an die k. Staatsregierung die Bitte zu stellen, eine Revision dieser Abgaben vorzunehmen und dem künftigen Landtage eine Vorlage darüber