Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 64 (1900)
- Issue
- Heft 2 (12.1.1900)
- Date
- 1900-01-12
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
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mit 14 240,18 Mark. — Der Vorstand besteht gegenwärtig ans folgenden Herren: H. Bernhardt, Vorsitzender. Rabbiner Dr. S. Goldschmidt, Schriftführer. M. Friedlaender, G. Paechter, Stadtrath Paul Lindenhahn. Dr. Heinrichsdorff, dirig.Arzt. Das Kuratorium setzt sich zusammen ans den Herren: G. Loewenberg, Vorsitzender, Ferdinand Neichenheim, Hermann N. Israel, Albert Wolf (Dresden), Sallh Drilles,Oskar Goldschmidt, Schriftführer, Max Benjamin. Kassensnhrer, Moritz Heilmann, Joseph Heymann, Lonis Jmberg. Hermann Landsberger, Hermann Lehmann. James Simon, Martin Simon. Rabbi,rer Dr. Philipp Bloch (Posen), Hermann Lehmann (Frankfurt a. M.), Rabbiner Dr. Vogelstein (Stettin) und den Damen: Frau Salomea Ginsberg. Frau Jda Seeler. Chemnitz, im Januar. Unter denjenigen Gemeinden, lvelche sich die Sicherstellung der Zukunft ihrer Beamten angelegen sein lassen, verdient die hiesige Gemeinde rühmlichst hervorgehoben zu werden. Nachdem die Gemeinde-Kollegien im vergangenen Jahre deir Herrn Rabbiner nuf Lebenszeit verpflichtet haben, ist nunmehr auch Herr Lehrer und Gemeinde-Sekretär Sommerfeld lebenslänglich mit Pensionsberechtigung und Reliktenversorgnng angestetlt worden. Wenn mail bedenkt, das; die Gemeinde 31t Chemnitz nicht zn beu reichen Gemeinden gehört, die zudem durch den Synagogenban ganz bedeutende Lastell ans sich genomnren hat, so verdient dieser Belveis voll Beamtensreundlichkeit volle Anerkeililnug. Das Beispiel sollte andere lllld leistullgsfähigere Gemeinden zur Nachahlnung alleifern! 6. Meiningen, 5. Januar. Die Leser Ihres geschätzten Blattes dürste es interessire;;, daß bei der am 29. Dezember v. I. in Hildbnrghansen stattgefmldenen Ersatzwahl eines Abgeordneten znln Landtage des Herzogthlims für den 2. Wahlkreis in der Klasse Derjenigen, lvelche die höchste Personalstener zahlen, Herr Rechtsamvalt Dr. Michaelis daselbst als solcher gelvählt wurde. Der Gewählte ist der erste Jude, der im Herzogthnm Sachsell-Meiningell zu dieser Würde gelangt ist. Er wnrde all Stelle des znrückgetretenen Landtagspräsidelltell v. Stockineier gelvählt. Köln, int Janllar. Der „Liberale Verein für die A n g e l e g e ll h e i t e 11 der j ü dischen Genleillde i n K ö l 1; a. R h." hat sich llllllNlehr definitiv konstitllirt. Der Vorstand besteht aus den Herren Friedr. Drucker (I. Vorsitzellder), Fritz Rothschild (II. Vorsitzender), Dr. S. Simchowitz (Schriftführer), Jacob Gottschalk (Kassirer). Oberlehrer Herrnlailns, Rechtsanwalt Dr. Callmallll. Herlllallll Hertz, Daniel Kaufmann, Jacob Levy junior. Der Verein bezlveckt. das Interesse der Gemeindemitglieder an einer regeren Entwickelung des Gemeindewesells zu weckell llnd zn fördern. Zur Erreichung dieses Zlveckes ist es in erster Linie nothlvelldig, daß die liberale Richtung innerhalb der Genleinde stärker zur Geltung gelangt, als es bisher der Fall war. In dem bezüglichen Rlmdschreibeil heißt es: „Es kann lllit Rücksicht auf die mit dem Liberalismlls begrifflich verblUldene Toleranz ilicht Aufgabe des Vereins feilt, die Orthodoxen zn verdrängen. wohl aber muß er bei den in Köln obwaltenden Verhältnissen bestrebt fein, dem Liberalismus die Gleichberechtigmlg 31t erkämpfen, und dies um so mehr, als die gegenwärtig vorhandenen religiösen Institutionen innerhalb der Gemeinde beiden Richtungeil Raum gewähren. Es hätte die Entwickelung der Dinge tu Köln zn diesem Ergebnisse nicht führen fömteit, wenn die Anschauungen über die Gemeilldeverlvaltlllig mit beit veränderten Zeitströmungen ltnb dem Wachsen der Gemeinde Schritt gehaltell hätten. Wie der Geist geartet ist, der gegenwärtig unsere repräsentativen Körperschaften erfüllt, das zeigt die Thatsache, daß das Repräsentantenkolleginm über eine ans Einführung einer Orgel in der neuen Synagoge gerichtete Eingabe von mehr als 1300 stenerzahlenden Gemeindemitgliedern einfach „zur Tagesordnung übergegangen" ist und diesen Beschluß den Petenten in einem nicht etmttal von dem Vorsitzenden des Kollegittms, sondern von dem Gemeindesekretär unterschriebenen Briese zur Kenntniß gebracht hat. obgleich dach nur ungefähr 2500 stenerzahlende Gerneindemitglieder in Köln vorhanden fiub .und von diesen nur ungefähr 1600 zur Frage der Einführung sich geäußert hatten, das Repräsentantenkolleginm also ohne Frage bei dem Stimmverhältniß von 1300 zn 300 jene Eingabe als eine imposante Kundgebung des Gemeinde- Willens erkennen mußte; das zeigt ferner die Thatsache. daß in einer Gemeinde mit solch überwiegender liberaler Auffassung und Lebensführung bei der Wahl des zweiten Rabbiners lediglich die orthodoxeste Richtung zur Geltung gelangt ist. Was also der Verein erstrebt, das ist eine Entwickelung, welche dem liberalen Elemente ans religiösen; Gebiete und den; Willen der Majorität der Gemeindemitglieder auf dem Gebiete der Verwaltung einen kräftigen Einfluß sichert." ft ft Laupheim (Wttbg ), 3. Januar. Ter hiesige (is r a e l i t i s ch e) Gesangverein „Frohsinn", wohl einer der ersten Gesangvereine Deutschlands, beging am 16. und 17. v. M. die Feier des 70 jährigen Bestehens. Derselbe hat sich die Pflege des weltlichen wie Synagogengesanges, des Männertute Gemischten Chors zur Aufgabe gemacht und in dem halben Jahrhundert seines Bestehens viel Segen gespendet, viel zur Erhebung und Erbauung und würdigen Gestaltung des Gottesdienstes beigetrageii. Ans drei schwäbischen Sängerfesten wurde der Verein beim Wettsingen mit (ersten und zlveiten) Preisen bedacht. Die oben erwähnte Jubelfeier bestand ans vier Nummern, lovvvn die letzte, ein Festball, am 20. d. M. statt fand. Am Sabbath. beu 16. Dezember bewegte sich der Festzug, die Musik uub Fahne voraus, zur festlich geschmückten Synagoge, woselbst die andächtige Gemeinde den erhebenden Worten des Herrn Rabbiner Dr. Treitel aufmerksam lauschte, der den veredelnden Einfluß der Gesangesknnst eindringlich klarlegte. Abends war ein gelungenes Konzert vom Vereine veranstaltet worden, dem auch die eingeladenen christlichen Vereinsdeputationen und Honoratioren von hier sichtlich befriedigt beiwohnten. Am Sonntag aber fand ein Festbankett statt, nwselbst ebenfalls die gehobenste, fröhlichste Stimmung vorherrschte. Bon den Gründern des Vereins hatte;; vier das Glück, die schöne Feier mitzuerleben (die Herren Jakob Friedberger. Moses Nördlinger, Abraham Mayer und Benjamin Sänger), von welchen die zwei Letzteren außerdem auch durch ihre Leistungen im Vorbeterdienst ait den Festtage!; der Gemeinde schor; Nanchaftes. ja Hervorragendes geleistet. Möge der Verein fortfahren, weiterhin ein!verthvolles Band innerhalb der jüdischen Gemeinde, eil; Mittel zur Hebung des Gottesdienstes und zur Veredelung seiner Mitglieder zu sein! it Straftblirg, 1. Januar. Die letzten Stunden des scheidende,; Jahres habe;; unserer jüdischen Gemeinde ein überaus werthvolles Geschenk gebracht: den Frieden. Bis vor Kurzem standen sich die Parteien in der hiesigen Gemeinde wie die feindlichen Brüder feindselig gegenüber. Aber nicht religiöse Gründe und Anschauungen waren es, die die Kluft zwischen den Gemeindemitgliedern bildeten, sondern, lvenn mau so sagen darf, nationale. Ans der einen Seite standen die in; Elsaß geborenen und vor den; Jahre 1870 hier wohnendeu, ans der anderen Seite die ans Altdeutschland nach den; Jahre 1870 eingewanderten Juden. Die beiden Parteien kämpften nn; die Hegemonie und die Führerrolle. Dieser Kamps bed.mtete aber nicht, wie der philosophische Satz lautet, Leben, sondern Tod, Gleichgiltigkeit sonne Stagnatioi; und Stockung aller Einrichtungen und Gemeindearbeiten; denn was die Einen nach reiflicher Ueberleguug gntheißen, verwarfen die Anderen ohne Prüfung und ohne jeder; Grund. Zur Freude aller Gutgesinnte!; hat sich in letzter Zeit eine Anzahl von Gemei;;demitgliedern, denen das Wohl der Gemeinde an; Herze;; liegt, zttsanimengesunden und beschlossen, die Streitaxt endlich zn begraben und den Fehden ei;; Ende zu machen. Das Wahlkoniitee, bestehend ans Elsässern und Altdeutschen, das mm anläßlich der am 31. Dezember v. I. stattgesnndeuen Wahl der Synagogen-Verwaltungskommission gebildet wnrde, wandte sich an die Wähler mit einem Aufruf, der uns einen Einblick in die hiesigen Verhältnisse geivährt. und nns auch zeigt, wo die neue Verwaltungskoininiffioii einzusetzen hat, nm gesunde, einer großen jüdischen Geineinde nnirdige Verhältnisse herbeiznsühren. Der Ausrns, der in deutscher und französischer Sprache abgefaßt ist, lautet: „Wähler! Das Unterzeichnete Wahlkomitee hat nachstehende Geineindemitglieder als Kandidaten ausgestellt; dieselben gewähren uns Bürgschaft für eine gute und eine pflichttreue Verwaltung. Sie sind;nit den Verhältnissen und Bedürfnisse!; unserer Genleinde völlig vertraut. Ihre Wahl bedeutet Frieden und Eintracht; ihr Programm kann allen Parteien genügen, weil es eine allgemeine Versöhnung herbeiznsühren bezlveckt. Unsere Kandidaten werden in erster Linie für ein gutes Finanzwesen besorgt sein und unter Ausschluß jeglicher nnnöthiger Ausgaben Ersparnisse zn erzielen suchen. Eine Hauptaufgabe der neuen Verwaltung wird aber auch darin bestehen, den N el i gi 0 n su n t er » richt wieder au fzn richten. Unsere Kandidaten lverden stets für Recht und Gleichheit eintreten. Wähler! Der jetzige Zeitpunkt ist ernst; unsere Gemeinde hat nicht unbedentenden Lasten und Ber- I Pflicht;,ngen nachzukommen. Wollt Ihr eine gute und sparsame I Finauzverwaltung. lvelche heute lnehr als je nothwendig ist?