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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-03-08 · Heft 10 (8.3.1901) · p. Seite 117

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 10 (8.3.1901)
Date
1901-03-08
Page
Seite 117 (sequence 11)
Language
German
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117 3. wie hat man sich einen solchen zu denken? „Der Himmel ist mein Thron." Dieser Gedanke , vor allem muß in der Synagoge, „dem Hause Gottes", seinen architektonischen Ausdruck finden. Ihm entspricht der Kuppelbau. Nun ist die Synagoge nicht nur der Ort der Gegenwart Gottes, sie ist auch die Stätte des Gebetes. Die Gottessehnsucht und zugleich das felsenfeste Vertrauen auf Erhörung des Gebetes stellt nur ein Stil anschaulich und ergreifend dar, das ist der Stil, von dem der Dichter (Heine) sagt: „Wir fühlen hier die Erhebung des Geistes .... mit den kolossalen Pfeilern strebt der Geist in die Höhe," und von dein es heißt: „Diese Flanken, diese Strebepfeiler, die sind für die Ewigkeit gemacht," es ist der gothische Stil. Will man sich an der Gothik deshalb stoßen, weil sie an düstere Epochen der jüdischen Geschichte erinnert, so ist dagegen einzuwenden, daß aus diesem Grunde kaum ein Baustil zulässig wäre. Uebrigens ist die Gothik durchaus nicht der eigentliche Kirchenstil. Es spiegelt sich vielmehr gerade die Befreiung des Bürgerthums von dem Druck der Kirche in der Ueberwindung des romanischen Stils durch den gothischen wieder. Der luftige Spitzbogen durchbricht die lastenden Massen der Romantik. Auch vor der Renaissance verdient die Gothik als Synagogenstil entschieden den Vorzug. Die Renaissance ist der Stil der Selbstgewißheit. Ihre Bauten werden durch eigene Kraft zusammengehalten. Ihre Säulen erinnern an die oberen Soundsoviel des aristokratischen Staates, welche sich als die alleinigen Träger und Erhalter des Ganzen betrachten. Diese Anschauung ist dem Judenthum von Haus aus fremd. Hier sucht der Einzelne seine Stütze in Gott und im Zusammenschluß mit der Umgebung. Für den gothischen Stil spricht schließlich noch sein dem Wesen des Judenthums verwandter west-östlicher Charakter, die Verjüngung des romanischen Stils durch Einführung des Spitzbogens und die Strenge, mit der er den Bilderschmuck aus dem Innern des Gotteshauses weist. Für eine solche Ausführung: Kuppelbau in gothischer Lösung fehlt es nicht an trefflichen Vorbildern. Schmidt hat z. B. so die Pfarrkirche zur h. Maria vom Siege in Fünfhaus, Wien XV., geschaffen. Als Grundriß empfiehlt sich für das Haus Gottes das Zeichen, welches (vgl. Grunwald, ein altes Symbol in neuer Beleuchtung im Jahrbuch für jüdische Geschichte und Litteratur 1901) nach jüdischer Auffassung der Windrose entsprechend, den Herrscherbereich Gottes beschreibt, das Hexagramm Abweichungen von der Vierecksform waren von jeher üblich. In England baute man runde Synagogen. Eine rabbinische Autorität, wie Ezechiel Landau (im 18. Jahrhundert), empfiehlt in seinem Nechtsgutachten VI., 18 das Achteck, offenbar aus derselben Rücksicht, die uns die Figur als Grundriß und deren Ecken fialenartig ansgebildet bevorzugen läßt. Den Abschluß denken wir uns in einem dazwischen liegenden siebengliedrigen Giebelanfban, gekrönt von der Menora, dem siebenarmigen Leuchter. Dieses Zeichen galt bis ins Mittelalter hinein allein ausschließlich als jüdisches Symbol (s. a. a. O.) und nimmt sich als Krönung des Maßwerkes, wie alte Vorbilder zeigen, sehr günstig aus. Beide Zeichen, als Darstellungen der Idee des Friedens, gehören zur Synagoge, welche, wie der Tempel zu Jerusalem, von Alters her als „Stätte des Friedens" bezeichnet wird. Are Könrgsbraut. Historische Erzählung von Carola Buchheim. ^^V^erzeiht, hoher Herr," sagte mit tiefem Bückling der Jude, als der König eingetreten war, „aber die Zeiten sind so unsicher, es treibt sich so viel fahrendes Volk umher in den Straßen, und da muß man vorsichtig sein." „Namentlich, wenn man so viele Schätze besitzt wie Ihr," rief der Ritter lachend, „doch weiset uns den Weg." Indessen war der eine der Ritter rasch vorausgegangen, während der Jude mit dem anderen langsamer folgte. Er war in das Gemach getreten, und mit eurer raschen Handbewegung den Mantel von den Schultern werfend, schritt er gegen Recha hin. „Der Köllig!" schrie Recha auf, und einen Augenblick war es, als ob sie umzusinken drohte, doch da hatte schon Boleslav ihre Hand gefaßt, und sein leuchtendes Auge in das hold erglühende Antlitz des Mädchens senkend, sagte er mit gewinnendem Lächeln: „Ich komme Euch fragen, holde Jungfrau, ob Ihr des häßlichen Erlebnisses nicht mehr denkt, das Euch in meiner Residenz getroffen. Ihr zürnt doch nicht, daß es gerade in meiner Hauptstadt war, wo Euch Unliebsames begegnet? Doch seid versichert, Jungfrau, ich habe den Frevler streng bestrafen lassen!" Der König hatte geendet, aber das Mädchen verharrte noch immer in tiefem Schweigell. Den glanzenden Blick zu Boden gehestet, stand sie da, die Hände auf das hochklopfende Herz gedrückt, und lauschte seinen Worten, die wie herrliche Musik an ihr Ohr klangen. Der Jude kam indes aus dem Gelasse zurück, in dem er inzwischen Licht gemacht hatte. „Mit Verlaub, edler Herr," sagte er zu dem Könige, der schnell wieder den Mantel umgeworfen hatte, „wenws Euch genehm ist, so tretet hier ein, denn hier sind die Schätze, die Ihr zu sehen wünscht." Einen Augenblick ruhten des Königs Blicke noch an der Gestalt des Mädchens, das in der Wohnstube zurückgeblieben war, dann folgte er, vom Säckelwart begleitet, dem Juden in das Gewölbe. Dieses war ziemlich geräumig, kleine, stark vergitterte Fenster gingen auf den Hof, all einer Wand sah man hohe, eichene Schränke, während auf der entgegengesetzten Seite allerlei Rüstzeug entweder an der Wand oder an eigenen Postamenten angebracht war. Die Schmalwand bedeckten Bilder in allen Größen, schwere Teppiche und bunte, kostbare Stoffe. „Ich hoffe, daß Ihr hier so manches finden werdet, das Eurer Aufmerksamkeit werth ist, und wenn Ihr Kenner seid .. „Du sprichst mit dem König!" unterbrach ihn der Ritter. „O verzeiht, Herr König," sprach der Jude, indem er sich bis zur Erde neigte, dann murmelte er den Segensspruch: „Gelobt seist du, Gott, unser Herr! Herr der Welt, der mitgetheilt hat von seiner Ehre und Herrlichkeit den Mächtigen dieser Erde. Welche hohe Ehre wird meinem Hause durch Euren Besuch."

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