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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-01-16 · Heft 3 (16.1.1903) · p. Seite 36

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 3 (16.1.1903)
Date
1903-01-16
Page
Seite 36 (sequence 14)
Language
German
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36 zwölften Bande veröffentlicht werden. Die zu überwindenden Schwierigkeiten waren von mannigfacher Natur: literarisch, administrativ und finanziell. Die meisten Mitarbeiter in Europa hatten und konnten keine rechte Vorstellung haben von dem Charakter der von der Redaktion verlangten Arbeiten. Dieselben mußten daher in vielen Fällen umgearbeitet werden. Im letzten Augenblicke, wenn der Drucker wartete, um „einzuschießen", ließ ein Mitarbeiter mit einem wichtigen Artikel im Stiche: einer der Redakteure hatte dann die Aermel aufznschürzen, das Material zu sammeln und den Artikel abzusassen. Wenn dann der mit großer Mühe und noch größerem Kostenaufwande geschriebene Artikel gesetzt war, kam oft der Originalartikel aus Europa oder Afrika hereingestolpert: kurz, das Bureau hatte in dem ersten Bande eine größere Anzahl von Artikeln, die ihm auf mehr als 1200 Mark zu stehen kommen! Die Verleger unterbreiteten am 31. Mai dem Editional- Board die Bilanz, aus der ziffernmäßig hervorging, daß unter den gegebenen Verhältnissen die zwölf Bände auf 909 000 Dollar (— 3 636 000 Mark) zu stehen kommen würden. Davor schraken selbst die Uankees zurück. Und so hatten die Herausgeber den Sommer benutzt, um das riesige Material, das in ihren Händen war (für Voi. U rc.) genau zu prüfen; Propagandakomitees wurden im ganzen Lande organisirt, um eine rechte Vorstellung über die mögliche Ziffer der Subskribenten zu schaffen, und am 5. Februar wurde endgültig das neue Arbeitsprogramm ratifizirt, wonach jeder Departementseditor' wie früher absoluter Souverän in seinem Departement bleibt, aber in gewissen Fällen die Zentralgewalt in die Hände eines Exekutionskomitees Mev. Dr. Köhler, Professor Dr. Richard Gottheil und Dr. I. Singer) gelegt wurde. Kurz alle Schwierigkeiten sind nun behoben und die Herausgeber werden nicht früher die Riesenmaschinerie zur Ruhe bringen, als bis Vol. X!l (wie sie hoffen, vor 1. Mai 1906) in den Händen ihrer 15 000 Subskribenten sein wird. Diese Ziffer gedenken sie nämlich zu erreichen. Wir wünschen ihnen dazu den besten Erfolg. Sprerhsaal. Geehrter Herr Redakteur! ^kn der Korrespondenz aus Hannover Nr. 1 dieses Jahrganges ist die Notiz enthalten, daß auf Veranlassung des Landrabbiners Dr. Gronemann den jüdischen Soldaten der hiesigen Garnison auf Wunsch jeder vierte Sonnabend zum Besuche des Gottesdienstes freigegeben wurde. Diese Notiz bedarf insofern der Berichtigung, daß diese Genehmigung nicht bloß für die hiesige Garnison, sondern für alle Truppenteile des 10. Armeekorps, und zwar bereits vor bald zwei Jahren durch eine Verfügung des Generalkommandos vom 19. »März 1901 erteilt worden ist. In dieser Verfügung wird auch in Bezug aus die Befreiung der jüdischen Soldaten an den jüdischen Feiertagen, die in Gemäßheit der Garnison- Dienstvorschrift unbedingt, soweit die dienstlichen Verhältnisse es gestatten, gewährt werden muß. bemerkt, daß das Generalkommando den unterstellten Truppenteilen die Daten dieser Tage mitteilt, die Mannschaften jedoch ihre Beurlaubung bezw. ihre Befreiung vom Dienst an diesen Tagen besonders nachsuchen müssen. Die Daten werden aus Wunsch des Generalkommandos demselben vorher durch den LandrabbinerHpiigeteilt und erfolgt alsdann von dort aus die Anweisung an die Truppenteile. Es erscheint erforderlich, die Mitteilung Ihres Berichterstatters zu berichtigen und zu ergänzen, weil es den Anschein hat, als ob der Inhalt dieser Verfügung auch in unserer Provinz noch nicht genügend bekannt ist. Hannover, den 5. Januar 1903. Ergebenst Dr. Gronemann, Landrabbiuer. 4 Geehrter Herr Redakteur! n Nr. 52 (v. Jahrg.) Ihres geschätzten Blattes schildert Herr Ernst Buchheim in anziehender Weise die Beweggründe, die Onias IV. wohl veranlaßt haben mögen, neben dem Heiligtum in der jüdischen Hauptstadt ein ähnliches in Aegypten in der Nähe von Heliopolis (dem bibl. On) zu erbauen. Der Herr Verfasser nennt diese Gründung resp. die Zeit derselben „eine der dunkelsten Episoden", und dem ist in der Tat so, wir wissen bis heute von dieser Gründung nur so viel, daß Onias, um den ihm wohlwollend gesinnten Ptolomäer für sein Unternehmen zu gewinnen, letzteren auf eine Stelle im Jesaias hingewiesen habe. Der verstorbene Georg Ebers macht in seinen „Vorschlägen für neue Ausgrabungen in Aegypten" („Unsere Zeit 1880", Leipzig) darauf aufmerksam, in dem bei 8eln1nn el-Lanatir gelegenen lell el-^skuäije Grabungen veranstalten zu lassen, die sicher zu guten Resultaten führen möchten. Zwar wurde schon früher im Aufträge des französischen Aegyptologen Mariette hier gegraben, aber bald wieder aufgehört, weil der genannte Gelehrte noch für ihn wichtigere Ausgaben zu lösen hatte. Mit den nötigen Mitteln (vor allem finanziellen!) wäre es wohl möglich, in diesen dunkeln Abschnitt in der Geschichte des Judentums Licht zu bringen, denn sicherlich birgt der Sand von 6l-36ßuäi'z6 noch manche Urkunde, die sich auf die Gründung und den Bau dieses Oniastempels*) bezieht. Könnte da nicht der „Verein zur Förderung der jüdischen Wissenschaft" sich ein großes Verdienst erwerben, indem er die nötigen Mittel zur Verfügung stellt, hier unter Leitung einer bewährten Kraft Ausgrabungen vornehmen zu lassen? Bis jetzt geschah aus diesem Gebiete, von unserer Seite aus, sehr wenig. Hoffen wir aber, daß die Zukunft auch unsere Glaubensgenossen als tätige Förderer der jüdischen Altertumswissenschaft feiert. Nr. ^V. *) Es ist auffallend, daß Onias, der Hohepriesterssohn, seinen Tempel auf der Trümmerstätte eines heidnischen Heiligtums, das schon unter Namses II. (dem Pharao der Bedrückung) der ägyptischen Pacht (Sexet) geweiht war und unter Rarnses III. (dem Rhampsinit der Griechen) besondere Ausschmückung erfuhr, erbauen ließ. * Herr Redakteur! u den verschiedenen amüsanten Censurstückchen. die in diesen Blättern von Zeit zu Zeit veröffentlicht wurden (S. Jahrgang 1895 S. 156), glaube ich ein besonders gelungenes hinzusügen zu können. In der Wilnaer Ausgabe des Alsasi 1862 sagt Mordechai ben Hillel, Moed Katan Perek 1, 8 843, daß die alten Nabbinen die Hochzeit von zwei Geschwistern an einem Tage nicht gestatten mochten, um ein Freudenfest durch das andere nicht zu beeinträchtigen. Er fährt dann fort, selbst bei Götzendienern waren unsere Vorfahren gegen eine solche Feier 1'N 0';Vdr"1!1 lv'2212 N21PÄ 1^'SM Merkwürdig! Wie konnten die alten Rabbiner ein Gesetz erlassen, welches die Hochzeit zweier Geschwister an einem Tage den Heiden verbietet? Die Sache löst sich einfach dadurch, daß man statt Götzendiener A^22 liest, und der Sinn ist: Nicht nur sollen zwei Geschwister nicht an einen! Tage heiraten, sondern überhaupt sollen zwei Hochzeiten auch von Nichtverwandten 2^22 nicht an einen! Tage stattfinden. Der Censor, der darauf zu sehen hat, daß die Gesetze über „Nochrim" nicht auf die Bekenner der griechisch-orthodoxen Kirche angewendet werden, machte gewohnheitsmäßig auch aus diesen „Nochrim" Götzendiener. Die älteren Ausgaben haben auch tatsächlich das Wort 2^222 an dieser Stelle, aber merkwürdigerweise in Klammern. Wie kommt das? Ich wandte mich an Herrn Richter Sulzberger, der eine alte Handschrift des Mordechai besitzt, um Auskunft, und er erwiederte mir, daßseineHandschriftdenTexthabe:v''NNs2'!''N 2'2V8"1N 2'"1221^281 während die alten Ausgaben an Stelle von das Wort 2^222 in Klammern haben. Nun war die Sache klar. Der Kopist der Handschrift hatte wahrscheinlich ein Wort, etwa vergessen, welches vor v^22 stand. Der Herausgeber fand, daß der Text sinnlos sei und änderte das Wort ^^22 in 2^222' ließ aber gewissenhaft den Text stehen, indem er seine Konjektur in Klammern daneben setzte. Der Drucker sah 12^222) 2^22 vor sich, und überzeugt, daß sich der Herausgeber geirrt haben müsse, ließ er das erste Wort weg, ließ jedoch die Klammern stehen, und so blieben sie auch erhalten, als sich die Nochrim in Götzendiener verwandelt hatten. Ergebenst G. Deutsch. Cincinnati (Ohio), 26. November 1902. Druck und Verlag von Rudolf Mosfe in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion; Max Bauchwitz in Berlin.

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