Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1903)
- Date
- 1903-09-18
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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2 als stellvertretender Schriftführer, Kaufmann Moritz Pauke als Schatzmeister, Kaufmann Isidor Jacob als stellvertretender Schatzmeister. Der Verein hat in B erlin einen Brnderverein, der von einem Jugend- und Seminargen offen des Lehrers Wolfs, dem Lehrer Hermann Neufeld begründet worden ist. Noch möge bemerkt werden, daß Wolff, der in Posen erst eine kurze Zeit sich aufhält, schon dort von der Stadtverwalturrg zum Armen- und Waisenrat ernannt worden, während ihm das Kuratoriunr der jüdischen Knaben-Waisenanstalt die provisorische Verwaltung des Waisenhauses übertragen hat. Dem Lehrerveteran, der seine höchste Befriedigmrg im Dienste für die Menschheit findet, ist eine noch lange und segensreiche Wirksarnkeit zu wünschen. B. Beutheir (O.-S.), 9. September. Aus dem Arnte des zweiten Nabbiners, in welchem er sechs Jahre segensreich gewirkt, scheidet von hier Herr Dr. Levy Emnirich. um als Rabbiner der Gemeinde Tarnowitz. deren ehrenvollem Nuse er folgte, fernerhin zu wirken. Aus diesem Anlaß veranstaltete der hiesige Shnagogenvorstand am 5. d. M. denn Scheidenden eine solenne Abschiedsfeier. Zu derselben hatten sich fast vollständig der Gesamtvorstand, die Gemeindevertretung, der Beamtenkörper, die Lehrerschaft und die Vorstandsmitglieder der jüdischen Vereine eingefnnden. Herr Amtsgerichtsrat Levh, der Präses des Vorstandes, richtete an Herrn Dr. Ennurich herzliche Dankesworte für seine nach jeder Richtung hin erfolg- und segensreiche Wirksamkeit in der Gemeinde, im Namen der letzteren sprach Herr Justizrat Kaiser; dem scheidender: Freunde und Amtsbruder widmete Herr Rabbiner Dr. Kopfstein Worte der Liebe und des Dankes. Nachdem Herr Hauptlehrer Rosenbaum und Oberkantor de Beer auf Herrn Dr. Emmrich getoastet, dankte der letztere in längerer, von Herzen fomntenber Rede, die er mit der Versicherung schloß, daß die Zeit seiner Wirksamkeit in hiesiger Gemeinde ihm unvergeßlich bleiben würde. C. Myslowitz, 10. September. Am Montag der vorigen Woche verschied hier plötzlich der allgemein beliebte Kantor und Schächter unserer Gemeinde Herr Lesser Kallma nn im 56. Lebensjahre nach elfjähriger Amtstätigkeit. Wahrhaft aufrichtige Frömmigkeit, seltene Schlichtheit und Friedfertigkeit waren die Grundzüge seines edlen Charakters. Ausgezeichnet mit diesen Eigenschaften verband der Verblichene tiefes talmudisches Wissen mit peinlicher Gewissenhaftigkeit in seinem Berufe. Als der von zahlreichem Gefolge begleitete Leichenzug den Friedhof erreicht hatte, stimmte der Shnagogenchor unter Leitung des Herrn -Oberkantors Spandau das Lewandowski'sche vierstimmige „Adönoj mo odom“ an. Hierauf folgte dann die Leichenrede, in welcher Herr Rabbiner Dr. Norden die edlen Vorzüge dieses arbeitsfreudigen, pflichttreuen Beamten in musterhafter Weise schilderte. Nach dem Vortrag des (J'oschew b'ssesser) 91. Psalms, wurde die irdische Hülle des Verblichenen der Erde übergeben. Sein Andenken wird nie aus unserer Gemeinde schwinden. Löwen, 10. Septbr. Die Einweihung der hiesigen neue n Synagoge hat Sonntag stattgefunden. Den Weiheakt hat Rabbiner Dr. Bäck ans Oppeln vollzogen. Unter großer Beteiligung der Gemeindemitglieder und zahlreicher hiesiger und auswärtiger Gäste hat die Feier stattgesunden. Rabbiner Dr. Bäck hielt eine Weiherede, die nach Inhalt und Form vollendet war. Das Gebäude selbst ist nach den Plänen und unter der Oberleitung des Architekten Karl Sittenfeld aus Breslau in mittelalterlichen Formen erbaut und macht einen sehr würdigen Eindruck. Einrichtung und Ausstattung kosten ca. 20 000 Mark, freilich ein noch immer sehr hoher Betrag für die kleine nur 21 Familien zählende Gemeinde, die eigenes Vermögen nur in Höhe von 400 Mark besaß, und daher hauptsächlich auf die Spenden der hiesigen Gemeindemitglieder und auf die Wohltätigkeit anderer angewiesen war. M. Hamburg, 8. September. Die Einführung des an Stelle des Herrn Dr. Max Grunwald gewählten Rabbiners Dr. Albert Löwenthal fand am Freitag abend in feierlicher Weise in der neuen Dammtor-Synagoge (Beneckestraße) statt. Das mit Blumen und Blattpflanzen festlich geschmückte Gotteshaus war schon lange vordem Beginn des Gottesdienstes bis auf den letzten Platz gefüllt. Außer dem zweiten Vorsitzenden des^Gemeindevorstandes Herrn Jos. Schönfeld hatten sich auch Mitglieder des Repräsentantenkollegiums und anderer Gemeindeinstitutionen eingefunden. Nach dem Minchagebet wurde die Feier durch die von Herrn Oberkantor Kohn-Königs° Hütte rezitierten Verse des Psalm 118 eingeleitet. Nachdem dann der Synagogenchor unter Leitung des Herrn Musikdirektor D. Leit die > übrigen Verse des Psalms vorgetragen hatte, wurde der neuerwähl Rabbiner unter den Klängen des „Boruch haboh" von den gesamten Vorstandsmitgliedern zum festlich geschmückten „Almemor" geleitet. Der Präses der Verwaltung, Herr M. Stavenhagen, begrüßte den nenerwählten Rabbiner mit herzlichen Worten und sprach den Wunsch aus, daß es dem Rabbiner gelingen möge, gleichwie in seinem früheren Wirkungskreis auch hier in Hamburg zum Segen seiner Gemeinde zu wirken, die Liebe und Achtung der Gemeindemitglieder werde ihm in reichem Maße entgegengebracht. Tief ergriffen erwiderte Herr Dr. Löwenthal, daß er sich wohl der hohen Ehre bewußt sei. hier in Hamburg, der altberühmten Stätte jüdischer Gelehrsamkeit zu wirken und zu schaffen. Er werde seine schwachen Kräfte daran setzen, die ihm gewordene Aufgabe auch zu erfüllen und daß ihm dies gelingen möge, dazu bete er zu Gott in dieser für ihn und die Gemeinde so hochbedeutsamen Stunde. Unter den Klängen des „Hauduh" wurde der neuerwählte Seelsorger von den Herren des Vorstandes zu seinem reich mit Blumen geschmückten Ehrenplatz geleitet. Mit dem Vortrag des „Maariwgebetes" hatte die würdevolle Feier ihren Abschluß gefunden. Am Sabbat hieb dann Herr Dr. Löwenthal seine eigentliche Antrittspredigt. — Hier wollte vor kurzem eine ganze Familie, drei Brüder und sämtlich Kinder des einen, sich einen echt arischen Namen aneignen Uüb suchte bei der Behörde zunächst um Genehmigung zur Namensänderung nach. Da aber die vorgebrachten Gründe zur Namensänderung der Behörde nicht stichhaltig erschienen, so wurde das Gesuch abgelehnt. Darauf ließ sich die' ganze Familie von einem alten, verwitweten, kinderlosen christlichen Bäckermeister an Kindesstatt cwnehmen. Die Behörden erblickten in dieser Adoption jedoch nur d e Simulation einer solchen, einzig veranlaßt durch das Bestreben, dadurch die Bestimmungen des Gesetzes über die Zulässigkeit von Namensänderungen zu umgehen — und versagten daraufhin den Adoptierten die Führung des neuen Namens. Da nun die betreffende Familie gegen die Entscheidung bis zur höchsten Instanz appelliert hat, ohne eine Aenderung der Entscheidung der Behörde zu erzielen - so liegt nunmehr ein prinzipielles höchstinstanzliches Urteil vor, da? für alle vorkommenden Fälle gleicher Art im Reiche solche Versuche ausschließt. n. Pnrchim, 13. September. In dem selten erreichten hohe! Alter von bald 98 Jahren ist am 7. d. M. eine in allen Kreise i der Bevölkerung wohlbekannte und beliebte Persönlichkeit von hinne >. geschieden, der Tierarzt Moses Cohn. Der Verstorbene hatte fidi bis in sein höchstes Greisenalter hinein eine erstaunliche körperlich? und geistige Rüstigkeit bewahrt. An allen Ereignissen des politische.: und wissenschaftlichen Lebens wie an allen städtischen Interessen nah. l der vielseitig gebildete, dabei überaus bescheidene Mann stets den leb haftesien Anteil. Sein vornehmer Charakter und sein liebenswürdige? Wesen sichern ihm ein dauerndes Andenken unter seinen zahlreichen Freunden und Bekannten. Aus seinem Lebensgang seien kurz einig? Daten angeführt. M. Cohn wurde am 1. Februar 1806 in Ludwigslust geboren, er besuchte die Tierarznei-Schule in Schwerin und bestand dort nach 2 Jahren sein Examen mit dem Zeugnis erster Klasst. Nachdem Cohn sich zunächst in Wittenburg als Tierarzt niedergelassen hatte, siedelte er 1835 nach Parchim über und praktizierte hier bb Ostern 1892, wo er wegen vorgerückten Alters die Praxis niederlegt-?. Während des Krieges 1870—71 wurde ihm die Ersatz-Schwadron ben: hiesigen Dragoner-Regiment Nr. 18 zugewiesen. Nach Beendigung bi? Krieges erhielt er die Medaille für Nichtkombattanten. Der „Club" ernannte ihn bei seinem 80. Geburtstage zu seinem Ehrenmitglied? Herr Cohn hat auch 50 Jahre dem jüdischen Gemeinde-Vorstand cu - gehört. Zu seinem 90. Geburtstage ist ihm vom Großherzog Friedrib Franz die Silberne Medaille am Bande, mit der Inschrift „Dem redlichen Manne und guten Bürger" verliehen. Bei seinem am 9. c?- folgten Begräbnis, sind ihm reiche Kranzspenden gewidmet worden. Die Spitzen der Behörden beteiligten sich an dem Leichenbegängni Ehre dem Andenken des wackern Mannes! 1. Bedburg, 10. September. Der Generaldirektor der Bredburge- Wollindustrie Aktiengesellschaft, Herr Kommerzienrat Adolf Silverberg, ist im Alter von 58 Jahren am 6. d. M. nach kurzem schwere-: Leiden den Folgen einer Operation erlegen. Der so jäh Dahim geschiedene war ein Mann von seltener Intelligenz und eminenter Schaffenskraft, vermöge deren er eine Reihe der bedeutendsten industriellen Unterrehmungen ins Leben gerufen hat. Seine Haupttätigkeit