Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 9 (1.3.1901)
- Date
- 1901-03-01
- Page
- Seite 108 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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gestüme Ansuchen sämintlicher männlicher und weiblicher Badegäste sich endlich dazu verstanden habe, ein Konzert zn geben. Der Erfolg war natürlich unbeschreiblich, Säiumtliche Blumenlüden in dein kleinen Badeort waren ausgeplündert, acht Tage lang war in säinmtlichen Bratensaucen kein Lorbeerblatt, auch keines Lorbeerblattes Geschmack mehr zn finden, und nur dein Umstande, das; er nicht zu Wagen ins Konzert gefahren war, ist es znzuschreiben, das; ihm die Pferde nicht ausgespannt wurden. Die holde Weiblichkeit riß sich um ein Autogramm unseres Chasan, seine Photographien — natürlich im Ornat — waren alsbald vergriffen; wo er nach dem Konzert sich blicken lies;, waren die Kästen der Amateurphotographen auf ihn gerichtet, und die „Weite Welt" entsandte einen eigenen Spezialphotographen und einen eigenen Interviewer, um die Persönlichkeit unseres Chasan in Wort und Bild der Mit- und Nachwelt vorzuführen. Selbstredend boten dem groben Manne säiumtliche Grvs;ge»ieinden der Welt ihre Obe; oberkantorstelle an: er blieb in „unentwegter Dankbarkeit" seiner Gemeinde treu, und diese wußte das große Opfer durch eine entsprechende Gehaltserhöhung zu würdigen. Jetzt kann man schon zwei Oberrabbiner recht anständig mit den; Gehalt unseres Chasan honvriren. Den Vortrag, den er unseren; Litteratnrvereine als pibco tlo re-nslanee in Anssicht gestellt hat, hat der Herr Chasan natürlich anch von der Badereise nicht mitgebracht. Unser Parnes; hat kann; geringere Ehren an der „See" eingeheimst. Alles drängte sich zr; seinen; Verkehr, nachdem erst bekannt geworden war, wer er sei. Die Mehrzahl der Badegäste bestand aus Glaubensgenossen. Von dieser Mehrzahl hielt es die Mehrzahl sür ihre Pflicht, de»; anerkannt trefflichen koscheren Restaurant den Rücken zu kehren .. . unser Herr Parneß hat nicht verrathen, ob er es mit der Mehrzahl gehalten hat. Er traf im Bade zahlreiche Kollegen und mit diesen war er eifrig bestrebt, allerlei Maßregeln „zur Hebung des Judenthnms" zn besprechen. Ich glaube, daß unser Herr Parnes; aus den; Jndentage, der hoffentlich bald zu Stande kommen wird, als Resultat seiner badereislichen Besprechungen welterschütternde Reformen in liberalen; und orthodoxen; Sinne bekannt geben dürfte, und darum bitte ich Sie, verehrter Herr Redakteur, mit aller Ihrer schriftlichen und mündlichen Beredsamkeit dahin zu wirken, daß wir recht bald zu einem Jndentage eiuberufen werden. Sonst muß unser Herr Parnes; seine Reformen bei sich behalten, und das wäre ihn; und den; Judenthuin ein schwerer Schaden. Da unser Parnes; anch mit verschiedenen Herren aus Württemberg zusammen gewesen ist, so vernrnthe ich, daß der dort ausgebrochene Verfassnngsrevisionssturn; von ih»; angeregt wurde. Der Umstand, daß inan irgendwo in Württemberg daran denken soll, den Chasan, so er sich dazu gualifizirt, zu»; Rabbiner avaneiren zu lassen, scheint zn der Jhnen^schvn oft geschilderten Vorliebe unseres Parnes; für sei; Chasan merkwürdig zu stiminen. Wenn Sie nur das Reisegeld schicken, fahre ich ertra hin nnd recherchier .. . Von den Sehenswürdigkeiten nnd Merkwürdigkeiten der Orte, die sie besucht haben, haben beide Herrei; Badereiseude nichts erzählt. Sie, geehrter Herr Redakteur, machen das immer so schön; setzen Sie mich in den Stand, Badebriefe nach Autopsie, ans Grund eigener Anschauung zn schreiben, dann wird versuchen, in Ihren Fußtapfen zu wandeln Ihr ergebenster Löb Ko rach. Litterarische Mittheilungen. Soeben ist das erste Heft des vierten Jahrganges der „Mittheilungen" der Gesellschaft für jüdische Volkskunde im Druck erschienen. Aus dem diesmal besonders reichen Material — das Hest umfaßt weit über 100 Druckseiten — seien zwei Arbeiten über „die Memoiren der Glücket von Hameln" hervorgehoben, welch letztere durch Kaufmanns Veröffentlichung 1896 in weiteren Kreisen bekannt geworden sind. Die Beiträge eröffnet ein ausgezeichneter Essay „Einiges ans den Memoiren der Glücket von Hameln" ans der Feder L. Dsayes. Die zweite Abhandlung, von Dr. A. Landau- Wien, über die Sprache der genannten Memoiren, wird als eine grundlegende Untersuchung für die Forschung des Jndendentsch allenthalben die gebührende Würdigung finden. Hieran schließt sich die Bearbeitung eines hebräischen Liedes zn Simchath-Thora aus Buchara nnd Jemen von Professor W. Bacher und eine Erklärung der „jüdischen Engelnamen" von Professor Sam. Krauß. Aus den handschriftlichen Sammlungen der Gesellschaft wird eine Auswahl von Volksliedern, Erzählungen nnd Näthseln geboten. Die Abtheilnng „Alls fremden Kreisen" vertritt eine Buchbesprechung unter der Aufschrift: „Der Jude im schlesischen Weihnachtsspiel." Im „Fragekasten" kommen n. a. Geheimer Nath Lazarus-Meran, kaiserlicher Nath Dr. Lieben und F. Iolles-Wieu mit Anfragen bezw. Mittheilungen über Zaubersprnche. das „Meisen". „In Gottes Namen" und eille Shakespearefrage zn Worte. Ein ausführliches Jnhaltsverzeichniß zn den erstell drei Jahrgängen der „Mittheiluugeu" nebst Ergänzungen. die Aufzahlung der Spenden und Neuerwerbungen sowie Vereinsnachrichten beschließen das Heft. — „Zeit-Lexikon" nennt sieb ein neues, originelles nnd durchaus zeitgemäßes Unternehmen, das vom Februar d. I. ab in der Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart erscheinen wird. Es sott in jedem Monat in lexikalischer Anordnung alles zuscnnmensasseu, was sich auf sümmtlichen Gebieten des modernen Kulturlebens während des betreffenden Monats an Bedeutendem und Wissenswerthem ereignet. Sprerhsaal. Sehr geehrter Herr Doktor! (^L^er eigentlich herzlich bedeutungslose Streit zwischen Herrn Dr. Deutsch und Herrn Dr. Fink um die „Ehrenrettung" des Rabbi Moses Sofer hat schon so oft im „Sprechsaale" Ihres geschätzten Blattes Raum gefunden, daß es Ihnen nun wie dem bekannten Goetheschell Zauberlehrlinge ergeht: „Die ich rief, die Geister, die werd' ich nun nicht los." Erlauben Sie daher, daß ich dieser eigentlich sehr bedauerlichen Polemik damit zum Abschlüsse verhelfe, daß ich auf die verläßlichste Quelle in dieser Streitsrage Hinweise, und zwar auf die dem „Kthab Sofer" znm Pentateuch vorangeschickte, den Titel „Ohel-Leah" tragende und von N. Salomou Schreiber, einem Sohne des „Kthab Sofer" verfaßte vollständige Biographie seines Vaters, in welcher ans Seite X. ff. die ans die Amtsautretung des Kthab Sofer Bezug habenden Ereignisse klar und ausführlich beschrieben sind und in allen Punkten die Darstellungen des Kollegen Dr. Fink und des Einsenders „Posoniensis" bestätigen. Des Raummangels halber führe ich die umfangreiche Stelle nicht an und begnüge mich mit dem Hinweise. Der „Wink mit dem Lalernenpfahl" war ein vom Zaune gebrochener Streit, der am bestell unterblieben wäre. Auch die vou Herrn Dr. Deutsch angeführte Belegstelle findet iu obenerwähnter Biographie ihre Erklärung, nnd zwar iu einer den Thatsachen entsprechenden Weise. Hohenems. 17. Februar. Hochachtungsvoll Dr. N. Tänzer, Landrabbiner. 4 Geehrter Herr Redakteur! <^n Nr. 7 der Attg. Z. d. I. ist in dem Artikel „Neues über Kaiser Friedrich und die Juden" konsequent die Rede vou Kaiser Friedrich II. Das ist ein Fehler. Es muß Kaiser Friedrich III. heißen. Aachen, 17. Februar. Dr. Berliner. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.