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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-12-27 · Heft 52 (27.12.1918) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 52 (27.12.1918)
Date
1918-12-27
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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r. i jäEf^njTrTS? MMN Vrtlsge zur „Allgemeinen Leitung de- Judentum-". lkorrrsponllknZen und Kschnchrm. SrutschlsnL L2 Berlin, 23. Dezember. Um die erschreckende Erwerbslosigkeit unter Den heimkehrenden jüdischen Soldaten zu bekämpfen, ist für Berlin eine Beru-,sfürsorgesLelle eingerichtet worden. Sie -ist mit dem jdt langem bestehenden Arbeitsnachweis der Berliner U.O.B.B.- Logen verbunden und bezweckt, den heimkehrenden jüdischen Soldaten bei Wiedererlangung ihres Zivilberufes behilflich Zn sein, siezu beraten und ihnen Arbertsmögli-chkeiten nachzuwersen. Alle jüdischen Soldaten, die ihre frühere Zivilstellung nicht wieder antreten können, werden mr eigenen Interesse gebeten, sich mit Papieren und Zeugnissen der der Berussfürsorgestelle für jüdische Soldaten, Berlin i>, Monbijouplatz 10, in der Zeit von 9 bis 1 Uhr Montags bis Freitags zu melden. Alle jüdischen Arbeitgeber werden dringend gebeten, der Be-, rrrfsfür^orge etwa bei ihnen frei werdende Stellen anzuzeigen, beider rvachst dre Erwerbs los, igteit unter den jüdischen Soldaten von Lag zu Lag mit fortschreitender Demobilmachung, und schnelle Hilfe \}i oringerw notwendig. Soll die Berufsfürsorgestelle Erfolg haben, so muß )eoer einzelne Fall von Arbeitslosigkeit individuell und persönlicy Vearbeirer werden. Hierzu ist die Bereitstellung von erheblichen Geldmitteln notwendige Vom jüdischen Opfersinn wird erwartet, daß er sich auch hier bewahrt, wo es sich darum handelt, den hei Mehrenden jüdischen Kriegern über die kornnienden harten Monate fortzuhetjen. Geldspenden werden erbeten an: Verein für Arbeitsnachweis, begründet von den Berliner Logen U.O.B.B., Postscheckkonto 1517, Berlin. Monbijouplatz 1b, für Berufsfürsorgestelle. Berlin, 2s. Dezember. Ein aus den Kreisen der hier ansüfsigen Juden aus Galizien und der Bukowina gebildeter und behördlich genehmigter Hilf,sausschuß für die Pogromopser in Galizien, wendet sich an die breiten Massen der galizischen Juden!)eit mit nachsvlgendem Aufruf Galizische und Burowinaer Juden! Ein großes, gewaltiges U n g l ück ist über unsere Schwestern und Brüder in Galizien herei ngebrochen. Taufende von Juden sind von den Polen erschossen, erschlagen, erstickt und verv r a in n t worden. Zehntausende sind obdachlos und an den Bettelstab gebracht worden. Hunderte von Kindern sind Warten geworden. Polnische Offiziere, Studenten, e g : o n ä xe und B a n e r n haben in wenigen Tagen in ganz Galizien Lausende von Juden abgeschlachtet, die Existenz von Zeyntausenden vollkommen vernichtet, Feuer hat man in die Hauser gelegt, die Wohnungen und Einci ch: ungen z e r ft ö r t, ore B e t r e n ze r r i s se n. und mit P e t r o t e u nt vegossen , die xsäocn aus geraubt und die Aermften in Wind und Wetter o v o a d) l o 3 auf die Straßen in n ain enloses Elend hrnausgei>agl_ Unsere a l re h r w ü r d i g e n Statten der A n - uacyt hat Oie s e Möroervanö e ang, ezündet u n d s i ch Nicht gescheut, s e 1 b st u n s e r Heiligsres, die Thorarollen, zu schänden und zu zerstören. Brüder und Schwestern! Unerhörtes ist in Galizien geschehen und geschieht noch! Schon regt es sich in allen Enden der Welt, um zu Helsen. Das gesamte Judentum soll und wiro semen Boltsgenofsen bestlinmt yetiem vollerr aber wir g a l i z i f ch e Juden, deren Fleisch und Blur oorr ins Elend gejagt wurde, tatenlos belferte stehe«, oder uns auch n ur in die Leihen der Helfer e i n r e i h e n lassend Sollten nur nicht imstande fein, vor allem zu zeigen, daß wir bereit sind, mit G u t und Blut für unsere Angehörige n einzurreren. In erster Reihe der Helfer ist unser Platz! Zeig:, daß wir auch etwas leisten kön«en! Zeigt, daß wir nicht o . e verachteten galizischen Juden sind, denen nachgesagt wird, daß sie nur in skrupellosem Erwerb ihr einziges Ideal sehen. Zeigt, daß wir genau so sittlich und in o r a l i sch h ochuehende Menschen sind wie alle anderen. Zeigt, daß wir genau dieselben F e h l e t u n d S ch w ä ch e n , aber auch g e n a u d i e s e l b e n B o r z ü g e haben wie alle anderen Menschen! Zeigr, daß wir genau so nützliche Glieder der Menschheit, gleichwertiger Bestandteil unseres Volkes sind. Zeigt, daß wir eintreten wollen als g all z i sche Ju den fü r galt zische I u den. Wir brauchen uns nicht zu schämen, als. galizische Juden für unsere unglücklichen Brüder einzutreten, wo und wann es auch sei. Zwar können wir die Toten nicht erwecken, den Lebenden aber ' wollen wir helfen! Wir wollen sie in Gemeinschaftmit dem gesamten Iudenvolke materiell wieder aufrichten und 'ihnen m jeder Beziehung bei stehen. Wir wollen und müssen M i t t e l j ch affe n! Darum die Herzen und noch mehr die T a s ch c n auf! Jeder nach seinem Vermögen und darüber hinaus! Auf, alle Berufsstände! Ihr Arbeiter, Händler, Handwerker und Kau fleu te. Alle seid ihr berufen, die Tränen der Witwen und Waisen zu.^trocknen. Auf, ihr Parteien im Judent u ml Ob ihr Zionisten, Bundisten oder Poale-Zion, ob ihr orthodox, liberal oder konservativ seid. Alle sind berufen, zu helfen! Auf, ihr V ere i n e ga l i z r sch er Juden! Ob ihr in Synagogen, Humanitäts-, Handwerker- oder geselligen Vereinen zusammengefaßt seid. Alle müßt ihr euch uns anschlietzen, dem Bunde der Helfer für die Pogromopser in Galizien! Sammelt Geld, Geld und nochmals Geld! Rüttelt alle eure Landsleute und Bekannten auf! Doppelt gibt, wer schnell gibt! Söhne des Erbarmens, erbarmet euch vor allem eurer - unglücklichen Brüder, der Pogromopfer in Galizien! Helft ihnen! Der Hi lfsausschuß galizischer und Buiöowianer Juden für die Pogromopser in Galizien. Postscheckkonto Nr. -48 485. Bankkonto: Dresdner Bank, Dep.-Kasse 0. Geschäftsstelle: Berlin, Oranienburger Straße 641. E. M. Berlin, 23. Dezember. Die, parteipolitischen Neubildungen und die Juden lautete das Thema des zweiten Erörterungsabends, den der Jüdische I u g e n d b u n o (Berlin) gemeinsam mit dem Berband jüdischer Jugendvereine in Deutschland am letzten Mittwoch veranstaltete. Der Abend wurde durch eine Ansprache des Verbandsvorsitzenden, Rechtsanwalt Dr. Apfel eingeleitet, der die Forderung der oeutschen Juden nach völliger bürgerlicher Gleichberechtigung betonte. „Das deutsche Judentum wird als seine Repräsentanten nur aufrichtige jüdische Männer und Frauen anerkennen unv jede Verantwortung für die Taten und Aeußerungen solcher Politiker ablehnen, die nur ourch den Zufall der Geburt dem Judentum angehoren, aber innerlich nichts mit ihm zu tun haben wollen. Die deutschen Juden sind auch bereit, bei den bevorstehenden Wahlen ihre Vertretung auch den andersgläubigen Mitbürgern anzuvertrauen, aber nur solchen, die für die volle und restlose Gleichberechtigung der deutschen Juden eintreten. Bon den politischen Parteien wird gefordert werden, daß sie nur solche Kandidaten aufstellen, für deren Wahl aufrechte jüdische Wähler ohne Gero issenskonflikte werben können." Me Zahl der Redner eröffne ten Chefredakteur Dr. Johannes Rathgen und Fräulein Else Luders für die Deutsche denwkratifche Partei, dann sprach Reichstagsabgeordneter D av i d s oh n für die Sozialisten; für das Zentrum sprach Geheimer Negierungsrat Dr. Jt schert, M. d. R. Oberbürgermeister Dvminicus verurteilte die Pogromhetze uno forderte zur Selbstprüsung auf, ob nicht manche Erscheinungen des jüdischen Lebens die antisemitische Stimmung im Volke verursacht hätten. Seiner Mahnung an die jungen Juden, sich mit besonderer Energie für die Ordnung und die deutsch nationale Gesinnung einzufetzen, widersprach mit feiner Ironie der derzeitige Minister des Innern Tr. B r e i t s ch e i d, der diese an die Adresse der Juoen gerichtete besondere Mahnung als überflüssig bezeichnete. Auf den gleichen Standpunkt stellten sich zwei jüdische Redner, die , Herren B l u m e n f e l d und Tr. Holländer^ von denen der letztere eine intensivere Bekämpfung des Antisemitismus forderte. Nach einer Ansprache von Fräulein Dr. Cora Berliner schloß Dr. Apfel die stark besuchte Versammlung. '& & Berlin, 23. Dezember, lieber die Forderungen der j ü d i s ch e n H a n d w e r ke r im Frieden sprach der Vorsitzende des Berliner Vereins selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens, Herr Wolfs, in einer vom Handwerkerverein einberufenen Versammlung. Die jüdischen Handwerker verlangen nach der Neuordnung in Deutschland auch eine Neuordnung in der Berliner Jüdischen

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