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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1900-01-12 · Heft 2 (12.1.1900) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
64 (1900)
Issue
Heft 2 (12.1.1900)
Date
1900-01-12
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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erfreuliche Nachricht mit, das; die Anzahl der Berliner Mitglieder uni -WO gestiegen sei. Hoffentlich sei dies der Beginn eines kräftigen Wachsthunr^ in unserer Stadt.' Die Vermehrung der Vereinsarbeiten habe es erforderlich gemacht, den Vorstand zu vergröbern; die Wahl sei auf Herrn Professor Dr. Leopold Land an gefallen. Ans die letzten Ereigllisse der antisemitischen Bewegung übergehend, berichtete der Vorsitzende, daß die Freisprechung des Grasen Pnckler und Redakteurs Wilberg seitens der antisemitischen Presse als Niederlage des Centralvereins anfgefaßt würde. Das sei nicht der Fall, da die Allzeige in beiden Fällen nicht voln Verein ansgegangen sei; erfreulicher Weise habe hier die Staatsanwaltschaft ans eigenem Antriebe eiilgegriffen. Der Berliner Alltisemitismlls scheine feiu rechtes Vertrauen mehr zu feiner Zugkraft zu haben; er lverde jetzt international und habe zur Allsaehullg der Agitation sich den „Ehren-Schneider". ben Hanptaktenr der Polllaer Mordaffäre, ans Wien verschrieben. 22 Berlin, 7. Januar. Das p n e u m a t i s ch e Kabinett des j ii disch ell Krankenhauses, die einzige Anstalt dieser Art in Berlin besteht llnnmehr seit fünfundzwanzig Jahren. Dasselbe »vurde ans Anregung des berühmten Klinikers und damaligen dirigireuden Arztes des Krankenhauses, des Professors L. Traube erbaut. Seit dessen Tode lvird dieses segensreiche Jnstitllt von deil bewährten Händen des Sanitätsrath Dr. I. Lazarns, dirigirendeil Arztes des Krailkenhanses, geleitet, lvelcher Anfangs bis zu Traubes Tode als dessell Assistent hier thätig lvar. In der wissenschaftlichen Welt hat das plieunlatische Kabinett durch eine grobe Reihe von physiologischen und klinischen Arbeiteil sich einen Namen erworben. In diesem Jnstitute werden bekallntlich Kranke mit Lnngell-Asthma, chronischem Bronchialkatarrh llnd Lnugenerweiternng, sowie Patienterl, lvelche eine Brustfellentzündung überstall deil haben, nui die Fotgeerschei llllllgen dieses Leidens zu verhüten, beziehungslveise zu beseitigen, behandelt und filldeil in sehr vielen Fällell eine sichtliche Besserung. Besollders wohlthätig wirkt diese Allstalt auch dadurch, das; unbemittelten Kranken die Knrkosten ermäßigt, unter Nlnständell sogar ganz erlassen werden ' kölluen. 6. Berlin, 7. Janliar. Infolge lviederholt ergangener Emladling (die < erste Versammlung hat bereits a»n 10. v. M. stattgesnilden) eilles Komitees voll sechs Herren, bestell Vorsitzender Herr Dr. med. Lachlilalln hier ist, erschienen gesterll Abend gegeil 9 Uhr im oberen großen Saal von Gratweils Bierhallen ra. 90 ehemalige Schüler der K ll ab e lisch ule der hiesigen jüdischen G e m e i n d e behuss Konstituirnng eines gleichnamigen, seit lällgerer Zeit bereits geplanten Vereins. Den Vorsitz führte lviedernnl Herr Dr. nred. Lachmann. Rach verschiedellell Debatten traten sofort 69 der ailweseildell Herren dern neu z,n begrüildendell Verein bei, dessen Tendenz in erster Reihe ist: kameradschaftliche Geselligkeit. Pflege der Wohlthätigkeit, belehrende Vorträge in den allmonatlich am SolUlabend nach denr Ersten stattfiiibenben Vereinsversattlnlllmgen. Der Eintritt ist nur ehemaligen Schülern der vorbenallnten Schule, lvelche das 17. Lebensjahr zurück- ( gelegt haben, gestattet, der vierteljährliche Vereinsbeitrag ist 1,50 Mark, später liach Kollstitllirlnig des Vereins beizntretende Mitglieder haben ein Eilltrittsgeld voll 1,50 Mark Zll elltrichten. Infolge der vorl gerückten Zeit lvurde die Dnrchberathung der voil der Kolillnission mit < größter Müheentworsenen 20 Paragraphen enthalteilden Vereillsstatnten j für eine demnächst wiedernnl einzubernfende Versammlullg, in welcher gleichzeitig auch bie definitive Vorstandswahl, bestehend aus 9 Herren. \\ stattfinden soll, vertagt. Sechs alls der Versamlnlling neugelvählte 1 Herren wurdell im Verein mit deln gegenwärtigen! Komitee mit der ‘j nochmaligen Vordurchberathung des Statutenentlvurfs beauftragt. x. Jnowrazlaw, 3. Januar. Aln 26. Dezember beging der S t a d t - rath und Fabrikbesitzer A. Knrtzig unter allgemeiner Best theiligung sein Jubiläum, an dem es ihm vergönnt war, auf eine 50jährige segensreiche Thätigkeit als Kaufinann und Bürger zurücks znblicken. Im Jahre 1849 karn der damals 26 Jahre alte Knrtzig aus Rackwitz nach Jnolvrazlalv und erkannte sofort, daß hier das geeignete c Feld für die Oelfabrikation gegeben sei. In richtiger Würdigung dieses < Umstandes gründete er deshalb eine Oelfabrik und schnf damit das erste gewerbliche Etablissement in nnserem Kreise, welches mit Danlpf- * kraft betrieben wurde. 1878 rvnrde das Unternehmen durch eine Zlveig- * Niederlassung in Gnesen bedeutend vergrößert, und heute ist der Stadt- ) rath Klrrtzig Besitzer zlveier Darnpfillühlen. einer Oel- und einer Cichorienc fabrik nrrd erfreut sich unter den Kanflenten des bestell Rufes und l großer Anerkennung. Aber auch der Stadt und Bürgerschaft widurete der energische Pionier der ostdeutschen Industrie, .ein Schwiegersohn des noch heute in gesegnetem Andenken stehenderl Dr. nied. Kühlbrand hier, seine Kraft und seinen bewährten Rath. Im Jahre 1858 wurde er durch das Vertrauen seiner Mitbürger in die Stadtverordnetenversannnlung berufen und bekleidet seit dem Jahre 1875, also seit nunluehr 24 Jahren, unuuterbrocheu das Amt eines unbesoldeten Stadtraths. Jll dieser seiner Eigenschaft hat er seine reiche Erfahrung mit Hingebung und Eifer zum Wohle nuferes ansblühenden Gemeinwesens iln Rathe der Stadt bethätigt und erfreut sich infolge dessen auch allgemeiner Beliebtheit. — Einen schönen Beweis für die Anerkennung und Würdigung seiner Verdienste gewährte die Jnbilänulsseier. Als erste Gratulanten erschienen der Vorstand und die Repräsentanten der Synagogengelneinde, an deren Spitze Herr Stadtrath K. mit seltener Pflichttreue seit langen Jahren lvirkt. Rabbiner Dr. Kohn schilderte in beredten Worten den Jubilar als Großkaufmann. Bürger und Mensch und überbrachte die Glückwünsche des Vorstandes, während Stadtverordneter Hindelsohn Namens der Repräsentanten gratnlirte. Sodann richtete Stadtrath Goecke seine zu Herzen gehende Rede all den Jubilar. Derselbe gratnlirte zunächst Namens der Freimaurer-Loge llnd hob sodann als Sprecher der Handelskammer des Regierungs- Bezirks Bromberg die bahnbrechende Wirtsanckkit des Mannes gebührend hervor, der in dein damals noch unbedeutenden Städtchen den ersten Dalnpsschornstein errichtete und die erste Dampfmaschine in Betrieb setzte und so den Grundstein zu unserer sich immer mehr und mehr entwickelnden heimischen Industrie legte. Als äußeres Zeichen der Anerkennung überreichte Kornmerzienrath Goecke dem Jubilar eine kunstvolle Adresse der Handelskanlmer und derJnowrazlawerKaufmannschast. Znnl Schluß erschien eine Deplltation der städtischen Verwaltungskörper. in deren Namen Herr Bürgermeister Dr. Kollath dem Mitgliede des Magistrats die herzlichste,! Glückwünsche anssprach. Zugleich überreichte er dem verdienten Bürger unserer Stadt eine Dankadresse des Magistrats und der Stadtverordneten. Letztere waren durch die Herren Geheimrath Besser, Dr.Krzyminski und Baumeister Volkmann vertreten, welche ebenfalls ihre Glückwünsche aussprachen. Die vielen Gratulanten, darunter u. A. Deputationen der Freimallrerloge. der Oddsellowloge, der städtischen Beamten, in deren Nalnen Herr Stadtsekretär Franke eine herzliche Ansprache hielt, das Komtorpersonal des würdigen Jubilars, lieferten einen Beweis für die Beliebtheit, lvelche Herr Stadtrath Knrtzig in allen Kreisen genießt. Möge es ihm vergönnt sein, noch recht lange zum Wohle unserer Stadt zll wirken. — Kolberg, 7. Januar. Ganz besonders reichhaltig ist diesmal der fnnfimdzwanzigsteJahresbericht über dieVerlvaltnng des Jüdischen Knrhospitals iln Sool- und Seebade Kolberg, 1898—1899, der zugleich eine Fest- und Jnbelschrist ist. Er enthält sehr werthvolle Mittheilnngen über den Neubau, das Weihe- und Jubelfest, den Anstaltsbetrieb und eine Reihe hübscher Abbildungen von denl neuen Hause. Die Kosten des Nellbanes und seiner inneren Einrichtung und Ausstattung können beim Schlüsse dieses Berichtes noch nicht genau festgestellt werden, lveil noch nicht sälnnltliche Rechnungen vorliegen. Doch kann schon jetzt gesagt lverden, daß der im Aufrufe des Ban- Komitees vom Noveulber 1896 vorgesehene Anschlag von 225 000 Mark zuln Mindesten erreicht, wenn nicht gar um ein Paar Tausend Mark noch überschritten ist. Zur Deckung dieser Koste»! sind vom Bau-Konlitee 177 561,80 Mark durch seine dankenswert he Thätigkeit aufgebracht. Ferner sind aus den, angesalnmelten Fonds des Bau-Komitees ungefähr 8700 Mark Zillsen erwachsen und mehr als 45 000 Mark geniüß den» Beschlüsse der Anstaltsorgane und des Bau-Komitees aus dem Vermögen der Anstalt für den Ban verausgabt. Der Bericht über das Weihe- und Jubelfest enthält die Reden der Herren Rabbiner Dr. Vogelstein. Bloch, Goldschmidt und des Vorsitzenden iin Kuratorium Gustav Loewenberg. Was nun ben Anstaltsbetrieb betrifft, so kam man zu dern Beschlüsse, den Versuch zu machen, daß der Betrieb im neuen Hause mit je 50 Personen für jeden der vier Sommermonate, also mit 200 Personen für den ganzen Sommer ausgenommen werde. Durch die große Zahl der Bittgesuche, welche von allen Seiten wie eine Sturmsluth ans uns eindrang, war die Verwaltung freilich gar bald gezwungen, diesen Beschluß zu überschreiten und 225 Personen Ausnahnie zu gewähren. Nach Abzug der Kassenbestäude und der aus dem Grundkapital entnommenen Beiträge haben die Reineinnahmen im Jahre 1898 betragen 17 558,36 Mark und im Jahre 1899 17 720,35 Mark. Die Reinansgaben schließen im Jahre 1898 ab mit 4417,98 Mark und im Jahre 1899

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