Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-06-01 · Heft 22 (1.6.1900) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 22 (1.6.1900)
Date
1900-06-01
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3224737-3228365-3228388--56507-3292814
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

64. Jahrgang, illr. 22. Gerlin, 1. Juni 1900. Der GerneLn-ebote. Weikcrge zur „Mtgemeinen Zeitung des Iuöenthums". Korrespondenten und Nachrichten. Deutschland. 2£2 Berlin, 27. Mai. An: 26. d. M. vollendete Herr Geheimer Lanitätsrath Dr. Samuel Kristeller sein achtzigstes Lebensjahr. Dr. S. Kristeller ist seit deni 21. Februar 1882 geschäftssührender Vorsitzender des „Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" gewesen. Er ividmete länger als ein Jahrzehnt den größten Theil feiner Zeit und Kraft dieser Institution, die er aus geringfügigen Anfängen zu großer Ausdehnung und Blüthe entwickelt hat. Mit reger Begeisterung, steter Unerniüdlichkeit und klarer Einsicht hat er ihr die Wege gewiesen, in der „Friedrich-Wilhelm-Viktoria-Stiftung" eine umfassende Versicherungsanstalt für jüdische Gerneindebeamte gegründet, durch Einrichtungen zur Jugenderziehung. Ausbildung für Handwerk und lechnische Gewerbe, Krankenpflege, für die materielle und sittliche Hebung der deutschen Judeuheit Sorge getragen. Ueberall war er demüht, vor allenr die ethischen Kräfte innerhalb des deutschen Judenthums zu entfesseln und zu fördern, die innigste Verbindung pruschen Deutschthum und Judenthum herzustellen. Außerdenr war er wiederholt zu Gunsten der schwer bedrückten rumänischen Juden chätig und wirkte durch wissenschaftliche Vorträge für den Stipendienvnd der Hörer der „Lehranstalt für die Wissenschaft des Jndenthums" in Berlin. Ein gründlicher Kenner der althebräischen Litteratur und -ugleich im hohen Grade dichterisch veranlagt, veröffentlichte er niederholt poetische Uebertragungen hebräischer Sinnsprüche und Epigramme solvie des „ethischen Traktats der Mischnah Pirke Aboth lSprüche der Väter) 1890", auch gab er 1891 „Belegstellen zu den Grundsätzen der jüdischen Sittenlehre" heraus. Vorgerücktes Alter und schlvankender Gesundheitszustand nöthigten ihn, am 26. März 1896 den Vorsitz im Ausschüsse des Deutsch-Israelitischen Gemeindebnndes niederzulegen. Doch widmete er diesem Bunde auch fernerhin seine opfermuthige Mitwirkung, und wurde von ihm zum Ehrenvorsitzenden rwählt. Leider gestattete der ungünstige Gesundheitszustand des so verdienstvollen Jubilars den zahlreichen Verehrern, die er sich aus allen Gebieten seiner mannigfachen Wirksamkeit: in der Medizin, in der indischen wie in der allgemeinen Wohlthätigkeitspflege, wie auch auf wmmunalem ititb vaterländischem Gebiete erworben hat, nicht, ihn: persönlich ihre Glückwünsche darznbringen. Doch hat der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Genieindebundes es sich nicht nehmen lassen, einen: hochverehrten Ehrenvorsitzenden in einer Glückwunschadresse für ein langjähriges hingebendes Wirken zu danken. Desgleichen hat die Berliner Medizinische Gesellschaft eine Adresse überreicht. Die großen Verdienste, die sich Samuel Kristeller um das Vaterland, namentlich während der Kriegszeiten erworben hat, fanden in der leberreichung des Rothen Adlerordens III. Klasse ihre Anerkennung. Möchte doch der geschätzte Mann sich noch einmal in wiedergewonnener Gesundheit der Liebe seiner Angehörigen und der Verehrung weiter Kreise erfreuen. F. Berlin, 28. Mai. Der Verein jüdischer Lehrer der Provinz Brandenburg hat in seiner Generalversammlung voin M. d. M. nach einem Referat des geschäftsführendeu Vorsitzenden des Kuratoriums, Herrn Hauff, folgende Resolution angenommen: „In Anbetracht, daß die w irksa m e Ausgestaltung der Peusionskasse zu einer Gentralkasse im Sinne der ostpreußischen Anträge bei den vorhandenen und zu erwartenden Mitteln für absehbare Zeit unmöglich erscheint, und daß jedenfalls durch Annahme dieser Anträge das Jnslebenreten der Kasse eine unerwünschte Hinausschiebung erfahren würde, beschließt der Verein jüdischer Lehrer der Provinz Brandenburg, das Kuratorium zu ersuchen, den ostpreußischen Anträgen keine Folge zu 'leben, vielmehr die Kasse baldigst zu eröffnen." — Wie uns mit« getheilt wird, beabsichtigt auch in der That das „Kuratorium der Vensions-, Wittwen- und Waisenkasse des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im deutschen Reiche", da die Aenderungen der §§ 2, 3, 7 der Satzungen die Genehn!igung der Aussichtsbehörde gefunden haben, die Kasse unverzüglich ins Leben treten 31t lassen. L/D Berlin, 27. Mai. Die unter den! Protektorat der Kaiserin Friedrich stehenden B a r u ch Auerbach ' schen W a i s e n - Erzieh n n gs - A n st a l ten bieten nach ihrem eben erschienenen siebenundsechzigsten Jahresbericht in ihrem neuen Heim an der Schönhauser Allee einer um die Hälfte des bisherigen Bestandes erhöhten Zahl von Zöglingen Ran»!, doch reichen die jährlichen Eiunahnien, abgesehen von einer noch zu tilgenden Bauschuld von etwa 150 000 Mark, zu einer wesentlichen Erweiterung der ganz aus eigenen Mitteln unterhaltenen Anstalten noch nicht aus. so daß im Ganzen nur erst vier neue Zöglingsstellen geschaffen werden konnten. Am Schluß des Berichtsjahres zählte das Knabenwaisenhaus 53, das Mädchenwaisenhaus 28 Zöglinge, die den Unterricht größtentheils in höheren Schulen genossen. Besol!ders begabte Knaben bleiben bis zur Abgangsprüsnng. die Mädchen in der Regel bis zur erlangten Erwerbsfähigkeit in! Hause. Der!veit reichenden Fürsorge für die entlassenen Zöglinge, welche besonders wirksam bei ihrer Selbständigniachung oder Verheirathnng ein tri tt, dient eine größere Anzahl von besonders verlvalteten Stiftungen, die für die unmittelbaren Anstaltszwecke unantastbar bleiben. Für die Bestreitung ihrer Bedürfnisse, bte einschließlich Gottesdienst, Bürean. Renten, Stipendien und andere Zuschüsse 74 700 Mark betragen haben, davon zur Verpflegung 17 953 Mark, d. h. für den Kops und Tag fast 51 Pfennige, sind die Anstalten ans die Zinsen ihres Vermögens im Betrage von rund 47 300 Mark, aus 9049 Mark Jahresbeiträge und aus sonstige Zuwendungen ihrer Freunde und Gönner angewiesen. Den Vorstand bilden neben deni Direktor Dr. Strelitz die Herren: Berthold Marckwald, Konunerzienrath E. Lohnstein. Generalkonsul Eugen Landau, Professor Dr. Felix Liebermann, Hermann N. Israel und Kominerzienrath Isidor Loewe. Ehrenmütter sind Frau Recha Marckwald und Frau Professor Dr. Cäeilie Liebermann. *** Berlin, 28. Mai. Die Gesellschaft zur Verbreitung der Handwerke und des Ackerbaues unter den Juden im preußischen Staate hielt gestern ihre diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Der von! Vorstand erstattete Bericht über die Thätigkeit der Gesellschaft fand nicht uugetheilten Beifall bei den diesnial ansnahrnsweise zahlreich erschienenen Mitgliedern der Gesellschaft. Einige scharfblickende Mitglieder lasen aus dein Bericht heraus, daß dieser unmöglich im Sinne und unter Zustimmung des Gesamlntvorstandes abgefaßt sein konnte. Herr Direktor Herrrnann stellte daher den Antrag, die Generalversammlung auf zwei Monate zu verschieben, damit dem Vorstände die Möglichkeit geboten werde, die in seiner Mitte zlveisellos vorhandenen Meinungsverschiedenheiten zu beseitigen und der von neuem einzuberufenden Generalversannnlung einen neuen, von: Gesanuntvorstande genehmigten Bericht vorzulegen. Als iudeß Herr I. Weinberg darauf aufmerksam machte. daß nach seiner Ansicht die Verschiebung der Generalversannnlung wohl schlverlich das erwünschte Ziel herbeiführen werde, da die Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Vorstandes von weitgehender Natur seien, zog Direktor Herrrnann seinen Antrag zurück, und die Generalversalnmlung konnte nunmehr in die Tagesordnung einkreten. Da inzwischen die Zeit sehrvorgerückt war, fanden der Kassenbericht, Dechargeertheilung und die Wahlen (bie Herren Leopold Lesser, I. Bodenstein und E. Pincus wurden wiedergewählt) schnelle Erledigung, während der letzte Punkt der Tagesordnung Anträge, der schon bei Beginn der Sitzung Anlaß zu erregten Debatten gegeben hatte, auf Antrag des Rechtsanwalts Dr. Edlvin Katz für dieses Mal von der Tagesordnung ganz abgesetzt wurde. Aus dem Jahresbericht entnehmen wir folgende Mittheilnngen: Der Aufsicht des Vorstandes sind zur Zeit 59 Lehrlinge unterstellt; im Laufe des Geschäftsjahres wurden 30 junge Leute als Gesellen entlassen, 9 wurden ausgeschlossen, 27 neu aufgenoinmen. Sechs Inspektoren und der stellvertretende Vorsitzende. Herr I. Fränkel, beaufsichtigen die Zöglinge und achten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.