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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-09-18 · Heft 38 (18.9.1903) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 38 (18.9.1903)
Date
1903-09-18
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 widmete er der von ihm ans ganz kleinen Anfängen zu maßgebender Stellung in der Textilindustrie emporgehobenen Bedburger Wollindustrie Aktiengesellschaft, mit der er unserm Platze und seiner Umgebung eine neue und reiche Erwerbsquelle erschloß. Auch die Gründungen der Bedburger Linoleumwerke Aktiengesellschaft, sowie des Braunkohlenbergwerks Fortuna sind aus seiner Initiative hervorgegangen. Daneben verwaltete er zahlreiche Ehrenämter, er war Mitglied des Kreistages des Kreises Bergheim, der Handetskaulmer in Bonn, des Bezirks-Eisenbahnrats in Köln und anderer mehr. Der Verstorbene hat es verstanden, sich das Vertrauen und die Liebe seiner Beamten und Arbeiter wie auch seiner Mitbürger in hervorragendem Maße zu erwerben und zu erhalten. Allgemein wird sein großer Wohltätigkeitssinn und seine Humanität rühmend hervorgehoben. Er war ein Mann mit einem goldenen Herzen, das sich besonders im Familienleben offenbarte. Ein glücklicher Gatte, Vater dreier Kinder, eine Tochter ist mit dem ordentlichen Professor der Rechte an der Universität Bonn, Professor Landsberg, verheiratet, läßt sein Lebensbild die Erinnerung an einen der fleißigsten und besten Menschen zurück. Sein Tod bedeutet einen unersetzlichen Verlust für die von ihm geleiteten Werke, sowie für unfern ganzen Platz. Die am Mittwoch Nachmittag stattgehabte Beerdigung gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung, wie sie hier wohl noch nie gesehen wurde. Eine unabsehbare Menschenmenge, die Spitzen der städtischen und ländlichen Behörden, die städtischen Vereine, sämtliche Beamte und Arbeiter nahmen an dem Trauerzuge teil, der sich durch die Straßen.in welcher die mit Flor nmhüllten Laternen brannten, zum jüdischen Friedhof bewegte. Nach der weihevollen Grabrede des Rabbiners Dr. Frank aus Köln beschloß eine Trauerchor des aus Arbeitern der Bedburger Wollindustrie gebildeten Männergesangvereins die erhebende Feier, die trotz des strömenden Regens bei allen Anwesenden einen ersichtlich liefen Eindruck hinterließ. Der Name Adolf Silverberg bedeutet einen Markstein in der Entwickelung Bedburgs, und sein Andenken wird hier unauslöschlich fortleben. Stuttgart, 9. September. Die Bestimmungen über das Sch ächtwesen haben durch einen Erlaß des Ministeriums des Innern eine Aenderung erfahren. Als erprobte Schächter irn Sinne der Ministerialverfügung betreffend den Verkehr mit Schlachtvieh und Fleisch gelten nur solche Personen, welche sich neben der technischen Befähigung über ihre Bestallung als Schächter durch die zuständige israelitische Kultusbehörde ausweisen. Das Einblasen von Luft in nach jüdischem Ritus zu beanstandende Lungen ist in Abweichung von den Vorschriften der erwähnten Ministerialverfügung unter der Bedingung gestattet, daß die Lungen nach beendigter Untersuchung alsbald unschädlich beseitigt werden. Gesterreich-Angsrn. □I Wien, 17. September. Mit großem Glanz wurde hier der Einzug des Königs Eduard von England gefeiert; damit der fremde Herrscher sich aber allch davon überzeugen kann, wie taktlos ein Teil der Wiener Bevölkerung sein kann, haben sich die Antisemiten ein nettes Stückchen geleistet: Als nämlich dem Wagen der beiden Majestäten die Bnrgermeisterkulsche mit Dr. Lueger folgte, stimmten zahlreiche beim Rathause aufgestellte Magistratsbeamte, Gemeinderäte und sonstige Angehörige seiner Partei, brausende, nicht endenwollende Hochrufe an. Schwerlich wird dein Dr. Lueger, der ja doch ein gebildeter Mann ist, die unerwünschte Huldigung in die sem Augenblicke recht gewesen fein!'— Am 15. b. M. fand in der Neudeggergasse im VIII. Bezirke die feierliche Einweihung der neuen Synagoge statt. — Der in der Gesellschaft wie auch als Philanthrop bekannte Kommerzialrat Hermann Stiaßny ist in dieser Woche an Lungenentzündung gestorben. Stiaßny, der im 72. Lebensjahre stand, war einer der nicht mehr zahlreichen akademischen Legionäre des Jahres 1848. Er wirkte an einer Reihe humanitärer Schöpfungen hervorragend mit, so an der Gründung des Asyls für schwachsinnige Kinder in Biedermannsdorf. — Der Bethausverein im 3. Bezirk (Erdbergstraße) hat Herrn Dr. Bernhard Templer zum Vereinsrabbiner ernannt. — Einem Artikel der „Ungarischeil Wochenschrift" entnehmen wir folgenden Passus: „Der große Sohn unseres Vaterlandes, englischer Staatsrat Dr. Vambery, der, wie bei der türkischen Regierung, auch jetzt bei der englischen Dr. Herzl den Weg geebnet, wird dem Zuge seilles großen Herzens folgend, gewiß den richtigen Weg finden, der uns unser gefährdetes Ideal wieder zurückgeben wird." Dieser „große Sohn unsres Vaterlandes" ist ein lällgft getaufter Jude namens Bamberger! — In Zablotow bei Lemberg verbreitete sich gestern nachmittag während eines Jahrmarktes das Gerücht, daß in dem Hause eines Inden eine Frau, die den Kaufpreis für einen Ochsen erhalten hatte, ermordet sei. Obgleich die Ortsbehörden sich bemühten, die Grundlosigkeit des Gerüchtes nachzmveisen, griff eine Allzahl Bauern mehrere Juden an, von denen drei schwer und Ulehrere andere leicht verletzt wurden. Auch wurden in Häusern von Juden zahlreiche Fensterscheiben zertrümmert. — Unter der Regierung des neuen Banns von Kroatien des Grasen Theodor Pejacsevich, und des Sektionschefs Klein wurde der Jude Michael Heim zum Präsidenten des Lanvesgerichtes in Mitrowitz vor kurzem durch den Kaiser ernannt. Von Sah und Lern. — Den Eheleuten Magnus und Sophie Jacoby aus Neuste ttill ist anläßlich ihrer Goldenen Hochzeit vom Kaiser die Ehejubiläumsuledaille verliehen worden. — Die Liebermanuffchen Deutschsozi alen halten ihren diesjährigen Parteitag vom 3.—5. Oktober in Hamburg ab. Der Parteitag soll sich auch mit einer Revision des Programms befassen. Die deutschsoziale Resormpartei tritt in der Zeit vom 17.—19. Oktober zu ihrem Parteitag in Berlin zusamnien und die Stöckerffchen Christlichsozialen werden zu einem Parteitag auf den 23. September nach Mülheim a. d. Ruhr zusanlmellberufen. — Eine ganze Reihe neuer oder renovierter Synagogen wurde in diesen Tagen festlich eingeweiht. Leider fehlt es uns an Raum, um über jedes Fest einzeln zu berichten. Wir müssen uns daher damit begnügen, hier kurz zu registrieren, daß in Brand en bürg a. H. die nenrenovierte Synagoge durch eine Predigt des Herrn Rabbiner Dr. Ackermann eingeweiht wurde. In Bernstadt i. Schl, vollzog Rabbiner Dr. Rosenthal-Breslau diesen Weiheakt, in Ludwigs Hafen Rabbiner Dr. Salvendi-Dürkheim. In Bösingfeld feierte die israelitische Gemeinde am 5. d. M. dieses Fest. Dieser Ort ist der erste Flecken in Lippe, in dem die jüdische Gemeinde eine Synagoge besitzt. — Der antisenlitische Pastor Krösel l will jetzt seine Wähler in Pyritz und Umgebung durch eine antisemitische und wahrscheinlich „ritualmordgläubige" Zeitung erfreuen. Diese neue Zeitung soll zum Herbste in§ Leben treten. — Das vom Kommerzienrat Moritz Braun der Stadt Na witsch geschenkte Denkmal Kaiser Friedrichs soll in aller Kürze an der Westpromenade gegenüber dem Denkmal Kaiser Wilhelms I. ausgestellt werden. — In Wildungen starb im fast vollendeten 75. Lebensjahre am 15. d. M. nach längerem Leiden der Geh. Kommerzienrat L ouis Simon, Seniorchef des Hauses Gebrüder Simon, Berlin. Der Verstorbene war der Schwiegervater des Geheimen Kommerzienrats Ludwig Goldberger. — In Frankfurt a. M. feierte Rabbiner Dr. Horovitz am 13. d. M. das 25 jährige Jubiläum als Seelsorger. Am 12. d. M. fand ein Festgottesdienst in der Synagoge am Börneplatz, am 13. eine akademische Feier in der Frankfurt-Loge und am 14. ein Festmahl im Saale der Frankfurt-Loge statt. — Der Bankier- Maximilian Goldschmidt in Frankfurt a. M., österreichischungarischer Generalkonsul für die preußische Provinz Hessen-Nassau und das Grobherzogtum Hessen, ist, wie der „Reichsanzeiger" amtlich bekannt gibt, unter dem Namen v. Goldschmidt-Rothschild geadelt worden. Er ist seit 1878 verheiratet mit Minna Freiin von Rothschild, der zweiten Tochter des im Januar 1901 verstorbenen Chefs des Bankhauses M. A. v. Rothschild in Frankfurt a. Nt., Wilhelm Freiherrn v. Rothschild, der keine männlichen Erben hinterlasseu hat. — Der Stadtrat Josef Baer in Frankfurt a. M. hat den Roten Aderorden IV. Klasse erhalten. — In Ko bürg feierten am 10. d. M. Herr Marcus Stern und seine Gattin die goldene Hochzeit. Prediger Oppenheim hielt eine ergreifende Rede und überreichte im Austrage des Regierungsverwesers eine herrliche deutsche Bibel mit eigenhändiger Widmung. — Wie aus Nürnberg gemeldet wird, standen beim X. deutschen Turnfest 4 Juden in erster Reihe, das Fest selbst war von 800 Juden aus allen Gauen Deutschlands inkl. Oesterreichs besucht und zeigte einen innigen Verkehr und ein harmonisches Zusammenwirken!— In Schweinfurt wurde der frühere Pfarrer Andreas Kirchner zu vier Monaten Gefängnis wegen Unterschlagung verurteilt. Derselbe Mann hat zur Zeit des Haßfurter Fleischbesudelungsprozesses eine eigene Dorsschlächterei für seine Pfarrgemeinde mit Filialen errichten lassen, damit man kein

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