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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-04-27 · Heft 17 (27.4.1900) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 17 (27.4.1900)
Date
1900-04-27
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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64. Jahrgang, itr. 17. Berlin. 27. April 1900. Weitcrge zur „Attgerneinen JeiLung des IuöenLHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. S£2 Berlin, 24. April. Der 18. Bericht über die Lehranstalt für die Wissenschaft des Indenthums enthält zunächst eine gelehrte Abhandlung des Dozenten Dr. M. Schreiner über den karäischen Philosophen Ieschua ben Iehnda. Hieran schließt sich der Bericht des Kuratoriums, iu dem zuvörderst Prof. Philippson, als stellvertretender Vorsitzender, über den schönen Erfolg der anläßlich des 80. Geburtstages des verdiellstoollen Vorsitzenden nell begründeten Neumann- Stift ung referirt. Bei Gelegenheit dieses Jubiläums haben die Herren Sanitätsrath Dr. Neumann und Bernhard C. Croner der Bibliothek der Lehranstalt 405 hebräische Werke aus der Landshut- Sammlung zngeweudet. Iran Professor Steinthal schenkte 150 Bücher und Broschüren bibelexegetischen und litterar-historischen Inhalts aus dem Nachlasse ihres verewigten Gatte»!. In der ordentlichen General- Versammlung sind die nach dem Turnus ansscheidenden Mitglieder des Kuratoriums. Sanitätsrath Dr. S. Neumann, Dr. Heinrich Meyer- Cohn und Georg Meyer, wiedergewühlt worden; außerdem wurde an Stelle des allsgeschiedellen Herrn Nechtsannwlts Dr. Felix Landau Herr Max Weiß nengewählt. Die Zahl der ordentlichen Hörer- Hat betragen: Im Sommersemester 1899 23, im Wintersemester 26. Außerden» wurde die Anstalt von 9 Hospitanten besucht. Die Rabbinatsprüfung hat bestanden: Dr. E. Hofmann in Reichenberg. Bon früheren, bereits im Predigtamte befindlichen Hörern sind berufen worden: die Herren Rabbiner Dr. L. Blumenthal aus Danzig nach Berlin. Rabbiner Dr. E. Kalischer aus Pasewalk nach Stolp, Dr. N. Steinhart aus Kojetein nach Brünn in Mähren; ferner sind neu berufen worden: Die Herren Rabbiner Dr. L. Lncas nach Glogan, Rabbiner Dr. H. Malter als Dozent an das Hebrevv Union College in Cincinnati, Dr. B. Kellermann nach Könitz, Dr. D. Künstlinger als Religionslehrer an höheren Lehranstalten nach Krakau, Dr. M. Rachmuth nach Waidhofen a. Thaya in Oesterreich. Dr. M. Warschauer nach Berlin. Dr. M. Worms nach Neustettin in Pommern und der akademisch gebildete Lehrer S. Sachs als Religionslehrer an höheren Lehranstalten nach Breslau. Der Preis ans der Moritz Meyer- Stiftung ist^ dem Hörer S. Fuchs zugesprochen worden. An den! Lehrkursus zur Ausbildung von akademisch gebildeten Lehramtskandidaten und Lehrerinnen für den Religionsunterricht haben theilgenommen: Im Sommer-Semester 1899 5 Lehramtskandidaten und 5 Lehrerinnen, im Wintersemester 1899/1900 4 Lehramtskandidaten und 4 Lehrerinnen. Die Einnahmen der Anstalt betrugen Mk. 33 429,20, die Ausgaben Mk. 25 795,35. Es ist dringend zu wünschen, daß unsere wohlhabenden Glaubensgenossen dieser Anstalt mehr ihr Interesse znwenden möchten als dies bisher geschehen ist. Noch immer ist das Verzeichniß der Geschenke und freiwilligen Spenden für die Zwecke der Anstalt ein sehr kleines. Das Kuratorium besteht gegenwärtig ans den Herren Dr. S. Neumann, Vorsitzender, Prof. Dr. M. Philippson, stellvertretender Vorsitzender, Georg Meyer, Schriftführer, Dr. Heinrich Meyer-Cohn, Rendant, Kommerzienrath Berthold Simon. Kontroleur, Geheimer Kouunerzienrath Ludwig Max Goldberger, Geheimer Rath Dr. M. Lazarus. Oberregierungsrath Dr. Paul Meyer und Max Weiß. c/a Berlin, 22. April. Den letzten der Vorträge des „Vereins für jüdische Geschichte und Litter a tur" in dieser Saisonchielt Prof. Dr. I. Horowitz aus Thorn im großen Saale des Architektenhauses über die Ethik des Jndenthums von Prof. Lazarus. In eingehender und geistvoller Weise schilderte der Redner den Inhalt des Werkes, motivirte^er seine in einzelnen Fragen divergirenden Anschauungen, wies er unberechtigte Angriffe zurück. Mau konnte aus dem interessanten und von dem zahlreich versammelten Publikum mit lebhaftem BeifalU begrüßtem Vortrage ein anschauliches Bild von dem Inhalt, von dem Werth und der Bedeutung des Lazarns'schen Werkes erhalten und es steht zu erwarten, daß nach diesem Vorgang in der nächsten Wintersaison in den Litteraturvereinen das Werk von Lazarus recht oft Gegenstand der Besprechung sein wird. Mit dem Vortrage von Prof. Horowitz hat der Verein für jüdische Geschichte und Litteratur sein Arbeitsjahr in würdigster Weise abgeschlossen. — Ans den auswärtigen Litteraturvereinen erhalten wir noch folgende Nachlese. In Osterode sprach Prediger Sturmann über Napoleon I. und das große Sanhedrin, ferner über das Buch Judith und endlich über die Reformbewegung im Judeuthnm, Prof. Cor n i ll-Breslau über das Buch Hiob, Dr. Olitzki-Allensteln über die jüdische Litteratur im 19. Jahrhundert, Dr. Pieck-Straßburg über „Nathan der Weise und der Talmud". In Thorn sprach Prof. Cornill über das Buch Hiob und in Bromberg über die Spruche und den Prediger Salontonis, in Schrimm Dr. A. Ko Hut über Friedrich II. und Kaiser Joseph in ihren Beziehungen zu den Inden, Dr. Bamberg er über das Estherbuch, Referendar Barnch über Heine in seiner Stellung zum Judenthum, Dr. Bamberg er-Schildberg über die Posener Rabbiner, in Ra tib or Prediger A b r aha m-Leobschütz über die Ethik von Lazarus. Dr. Blnmenthal über das Thema „Ein Blick iu die Judengasse des Mittelalters", in München Pros. Hammel über Sternanbetung und Monotheismus zu den Zeiten Abrahams und Moses. — Ein neuer Litteraturverein wurde in Mogilno begründet. Die Provinz Posen zählt jetzt 29 Litteratnrvereine — nur iu der Stadt Posen ist ein solcher bisher trotz aller Bemühungen und Anläufe nicht zu Stande gekommen. o. Danzig, 23. April. Gestern Nachmittag fand hier der sehrzahlreich besuchte Gemeindetag des Verbandes westpreußischer Sy na gogen-Gemein den statt. Nach Erstattung des Jahresberichts und des Berichtes über die Revisionen der Religionsschulen in der Provinz wurden zwölf kleineren Gemeinden Beihilfen für den Religionsunterricht im Gesammtbetrage von 2800 Mark und für das Provinzial-Waisenhans in Graudenz 1000 Mark bewilligt. Nach Erledigung von Wahlen und sonstigen geschäftlichen Angelegenheiten kamen dann die Vorgänge in Könitz, Baldenbnrg etc. zur Sprache. Es wurde mitgetheilt, daß der Minister des Inneren am 20. d. M. eine Verfügung an den Regierungspräsidenten in Marienwerder erlassen habe, wonach alle erforderlichen Maßnahmen zn rechtzeitigen» und erfolgreichem Einschreiten gegen die Exzedenten getroffen werden sollen. Nachdem der Minister dann Abends Nachricht von den Ausschreitungen in Baldenbnrg erhalten hat. hat er sofort den Vortragenden Rath, Geh. Ober-Negierungsrath Dr. Maubach nach Könitz, Schlochau, Baldenbnrg gesandt mit der Volllnacht, das Geeignete anzuordnen, insbesondere erforderlichen Falls militärische Hilfe zu reqniriren. Geheimrath Dr. Maubach ist noch an deinselben Abend abgereist. Nach eingehender Debatte nahm die Versammlung einstimmig folgende Resolution an: „Die Theilnehmer des heute in Danzig versannnelten Gemeindetages des Verbandes der westpreußischen Synagogengemeinden erklären, daß sie ihren bedrängten Glanbensgenossen in Könitz und andern Orten der Provinz ihre vollsten Sympathien entgegenbringen und ihnen alle Zeit mit Rath und That zur Seite stehen werden. Die Versannnelten sind aber der Meinung, daß die Widerlegung des Märchens vom Ritualmorde für jeden verständigen Menschen überflüssig ist, rathen vielmehr ihren Glaubensgenossen, das Resultat der Untersuchung mit Ruhe und mit Vertrauen auf die Unparteilichkeit der Richter und das Ihatkräftige Borgehen der königlichen Staatsbehörden abzuwarten." Gr. Pasewalk, 23. April. Herr Dr. E. Finkel, ein Zögling des jüdisch-theologischen Seulinars zn Breslau, ist von dem Vorstande und den Repräsentanten unserer Gemeinde einstimmig zum Rabbinergewählt worden. Demselben geht ein sehr guter Ruf voran. In seinen Studienjahren versuchte er sich mit Glück als Korrespondent und Mitarbeiter hebräischer und deutscher Zeitungen. Nach Beendigung seiner Studien that er sich auf verschiedenen Gebieten des öffentlichen Lebens hervor. Der „jüdische Rede- und Diskutirklub Graetz" sonne die hebräischen Sprachkurse in Breslau, die auch in

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