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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-06-28 · Heft 26 (28.6.1907) · p. Seite 312

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 26 (28.6.1907)
Date
1907-06-28
Page
Seite 312 (sequence 12)
Language
German
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Charlottenburg gesungen, die Chöre von den Mitgliedern des Musik- und des Lehrergesangvereins vorzüglich ausgesührt. Der große Konzertsaal war fast überfüllt von hiesigen und von auswärts herbeigeeilten Zuhörern, die alle in Andacht und in Ergriffenheit den Darbietungen lauschten. So war die Erstaufführung des „Moses" nicht bloß ein Ruhmestag für den bescheidenen, selbstlosen Komponisten, dem die verdiente Anerkennung von der dankerfüllten Zuhörerschaft spontan bekundet wurde, sie war auch ein Ehrentag für die hiesige Musik und Kunst liebende Stadt. Für die jüdischen Zuhörer war die Aufführung des „Moses", von dem künstlerischen Wert abgesehen, noch von besonderer Bedeutung. Daß gerade hier, auf dem Boden des politischen christlich-sozialen Konservatismus und des Stöckerschen Christentums, ein solches Werk ausgesührt und mit allgemeiner Begeisterung aufgenornmeu wurde, in welchem Israel als das erwählte Volk Gottes in erhabener und erhebender Weise gefeiert wird, das ist, zwar unbeabsichtigt, aber trotzdem, ein Kiddusch lmschem, eine Heiligung Gottes und eine Verherrlichung der historischen Wahrheit. Herford. Rabbiner Dr. Hu lisch. Sprerhlaal. Sehr geehrter Herr Redakteur! 5u dem Artikel „Das neue badische Gebetbuch" in der Nmnmer 23 dieser Zeitung gestatte ich mir einige kurze Bemerkungen: Die mystischen Worte 271O2 DDpJK in dem Y"p beim Priestersegen sind allerdings weder in dem Gebetbuch von Samson Raphael Hirsch» noch in der Rödelheimer Tephillah vorhanden, wohl aber in dem Rvdelheimer Machsor, das noch jetzt in vielen Gemeinden, besonders in Süddeutschland, stark verbreitet ist. Doch ist dieser W, in dem von der „Reinheit des großen, gewaltigen und furchtbaren aus 22 Buchstaben zusammengesetzten Gottesnamen" die Rede ist, kabbalistischen Ursprungs, und trotzdem ist er sowohl in dem Hirsch'schen wie auch in allen anderen alten Gebetbüchern in seiner ursprünglichen Fassung aufgeführt. Selbst Michael Sachs wagte es nicht, ihn gänzlich zu streichen, aber er hat ihn wenigstens, wie die Tephilla und das Machsor überhaupt, von den kabbalistischen Anklüngen gereinigt. Rationeller verfuhr der rühmlichst bekannte Seneor Salman in Liadi (geb. 1751, gest. 1813). Obwohl er selbst ein Verfechter der Kabbalah war, so fand er es doch für wichtig, die meisten kabbalistischen Gebete, die von den Gegnern des Chassidismus und der Kabbalah noch bis heute mit großer Inbrunst gesprochen werden, gänzlich wegzulassen. Sein Gebetbuch „Thorah Or" enthält weder den -p beim Priestersegen, noch die mit den Engelnamen zwischen den Tekiot, noch überhaupt irgend welche Gebete, für die im talmudischen Schrifttum keine Grundlage zu finden ist. — Doch strich er nicht bloß die kabbalistischen Gebete bis auf einige harmlose; in seinem Gebetbuch fehlen auch die 13 Glaubenssätze des Maimonides und Unsere moderne Orthodoxie dürste es vielleicht interessieren, was er in seinem Schulchan Aruch, Hilchoth Tephila K. 101 schreibt: „Unwissende, selbst wenn sie die hebräischen Gebete lesen können, aber deren Sinn nicht verstehen, sollen lieber, da der Hauptzweck des Gebetes die Andacht ist, in einer ihnen verständlichen Sprache beten." Zum Schluß will ich noch bemerken, daß DDpJK nichts weiter als Initialen des Gebetes 2**)p pxÄ nnrri »sw. sind, bv Hochachtungsvoll Albert Katz. Sehr geehrter Herr Redakteur! gestatte mir, darauf aufmerksam zu machen, daß der von ^3 Ihnen unter der Rubrik „Woche" S. 279, Nummer 24, Jahrg. 71 erwähnte Artikel des „Anhaltischeu Staatsanzeigers" über die russischen Juden schon vor 14 Tagen die Runde durch viele Provinzialblätter gemacht hat. Auch in der hiesigen „Provinzialzeitung" hatte der Artikel am 2. Juni — wohl um eine Lücke auszusüllen — Aufnahme gefunden. Die Redaktion nahm aber sofort eine von mir eingesandte Entgegnung auf, die in hiesigen christlichen Kreisen allgemein eine außerordentliche Beachtung fand. Der Redakteur der „Provinzialzeitung" schrieb mir außerdem einen Entschuldigungsbrief, aus dem hier der Kuriosität halber einige Stellen wiedergegeben werden sollen. Herr Redakteur Wilhelm Georg schreibt mir unterm 3. Juni d. I. Folgendes: „Ihre Ausführungen über die russischen Juden erscheinen in der heutigen Nummer der „Provinzialzeitung". Daß Sie in einem Satze die Echtheit des Mitleids bei dem Artikel anzweiseln, tut mir leid. Ist doch der Herausgeber der „Allgemeinen Korrespondenz", aus der der Artikel stammt, Ludwig Asch-Berlin (ebenso dessen Redakteur) eine Persönlichkeit, die in der Berliner Publizistik einen guten, trefflichen Namen hat. Beide sind, meines Wissens, Israeliten." Wie aus dieser Zuschrift hervorgeht, stammt also der Artikel des „Anhaltischen Staatsanzeigers", dessen Wortlaut genau mit dem von der „Provinzialzeitung" übereinstimmt, von Juden. Mit größter Hochachtung S. Bachen he im er, Lehrer Geestemünde, den 14. Juni 1907. * Geehrter Herr Redakteur! "^lch nehme Veranlassung, Ihnen von folgendem Vorkommnis ^3 Kenntnis zu geben. Gestern, etwa 10 Uhr, wurde ich an das Telephon gerufen. Auf meine Anfrage meldete sich Dr. Karpeles. Der Sprecher teilte mir mit, er sei auf der Durchreise nach Oesterreich hier, könne aber rvegeu der Kürze der Zeit nicht zu nrir kommen. Er möchte mir einen jetzt in Kattowitz anwesenden Rezitator Klein dringend empfehlen. Derselbe sei lungenkrank und müsse mit seiner Frau möglichst schnell nach Meran fahren. Ich möchte doch dahin wirken, daß Klein hier einen Rezitationsabend veranstalten könne. Letzteres mußte ich aus Gründen, welche ich angab, ablehnen, erklärte mich aber infolge des Ersuchens uub der Empfehlung bereit, Klein eine größere Unterstützung zu verschaffen. Nach etwa einer halben Stunde kam Klein zu mir, berief sich auf das telephonische Gespräch und erzählte mir, er sei mit Ihnen von Oppeln hierher gefahren. Er zeigte mir sein Rezitationsprogramm und auch eine Karte von dem Rabbiner aus Könitz, wenn ich nicht irre, der sich erfreut über Kleins Erfolge aussprach. Als Namen gab er an: Georg Klein, Potsdam. Klein sah in der Tat kränklich aus. So vorsichtig ich sonst bin nach den bösen Erfahrungen, die ich hier an der Grenze schon recht oft gemacht habe, ich hatte bei dem etwas demütig-bescheidenen Auftreten Kleins keinen Verdacht, daß ich getäuscht wurde. Nach längeren Verhandlungen, in denen ich Klein klar machte, daß er hier einen Rezitationsabend nicht veranstalten könne, gab ich die zugedachte Unterstützung, ferner eine Empfehlung an den Gemeindevorstand und eine solche nach Beuthen, die er von mir erbat. Bei seinem Fortgehen sah ihn ein Kollege aus der Nähe, der mich besuchen wollte und sich erinnerte, daß vor einem Rezitator Klein vor nicht langer Zeit in einem jüdischen Blatte gewarnt worden war. Ich ries Klein nochmals zurück, und bald stellte es sich heraus, daß es sich nach meiner Ueberzeugung um ein ra ssiniert es Schwindelmanöver handelte. Klein hatte an demselben Morgen Stadtrat Wiener telephonisch unter dem Namen Dr. Klein angerufen und ersuchte um eine Besprechung in einer literarischen Angelegenheit. Während er mir vorher erzählt hatte, er sei mit seiner Frau hier, mußte er mir bald zugestehen, daß er unverheiratet sei. Selbstredend nahm ich ihm Briefe und Geld wieder ab. Ich wollte nicht verfehlen, Ihnen von diesem Mißbrauch Ihres Namens Mitteilung zu machen. Ihr ergebener Kattowitz, 23. Mai 1907. Rabbiner Dr. Cohn. Derselbe Mauu hat das gleiche Manöver bereits vorher in Marburg i. H., wie uns von dort gemeldet wurde, und soeben in Görlitz, wie uns Herr Rabbiner Dr. Freund schreibt, unter dem Namen Franz Graetz versucht. Wir warnen hierdurch dringend vor diesem Schwindler. Die Red. Druck und Verlag von Rudolf M o s s e in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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