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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-06-17 · Heft 29 (17.6.1903) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 29 (17.6.1903)
Date
1903-06-17
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 referiert im Anschluß daran über den Stand der Angelegenheit der Verbands-Pensionskasse, insbesondere über die letzten Beschlüsse seitens der Delegiertenversammlung zu Hamburg und des Kuratoriums der Kasse. Schließlich wurde die folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die Versammlung der jüdischen Religionslehrer Ostpreußens erkennt den Beschluß des Kuratoriums der Verbands-Pensionskasse vom 28. Dezember 1902 bezüglich der Resolution der Delegiertenversammlung zn Hamburg nicht als berechtigt an und erachtet das Kuratorium grundsätzlich zur Ausführung des Verbandsbeschlusses verpflichtet. Die von der Hamburger Delegiertenversammlung geforderte Unterstützung aller Pensionäre der Provinzialhilfskassen, in erster Reihe derjenigen, die eine bestimmte Minimalpension sonst nicht erreichen, wird von der Versammlung als die einzige Art der Verbandskassenwirksamkeit angesehen, die der Gesamtheit der jüdischen Lehrerschaft einen Nutzen zu bieten vermag. Jede Tätigkeit der Verbandskasse, die diese Allgemeinsorderung entbehren läßt, muß zugleich zu einem^Konflikt der beiderseitigen Kasseninteressen führen." — Den nächsten Punkt der Tagesordnung bildete der Kassenbericht des Vereinskassierers Kantor Karo-Allenstein. Die Kasse wies einen Ueberschuß von 66 Mark auf, von denen 25 Mark als Jahresrate für Unkosten der nächsten Delegiertenreisen reserviert wurden. — Bei der folgenden Vorstandswahl wurden Prediger Sturmann-Osterode, Waisenhausinspektor Pcritz und Oberkantor Birnbaum-Königsberg und Kantor Karo-Allenstein wieder- und in die durch Verzug freigewordene Stelle Kantor Davidsohn-Rastenburg nengewählt. Hierauf sprachWaisenhausinspektorPeritz-Königsberg über„Kassen-Propaganda". Die Vereinspensionskasse könne nicht Geld genug erhalten, da ihr noch viele ungelöste Aufgaben vorliegen, und andererseits sich ihre Ausgaben notwendig voll Jahr zu Jahr vermehren. Redner besprach die gegenwärtig znr Anwendung gebrachten Mittel, um der Pensionskasse Hilfsgelder zuzuführen junterstützende Mitglieder, Sammlungen, Gelegenheitsspenden, Spenden zur Gratulationsablösung für Rauschhaschonoh, Versicherungsvermittelungen, Buchhändlerrabatt, Vertrieb von Traueragenden, Uebernahme von Kaddischsagen im Trauerjahr) und empfahl als neue Mittel die Herausgabe eines Konfirmations-Albums, desgleichen für Geburten und Hochzeiten, ferner die Versicherungsnahme aller Vereinsmitglieder gegen Feuerschadell bei einer Gesellschaft, die der Pensionskasse dafür eine laufende Pension gewährt. Zur allgemeinen Förderung der Kasseninteressen in dieser Art beantrage er die Einsetzung einer Propaganda-Kommisston zur Unterstützung des Vereinsvorstandes. Die Versammlung entsprach diesem Antrag und wählte in die Kommission die Kantoren Fein-Braunsberg, Grünblatt-Stallupönen, Krouer - Bartenstein, Pessen - Soldau und Schlachter-Gumbinnen. Zum Schluß gab Referent der Versammlung noch zur Kenntniß, daß der Pensionskasse von einem Mitglied der Königsberger Gemeinde gelegentlich der gegenwärtigen Tagung eine Spende von 500 Mark überwiesen worden sei. Um 10 Uhr schloß der Vorsitzende die Generalversammlung. Es folgte eine musikalische Abendunterhaltung, veranstaltet vom lokalen Lehrerverein, welcher auch den Abendimbiß, wie die Bewirtung der Versammlung am solgenden Tag einschließlich des gemeinsamen Festessens, geboten hat. Posen, 10. Juli. Soeben ist der 59. Bericht über die hiesige Israelitische Wai senkna beu an st al t pro 1902/1903 erschienen. Voran geht ein Gedenkwort an den verewigten Geheimen Justizrat Orgler, der fast 20 Jahre der Direktion angehört und während dieser ganzen Zeit mit nie versiegender Arbeitsfreude das Wohl der Anstalt mannigfach gefördert hat. Die Direktion besteht gegenwärtig aus den Herren Rabbiner Dr. Philipp Bloch, Vorsitzender; Israel Friedlünder, stellvertretender Vorsitzender; Ludwig Bleistein, Jsaac Cobliner, Sally Hamburger, Joseph Kantorowicz. Louis Kronthal, Rechtsanwalt Joseph Manheimer, David Peltesohn, Moritz Victor. Ehrendamen finb: Frau Emilie Aschheim, Frau Kommerzienrat Theofila Auerbach, Frau Felicia Bremer, Frau Rosa Brodnitz, Frau Lea Calvary. Frau Geheimrat Jenny Herz, Frau Jeanette Hertz, Frau Stadtrat Pauline Kronthal, Frau Kommerzienrat Jda Wolff. Der endgültige Vertrag zwischen der Stadtgemeinde und der Anstalt ist nunmehr zu stände gekommen, wonach der größte Teil .des Grundstückes derselben in den Besitz der Stadt übergeht. Die Direktion wird voraussichtlich durch den Drang der Verhältnisse vor die schwierige Frage gestellt werden, ob nicht die Anstalt, um den an sie gestellten Pflichten in zeitgemäßem Sinne genügen zu können, sich eine andere Wohnstätte werde suchen müssen, weil ein seitlicher Anbau nunmehr ausgeschlossen ist. Diese äußeren Verhältnisse, welche uns durch ihre Schwankungen angelegentlich beschäftigten, haben jedoch die innere Entwicklung nicht berührt. Das nach kurzer Krankheit am 8. Juri 1901 erfolgte Ableben der Pflegemutter, Frau Betty Katzenstein, führte naturgemäß eine erhebliche Störung in dem gewohnten ruhigen Gange unseres Hauswesens herbei. Nach ihrem Tode übernahm ihre Lochte--. Fräulein Klara Katzenstein, die Leitung der Oekouomie, bis dieselbe am 1. Oktober an Fräulein Johanna Lichtenfeld aus Schokken übe> tragen wurde. Der verdienstvolle frühere Leiter der Anstall. Dr. I. Falkenheim, ist am 6. September 1902 zu Berlin verstorben. Er hat von April 1874 bis April 1894 in gedeihlichster Weise an unserer Anstalt gewirkt. Die Direktion ehrte sein Andenken, inde n sie ihren Vorsitzenden zur Bestattung entsandte und ihn beauftragt?, in ihrem Namen den letzten Scheidegruß dem Heimgegangenen an seiner Bahre nachzurufen. Bezüglich der finanziellen Lage der Anstatt ergibt der Kassenbericht für 1901 einen Ueberschuß der Einnahmen üba die Ausgaben um 119,78 Mark, für 1902 von 322,90 Mark. Sona l, haben die Mittel nur gerade ausgereicht, um den Bedürfnissen b v Anstalt im gegenwärtigen Umfange zu genügen. Bei einer auch nur einigermaßen größeren Zahl von Zöglingen ließe sich ein Fehlbetr».^ nicht vermeiden, so daß die Verwaltung gezwungen wäre, den eisernu Bestand des Erhaltungsfonds anzugreifen. Lp. Aus der Provinz Posen, im Juli. Die Synagoge in Obornik wird umgebant. Die Kosten hierfür sind auf 12 000 Mott veranschlagt. — Der langjährige Vorsteher der Synagogengemein n> Golla ntfch, Rentier Daniel Förder, ist im Alter von 91 Jahr u gestorben. — Die Vertretung der Synagogengemeinde in Wresch^n hat beschlossen, das dortige Gotteshaus gründlich renovieren zu lassen, dasselbe steht seit 27 Jahren. — Die Vertretung der Synagogengemeinde Schwersenz hat beschlossen, daß die Inhaber von Sinplützen in der Synagoge ihr Eigentumsrecht verlieren, sofern sie a \i dem Gemeindeverbaud ansscheiden. Die Regierung hat trotz Protest eines Beteiligten den Beschluß gutgeheißen. — Der israelitische Lehr r und Kantor Petschkowski in Nakel ist zum Dirigenten des vc-n dortigen Lehrerverein ins Leben gerufenen Gesangvereins neugewäl it worden. ----- Nakel, 5. Juli. Seinen 80. Geburtstag feierte am 27. v. R Herr Nathan Jtzig, Seniorches der Firma Gebrüder Jtzig, in voll r Rüstigkeit. Von Nah und Fern waren Verwandte, Freunde und kannte tu überaus großer Anzahl herbeigeeilt, um dem Jubilar il Glückwünsche zu übermitteln. Auch der Magistrat und die Stadtverordneten waren gekommen, um ihren langjährigen Kollegen undMttbürger zu beglückwünschen. Bürgermeister Riedel hielt zuerst eine n Herzen gehende Ansprache und rühmte die Verdienste des Jubilars. Es sei ihm die Achtung und Verehrung seiner Mitbürger in reichen Maße zu teil geworden, die ihn denn auch in das Stadtverordnete kollegium beriefen. — Der Jubilar dankte mit bewegtett Worten n d gab sein Versprechen, daß er nach wie vor das Wohl seiner Vaterstadt Nakel im Auge behalten würde. Stadtverordnetenvorsteher L. Burwald feierte Herrn Jtzig als langjährigen Freund und Kollegen u >.d gab seiner Freude Ausdruck, daß die Firma in weiten Kreisen . ls eine hochachtbare und ehrenhafte bekannt sei. Rabbiner Dr. PerR und Kaufmann Isidor Lesser überbrachten die Glückwünsche d r jüdischen Gemeinde, deren langjähriges Vorstandsmitglied derJubiln war, und überreichten im Namen der Gemeinde eine kostbare Adret e. — Auch die Vorstands- und Anssichtsratsmitglieder des Sparn id Vorschußvereins zu Nakel waren erschienen, in deren Namen u'f Direktor Buchhändler Argelander gratulierte. Der Verein „Viktor Cholim" ernannte Herrn Jtzig zu seinem Ehrenmitgliede und tcr Präsident dieses Vereins, Herr Lesser Bärwald, überreichte hierin er ein künstlerisch ausgesührtes Diplom. =4= Bromverg, 14. Juli. Der langjährige Syndikus der hiesig 'N Handelskammer, Leopold Hirschberg, ist am 11. d. M. ucch schwerem Leiden in der Reichshauptstadt, wo er Heilung suchte, sttstorben. Hirschberg, in dem sich rastloser Fleiß, scharfe Jntellig und ein liebenswerter Charakter vereinten, war weit über die Mauern unserer Stadt hinaus eine geachtete und beliebte Persönlichkeit. Er galt als Autorität in der Beurteilung der wirtschaftlichen Verhältnisse des Ostens; besondere Verdienste erwarb er sich um den Holzhandel der Weichselstädte. Seine Exposäs über oie wirtschaftliche Lage im Osten galten als Musterstücke an Objektivität scharfer Beobachtungsgabe und gesundem Urteil. Hirschberg hat nur

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