Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 52 (27.12.1918)
- Date
- 1918-12-27
- Page
- Seite 624 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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gemacht, ihr Leben bei jeder Wendung besonders zu regeln, um alle Ereignisse, die sie betrafen, in eine logische und folgerichtige Symmetrie zu leiten. Es wurde ihr daher klar, daß das hauptsächlichste aller menschlichen Ereignisse, ihre Mutter-- schaft, den gebührenden Mittelpunkt einnehmen und 'die Achse werden sollte, um welche ihre ganze Zukunft sich zu bewegen hatte. So weit .hatte sie ruhig und gefaßt Nachdenken können, und das Resultat war ein gewisses Mißtrauen, daß sie wieder an einem Wendepunkt anigelangt sei, daß ihr Zeit und Warnung gegeben wurde, um sich für kommende Stürme vorzubereiten. Denn sicherlich bedeutete es schwere Stürme, einen gewaltigen Aufruhr, daß sie bei der Erfüllung des innigsten Wunsches, bei dem Segen, den sie sich ersehnt, sich doch nicht der ungetrübten Freude hingeben durste. Dabei tauchte noch die nicht minder wichtige Frage auf, in welcher Art sie es ihrem Gatten mitteilen sollte, der sicherlich nicht weniger sehnsüchtig es erwartete. (Fortsetzung folgt.) Lud' vom Lied. as man mir gelobt als Kind, Was als Jüngling ich verehrte. Was des Mannes Götter sind, Was, den Greis, die Welt mich lehrte. Was das Leben Schönes gibt, Vaterland und Ruhm und Ehre, Was entzückte, was geliebt. Alles Edle, Wahre, Hehre: Hingesunken ist's in Staub, Ausgelöscht mit einem Male. Ward der schwarzen Zeiten Raub — Wie ein Licht im weiten Saale. Hoffnung, Anfang du vom Glauben, Dich nicht Pflanz' ich auf am Grabe! Alles dursten sie mir rauben, Was ich bin und was ich habe. Wie die Götter Griechenlands, Abgeschworen, angezweifelt. Sank dahin der große Glanz, Und ich sterbe stumm, verzweifelt. Alfred Friedmann. 1918. u, dessen Grimm der Flut gebot: „Bring aller Kreatur den Tod!" Wir haben auch Dein' Zorn erweckt, Millionen hast Du hingestreckt. Und noch auf uns ruht Deine Hand, Die Seuche schickst Dir über's Land: Der Jüngling frisch im braunen Haar, Der nicht vom Krieg getötet war, Die holde Braut im Myrtenkranz, Mit müssen sie zum Totentanz. Ist Deine Rache noch nicht aus? Veröden soll das Erdenhaus? Nur die im ew'gen Aetherlicht, Sie kennen Fehl und Untat nicht. Darum gönn' uns Deiner Gnade Schein, Der Mensch wird immer sündig sein. 0. F. Literarische Mitteilungen. — Grundlagen und Ziele des religiös-liberalen Judentums. Im Auftrag der Vereinigung für Las liberale Judentum in Deutschland versaßt von Dr. Joseph Norden, Rabbiner der Jttdischen Gemeinde in Elberfeld. 1918. Druck von Voigt Gle'.b:r, Frankfurt a. M. Um die Tendenz dieser nützlichen Schrift erkennen zu lassen, ist es am besten, einige Sätze wörtlich anzusühren. So heißt es S. 9: ..Der Liberalismus ist von der Ueberzeugung durchdrungen, daß das überlieferte Judentum sich mit den Anschauungen der Gegenwart befreunden und ihnen Rechnung tragen muß, daß das Gesetz der Entwicklung vor den Toren der Religion nicht baltmachen darf; und darmn darf er hoffen, viele dem Judentum zu erhalten, und viele, die sich teilnahmlos abgewandt haben, ihm wiederzugewinnen und den Glauben an seine Zukunft in ihnen wieder zu wecken." Es wird dann gezeigt, wie manche Schwierigkeiten der Antisemitismus gerade dem liberalen Judentum bereitete, und wie die Zaghaftigkeit der Vereine und der Gemeinden dessen Wirksamkeit beschränkt. Dann wird auseinandergesetzt, daß auch der Liberalismus an Offenbarung glaube, aber hinzugefügt: „Er nimmt es als ein Recht in Anspruch, er erfordert es als eine heilige Pflicht, daß wir uns der von Gott verliehenen Vernunft bedienen, um in der Heiligen Schrift die uns als ewig erscheinenden Wahrheiten und sittlichen Grundlagen streng zu unterscheiden von den Glanbensvorstellungen in den Erscheinungsformen, die nach unserer festen Ueberzeugung dem Wandel der Zeiten unterworfen sind." Es wird ferner gelehrt, daß der Liberalismus die übernatürlichen Wunder, die Auferstehung des Körpers, das Erscheinen eines persönlichen Messias verwerfe. Den Erscheinungsformen (Zeremonien) gegenüber wird als Grundsatz des Liberalismus dargestellt.- „Er legt seinen Anhängern die Befolgung derjenigen Erscheinungsformen dringend ans Herz, von denen er fest überzeugt ist, daß sie jedem Juden religiöse Erhebung und Weihe zu bringen vermögen." Ferner: „Die Befolgung.derjenigen Erscheinungsformen jedoch, von denen er überzeugt ist, daß sie diese Kraft nicht bei jedem Inden besitzen, überläßt er dem religiösen Empfinden des einzelnen". Zu den ersteren gehören Feste, Trauungen, Konfirmationen usw.; zu den letzteren: Speisegesetze, Schaufäden, Gebetriemen. Was sodann die Betätigung des jüdischen Liberalismus betrifft, so soll sie sich zeigen in Haus und Familie, Gottesdienst und Gemeindeleben, Religionsunterricht. Bei letzterem wird gefordert, daß unsere Jugend auch mit Len Lehren des Christentums bekanntgemacht werde. Der Gegensatz Zwischen Zionismus und Liberalismus wird in folgenden überaus verständigen Worten zusammengefaßt: „Dem Zionismus ist das Judentum in erster Reihe ein nationales Gebilde; dem Liberalismus ist es vor allen Dingen Religion. Der Zionismus tritt für die Erhaltung der jüdischen Gebräuche ein, wenn nicht aus religiösen, so doch ans nationalen Gründen; der Liberalismus fordert nur die Jnnehaltung derjenigen Bräuche, die nach seiner Ueberzeugung noch heute imstande sind, uns sittlich-religiös zu heben und zu kräftigen. Der Zionismus erblickt in der rnessianischen Hoffnung die Hoffnung auf eine nationale Wiederherstellung; dem Liberalismus eröffnet sich in dem Messiasglauben der Ausblick auf das goldene Zeitalter, die allgemeine Gotteserkenntnis und die allgemeine Verbrüderung unter Menschen und Völkern." Im Schlußwort wird endlich gesagt: „Einheit des Judentums im Sinne der Einheit der religiösen Auffassung hat es weder im Altertum noch im Mittelalter gegeben, und auch in unseren Tagen wird sie nicht erreicht werden. So wird auch heute das Schlagwort von der bedrohten Einheit des Judentums nicht verfangen; keinen einzigen überzeugt liberalen Juden wird es in seiner religiösen Ueberzeugung erschüttern, keinen einzigen selbständig denkenden, und mit der Geschichte des Judentums vertrauten Andersmeinenden wird es den Liberalismus aus diesem Grunde in ungünstigem Lichte erscheinen lassen." Wir können die kleine, das Wesentliche gut hervorhebende Schrift unseren Lesern eindringlich empfehlen. L. G. Schlutzquittung. Von Frau Rosalie Bergmann in Fürth sind noch 50 Mark eingegangen. Mit einem anderen kleinen Beitrag, der bisher noch nicht versendet werden konnte, ist der Rest mit 85 Kronen eingezahlt worden. Da diese Zahlung nicht nach Boberka in Galizien wegen der Unsicherheit der dortigen Verhältnisse geschickt werden konnte, so haben wir es vorgezogen, die letzte kleine Sendung an die Israelitische Allianz in Wien zu überweisen, und von ihr folgende Quittung bekommen: „Für die zugunsten der unglücklichen Juden in Galizien (Pogromopfer) hochherzig gespendeten 85 Kronen drücken wir Ihnen unseren verbindlichsten Dank aus. Israelitische Allianz in Wien. Dr. Kuranda." Diesen Dank können wir unserseits auch allen denen wiederholen, die uns bei unserer Sammlung unterstützt haben. D. R e d.