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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-06-01 · Heft 22 (1.6.1900) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 22 (1.6.1900)
Date
1900-06-01
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 darauf, daß sie nicht nur die Werkstätten, sondern auch die Fortbildnngs- und Religionsschule pünktlich besuchen. 13 Pfleglinge hatten sich der Schlosserei gewidmet, 9 wurden Tapezirer, 8 Schneider, 5 Buchbinder. 3 Buchdrucker, je 2 Goldarbeiter, Sattler, Techniker, Tischler und je einer Drechsler, Friseur, Former, Gelbgießer, Glaser, Goldschmied. Graveur. Gärtner, Gürtler. Klempner. Kürschner, Mechaniker, Posamentier, Schriftsetzer. Strebsamen Lehrlingen, die sich wissenschaftlich-theoretisch ausbilden wollten, wurden Unterstützungen zum Besuch der Lehranstalten von Chemnitz und Mittweida gewährt. Die Gesellschaft hat gegenwärtig 522 Mitglieder. Das Lehrlingsheim in Pankow erforderte einer: Zuschuß von 1000 Mark. M. Berlin, 26. Mai. Die Generalversammlung des Vereins zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands,, welche am 27. d. M. hier abgehalten wurde, war sehr stark besucht. Sie scheint einen Markstein in der Geschichte des Vereins bilden zu sollen, denn in ihr wurde durch eingehende, sachliche Diskussion über viele wichtige Punkte Klarheit und Einigkeit erzielt. Der Vorsitzende Oberamtmaun Cohn gab zuerst einen kurzen Rückblick über das verflossene Vereinsjahr, aus deui er besonders die Anstellung des Generalsekretärs Dr. Ernst Tuch hervorhob, von dessen Thätigkeit man sich sehr ersprießliche Erfolge für den Verein verspricht. Das Wort erhielt zunächst Herr Mühlenbesitzer Rosenthal von Johannismühle bei Posen. Er führte in einen: längeren klaren und wohldurchdachten Vortrag sowohl die allgemeinen, wie die nächsten Ziele des Vereins aus. Schon in den vierziger Jahren unseres Jahrhunderts ist das große Problem der Seßhaftmachung deutscher Juden auf deutschen: Boden in Angriff genommen worden, und zwar von den: sehr verdienten Rabbi Salomon Eger, dem Sohn des berühmten Rabbi Akiba Eger. Dieser für das Wohl der Judenheit so entschieden eintretende Manu, hatte die Absicht, Staatsdomänen anzukaufen, und dort Juden in geschlossenen Siedlungen anzusetzen. Er hatte für diesen Plan die Antheilnabme des Königs Friedrich Wilheln: IV. in hohem Grade erweckt, und wir hätten heute wahrscheinlich schon eine starke jüdische Bauernschaft in Deutschland, hätte nicht die Revolution des Jahres 1848 das junge, hoffnungsreiche Unternehmen im Keime erstickt. Auch für uns. sührte Herr Rosenthal weiter aus, kommt nur eine Ansiedelung von Juden in geschlossenen Gemeinden in der Reihe großer Städte in Frage. Die Kosten für den Ankauf eines Gutes, die Art und Weise, wie es parzellirt, wie es bewirthschaftet werden müßte, wurden angegeben, auf die Wichtigkeit verschiedener Genossenschaften innerhalb solcher Ge:ueiuden hingewiesen. Es ist interessant zu beobachten. wie viele Ähnlichkeit dieser Rosenthalsche Plan, welcher auf persönlichen praktischen Erfahrungen sich ansbant. aufweist mit der Idee, die seit Jahren von Dr. Franz Oppenheimer in Werke:: und Broschüren vertreten wird, und die demnächst auf einem Gute in der Nähe von Berlin verwirklicht werden soll. Es entspann sich im Anschluß an diese Ausführungen eine überaus lebhafte Diskussion, an welcher sich Oberamtmann Cohn, Werner-Posen, Dr. Franz Oppenheimer, Professor Philippson, Gustav Tuch-Hainburg, Eugen Rosenstiel, Konsul Sinwn-Hanuover, Rittergutsbesitzer Dr. Papilskh, Redakteur Klausner, Alphons Levh, Generalsekretär des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens ::. a. m. betheiligten. Gegen die Ansicht, welche vereinzelt vertreten wurde, daß durch derartige geschlossene Siedlungen der Antisemitismus noch verstärkt werden würde, wurde mit großem Nachdruck namentlich von Dr. Franz Oppenheimer und Gustav Tuch darauf hiugewiesen, daß im Gegentheil nur der genossenschaftliche Zusammenschluß, wie er in einer solchen Gemeinde möglich ist, den Inden thatsächlich wirthschaftliche Selbständigkeit, soziale Kräftigung gegenüber dem Antisemitismus verleihen könne, der einzeln angesiedelte Jude hingegen sei von vornherein dem Untergang geweiht, die Gemeinde böte allen Stürmen Trotz. Es wurde beschlossen, den Rosenthalsche:: Vortrag den: Druck zu übergeben, um als Agitationsschrift Verwendung zu finden. Der Vorstand der in seiner bisherige:: Zusammensetzung wieder gewählt wurde, und zu dem Dr. Oppenheimer hinzutrat, wurde danüt beauftragt, einen genauen Plan für die in: kommenden Herbst aufzuuehmende Propaganda auszuarbeiten und einer neuen Generalversanunlung vorzulegen. Wir wünschen dem Verein, daß er bald imstande sein rnöge, eine segensreiche und zivilisatorische Thätigkeit zu entfalten. 8. Berlin, 27. Mai. Eine glänzende Feier war es, welche heute Vormittag die Gönner, Mitglieder und Gäste des Vere:ns „ Jüdisches Genesungsheim Berlin" — es mögen etwa 150 Personen gewesen sein — zur Einweihung des neu errichteten eigenen Hemm in Lehnitz vereinigte. Die Pfleglinge des Heims hatten vor dem festlich geschmückten Gebäude Ausstellung genouimen, um die Erschienene:, zu begrüßen, und aus ihren freudestrahlenden Gesichtern und dankbaren Blicken konnte man unschwer entnehmen, daß ihnen der AnfenthaU sehr gut gefüllt. Der zur Feier geladene Landrath hatte sein Aus bleiben wegen Behinderung entschuldigen lassen, die Ortsbehörde wm offiziell durch den Amtsvorsteher Herrn Fröhlich vertreten. Auch der Oberbürgermeister von Berlin hatte zu seinem Bedauern absageu müssen. Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde, das Repräsentanten kollegiun: und viele bekannte Persönlichkeiten waren vertreten. Ein reicher Dameuflor hob das Bild, welches die Feier bot. Nach dem einleitenden Gesänge „Wie schön sind deine Zelte. Jakob", der von Shnagogenchor Lindenstraße unter Leitung des Dirigenten William Wolff sehr wirksam ausgesührt wurde, begrüßte der erste Vorsitzende des Vereins, Herr Martin Simon, die Erschienenen und gab die Ent stehuugsgeschichte des Vereins, der bereits in Briefen und iu Lehnii in Miethsräumen 239 Patienten mit bestem Erfolge gepflegt hat, und betonte, daß selbst die Hoffnungsfreudigsten nicht anzunehmen gewag' hätten, daß das Zukunftsbild eines eigenen Heims so bald eine Ve: wirklichung finden würde. In schwungvollen Worten feierte er als dann die hochherzigen Spender, Herrn Louis Sachs und Frau, du gewohnt den Leidenden nicht mit kleinen Mitteln beizustehen, gm bald den Gedanken der Nothwendigkeit der Errichtung eines eigenen Heims aufnahmen und anläßlich ihrer Silberhochzeit das Heim in Lehnitz bei Oranienburg auf einem dicht an: waldumrauschten märkischen See prächtig gelegenen sieben Morgen großen Terrain stifteten, ohne auch nur die geringsten Vorrechte für sich in Ansprncl zu nehmen. Das Hein: ist bestimmt für Schwache und Leidende, du in ihm Labung und Genesung finden sollen, um, gestärkt, und mir neuen Hoffnungen beseelt, in den Kreis ihrer Familie und ihre- Pflichten zurückzukehren. Es ist ferner gedacht als Zufluchtsstätte, um das religiöse Zartgefühl zu schonen, wie es nur in einem eigens ein gerichteten Hause gewährt werden kann. Wenn auch zunächst für Glaubensgenossen bestinnnt, soll es jedoch keineswegs gegen Anders gläubige, die dort Aufnahme nachsuchen, sich abschließen. Das Komitee des Vereins glaubte sein Versprechen, das Haus in: Geiste derer, dir es ins Leben gerufen, getreulich zu verwalten, nicht besser bekräftige:: zu können, als dadurch, daß es den Namen des Spenderpaares um ewige Zeiten mit dem Heim verknüpfte und den Stiftern die immer währende Ehrennntgliedschast verlieh. Mit einen: herzlichen Dank an alle Diejenigen, die das Werk gefördert und unterstützt haben, verband der Redner den Wunsch, daß das Hein: unter Gottes Beistand sieb zum Segen errveisen möge allen Leidenden, zur glückseligen Brn friedigung seiner Stifter, zur Nacheiferung für ko:nn:e::de Geschlechter und zur Freude Aller, die in Wohlwollen sich ihm nahen werden Nach abernialigem Chorgesang und nach einen: mit lebhaften Beisad aufgenommenen Gedicht, das den Dank der Pfleglinge gegen die Stifte zun: Ausdruck brachte und das von einen: der Pfleglinge, Fräulein Berger, mit Innigkeit und Verständniß vorgetragen wurde, hie-.i Rabbiner Dr. Eschelbacher die Weiherede. In warmen, von Humanität getragenen Worten führte der Redner die Ziele und Bestimmung dm Hauses vor, daß er als ein Glied der großen Kette der Wohlthätigkeitm einrichtungen der jüdischen Gerneinde bezeichnte und als ein aus dm' Initiative eines edlen Ehepaares hervorgegangenes Werk feierte zun Dank für die ungetrübte Lebensgemeinschaft eines Vierteljahrhunderin zun: Dank für die Innigkeit der Freude und des Glückes, das ihnen zu Theil geworden ist. Mit einen: Dankgebet an Gott und mit bm Bitte um Segen für den Landesfürsten, der in Kraft seines Amtm waltet, der für den Frieden draußen wirkt und alle Kräfte des Voll-m sammeln will, auf daß Wohlfahrt und Eintracht sich überall erhebe: für die Behörden und für alle guten und edlen Bestrebungen der Redner seine wirkungsvolle Ansprache. Chorgesaug beendete die würdige Feier. An dieselbe schloß sich, nachdem eine kurze Labung an dem auf der Veranda aufgestellten Buffet eingenommen war, unter sachkundiger Leitung ein Rundgang durch die Gesammträume dm Heims. Mit den: neuerrichteten Wohlfahrtsinstitut ist etwas Groß' artiges geschaffen worden, und inan kann nur wünschen, daß die au dasselbe geknüpften Hoffnungen voll und ganz in Erfüllung gehen mögen zur Befriedigung für alle Diejenigen, die in opferwilliger Liebe dieses Werk echter Humanität haben fördern Helsen und zum Heile

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