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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-04-27 · Heft 17 (27.4.1900) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 17 (27.4.1900)
Date
1900-04-27
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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anderen Städten Nachahmung gesunden Huben, zahlen iljii 311 ihren Gründern. Außerdem hat er in Wort und That eifrig die Kolonisation Palästinas gefordert. Für die Idee, die Juden in größerem Maße der Landwirthschast zuzuführen, hat er durch Vorträge in verschiedenen Gemeinden des deutschen Reiches erfolgreich gewirkt und sich dadurch die Anerkennung des Kuratoriums der landwirthschastlichen Schule zu Ahlern erlvorben. Seine Bedeutnrig als Kanzelredner ist voll ben Gemeinden in Kattowitz 1111b Berlin, lvo er wiederholt als Hilfsprediger thätig war. genügend anerkannt tvorden. Möge es ihm gelingen, in dem neuen Wirkungskreise seine Fähigkeiten lveiter zn entfalten. & & Posen, 11. April. Der israelitische V orschuszverei n hat im adgelaufenen Verlvaltungsjahre 20 Mitglieder lveniger gehabt. Auch die lausenden Beiträge haben sich um 87 Mk. vermindert, ebenso sind die Spenden um rund 100 Mk. gegen das Vorjahr zurückgeblieben. Dagegen hat ein Mitglied des Vereins bei seinem Verzrige aus Posen sein Interesse damit bethätigt, daß er durch Zahlung eine Slnmne von 200 Mk. das Recht der dauernden Mitgliedschaft erworben hat. Den Aufgaben, die ihm durch das Statut gestellt sind, entsprach der Verein, indem er alle an ihn gerichteten Darlehltsforderungen, die mit den vorgeschriebenen Bestilmunngen in Einklang wareli. bewilligte. Verluste hatte der Verein im verflossenen Jahre nicht, dagegen mußte er ans den Vorjahren an uneinbringlichen Forderungen von den Allßenständen als zur Zeit verloren betrachtet 307,38 Mk. absetzen. Die Einnahmen betrugen 21326,50 Mk. das Vermögen 12 768.90 Mk. — Die Verwaltung der erledigten Lehrerstelle an der jüdischen Volksschule in Labischin ist dem Lehrer Spier aus Ahlem übertragen loorden. — Nach dem Jahresbericht des jüdischen Krankenpflege- und Beerdigungsvereins in Schrimlu betrug die Einnahrne desselben im letzten Jahre 579,75 Mk., die Ausgabe 549,81 Mk. Das Gesammtvermögen des Vereins beläust sich aus 2236.35 Mk. Ter Verein zählt 85 Mitglinder. — In Sa mter ist der Kansmaun und Rathsherr Meyer L öro en ba ch im Alter von 68 Jahren gestorben. X Schwerscriz, 23. April. Der Kantor Hei manu, Sohn des hiesigen Kantors, hält sieb gegenwärtig hier bei seinen Eltern auf, nachdem ihm von der zuständigen Behörde in Könitz die Versicherung gegeben worden, daß bezüglich desMordes des Gymnasiasten Winter nicht das Mindeste gegen ihn vorliege, und er daher getrost abreiseu könne. Heimann hat aus freien Stücken Kouitz verlassen, um den Insulten, die er dort zu erdulden hatte, aus dem Wege zn gehen. Wurde Heimann schon dort mit anonymen Zuschriften ganz unfläthigen Inhalts seitens der Antisemiten überschüttet, so lverden ihm auch nach hier solche zugesandt und zwar meist ans Berlin. Sowohl Stil wie Inhalt geben Zeugnis; von dein niedrigen Bildungsgrad und der Charakterlosigkeit der Schreiber. o. Görlitz, 24. April. In der Nacht vom 20. zum 21. d. M. starb im Alter von 79 Jahren nach laugen schweren Leiden der Königliche Konnnerzienrath Lesser Ephraim (Schwiegervater des Herrn Professor Tr. M. Philippsou). Einer hochachtbaren Familie in Posen entstammend, weilte der Verstorbene noch im späten Alter gern bei den Erlebnissen aus seiner Kindheit, wie er sich auch noch der ehrwürdigen Gestalt des seligen Rabbi Akiba Eger erinnerte. Nach einem kurzen Wohnsitz in Grünberg, wo er seine würdige Gattin. Henriette geborene Philippson, eine Cousine des seligen Ludwig Philippson, heimsnhrte, siedelte er, nachdem im Jahre 1847 den Juden die Niederlassung in Görlitz gestattet wurde, im Anfang der 50er Jahre hierher über und bald wurde auch hier unter seiner Mitwirkung, eine jüdische Gemeinde gegründet, zu deren Vorstehern er mehrere Jahrzehnte hindurch gehörte, an deren Gedeihen und Fortentwickelung er bis zuletzt den thatkräftigsten Antheil nahm und für deren Ansehen er allezeit, wo es galt, fördernd eintrat. Hier legte er auch den Grund zn dem Handelshanse, das er durch unermüdlichen Fleiß und Arbeite freudigkeit, vor allem aber durch seine Ehrenhaftigkeit und Bravheit, die ihm das Vertrauen der höchsten Stellen gewann, zu der Höhe und dem Ansehen führte, in welchem er jetzt weithinaus über die Grenzen unserer Stadt und unserer Provinz steht. In einem glücklichen, innigen Familienleben vergaß er jedoch nie seine Mitnienschen. Hunderten war er Berather, Helfer und Wohlthäter und manche. Thräne wird ungesehen ihm nachgeweint werden. Es giebt hier im Orte wohl keinen gemeinnützigen Verein, dessen Mitglied er nicht war, den er nicht Ihatkrästig unterstützte, keine Spendenliste, die nicht seinen Namen trägt, wie er auch Mitglied vieler auswärtiger jüdischer Vereine war, namentlich solcher, die praktische, die Erwerbsthätigkeit der Inden fördernde Ziele verfolgen. Von seinem trefflichen Bürgersinn zeugen viele Schöpfungen in unserer Stadt. Stiftungen, die er schon bei Lebzeiten errichtete und die gleichmäßig für alle Konfessionen seinen Namen noch den spätesten Geschlechtern in gutem dankbarem Andenken erhalten werden. Er war Ehrenmitglied verschiedener angesehener Vereine, lehnte aber sonst in seiner Bescheidenheit alle Aemter und Würden ab, die man ihm wegen seines klaren, Hellen Verstandes und weitschauenden Blickes gern übertragen hätte, zufrieden mit dem Bewußtsein, mit seinen Krästen und Fähigkeiten dem Gemeinwohl nützen und dienen zu können. Diese Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit war ein Hanptzug seines Charakters; er konnte es nicht gut vertragen, gelobt und gerühmt zn werden; was er Gutes that, das brauchte Niemand als er und sein Gott zn wissen, den er nicht äußerlich aber tief demüthig im Herzen trug, und den, er für den Segen, mit dem er ihn begnadet hatte, damit am besten glaubte danken zu können, das; er Gottes Kinder ohne Unterschied daran theilnehuien ließ. Von liberaler Gesinnung stand er, ein fester Charakter. ohne Wanken fest, in dem lvas er für recht und gut erkannt, und sprach es ans ohne Menschenfnrcht. Dadurch entging er auch der Ehre Stadtrath zu lverden, wozu er vor Jahren vom Magistrat und den Stadtverordneten gewählt, aber von der damaligen Regierung nicht bestätigt rvurde. Von der allgemeinen Achtung, die er in allen Ständen und unter allen Konfessionen genoß, zeugte sein am 24. d. Js. stattgehabtes Begräbniß, so daß die meiteil Räume des Hauses, wo die Leichenfeier stattfand, wie die Halle ans dem Friedhose die Zahl der Begleiter nicht fassen konnte. Die Tranerseier im Hanse lvnrde mit einem hebräischen Gesang vom Gelneindekarltor eingeleitet; vor und nach der tiefergreifenden Trauerrede des Herrll Rabbiner Dr. Freund sang der Lehrergesangverein in der Halle und am Grabe der Synagogenchor. Möge dem Heimgegangenen die Erde leicht sein! Königsdorf-Jastrzemb, 24. April. Die in dem altbewährten Soolbade Königsdorf-Jastrzemb im Jahre 1890 gegründete Jf r a - elitische Ki n d er he i l stä t t e soll nunmehr am 15. Mai zum elften Riale eröfinet werden. Diese Anstalt, die sich in lveiten Kreisen des besten Rufes erfreut, zeichnet sich durch ihre hervorragende Gemeinnützigkeit ans. Nicht armen Kindern allein läßt die Anstalt ihre Wohlthaten zu Theil lverden. illdem sie dieselben ganz nneli tgelt lich ansnimlnt; ihre Segnlmgen erstrecken sich auch auf mehr oder lveniger bemittelte Kinder, die gegen einen, je nach den V er hä l tu i sse u bemessenen Satz Aufnahme finden. Der Bealnte, der Handwerker, der kleine Kaufmanl,, kurz alle jene Fanlilien, die selbstständig und durch ihre eigene Kraft ihr Haus erhalten, aber doch in Lebensführung luld Gewohnheiten eine gelvisse Beschränkung sich anferlegen müssen und garnicht in der Lage wären, ihren krankell Kindern eine Badekur angedeihen zn taffen, empfinden es als eine große Wohlthat, lvenn ihrell Kinderil die Pforten einer gut eillgerichteten Heilstätte gastfrellndlich sich öffnen. Das humane Werk lvird durch milde Beiträge erhalten ulid ist der Förderullg edeler Menschenfreunde würdig. Nähere Ansknllft zu ertheilen ist der Vorsitzende der Anstalt, Rabbiner Dr. Wilhelm Münz in G l e i w i tz gern bereit. Ahlem, 22. April. Der vierte Bericht über die Israelitische Erzi ehull gsan statt zu Ahlem für das Jahr 1899 berichtet von den Fortschritten des Jllstituts. Seit dem letzter, Berichte sind in das Kuratorium neu eingetreten: Herr Martin Lebrecht in Nürnberg und Landrichter Hammerschlag iu Hannover. In den Vorstand lvnrden neugewählt: Rechtsamvalt Dr. Wolfes und Herr M. Znckermann in Hannover. Acht Zöglinge haben ihre Lehrzeit beendet; es sind somit im Ganzen bislang 37 Lehrlinge ansgebildet loorden. Von ihnet, haben Stellung gefunden: 18 iu Dentschlaild, 5 in Oesterreich, 3 in Nordamerika, davon 1 Tischler, 1 in Belgien; 1 besllcht die Ackerbanschnle in Jaffa, 3 silid zur Zeit Soldat, 4 haben ihren Beruf gelvechselt; über 2 fehlen Berichte, davon 1 in Transvaal; znsamluen 37. Die Zahl der Zöglillge hat am 31. Dezember 1899 betragen: Lehrlinge 45, Schüler 28. Statllteligellläß untersteht die Anstalt der staatlichen Aufsicht durch die Königliche Regierllng zu Hmnlover, deren Präsident, Herr von Brandenstein, in Begleitung der Herren Oberregierungsiath von Fullke und Negierungsrath Meyer, am 21. Februar v. I. die Anstalt mit ihrem Besuche beehrten und sie einer eingehenden Besichtigung unterzogen. Die Herren sprachen sich lobend über die eillfache, zlveckentsprechellde Lebenssührlmg, die stramme

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