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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-01-16 · Heft 3 (16.1.1903) · p. Seite 35

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 3 (16.1.1903)
Date
1903-01-16
Page
Seite 35 (sequence 13)
Language
German
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35 - Literarische Mitteilungen. --- Dr. S. A. Frieß: Har Ooutoronomiuirr XII absolut verläck eontrslisora OLksreulten? Stockholm 1902. Unter diesem Titel erschien vor kurzem von einem jüngeren schwedischen Gelehrten, dem die Bibelforschung schon manche Frucht seines Geistes und unermüdlichen Fleißes verdankt, eine Streitschrift pro äomo. In derselben sucht der Verfasser seine vor einigen Jahren ausgestellte Theorie zu vertheidigen. die er ungefähr mit folgenden Worten formulirt: „Die heiligen Schriften kennen keine absolute Zentralisation des Opferkultus in dem Sinne, daß jeder Privatopferkultus als illegitim zu betrachten sei." Diese Hypothese steht und fällt mit der Auffassung des Wortes riIs. Nach Frieß bedeutet dieses Wort „opfern", wodurch V. 15 allein überzeugendes Argument für diese Theorie erscheint. Die Wichtigkeit dieses Argumentes wird Seite 18 vom Verfasser selbst hervorgehoben. Es gilt daher vor allem, sich über die Bedeutung dieses Wortes Klarheit zu verschaffen. In der Bedeutung „opfern" findet sich dieses Wort scheinbar in Lx.XXII", 1.6v. XVII' und Deut. XVI welche Stelle»» auch von Frieß als Belege für seine Behauptung angeführt werden. Doch beruht dies, wie ich glaube, aus einem Irrtum. Nicht durch das Wort sondern durch die Verbindung desselben mit dem uominibus z»DL rc. wird der Begriff des Opferns ausgedrückt. Das Verbum alleinstehend bedeutet einfach „schlachten". Ja noch mehr. Lx. XXII" und Deut. XXXII wo von Götzenopfern die Rede ist, wird gerade durch dieses Wort der Opfercharak ter negirt und die ganze Handlung als profanes Schlachten hingestellt. Der Begriff de- Opferns wird in den heiligen Schriftei» in klarer, unzweideutiger, jedes Mißverständnis ausschließender Weise durch folgende Bezeichnungen ausgedrückt: Einen solch klaren und bestimmten Ausdruck suchen wir vergebens unter den Belegstellen für die Behauptung, daß Privatopfer außerhalb des Zentralheiligtums gestattet waren. Dieser Umstand allein läßt deren Richtigkeit in einem zweifelhaften Lichte erscheinen. Selbstverständlich können hierbei nur solche Stellen in Betracht kommen, die sich auf eine Zeit beziehen, wo das Gesetz der Zentralisation schon rechtskräftig geworden. Belegstellen wie Deut. XXVII sind daher vollständig belanglos, da das Gesetz der Zentralisation, wie dies schon von anderer Seite hervorgehoben wurde, erst zu einem Zeitpunkte in Kraft treten sollte, in welchem die Bedingung Deut. XII erfüllt sein wird: NND2N 8^ '2- Man mag diese Worte mit dogmatischen oder kritischen Blicken lesen, so geht doch aus dem Wortlaute mit voller Klarheit hervor, daß das Gesetz der Zentralisation des Opferkultus erst nach vollständiger Besitzergreifung Geltung hatte. Jrn Gegensatz zu Frieß S. 18 b. finde ich dies sehr begreiflich. Die Notwendigkeit einer Zentralisation machte sich während der Wanderung nicht geltend. Erst nach der Einnahme des Landes, als die einzelnen Glieder des Volkes in allen Teilen desselben zerstreut lebten, mußte sich das Bedürfnis nach einem alle Glieder einigenden Zentralheiligtum fühlbar machen. Obgleich nun die Vorschrift Oout. XXI auf diese Zeit sich bezieht, kann dieselbe durchaus nicht al- Beweis dienen, denn wie Dalman richtig bemerkt, kann das Genickbrechen eines Tieres nicht als Opferhandlung betrachtet werden. Eine ähnliche Handlung finden wir Lx. XIII" bei einem nicht aus» gelösten Esel, also bei einem Tiere, das als unrein galt und zu einem Opfer ganz und gar ungeeignet war. Diese Handlung hat mit dein Opferkultus auch nicht die allergeringste Berührung, ebensowenig wie Hinrichtung eines Mörders als ein Menschenopfer bezeichnet werden könnte. Jeder Mord schreit nach Sühne, und da der Mörder nicht gefunden werden konnte, wurde durch diese ernste Ceremonie das Bedürfnis nach Sühne einigermaßen befriedigt. Der Einwand von Frieß, wozu es dann der Mitwirkung der Priester bedurfte, ließe sich mit der Gegenfrage beantworten, was hatten, wenn dies eine Opfer- Handlung gewesen sein sollte, die Aeltesten und die Richter bei einer solchen zu tun? Doch es genügt der Hinweis, daß an dieser Stelle ausdrücklich hervorgehoben ist, daß die „Xobanim" nicht als Diener des Altars, nicht als Opferdarbringer, sondern in ihrer Eigenschaft als Volks- und Gesetzeslehrer dabei mitwirkten. ON'L FZ) 2^ D^ut. XXI^ Damit ist jedes Mißverständnis, als ob es sich um ein Opser handeln würde, ausgeschlossen. Durch diese Einwürfe soll aber keineswegs das große Verdienst des Verfassers geschmälert werden, der mit Geist und -Mut gegen jeden Autoritätsglauben n» der Wissenschaft zu Felde zog und die Altäre niedergeriffen. welche die Anbeter der Bibelkritik einem ihrer Götter errichtet. Dr. Josef Wo hl stein. . Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. Begründet von Dr. Z. Frankel, fortgesetzt von Professor Dr. H. Grätz. Neue Folge, im Vereine mit Professor Dr. David Kaufmann s. A. ins Leben gerufen und herausgegeben. Breslau. Verlag von Wilhelm Koebner. 46. Jahrgang, Neue Folge, 10. Jahrgang, September, Oktober 1902. Inhalt: Sigmund Jampel: Die Wiederherstellung Israels unter den Aehämeniden. (Fortsetzung.) Dr. Josef Eschelbacher: Die Vorlesungen Ad. Harnacks über das Wesen des Christentums. (Fortsetzung.) Dr. I. Elboger»: Geschichte des Achtzehngebets. (Fortsetzung.) Dr. N. Kronberg: Die Amoräer in neuer Beleuchtung. Dr. Sigm. Fränkel: Zum "122- Dr. M. Brann: Die Grabschristen der Familie Fränkel-Spira in Prag. Moriz Steinschneider: Purim und Parodie. (Fortsetzung.) Notiz: Dr. W. Bacher: Die Echtheit der Dumasch zugeschriebenen Kritik gegen Saadja. Besprechungen: Die Abhandlungen Barths, Cornills, Hommels, Jensens, Kittels. Königs und Oettlis über „Bibel und Babel", besprochen von Sigmund Jampel. Akten, herausgegeben von der Kommission zur Untersuchung alter Akten in Wilna. Von Dr. Samuel Poznanski. Beth Israel. 11. Theil. AgadischeErläuterungen zum 2.Buche Mosis. Von Israel Brau n, Rabbiner in Halle a. d. Saale. Paks 1902. Man weiß nicht, worüber man sich angesichts dieses Buches, des jüngeren Bruders eines gleichwertigen ältere»», mehr wundern oder, wenn man will, sogar freuen soll, ob darüber, daß norddeutsche, wenn auch orthodoxe Rabbiner solche Geistesprodukte in die Welt senden, oder daß sie da einen wenigstens zur Deckung der Druckkosten genügende»» Leserkreis voraussetzeu. Der gelehrte und im Talmud und der rabbinischen Literatur gründlich bewanderte Verfasser erklärt uns Bibel-, Midrasch- und agadische Talmudisten in jener eigentümliche»» mit Buchstabe»», Zahlenwerten und oft wunderbaren Geistessprüngen spielenden Weise, die von zeitgemäß wissenschaftlicher Bibelforschung ebenso fern ist wie von den einfachen, sinngemäßen Auslegungen des MoseS Sofer u. a. Es gehört ein besonderer „Klausgeschmack" dazu, sich daran zu erbauen. Der alte, mit Deuteleien und Haarspaltereien spielende Geist offenbart sich in dem ganze»» Buche bis auf die Vorrede, die des Buches Erscheinen entschuldigenden Schutz- oder vielleicht Trostschreiben rabbinischer Autoritäten und die das Buch eröffnenden Warnungen des Verfassers gegen Diebstahl seines geistigen Eigentnms und seine Erklärungen der Worte „Goj" und „Akum". Die in gewiß freundlichster Absicht beigegebenen Festtags-, Probe und patriotische»: „Droschohs" tragen nicht souderlich viel zur Erhöhung der innere»» Wertschätzung des Buches bei. Interessanter sind die auch diesem wie dem ersten Teile beigegebenen Entscheidungen ritueller Fragen aus der Feder mehrerer orthodoxer Rabbiner über diverse Erscheinungen der Neuzeit, »vie die Benutzung elektrischen Lichteam Freitag Abend, wenn es der Kellner des Hotels entzündet, und dergleichen! Eingehender wird die Frage der Leichenverbrennung behandelt, d. h. dahin, ob die Trauergesetze nach jenen „Poschirn", die testamentarisch! die Cremation ihres Leichnams verordneten, zu beobachten, ob überhaupt die einschlägigen Ritualgesetze für sie anzuwenden. die Beisetzung der Aschenurne in der Familiengruft zu gestatten sei u. s. »v. — Ich werde seiner Zeit all die gegen die Cremation ins Treffen geführten Talmudstellen in einen» eigenen Werke über „Die Leichenverbrennung vom Standpunkt des Judentums" beleuchten. Fanatismus und Unkenntnis haben hier viel gesündigt, und es geschah nicht immer zum Ruhme mancher jüdischen Zeitungen, daß sie diesem Phrasentum ihre Spalte»» öffneten. Ich selbst besitze eingehende Behandlungen dieser Frage in Briefen orthodoxer rabbinischer Autoritäten, die sich so ziemlich mit Herrn Brauns gelehrten Ausführungen decken. Schade, daß der selige Medizinalrat Küchenmeister, der, nebenbei bemerkt, die eingehendste Behandlung. dieser Frage von» biblischen Standpunkte aus bisher geliefert hat, das Erscheinen des Beth-Jsrael nicht mehr erlebt hat. Nun, wen»» dieses neugebaute Haus auch weder den architektonischen noch ästhetischen Ansprüchen genügt, so möge es seiner»» Erbauer immerhin ein erträgliches werden.! Landrabbiner Dr. Tänzer. Die ,l6v i8l» knev k 1 opock La hat, »vie man uns aus Newyork berichtet, die erste und hoffentlich die letzte Kinderkrankheit glücklich überstanden. Die Geschichte der Krise soll als Anhang zum

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