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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-01-12 · Heft 2 (12.1.1900) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 2 (12.1.1900)
Date
1900-01-12
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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4 l-i Wollt Ihr Eure Kinder als wahre u u b gute Jfvneliteu erziehet,, indem Ihr Ihnen einen tüchtigen Religionsunterricht ermöglicht? Wollt Ihr endlich Frieden und Eintracht in unserer Gemeinde, dann wählet unsere Kandidaten, welche dieses Progrannn sicher durchstthren werden und lasset Euch nicht irreführen durch Manöverlisten, welche in letzter Stunde von anonymen Koinitees und zum Theil ohne Auftrag und gegen den Willen der angeblichen Kandidaten in Un,lauf gesetzt lverden. Wähler! Keine Gleichgiltigkeit durch Wahlenthaltung, schreitet Alle zur Urne und wählet die Herren: Mare. Blum, Kfm., Jsaac Hammel, Kfn,.. Jacques Hirsch, Kfm., Hippolyte Kohn. Kfm., Joseph Feist, Direktor der Elf. Tabak-Manufaktur, Sylvian Kraemer, Kfm., Abraham Oppenheimer, Kfm.. Adolf Netter, Kfm., Jsaac Schuh, Fernand Schwartz, Bankier. Fernand Weil. Gustav Weil. (Das Wahlkomitee.) Gestern fand die Wahl statt ohne die irreführenden Manöverlisten, die vor einigen Wochen bei den Konfistorialwahlen viel böses Blut gemacht und die Gemnther erregt haben. Die zwölf vorgeschlagenen Kandidaten wurden auch ohne jede Opposition gewählt. Möge es der neuen Verwaltung zum Nutzen und Frommen der Gemeinde gelingen, das in sie gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen! — Auf Betreiben der Zionistengruppe in Mülhausen wird hier nächsten Sonntag in, Verein Ssath Enieth, Dr. n,ed. Morn, orek aus Paris einen Vortrag über „Zionismus" halten. Man muß es anerkennen, das; die Zionisten sich redliche Mühe geben und keine Opfer scheuen, lvenn es gilt — Propaganda zu „rachen. Ob aber die zionistischen „Heilslehren" hier empfängliche Herzen finden werden, ist sehr zu bezweifeln. Dagegen darf der Redner der nächstfolgenden Woche, (Sonntag. 16. d. M.), Herr Oberlehrer Dr. Lewy in Mülhausen. der hier zu Gunsten der Kunst- und Gelverbeschnle einen Vortrag über „Arbeit und Arbeiter in, Lichte des Jndenthums" halten null, ans nngetheilten Beifall rechnen. Es wäre von Nutzen, wenn durch diesen Vortrag ein Znsanunengehen der Elsässer und Altdeutschen auch in dieser Frage herbeigesührt würde, daniit dieses seit 1842 bestehende heilbringende Institut seinen hohen Aufgaben gerecht lverden könnte. Und so wünschen wir unserer Gemeinde beim Anbruch des neuen Jahrhunderts und den, Beginn des bürgerlichen Jahres ein Jahr des Friedens und des Segens. Oesterreich - Ungarn. □ Wien, 8. Januar. Ich habe Ihnen jüngst von den, Rücktritt des Präsidenten der israelitischen Knltnsgen,einde, kaiserlicher Rath Klinge r, berichtet. In der am 2. d. M. stattgehabten öffentlichen Sitzung des Kultnsvorstandes wurde derselbe zum Präsidenten für eine dreijährige Funktionsdauer wiedergewählt. In derselben Sitzung umrden für eine einjährige Funktionsdauer wiedergewählt: Erster Vize-Präsident Dr. Alfred Stern, zlveiter Vize-Präsident Dr. Gustav Kohn, Obmänner der verschiedenen Sektionen Dr. Maximilian Reiner, Dr. Gustav Kohn. Banrath Theodor Ritter v. Goldschmidt, kaiserlicher Rath Moriz Hirsch. Dr. Alfred Stern, Baurath Wilhelm Stiaßny. zu Ob,nann-Stetlvertreter„ Mar Fleischer, Dozent Dr. Joseph Grünfeld, Salo Cohn, Gottlieb Taussig, Dr. Marens Spitzer, Ober-Ingenieur Arthur Edler v. Mises. Wie man berichtet, soll Herr Klinger auf vielfache Intervention sich schließlich zur Wiederannayine des Mandats bereit erklärt haben. — Am 3. d. M. sind in Brünn noch mehrere von den Erzedenten in Boskowitz zu Arreststrafeu verurtheilt worden; das Urtheil über die Holleschauer Antisemiten übte an Ort und Stelle eine geradezu vernichtende Wirkung ans, umsomehr als bei fast allen Vernrtheilten Strafverschärfungen durch einnialiges Fasten in jeder Woche und einer zweimaligen Einzelhaft in jedem Monate znerkannt wurde. — In dem Cyklus der Vorträge, die die Gesellschaft für Sammlung und Konservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Jndenthnnls veranstaltet, spricht morgen Herr Universitäts- Dozent Dr. Joses Grün selb über „Die Geschichte des jüdischen Spitals in Wien und dessen Wandlungen seit dem Mittelalter". Eine der nächsten Vorlesungen wird Adolf v. Sonnenthal, der Vizepräsident der Gesellschaft, halten. — In den, unglücklichen Na chod haben schon wieder antisemitische Ruhestörungen an, 7. d. M. stattgesunden. Eine Magd ist seit dem 21. v. M. verschwunden, die bei einen, jüdischen Kauf,nanu bedienstet war und mehrfach Selbstmordabsichten geäußert hat. Nun treiben die Schar,dblätter wieder die Bluthetze. Tie Gendarmerien zerstreute die Massen, aber die Gährnng dauert fort. 11. Budapest, 4. Januar. Der Finanzausschuß des Abgeordnetenhauses hielt heute eine Sitzung, in der das Budget des Kullus- und Unterrichtsministeriums zur Verhandlung gelangte. Bei der Post „Josephs-Polytechnikum" erwähnte der Abgeordnete Komjüthy das Gerücht, wonach an der Thür eines Saales des Polytechnikums eine Aufschrift angebracht war. welche Juden den Eintritt verwehrt. Er bat den Minister, dafür sorgen zu wollen, daß solchen blöden Strömungen ein für allemal ein Ende gesetzt werde. Minister Wlassics erwidert, er habe hiervon keine Kenutlüß, werde aber eine strenge Untersuchung ei,,leiten lassen. Er bemerkt übrigens, daß wenn Jemand, er gewiß ein entschiedener Gegner solcher Strömungen sei. — Zum Andenken an Professor Dr. David Kaufmann fand Sonntag im „Theologischen Verein" eine Trauerfeier statt. Nach der mit großem Beifall anfgenonunenen Eröffnnngs- und Gedenkrede des Vorsitzenden N a s t a li B l u m g ru n d hielten die Herren I. G o ld b erg er, I. S ilb erfel d. B. Ed el ste i M. G,,ttmann ui,b K. Schönwald interessante Vorträge über die litterarischen, wissenschaftlichen und religiösen Verdienste des vereinigten Gelehrten. Der Gedenkfeier wohnte ein zahlreiches Publikum bei. Von Nah und Frrn. ~ Herr Kommerzienrath Eduard A r n h o l d in B e r l i n hat aus Anlaß seines 25jährigen Jubiläums als Chef der bekannten Firrna Caesar Wollheim dem oberschlesischeu israelitischen Waisen Hause zu R y b n i k 5006 Mark und der israelitischen K i n d e r h e i l st ä t t e za K ö n i g § d v rff - I a st r z e m b 2500 Mark in hochherziger Gesinnung zngewendet. Beide Institute haben ihren Verwaltnngssitz in Gleiwitz. -- In Breslau wurde in der Stadtverordnetenversammlung der bisherige Vorsteher Geh. Jnstizrath Freund zun, vierzehnten Male iviedergewählt. — Daselbst ist au, 5. d. M. der bekannte Rechtsamvalt Leo Moses nach kurzem Leiden in, 42. Lebensjahre gestorben. — In Lautenburg W.-Pr. wurde Herr Louis Jacobi, der dort seit 25 Jahren Stadtverordneten-Vorsteher, Schuldepntirter und Synagogen-Vorsteher ist, jetzt zum Kreisdeputirten für den Strasburger Kreis gewählt. — In Han,bürg feierte der frühere Rabbinatsverweser und Oberlehrer Dr. S. P. Nathan in geistiger und körperlicher Frische seinen 80. Geburtstag, Er ist wohl der älteste Lehrer in Hamburg, der noch an einer Schule unterrichtet. — Herr I. Ottenstein in Nürnberg, die Herren A. Dahlmann und A. Bach in Fürth und Herr L. Mach oll in München sind zu Kommerzienräthen ernannt ivorden. — Herr Abraham Tachaner aus Würz bürg ist zum Reallehrer an der Realschule in Gunzenhausen berufen worden. — Der Reallehrer N. Hausmann in Ansbach wurde znn, Professor ernannt. — Der Privatdozent Dr. Max H. Jellinek— ein Sohn des unvergeßlichen Predigers — ist zum außerordentlichen Professor für deutsche Litteratnrgeschichte an der Wiener Universität ernannt worden. — Bei der diesjährigen Jahresfeier der schwedischen Akademie erhielt Prof. Carl Marburg, von der Hochschule in G o the u b n rg . den „KarlXIV. Johanns"-Preis für seine bedeutenden Forschungen auf den, Gebiete der schwedischen Litteratur. — In Stockhol,n ist Frl. Ottilie Levysohn, die Tochter des bekannten Rabbiners Dr. Levysohn als die erste Jüdin znn, ordentlichen Postexpeditor befördert ,vorder,. — Bernhard Lazare, der muthige Publizist, ist in Marseille einstinnnig znm Mitglied des französischen Ceutralkonsistorinins an Stelle des verstorbenen Appellationsgerichtspräsidenten Bvdarrides gelvählt worden. — Der französische Staatsgerichtshof hat die Antisemiten Buffet und D v r o n l 6 d e mit 115 Stimmen zu je zehn Jahren Verbannung verurtheilt. Weiter wurde De Lur-Saluzes in contumaciam zu zehn Jahren Verbannung und Gnörin zu zehn Jahren Gesänguiß in einen, befestigten Platze verurtheilt. — „Jew. Chrou." demeutirt die Nachricht amerikanischer Blätter, daß Professor Schechter den Ruf als Direktor des jüdisch-theologischen Seminars in Ne w y o rk bereits angenommen habe. — In Rumänien sind zwei Inden zu Professoren an staatlichen Gymnasien ernannt worden, ein in der heutigen Zeit in Rumänien höchst seltenes Ereiguiß: Jacques Last in Bukarest für Englisch und Deutsch und Dr. H. Tikin in Jassy für Deutsch. — Bei der Knnstansstellniig in Bukarest haben sich mehrere Juden vortheilhaft ausgezeichnet. von Vieren derselben sind Werke ansgewählt ivorden, un, nach Paris für die Knnstabtheilung der Weltausstellung gesandt zu werden. Es sind M ax Klang, Porträtmaler. Arthur Seegall. Landschaftsmaler. A. M end el. Radierer und der Bildhauer Carn i o l. Druck und Verlag von Rudolf Mossv in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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