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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-04-05 · Heft 14 (5.4.1901) · p. Seite 168

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 14 (5.4.1901)
Date
1901-04-05
Page
Seite 168 (sequence 14)
Language
German
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168 und jagen davon in eiliger, rastloser Flucht, und hinter ihnen drein die Polen, laut jauchzend und jubelnd und die funkelnden Schwerter freudig schwingend. Boleslav aber kniete nieder mitten unter verstümmelten Leibern, verendeten Rossen, zertrümmerten Panzern auf dem grausigen Felde der Verwüstung und faltete die Hände zum Gebet für den gefallenen treuen Udalrich. (Forts. folgt.) Litterarische Mittheitungim. — Von dem Jahrbuch des Verbandes der Vereine für jüdische Geschichte und Litteratur in Deutschland ist soeben der 4. Band erschienen (Berlin 1901, Albert Katzj. Derselbe schließt sich seinen Vorgängern ebenbürtig an. Eine allgemeine Ueber« sicht über die Ereignisse des letzten Jahres aus der Feder Martin Philippsous eröffnet den Neigen der Beiträge. Dann folgt eine literarische Jahresrevne von Gustav Karpeles. Besonderes Interesse wird eine sehr werthvolle Arbeit ans dem Nachlasse des unvergeßlichen Professors Steinthal erregen: Die Stellung der Semiten in der Weltgeschichte. Wilhelm Bacher bespricht ein höchst originelles Thema: Jüdische Märtyrer im christlichen Kalender. Ludwig Blau erörtert die große Frage der Zukunft des Jndenthums in geistvoller Weise. Ein Essay von Georg Brandes über den dänischen Ghettodichter Meyer Aaron Goldschmidt und eine Studie von Max Grunwald über ein altes Symbol (Magen David) in neuer Beleuchtung schließen den wissenschaftlichen Theil. Den belletristischen füllt eine Erzählung aus dem jüdischen Leben von Theodor Weiß: „Beim Patriarchen", die durch Darstellung und Charakteristik zu den besten Schöpfungen unserer Erzahlungslitteratur gezählt werden darf. Die Mittheilnngen aus den Vereinen für jüdische Geschichte und Litteratur werden sicherallgemeines Interesse erregen. Sie legen ein beredtes Zeugniß dafür ab, daß in diesen Vereinen die Begeisterung für unsere Geschichte und unser Schriftthum nachhaltig und gefördert wird. — S. Bernfeld. „Der Talmud. Sein Wesen, seine Bedeutung und seine Geschichte." Berlin 1900. S. Calvary ck Co. In anregender Darstellung giebt der Verfasser ein gedrängtes und doch übersichtliches Bild des Talmuds nach seinem Wesen, seiner Bedeutung und seiner Geschichte. Trotz aller historischen Objektivität, die gerade auf diesem Gebiete nicht genug anzuerkenueu ist, empfindet man doch aus jeder Zeile des Verfassers innige Autheilnahme an dem historischen Geschick dieses Nationaldenkmals, das gerade in unserer Zeit so falsch aufgefaßt und beurtheilt wird. Die Arbeit ist eine vortreffliche und wohlgeeignet. Jedem über das schwierige Gebiet verständliche Allsklärung zu bieten. — Das von der Kommission des Vereins der jüdischen Lehrer in der Provinz Hannover bearbeitete „Lesebuch für jüdische Schulen" ist nunmehr mit dem kürzlich erschienenen zweiten Theil (Oberstufe) vollendet. Das eigentliche Lesewerk ist zweitheilig. Der erste Theil ist für die Mittelstufe, mit dem dritten Schuljahr beginnend, bestimmt und enthält ausreichenden Stoff für diese Stufe. Preis geb. 1.20 Mark. Der zweite Theil bietet gleichfalls genügenden Lesestoff und ist mit nachbezeichneten fünf Bilden! ausgeschmückt. 1. Zwei Hohenzolleru nach dem Gemälde von G. Marx. 2. Graf Helmnth v. Moltke. 3. Fürst v. Bismarck. 4. Kaiser Wilhem II. als Admiral. 5. Niederwalddeukmal. Preis geb. 1,60 Mark. Der Lesestoff für das zweite Schuljahr ist der von der Kommission ebenfalls bearbeiteten Lesefibel angefügt. Preis zusammen geb. 60 Pfennig. Der Inhalt des Lesewerks ist so allgemein gehalten, daß er in allen jüdischen Schulen unseres Vaterlandes zur Verwendung kommen kann. Verlag des ganzen Lesewerks: Hahusche Buchhandlung Hannover und Leipzig. ---- In der gegenwärtigen Zeit, wo so Vieles in unserem jüdischen Leben in die öffentliche Erscheinung tritt, was die Gemüther bewegt und beunruhigt, gewährt es eiu Gefühl von Behagen, wenn man eine Schrift sieht, und sogar ein großes und dickes Buch, dem alles fern liegt, was trübe Empfindungen erwecken könnte, das im Gegentheil unser Wohlgefallen erregt, Bilder von Behaglichkeit und liebenswürdiger Gemächlichkeit schafft, und das in seiner Anwendung der Gesnndhkit und dem Wohls des engeren häuslichen Kreises wie dem weiteren des großen gesellschaftlichen Lebens dienen will. Dieses Buch heißt: „Ausführliches Kochbuch für die einfache und seine jüdische Küche voll Marie Elsässer. (Verlag von I. Kaufmann in Frankfurt a. M.) Es ist ein in modernen! Geschmack ausgestattetes, vor allem aber durch die überaus reiche und sachkundige Art des Inhalts und der Zusammenstellung vortrefflich gerathenes Buch. Mit Erstaunen sehen wir hier, wie ans 910 Seiten 3759 Anweisungen für eine Fülle anregender Speisen gegeben werden. Wer etwa meinen sollte, die jüdische Küche sei gebunden an den engen Rahmen des Hergebrachten. der wird mit Ueberraschuug deren Mannigfaltigkeit und Reichhaltigkeit wahrnehmen können. Was die mütterliche und gastfreundliche Güte unserer Voreltern Großes geleistet in der kunstgerechten Herstellung der köstlich mundenden, wenn auch gute Verdauungsorgaue voraussetzendeu Sabbathherrlichkeiten der Küche, die vorzüglichen Schalets, Kugeln, gefüllten Magen und alle die Originalspeisen. die, wie die Verfasserin im Vorwort bemerkt, mit dem Zauber der Heimath und dem Dust der Erinnerung auch Diejenigen noch erfüllen, die dem Jndenthmn fremder geworden sind, sie alle finden wir hier in ausführlicher und leicht faßlicher Behandlung voll einer tüchtigen und erfahrenen Frau gründlich und anschaulich beschrieben. Und von diesen alten Erbstücken der jüdischen Küche aus führt uns das Buch iil das Gebiet der modernen Kochkunst und lehrt, ihre neuen Erfindungen auch für die den rituellen Vorschriften gewissenhaft folgende jüdische Küche zu verwenden. Nichts ist vergessen, was irgend den Geschmack lind einen fein entwickelten Sinn sür die Genüsse des Gaumens befriedigen kann. Das Blich sucht alles anzugeben, was der einfache alltägliche häusliche Tisch verlangt und womit die festliche Tafel allsgestattet und geschmückt werden kann. Als Beweis für die Mannigfaltigkeit des Inhalts sei angeführt, daß allein für Suppen der erdenklichsten Arten 45 Seiten mit 197 Rezepten vorhanden sind. 93 Rezepte sind für die verschiedenen feinen Vorspeisen. den Saucen, an welche die elegante Tafel ganz besondere Ansprüche stellt, sind 200 Rezepte gewidmet. 72 lehren die kunstvolle Bereitung von Salaten. 43 verschiedene Kompotts. In 112 Rezepten ist die geschmackvolle Verarbeitung der sür die jüdische Küche besonders werthvollen Fischarten angegeben. Eine große Auswahl an verschiedenartigsten Braten von Ochsen-, Rind-, Kalb- und Hammelfleisch, vou Geflügel und Gänsen, mit sorgsamer Unterweisung im Koschermachen und Behandeln nach der religiösen Vorschrift ist in 458 Rezepten angegeben, diejenige von Würsten und Sülzen in 20; 28 lehren Fleisch kunstgerecht zu pökeln und suchen also der Küche eine anregende Abwechselung zu bieten. Gemüse- und Kartoffelspeisen sind in 220 Rezepten behandelt, Klöße sür Milch und Fleisch, als selbstständige Gerichte und als Zugaben sür Suppen und Ragouts in 115 Arten; anderen Mehl- und Eierspeisen sind 225 Rezepte gewidmet. Und so weiter in vollster Ausführlichkeit, immer gleich verläßlich, sowohl nach der ceremoniellen wie nach der praktischen Seite, behandelt das Kochbuch das ganze weite Gebiet des Nothwendigen. des Wi'mschenswerthen, des Köstlichen und Raffinirten auf dem Gebiet der Gastronomie. Hierdurch wird dasselbe eine berufene Lehrmeisterin unserer jungen Töchter, ein empfehleuswerthes Geschenk sür die Braut und angehende Hausfrau, eine zuverlässige Beratherin der sorgenden Hausmutter, nach dem die fürsorgliche greift, wenn sie Rath und Hilfe braucht Auch vom Standpunkt der Bewahrung jüdischer Art und Sitte ist es dankbar willkommen zu heißen. In vielen Häusern wird dieselbe vom Tisch, der nun einmal eine sehr wichtige Stelle im Haushalt einnimmt, verdrängt, weil man nicht versteht, den religiösen Vorschriften und zugleich den Anforderungen der Jetztzeit entsprechend zu kochen. Bewegte man sich in der That nicht zu sehr in den engen Grenzen des Altgewohnten? Und hatte man denn einen Begriff davon daß es viele neue gesunde, den Appetit und die Bekömmlichkeit fördernde Zuthaten und Gennßmittel gab, die ohne jede Beschränkung auch in den gut koscheren Haushalt ausgenommen werden können? Darum ist es dankbar willkommen zu heißen, daß eine modern gebildete, gastronomisch vorzüglich geschulte jüdische Hausfrau aus reiner Liebe znr Sache in Jahre langer Arbeit sich bemüht hat, ein Werk zu schaffen, das dem guten Geist des jüdischen Hauses dient, und das allen an ein großes, umfassendes Kochbuch zu stellenden Anforderungen entspricht. Jeder guten jüdischen Hausfrau und Allen, die es werden wollen, kann es bestens empfohlen werden. L Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich sür die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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