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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-02-15 · Heft 7 (15.2.1901) · p. Seite 83

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 7 (15.2.1901)
Date
1901-02-15
Page
Seite 83 (sequence 13)
Language
German
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83 die mit den Euren wetteifern können an Schönheit und Geist . . Doch da traf ihn ein strafender Blick seines Vaters, und er hielt mitten im Satze plötzlich inne; das fehlte gerade noch, den König zu erzürnen, an dessen Gunst ihm, dem Großfürsten jetzt das Meiste gelegen war, und gar noch um einiger Weiber willen. Was kümmerte ihn die Schönheit Vieser oder jener. Er hatte wohl ganz andere und wichtigere Dinge im Kopf, als sich um derartiges Geschwätz zu kümmern, und da kam dem jungen Fant, seinem Sohne, nun der unglückselige Gedanke, sich zu dem Ritter seiner Landsmänninnen aufzuwerfen. Nun, zum Glücke war der Polenkönig gerade heute in der heitersten Laune und ließ dem jungen Manne seine Unart hingehen; ein andermal wäre ihm diese übel bekommen, aber heute war Boleslao voll Uebermuth und Frohsinn. Jetzt hatte er sich eben von seinem Platze zwischen den beiden Fürsten erhoben und begrüßte mit freudigen Worten die Ankunft der Edelsranen, die da, geschmückt mit kostbaren Geschmeiden und schweren seidenen Gewändern, zur Thüre hereintraten. „Nun, seht selbst, Herr Großfürst," rief er lustig, „habt Ihr je schönere Frauen gesehen, als an Boleslavs Hofe?" Die Gäste waren immer fröhlicher geworden, der viele Wein, die Musik, die Hitze im Saale, Alles hat das Blut erhitzt. die Gesichter wurden immer glühender, die Worte leidenschaftlicher, und als jetzt der König die Tafel aufhob lind die Gesellschaft seinem Beispiele folgte, da bildeten sich hier und da Gruppen, Einzelne fanden sich zu einander, die am Tische getrennt gewesen, und inan überließ sich der ungezwungensten Unterhaltung. ,Fortsetzung folgt.» Krsnele. Eine Erzählung von Alexander Weilt. XII. s war zwei Tage vor Ostern, am Nachmittage, und Frau Reich in ihrem Garten beschäftigt, als die Kleine hereinsprang und ihr einen Brief übergab, den ihr der Briefträger eben gebracht. Einen Brief ans Afrika! Sie öffnete ihn mit zitternder Hand; er war mit hebräisch-deutschen Buchstaben geschrieben, die einzige Schrift, die Frau Reich zu lesen verstand. Kaum hatte sie billige Zeilen gelesen, so stieß sie einen Schrei aus, der Brief fiel ihr ans der Hand, und sie selbst sank schluchzend und seufzend auf die Gartenbank, als sei ihre letzte Stunde da. Das erschreckte Kind lief in die Stube und holte Kronele, die ihre Mutter in die Arme nahm und sie bald wieder zur Besinnung brachte. Aber sogleich brach sie aufs Neue in laute Klagen und heftige Thräneu aus. Im Allgenblick war der Garten von Neugierigen voll, die Mutter und Tochter mit Fragen bestürmten. „Ach," schluchzte sie, „man hat mir diese Schmach nicht an meiner Wiege vorgesungen. Warum bin ich nicht todt und begraben?" „Um Gottes willen. Mutter," sagte Kronele, „welch ein Unglück hat ulls denn getroffen." „Du fragst auch noch?" erwiderte diese, „und ich, die ich die schönste Partie im Elsaß ausschlug, weil die Familie eineil Flecken hatte, ich muß nun erleben, daß eine Schnorrerin, der tch mehr als einmal Almosen gegeben habe, es wagt und sich mit mir verschwägern will. Nein, ich hätte nie geglaubt, eine solche Schande zu überleben! Was habe ich denn Böses gethan auf der Welt, solche Schande zu erleben?" Und in ihrem Zorn riß sie ihre Haube von dem Kopf, so daß ihr langes Haar, das seit dem Tage ihrer Heirath nach dem talmndischen Gesetze kein Mann mit Ausnahme ihres Gatten gesehen hatte, wie eine Mähne um sie flatterte. „Hört mir zu. ihr Alle! Der Sohn von Jakob Seibel — ihr habt den Schnorrer Alle gekannt - sein Sohn will mein Tochtermann werden! Ans ist es mit meinem Stolz! Wen Gott demüthigen will, dem gievt er Töchter. Sechs Töchter, sagt man, sind sechs Stühle im Gehinom. Aber," und hier richtete sie sich ans, „ehe ich meine Tochter einem Bettler gebe, verkaufe ich sie." Und indem sie Kronele am Arm faßte, rief sie aufs Neue: „Wer kauft eine mißrathene Tochter?" Die arme Kronele war mehr todt als lebendig, zitterte an Leib und Leben, bis die Mutter endlich von Heva und Frau Sommer unterbrochen und beruhigt wurde. Der Anfall war vorüber, ihr Zorn hatte ansgetobt; sie ließ sich geduldig, immer schluchzend, in ihr Zimmer führen, wahrend Kronele den Brief aufhob, von dem ihre Mutter nur die ersten Zeilen gelesen hatte. Der Brief lautete also: „Werthe Frau Reich! „Sie werden wahrscheinlich diesen meinen Brief und meine Bitte als eine strafbare Kühnheit betrachten. Meine Pflicht ist es aber, sowohl für mich als für Ihre liebe Tochter, Ihnen zu schreiben. Ich liebe Ihre Tochter Kronele und fordere sie vorr Ihnen förmlich zur Frau. Sie müssen mir die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß ich nie den geringsten Schritt that, mir die Liebe Ihres Kindes zu gewinnen, obschon ich sie seit dem ersten Tage meines Eintritts in Ihr gastfreundliches Halls liebte. Wenn Sie mir die die Hand Kroneles verweigern, so werde ich diesen Schmerz als ein gottesfürchtiger Sohn zu ertragen suchen. Ich bin all das Dulden und Leiden gewöhnt. Ich wenigstens bleibe meiner Liebe und meinem Herzell treu, sogar wenn Sie Ihr Kind einem Andern geben. Ja, ich hätte mich zum Voralls in mein Schicksal ergeben und mich mit Freuden dem Glücke Ihrer Tochter geopfert, wenn ich nicht von Anderen erfahren hätte, daß Kronele nicht allein die besten Anträge ausschlägt und sich meiner noch erinnert, wenn mall mir nicht versichert hätte, daß sie meinetwegen dulde und sogar körperlich leide." Kronele konnte nicht weiter lesen. Thräuen verdunkelten ihr die Augen. Auch sie sank fast ohnmächtig auf die Gartenbau!, die ihre Mutter soeben verlassen hatte, als Heva ihr aukündigte, daß die Mutter ruhiger und stiller geworden sei und mit ihr zu sprechen wünsche und ihr befehle, den Brief voll Elias ihr selbst zu übergeben. -i< P Elias' Brief tarn am Rüsttage zum Peffachfeste ins Dorf. Kaum trat Kronele in die Stube, so sagte ihr die Mutter: „Heute Abend muß alles Unreine aus dein Hause verschwinden. Der Gedanke an diesen Menschell muß daher heute noch von hinnen scheiden. Und damit er ein für alle mal weiß, woran er ist, so wirst du, meme Tochter, ihn: selbst antworten. Ich werde dir diktiren. Morgen ist Passah, morgen ist es uns

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