Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 7 (15.2.1901)
- Date
- 1901-02-15
- Page
- Seite 84 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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84 verboten, zu schreiben. Uebrigens könnte ich vergessen, was ich ihm zu sagen habe." Kronele, die sich kaum aufrecht hielt, antwortete nicht. „Ist dir's lieber, daß Heva schreibt? Ich zwinge dich nichtdazu, aber ich befehle dir, hier zu bleiben. Du sollst hören was ich ihm zu sagen habe." „Mutter, wenn Ihr befehlt, ist es meine Pflicht, zu gehorchen." <Fo,ts. folgt., Spverhsaal. Geehrter Herr Doktor! der „Allgemeinen Zeitung des Judeuthums" vom 19. Oktober 190!) entnahm ich, daß eine Thorarolle von Kai-sung-foo auf der Pariser Weltausstellung gezeigt wurde. Das ist jedoch keine so große Seltenheit, als Sie zu denken scheinen. Mr. Marcus N. Adler in London veröffentlichte kürzlich in einer Zeitung (nachgedruckt von der Zewish Quartelh Review), daß mindestens im Ganzen neun solcher Nöllen bekannt sind. Acht von ihnen im Westen, und zwar 2 in London. 1 in Oxford, 1 in Cambridge. 1 in Aale College in Newhaven (U. S.), 1 in New-Uork. 1 in Wien, 1 nach Ihrer Notiz und 1 in meinem Besitz. Die letztere ist von Ephraim Deinard geprüft worden, der mit nur gleicher Allsicht ist und wurde in seinem Katalog (New-Aork 1896) anfgeführt. Meiner Ansicht nach unterliegt es wohl keinem Zweifel, daß die chinesische Nolle eine Kopie aus dem Westen ist, vielleicht aus Persien. Diese Annahme wird durch die Ergebnisse vollauf bestätigt. Textliche Verschiedenheiten haben bis jetzt noch nicht entdeckt werden können. Mehrere Schriftgelehrte wünschen eitle eingehende Untersuchung über eine dieser Kopien anzustellen und sind gern bereit, dies völlig unentgeltlich zu übernehmen. Ihr ergebener Philadelphia, 21. Januar. Mayer Sulzberqer. r Löbliche Redaktion! <Mn einem Bibliotheksbuch der höheren Mädchenschule „Unser Kaiser, Wilhelm der Siegreiche" von C. Trog (Mülheim a. d. Ruhr, Verlag von Julius Bagel) heißt es im Abschnitt „Friedeusschluß" ans Seite 107: „Weit über ein halbes Hundert französischer Offiziere, die ans ihr Ehrenwort, in dem ansgebrochenen Kriege nicht mehr gegen Deutschland fechten zu wollen, sreigelasseu worden waren, hatten ihr Ehrenwort schmachvoll gebrochen, ohne daß ein Gambetta, ein Favre, ein Trochll oder die übrigen „der Götter Israels", die damals Frankreich mit ihrer Führerschaft beglückten, Anstoß daran genommen hätten!" — Mir ist dieser Vorgang völlig unbekannt, mindestens zweifelhaft. Aber selbst wenn es wahr wäre, so ist der antisemitische Geist, der ans diesen Zeilen redet, durchaus zu verurtheilen, und derartige Bücher sind nie geeignet, um der Jugend zur geistigen, wahrhaften Nahrung zu dienen. Lublinitz, 22. Januar. Ganz ergebenst Nabbiller Dr. Friedman u. * Geehrter Herr Redakteur! /Wxestatten Sie Einem, der's wissen kann, die Bemerkung am Schluß der Zuschrift des Herrn Dr. G. Deutsch. Cincinnati, in Nr. 1 dieses geschätzten Blattes ans ihren richtigen Werth znrückzusühren. Nabbi Moses Sofer, den Alle, die ihn kannten, selbst ein gewiß nicht orthodoxer Leopold Dukes, als Heiligen verehrten, weil er eben jeden Athelnzng nur im Dienste der Religion lind der Mitmenschen verwendete, war am Snkkot 5600— September 1839 — schwer erkrankt. Am Chol-Hanwed wurde der Zustand hoffnungslos, und die Gemeindehäupter dachten an sofortige Fürsorge, daß Rabbinatsschule und Gemeinde auch nicht einen Tag ohne Führer seien. Nach jüdischer Vorschrift (Narnbam H. Melachim) hat der würdige Sohn ein Recht der Nachfolge. Der Parnes Wolf Pappenheim berief das Nabbinat, all dessen Spitze der greise, ebenso gelehrte als weltkluge Nabbi Daniel Proßnitz, und den Vorstand zu einer gemeinsamen Sitzung ein, die er mit den Worten eröffnete: „Meine Herren! Sie wissen, daß ich Persönlich Nabbi Samuel Billjamin liebe wie ein eigen Kind, aber meine Khillah liebe ich weit mehr, und wir müssen reiflich erwägen, ob ein junger Mann von 23 Jahren die* uöthige geistige Kraft und Energie besitzt, die bedeutendste Khillah Ungarns und damit auch das ganze Land zu führen und gegen die anstürmende Reform zn kämpfen." „Meiue Herren," nahm Rabbi Daniel das Wort, „ich kenne Rabbi Samuel Binjamin genau. Sein riesiges Wissen, seine tiefe Frömmigkeit, sein klares, gereiftes Urtheil und besonders seine Milde und seine Selbstlosigkeit, gepaart mit unbeugsamer Charakterstärke, sind uns sichere Bürgen, daß wir einen würdigen Nachfolger unseres großen Nabbi wählen." Der Eindruck dieser Worte machte sich in einem einstimmigen Rufe: „Es lebe unser Meister" kund, und die Anwesenden begaben sich in corpore zu Nabbi Moses, um seine Zustimmung einzuholen. Daraufhin erst ertheilte Rabbi Moses seinem Sohne die Nabbinatsautorisation, wir sehen also hier das Gegentheil eines „Winkes mit dem Laternei,Pfahl." Wien, 21. Januar. Po so niens is. Löbliche Redaktion! wenngleich auch ich darüber im Zweifel bin. ob die Angelegenheit, welche Gegenstand eines Meinungsaustausches zwischen Herrn Dr. Deutsch-Cincinnati und mir bildet, ans das ungetheilte Interesse Ihrer verehrlichen Leser rechnen darf, so kann ich dennoch nicht umhin, deren Geduld noch einmal in Anspruch zu nehmen. In Rücksicht ans die Wahrheit und aus den „todten Löwen" wird mir dieselbe jedenfalls nicht versagt werden. Zunächst mußte es mich Wunder nehmen, daß Herr Dr. Deutsch sich ohne weiteres berechtigt sah, meine Allgabe, daß Moses Sofer seine Nachkommen ans ihr eigenes Verdienst gestellt sehen wollte und infolge dessen ihnen die Bewerbung um eine Nabbinerstette untersagt hat, in Zweifel zn ziehen. Ich mag darüber nicht weiter mit ihm rechten. Nur so viel muß hier festgestellt werden, daß. wenn er sich mir gegenüber ans das Werk „Chut hameschulosch" bernst, ich gerade für meine diesfällige und alle anderen Behauptungen in demselben eine Stütze finde. Vor mir liegt die Ausgabe vom Jahre 1893. Auf Seite 38 ist die bekannte Urkunde abgedruckt, welche die zu einem geflügelten Worte gewordene Aeußerung enthält. Wenn Herr Dr. Deutsch gewiß nicht ansteheu wird, dieselbe dein Moses Soser aufs Kerbholz zn setzen, so wird er anderseits nicht umhin können, ihm jene zugute zu halten, wo er für seine Nachkommt',, a»ord»et: >1^1121 V"1N1 '11^2s7 1L1^ 18 V^1*12 ,,»«d »m wie viel mehr sei eS fern von Euch, von Ort zu Ort zu wandern und nach Art der Söldlinge zu predigen, oder Bewerbnngsgesnche einzureichen." Das ist doch wohl deutlich genug. Was die Nachfolge seines Sohnes betrifft, so befindet sich Herr Dr. Deutsch ebenfalls ans falscher Fährte. Wie in dem erwähnten Werke auf Seite 54 ausführlich erzählt und^ an der von Herrn Dr. Deutsch citirten Stelle zum Ueberfluß noch besonders darauf verwiesen wird, hatte bereits vorher die Vertretung der Preßburger Gemeinde ihren im Sterben liegenden Rabbiner ersucht, er möge seine Einwilligung dazu geben, daß der Sohn dereinst sein Nachfolger im Amte werde. Wenn daher Moses Sofer in dem zwei Tage vor seinem Tode aufgesetzten letzten Willen die Mitglieder seines Rabbinatskolleginms ersucht hatte, ihre Zustimmung zu der von ihm verliehenen rabbinischen Autorisation zu geben, so war dieser Zug alles eher denn ein Wink mit dem Laternenpfahl. Er scheint vielmehr, wie die mit demselben Gegenstände sich befassende Nachschrift darauf schließen läßt, unschlüssig gewesen zu sein, ob die vom Vater allein ertheilte Autorisation als giltig anznsehen wäre. — worüber ja bekanntlich die Gelehrten noch nicht einig sind. Bei einen: Manne wie dem „Kethab Sofer". der scholl damals als eine Größe ans talnmdischem Gebiete allgemein anerkannt war, waren derartige Bedenken gewiß nicht am Platze. Die mit peinlicher Strenge gepaarte Gewissenhaftigkeit eines Moses Soser wollte sich jedoch damit nicht absurden. Hochachtnnßvoll Wien, 13. Januar. D r. Daniel Fink. Rabbiner. Druck und Vertag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für dre Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.