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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-10-30 · Heft 44 (30.10.1903) · p. Seite 528

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 44 (30.10.1903)
Date
1903-10-30
Page
Seite 528 (sequence 14)
Language
German
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528 Inzwischen traf die Antwort der Verwandten ein, von den, Häuptern beider beteiligten Familien, Friedrich von Dalberg/ und Hartnnlt XII. von Kronberg gemeinsam abgefaßt und unterschrieben. Sie war nicht minder kalt und klug, als das Schreiben Frau Lorches gewesen. Auch hier kann ich nur den vom Ompteda gegebenen Auszug Mitteilen: „Sie verlangen zunächst eine zuverlässige Antwort: mit wern Lorche verheiratet sei? Sie versprechen: sie standesgemäß zu versorgen, falls sie ihr Verhältnis auslose und zu ihren Kindern zurückkehre/' Man sieht, die Herren glauben nicht recht, das; die Ehe bereits vollzogen sei. Es ist ihnen vor allem — und das kann man ihnen wahrlich nachsühlen — darum zu tun, die peinliche Angelegenheit im stillen beizulegen, ehe sie ruchbar, wird. Daher die Zusage reichlicher Versorgung, wenn die Flüchtige das Verhältnis löfen und wieder ihrer: Pflichterl als Mutter Nachkommen wolle. (Schluß folcsi.) Literarische Mitteilungen. --- Gesellschaft für j ü d is che V o lksk u n d e i n H a mb urg. Das soeben erschienene XII. Heft der von M. Grunwald herausgegebenen „Mitteilungen der Gesellschaft" (III -f-124 Seiten) enthält den ersten Teil der Schrift des Herausgebers, „Hamburgs deutsche Juden bis zur Auflösung der Dreigemeinden 1811." Das Werk behandelt mit Betonung des kulturgeschichtlichen Gesichtspunkts die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg seit den ältesten Anfällgen bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, zun: Teil darüber hinaus, in folgenden Kapiteln: Das Zeitalter der Glücket von Hameln. Die Steuerkraft der Gemeinde. Der Judentumult 1730 und lvas ihm voraufging. Das Leben in der Gemeinde. Die soziale Stellung. Beruf und geistiges Leben. Der Hambllrger Anlulettenstreit. Horalische Streiflichter. Hamburger Juden in Bildnis und Karikatur. Hamburger. Wandsbecker und Altonaer Drucke. Die Friedhöfe. — Das gesammte Werk umfaßt 35 bis 40 Bogen mit 39 Abbildungen und erscheint zum Sllbskriptionspreis von 10 Mark bei A. Janssen, Hamburg, Kaiser Wilhelmstraße 76. Aus dem Inhalt des XII. Heftes sind besonders die Ergänzungen zu Ehrenbergs Aufsätzen über die Entstehung großer Vermögen, sowie die erste aktenmäßige Darstellung des berühmten Streites zwischen Eibeschütz und Emden, eines Nachspieles der durch Sabbathai Zebi hervorgerusenen Bewegung zu erwähnen. Die Sammlungen der Gesellschaft in bem verflossenen Halbjahr haben eineil erheblichen Zuwachs erfahren. Ebenso schreitet das Ullternehlllen, jüdische Denkmäler, Volkstypen re. photographisch anfnehmeil zu lassen, stetig vorwärts. Der jährliche Mitgliederbeitrag ist auf 3,30 Mark festgesetzt. Zllschristen nimmt Herr Dr. Max Grunwald, Wien XV., Turmgasse, entgegell. — Dr. Moses Schorr: Die Juden in Przemysl bis znm Ausgang des 18. Jahrhunderts. Lenlberg 1903. 8" 294 Seiten. In der jüngsten Zeit sind einige wertvolle Arbeileil zur Geschichte der Judell in Polen, die bis nun gar sehr im argen lag. erschienen. Ich neune Dr. Zbigniew Pazdros: „Organisation und Praxis der jüdischen Wojewoden-Gerichte [judicium palatinale iudaicum] im Zeiträume 1740 bis 1772, S. Spinners: Etwas über den Stand der Kultur bei den Juden in Polen im 16. Jahrhundert. I. Heft, Wien 1903 und endlich die vorliegende Arbeit Schorrs, die ebenfo wie Pazdros Arbeit in polnischer Sprache geschrieben und gleichfalls von der H. Wawelbergs- Stiftung zur Erforschung der Geschichte der Juden in Polen preisgekrönt und herausgegebeu wurde. Schorrs Arbeit besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil ist eine Darstellung der Geschichte der Juden in Przemysl, wo sie seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in größerer Anzahl gewohnt — nach der in der ganzen polnischen Krone im Jahre 1765 vorgenommenen Zählung belief sich die Zahl der Przemysler Juden auf 2418 Seelen — und eine hervorragende ökonomische Stellung eingenommen haben. Dieser große Teil bildet gleichzeitig eine Einleitung zu dem zweiten Teile, der das in lateinischer, polnischer und hebräischer Sprache vorhandene Archivmaterial wiedergibt. Dieses, chronologisch geordnet, enthält insgesamt 172 Dokumente, die vor allem einen klaren Einblick in die äußeren Verhältnisse der Inden Przemysls, in deren Verhältnis zu den staatlichen, städtischen und kirchlichen Behörden gewähren, aber auch teilweise die innere Geschichte, wie die Organisation des jüdischen Gerichtswesens, die Besteuerung der Juden, die jüdischen Zünfte beleuchten. Dieses letztere, das anch allgemeineres Interesse hat. spielt im Gemeindeleben der polnischen Juden eine hervorragende Rolle. Anfangs waren die aus katholischer Basis organisierten Zünfte so exklusiv, daß der einzelne jüdische Handwerker, um sein Handwerk betreiben zu dürfen, um ein besonderes königliches Privileg nachsuchen mußte. Gegen klingende Münze gestatteten später die städtischen Zünfte den Juden, nur für Juden zu arbeiten; allmählich im geheimen, der oft hohen Strafen nicht achtend, übertraten sie dieses ungerechte Verbot und begannen auch für Schlachta unb Klerus zu arbeiten. Als aber die Zahl der jüdischen Produzenten in irgend einem Berufe größer wurde als die ihrer christlichen Genossen, schlossen sie sich nach vielen Kämpfen mit den städtischen Gilden und gegen hohe Abgaben an dieselben zu einer Zunft zusammen, von der richtigen Erwägung geleitet, daß eine Korporation mehr als der Einzelne bei der Bürgerschaft durchsetzen könne. Solche jüdische Handwerkervereine existierten schon im Anfänge des 17. Jahrhunderts auf Grund besonderer Statuten, des sogenannten Pergamentbriefes (IgAeretb haklaf). Diese jüdischen Zünste organisierten voll einer sozialen Tendenz geleitet, innerhalb ihrer Vereinigung die Produktion. So durfte ein jüdischer Schneider nur einen Gesellen und zwei Lehrjungen beschäftigen. Unr die Konkurrenz nicht aufkommen zu lassen, verpflichteten sich die Mitglieder der jüdischen Schlleiderillnung — die im Anfang des 17. Jahrhunderts begründet wurde — eine von einem anderen bereits begoilnene Arbeit nicht zu übernehmen, ferner an den Halbfesten zu feiern. So ist gerade dieser Abschnitt ein wertvoller Beitrag zur Geschichte des jüdischen Handwerks. — Dem interessanten Buch, das fern ist von aller lästigen, aufdringlichen Gelehrsamkeit, aber ebenso fern von allem oberflächlichell Dilettantislllus, wünschen wir einen großen Leserkreis, aber auch, daß es Schule mache, denn dem heutigen Stande der jüdischen Geschichtswissenschaft Inn vor alleill Spezialarbeiten not. Dr. Jakob Spillner. Sprechssal. Verehrter Herr Redakteur! as Interesse für das Wirken der I. C. A. leuchtet aus jeder Zeile Ihres jüngsten Leitartikels hervor und veranlaßt ulich, zu Ihrer Beruhigllng Ihnen folgendes mitzuteilen: „Seit der Rückkehr des Herrn Dr. Sonilenseld aus Argentinien silld im Personalstatlls der dortigen Administration manche wichtige Veräilderungell. hoffentlich zulll Besten des Werkes, vorgenommen worden. In ben Kolonien gibt es feinen christlichen Beamten mehr lilld das Verhältnis zwischell den Kolonisten unb Administratoren wird täglich herzlicher und vertrauensvoller. Die Schwierigkeiten, welche die Provillz Entre-Rios — eilphenlistisch das argentinische Mesopotamien benannt — für die Kolonisation bietet, sind besoilders im nördlichen Teile der Provinz vorhallden, die Kolonie Luisenville — nahezu 250 Familien — befindet sich aber mehr im Südell der Provinz und die Ernten sind weit besser lind sicherer als in Clara und S. Antonius. Ueberdies hat in diesem Jahre die Maiskllltur — welche bisher wenig gebräuchlich war — gute Resultate gegeben. Die I. C. A. wendet ferner alles allf, um die Viehzucht zu heben und man ist auf gutem Wege, eine bessere Rasse hervorzubringen. Nach der Rückkehr des Herrll Dr. Sonnerlfeld aus Argeiltinien hatte dieser den Verlvaltungsrat gebeten, für ein Jahr die Emigrantensendnngen einznstellell, bis gewisse Reformen dllrchgeführt sein werden. Die Karenzepoche ist um — und schon sind die Wege geebnet, daß fortan in regelmäßigen Sendungen alle zwei Monate je zwei Gruppen von Auswanderern llach Argentillien geschickt werden, wo alles für dieselben vorbereitet lvird." Es lvird sicherlich zur Beruhiguilg Ihres großen Leserkreises dienen, einiges aus den obigell Mitteilungen zu erfahren. Paris, 19. Oktober 1903. Hochachtend Eill Freund Ihres Blattes. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin, verantwortlich fürdie Redaktion: MaxBauchwitz in Berlin.

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