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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-10-27 · Heft 43 (27.10.1899) · p. Seite 516

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 43 (27.10.1899)
Date
1899-10-27
Page
Seite 516 (sequence 12)
Language
German
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516 '•r.-.r. die Straße hinunter, wo. die Wogell des Lebens wieder nher dieser Erscheinung gleichgiltig zusammenschlugen. Der Spidlrnann bähte sich aber immer noch unten in der Sonnenhitze auf denl Platze und blähte . sich im eifrigen Gespräch mit eiiligen. Obsthändlern, welche ihre Körbe mit Limonien und Portugallerr auf beut Kopfe trugen und mit untergestenlmtett Armen znhörten. Er hatte seine Zither in die Hand wie eilte Herkuleskettle gefaßt und schlvang sie kreisend um den Kopf herum, daß die Saiten in der Luft lvie Glockelt antöttielt. Ich hatte ihm mattchen Paolo für Flugblätter, welche er zugleich tnitverkaufte, srüherhiu zugewendet, und so kam es, daß er sogleich, als er meiner ansichtig wurde, mit ausgestrecktem Halse ntir znrief: „Signor, uim stupenda novella!*4 Auf einen Wink kaut er zu ntir herauf. „Ich weiß schon? lvas Ihr wissen wollt, sprach er mit geläufiger Zunge; erzühlett soll ich Euch von dieser jultgett Frau! Die Arme! Wentt sie nur tioch lebte! Doch tvir ulüssen Alle ftexbeu! Aber so jung uttd so reich! Erzählen soll ich Euch und bin so durstig wie eilt Wetzstein? War^t Ihr einmal iit Orvieto, Herr?" Ich nahni ails meinem Eistopfe eilte Flasche dDrvieto heratls, und schenkte ihm eilt volles Glas ein. — „O," rief der Lllte ullterdesfeli, „das ist ment Strohmälttelchen atls Orvieto, der kleilte süße Bettelmönch! Ah! Oh! — eilt alter Est! Est!" „So eilt Eltghals", erttgegnete ich, „ist gut für einen Weithals." Meilt Schmarotzer kostete erst zlvei Tröpfelt, ltutt besartn er sich uttd machte seilt Gesicht so dünn tutb spitz, als wollte er sich durch ein Nadelöhr fädeln, bann aber drückte er ein Auge zu und spann einen so langen Goldfaden alls dem Glase, als wäre der Wein zu Macearoni. geworden, bis er . den letztett Tropfen herausgelvickelt hatte. Jetzt aber schnalzte er lliit der Zunge rote eilt Fechtuteister mit der Klinge, welche er mit eiltigen Schwippchelt probirt, und nult begann er ztt plaudertt: „Eine schölte Donna, die nult ertruttken ist! Habt Ihr nicht die junge Marchesa Portetti alt der Piazza Serluchi gekattltt? Heilige Madonlta! Was wird Luigi, der Marchese, sagen? Aber utußte er denn attch eine Jüdilt zur Frau nehmen? Was uteint Ihr, ob so ein bischelt Taufwasser deit ganzen Heidettschlamm auf eutntal wegwaschen.kann? Redeich Ketzerei in meiner Einfalt, so ist es einfältige Ketzerei! Doch Marchese Luigi ist eine brave Exzellertz; dertn er hat ntir viele schöne Kattzoneltett getltacht, lvelche abgingen lvie frische Brode uttd junge Jesuiter. Kantt man aber mit dem Kopfe durch die Wand fahren uttd eilte Taube auf dem Dache uttd eine Frau in der Kantliter hüten? Habt Ihr noch eine int Glasschranke gesehen mit der Citrone in der Hand? Aber die Juden sind ein sonderbares Volk, und will der Teufel eilten artnen Jungen in das Elettd bringen, so fährt er in ein hübsches Mädchen — oder gar in eitt Judenmädchen. Deshalb lverden auch die Juden geplagt. Wenn tum einmal das arme Volk in Rom Hunger hat, und Tausettde den heiligen Vater um Brod anschreiett, da sittd itnnter Einige da, welche von den Judert im Ghetto reden, und da geht auch richtig allental die Judenhetze los. Da vergeht beu Judert unterdessen der Appetit. So war^s vor zwei Jahren gerade in der heiligelt Woche, wo mein Magert knurrte urtd belferte wie eine alte Russirt. Da ging es in der Judenstadt lustig her. Da schrien die Bartjuden und die verschleierten. Weiber mit ihren Kindern wie bei der Zerstörung von Jerusalem, lvo ich aber nicht ntit dabei war; denn das geschah zur Saisonzeit. Die Plünderer über sangen das Judenjagdlied. Kennt Ihr es, Signor? Hier habe ich es — ja, da ist es gleich — es kostet vier Bajocchi. Nutt sang der Spielmann in begeisterten Trillern: Del furor la tromba squilla. Santi il popol, conto strilla! Vuol vendetta con gli Ebraei, Con gli Scribi e Farisei. ]NTon vi giovano pianti A impiccaroi tutti quanti-). „Hierbei geschah es", redete er weiter, „daß sie einen alten Judert heranszerrten auf die Straße. Er hielt irr den Hättden einen kostbaren Schmuck so fest, als wäre er alt seinen dürren Fingern angewachsen gewesen. Da bekam er aber von einem Kupferschmied einen solchen Schlag tu seinen Bart, daß das Haar davon und der goldene Schmuck ihm ans der Hand flog. Der Jude schrie aber: „Sei der Schmuck verflucht von Mitternacht zu Mitternacht, mag er verderben Jedett, beu er zieren soll! Verflttcht sei er wie Teufels Haltdgeld!" Da stürzte der Alte todt auf die Straße. (Forts, folgt). Fitterarische Mittheilungen. Dr. S. Bern selb: -pt? Verlag Achiasaf. Warschau 1899. Eine Biographie S. L. Nappaports ist eitle Publikation, bie bei allen Freunden der jüdischen Wissettschaft auf eine frenndliche Aufltahme rechltett darf. Was bis jetzt über das Lebetl uttd Wirken Rappaports geschriebelt tonrde, ist im Vergleich mit der uns vorliegenden Arbeit unbedeutend ittib kaum noch lesenswerth. Jtt süns Abschttitten entwickelt Berufeld eilt vollständiges Bild dieses Mitbegründers der modertten jüdischen Wissettschaft, geleitet ihn voll der Wiege bis zum Grabe mtb gewährt uns einen Einblick in die damaligen Zeitverhältnisse irr Galiziett sowohl tvie itt Deutschland, die dem gezeichneten Bilde ein ansprechendes Kolorit verleihen. Die sich ntit der Rabbinerfrage itt Berlitt beschüftigett, dürfte es interessirett, zu erfahren, das; fchvlt itt beit dreisziger Jahren eilt großer Gelehrter als Nabbitter ttach Berlitt kommen sollte — es war S. L. Nappaport. den Zunz warm empfohlen, und für den, tvie es scheint, attch der Vorsitzettde des dantaligen Genteittdevvrstandes, Moritz Veit (s. Briefwechsel zwischett Dr. Michael Sachs mtd M. Veit, heransgegebeu von L. Geiger, S. 29) großes Interesse hatte —, allein Rappaport kam nicht ttach Berlin, sondern nach Prag, wo er weniger zttm Predigen, dafür aber mehr Zeit zum Arbeiten ans dent Gebiete der jüdischett Wissenschaft hatte. Doch sei dies tun: nebenbei bemerkt. Das Buch enthält des Jnteressantett uttd Lehrreichen so viel, daß wir nt!s nur ans einige uns besonders wichtig erscheinende Momente beschränken ntüssen. Itt erster Reihe sei uits gestattet, die Objektivität des Verfassers rühmend zu erwähnen. Bei aller Verehrung und Vorliebe für Nappaport verschweigt der Autor auch dessen Schattenseiten nicht mtd benittht sich, seiner Aufgabe höchst unparteiisch gerecht zu werden. Dalttt bietet uns Bernseld nicht blos eine Lebensbeschreibung Rappaports, sondern attch eine hvchittteressattte kulturgeschichtliche Studie, die besottders int vierten Abschnitt uns alizieht. Es wäre zu wünschen, daß diese Publikation, die hebräisch gehalten ist, eine Uebertragung ins . Deutsche erführe, dantit auch die des Hebräischen Unkundigett Gelegettheit bekommen, das Leben und Wirkett eines Manttes kennen ztt lernen, beffeu Namen alle Freunde der jüdischen Wissettschaft stets mit ehrender Atterkennnng nennen werden. Albert Katz. -) Horch, der Wnth Trompete schrillet. Horch das Volk, und tvie es brüllet, Rache tvill es an den Ebräern, Schreibertt mtd den Pharisäern. Weinen hilft lticht und Bangett Alle werden attsgehangelt. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in.Berlin.

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