Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 17 (27.4.1900)
- Date
- 1900-04-27
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
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3 Haltung und die Arbeitsleistung der Zöglinge aus; auch versicherten sie die Leiter der Sympathien der Königlichen Regierung für ihre Bestrebungen. Die jährlichen Beiträge haben 1899 rund 11800 Mark (1898: 8755 Mark) betragen, darunter ein Beitrag von 1000 Mark, den ein Freund der Anstalt mit der Bestimmung gezeichnet, daß sein Name tticht veröffentlicht werde. — An einmaligen Spenden wurde vereinnahmt 1899 rund 14100 Mark (1898: 11300 Mark). Die Gesammteinnahmen betrugen 46 700.57 Mk., die Gesammtausgaben 44454.37 Mk., der Vermögensabschluß 405264 Mark. Die Kosten für Beköstigung, Bekleidung uttd Unterricht eines Zöglings, einschl. Generalkosten, stellten sich 1899 auf reichlich 500 Mark. Sowohl 1898 wie 1899 sind Zuschüsse voll je rllnd 15000 Mark erforderlich gewesell, die eben aus den eingegangenen Spenden gedeckt werden mußten. Der Vorstand besteht ans den Herren: Konsul A. M. Silnon, Vorsttzettder; S. Reiuhold. Stellvertreter des Vorsitzenden. Handelsschuldirektor Manfred Berliner, Schriftführer; Rechtsanwalt Dr. Wolfes. Stellvertreter des Schristsührers. Gustav Cohen, Jacob de Beer. Rechuungs- und Kassenführer. Oberaultinaull Ludwig Cohn (Berlin), Seminardirektor Dr. L. Knoller, Selly Meyersteiu, M. Zuckermalln. □ ^lnnch, 22. April. Nachdem wir erst vor zlvei Jahren des 70. Geburtstages des Herrn B e n j a m i n S im o rl gedacht, stehen tvir heute an dessen Grabe. Ein plötzlicher und lmerwarteter Tod hat den auch zu Lebzeiten als Wohlthäter bekannten Mann von uns gerissen. In dem null veröffentlichten Testamente bestinlnlte er u. a. für wohlthätige Zwecke bm israelitischen Gemeinden in Hamburg, Rendsburg mib anderen Orten: der Talmud Thoraschlile 1000 Mark, der israelitischen Töchterschule 1000 Mark, dein Waiseninstitnt 3000 Mark, dem Verein zur Bekleidung armer Schüler der Taimlid Thoraschule 1000 Mark, dem Altenhause der deutsch-israelitischen Gemeinde 3000 Mark, dem israelitischen Miethverein 1000 Mark, der Gesellschaft zur Vertheiluug von Feuerung an israelitische Arme 1000 Mark, dem Krankenhaus der delltsch-israelitischen Gemeinde 1000 Mark, dem Verein Bikur Cholim 1000 Mark, zur Vertheilrulg an arme israelitische Famitiellväter 2000 Mark, dein deutsch-israelitischen Tempelverband 500 Mark, der israelitischen Gemeinde zu Nelldsburg 500 Mark, seiner Gebllrtsstadt Rendsbllrg 500 Mark. Das Andenken des großherzigen Wohlthäters lvird mlvergeßlich bleiben. U. Hamburg, 16. April. Der Verein zur Gesundheitspflege schwacher israeli ti sch er Kind er (Ferien-Kolouieil) hielt seille diesjährige Getteralversamntlttng tut Hotel „Continental" unter Vorsitz des Herrtt L. Mathiason ab. Dem vom Vorsitzenden erstattetetl Jahresbericht ist zu entnehmen, daß auch im vorigen Jahre durch Veruiittelung des Vereins mehr als 100 Kindern der ihnen vom Arzte verordnete Lattdaufettthalt zu Theil wurde, und zwar waren 39 Kinder, detten ärztlicherseits das Nehmen von Soolbädern verordnet wurde, in deut Soolbad „Wittekind" bei Hatte a. S. untergebracht, wahrend die übrigen Kinder iti dem im Wandsbecker Gehölz belegenen Hotel Marienthal weilteit, das bem Vereiu von dem Eigenthünter zur freien Versügnug gestellt wurde. Bei allen Kindern konnte ärztlicherseits eine bedetitende Kräftezunahme konstatirt tverden. Der Verein hat außerdeltl während des ganzen Jahres vielen Kindern in der Schtlle Milch und Eier verabreichett lassen, da die Verwaltnttg von dem Prinzip ausgeht, daß itnr durch fortgesetzte Pflege der Gesttndheitsznstaud schtvächlicher Killder gebessert werden kann. Leider war es dem Vorstände bisher noch nicht ntöglich, beit längst gehegten Platt, au der See ein geeigttetes Kinderheiut zu grüttdett, aussnhren zu können, da hierzu die vorhandenen Geldmittel noch nicht atlsreichteit. Aus der Jahresabrechnung ist ttoch weiter zu entnehmett: An Jahresbeiträgen der Mitglieder wurden 3586 Mk. und an einmaligen Beiträgen 3093 Mk. vereinttahnlt, attßerdeut att Zinsett vott den vorhandenett Fonds 1498 Mk. Die ansscheidenden Vorstandsntilglieder tvurden per Acclamation wieder gewählt, zu Revisoren wurdett die Herren Gemeindevorsteher M. W. Hinrichsen und D. Rüben ernannt. Znm Schluß theilte der zweite Vorsitzetlde Herr Dr. jur. Pelz mit, daß laut eiligelaufeuetit Schreiben vott der Settatskommission für das Jnstizwesen dent Verein die Rechtsfähigkeit und damit auch das Recht der Erwerbung vott Grundstücken bewilligt wurde. H. Hagen i. W., 18. April. Atu 1. d. M. ist der beliebte Lehrer und Prediger Weiler aus tutserer Mitte geschieden, da seine provisorische Thätigkeit ihren Abschluß gestttidett hat. Herr Weiler hat unfern beurlaubten Knltusbeamten tvähreud der Dauer seines Studiums vertreten. Wie sich Herr Weiler die Liebe uub Verehrungen der Kinder und der ganzett Getneittde erworben hat, davott zeugen die Ehrenbezeugungen, die man ihm anläßlich seines Scheidens entgegenbrachte. Am 30. März erschienen tu seiner Wohnung fünf Herren und überreichten ihllt nach einer kurzett Attsprache eine goldene Uhr mit Widmung nebst Kette. Stumm verntochte der alsoGeehrte nur den Herrett mit iltnigem Händedrttck zu danken. Am letztett Sabbalh hielt Herr Weiler seine Abschiedspredigt tu der hiesigett Synagoge, die besser als sonst besucht war. Die einstnndige Predigt war so vorzüglich — wie ja alle seine Reden stets großen Beifall fattbeii — daß auch tticht ein Auge thränenleer blieb. — Wir wültschen Herrtt Weiler, dessett erste Stelle in unserer Gemeinde war. Glück uub stetes Wohlergehen für seilte ferttere Zttkttttft. — Essen, 24. April. Der Jahresbericht der Unterstützungskasse des Vereins israelitischer Elemen tarlehrer für Rhei ttlan d und Westfale tt für 1899 ist diesmal ent sehr reichhaltiger und wichtiger. Die seit eiitigen Jahren augestrebte Vereinigung der tticht grade zttnt Vortheii der jüdischett Lehrerschast getrennt gewesetten drei Lehrervereitte in der Nheittprovinz und Westfalen ist eilte vollzogene Thatsache. Die Anzahl der Mitglieder des Vereitts ist ans 107 gestiegen. Durch die Mitglieder des tvestdetitschett Vereitts wird sie noch erheblich sich vertnehren. Die Unterstntzuttgskasse des Vereitts hat auch im verflossetten Jahre sich wieder gut etttwickelt. Die Einttahmett warett die größten seit dein Bestehen des Vereins überhaupt. Die Gesamniteittttahmen betrugen nahezu 15 000 Mark (genau 14918,79 Mark). Besonderer Dank gebührt hierfür tvieder dem Herrn Rabbiner Dr. Frank in Köln, dessett Sammlungen in der Provinz uttd in Köln 3500 Mk. betrugen. Trotzdem die Qnotenanzahl auf 173 gestiegen ist, konnte doch die einzelt'.e Onote auf 50 Mark, eine Höhe, die seit dem Jahre 1889 nicht mehr erreicht tvar, für 1900 festgesetzt werden. Das Gesamnttvermögen ist bis Ende des Jahres auf 107 655,75 Mark gestiegen. Seit bem Bestehen der Unterstützungskasse (1862) sind 147 Lehrer beigetreten. Der Abgattg dttrch Tod, Wegzug freitvilliges und tutfreiwilliges Attsscheiden betrttg 40. Vom Jahre 1872 bis 1899 wurden an Unterstützungen verausgabt 93 822,69 Mark. Im Jahre 1899 betrugen diese 7761 Mark. Das Vermögen belättft sich auf 107655,75 Mark. Die Fortetttwickelung des Vereins uttd seiner Unterstützuttgskasse liegt vorzugsweise in beit Händen der sehr tüchtigen Leitung, d. i. des Vorstandes. Daß dieser seine Schuldigkeit gethan. zeigt der Jahresbericht in sehr eingehender Weise. Dieser Vorstand besteht atts beit Lehrern Blumenau-Hannover, Blnmenfeld-Essen, Trett- Essett, Ehrettvorsitzende; Graf-Essen. Vorsttzettder; Steittweg-Rheda, stellvertr. Vorsttzettder; Goldsteitt-Grevettbroich, Levi-Nenß, Liepntattttssohn-Mindeu. A Köln, 22. April. Der vor einigen Wochen hier itts Leben gerufene liberale Verein für die Angelegenheiten der jüdischett Ge m eilt de zählt bereits über 200 Mitglieder, lauter geachtete uttd gebildete Männer uttd wird, daratt ist tticht zu zweifeln, immer utehr Anhänger finden. Vor einigen Tagen foub die erste ziemlich zahlreich besuchte Generalversanunlung statt. Nach Eröffnttng derselben uttd einigen geschäftlichen Mittheiltmgen hielt Herr Rechts^ aitwalt Dr. Callmann von hier ein Referat über die bereits erreichten Ziele und Bestrebungen des Vereins. Zn ersterett gehöre die tticht ztt ttnterschätzettde Oeffetttlichkeit der Repräsentantenverhandlungett. die früher stets geheime Sitzungen waren. Der Verein muffe eine nothtvendige Gegettströmung fein gegen die im Vorstände und dem Ne., präsentantenkollegiunt herrschettde Orthodoxie, die sich besonders in den gottesdienstlichen Einrichtungen geltettd mache. Es sei nicht die Absicht, einen Gewissenszwang auf die Anhänger des Herkommens auszuüben, doch müsse man konsequenterweise auch verlangen, daß der der freieren religiösett Attschatumgert huldigenden Partei, mtd das ist die überwiegende Mehrzahl, ebenfalls Gerechtigkeit und Berücksichtigung zu Theil werde. Das könne geschehen, weil hier 4 Synagogen, 2 Rabbiner und mithin Raum für Alle, Orthodoxe uub Neologen sei. Eine Enquete vor der Eittweihmtg der tteuett Synagoge, resp. Anfrage bei 2506 steuerzahlenden GemeindemiLgliedertt, ob sie die Bedürsnißfrage hinsichtlich der Einführung einer Orgel bejahen oder verneinen, hat' das Resultat ergeben: 1301 bejahend, 282 verneinend. 57 unbeschrieben, also eine imposante Majorität für die Orgel. Nun richtete man eine Petition an die Gemeindevertrelung. die Orgel einzuführen itnd erwartete sicher, daß eine solche Willensäußerung nicht unberücksichtigt bleiben würde, aber die repräsentative Körperschaft ging über die Petition einfach zur Tagesordnttttg über mtd würdigte die 1301 Petenten ttur einer votn Gemeinde-