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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-10-27 · Heft 43 (27.10.1899) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 43 (27.10.1899)
Date
1899-10-27
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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' n^y ~‘ ‘ 63. Jahrgang. Nr. 43. ^ß$V Leklin. 27. Oktober 1899. 'Ueil'crge zur „Atkgemeinen Zeitung öes Iuöenthums". Korrespondenten und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 22. Oktober. Der 80. Geburtstag, den der Stadtverordnete Sanitätsrath Dr. S. Nell man n hellte beging, brachte dem Jubilar eine Reihe glänzender Ehrllllgell und gestaltete sich zu eitlem Ehrentage unserer Glaubellsgemeillde. Nicht weniger als 17 Deplitattonen üb erbrach teil theils mülldlich. theils in Form von Adressen ihre Glückwünsche. In belvundernswerther körperlicher und geistiger Regsamkeit erwiederte der Jubilar auf alle Ansprachen, in markanten Worten entwickelte er seine Beziehungen zu den einzelnen Körperschaften und gab werthvollen Fingerzeig über die weitere Entwickelung einiger Institute. Am frühen Morgen hatten sich die zahlreichell Familienangehörigen -eingefundell, um denl von ihnen hochverehrten Jllbilar zu gratuliren. Im Namerl derselben sprach Privatdozent Dr. Hugo -Neumanu itnb überreichte ein wohlgelnngenes Photofknlpturrelies des Jubilars. In seiner Gegensprache gab Letzterer denr Wunsche Ausdruck, daß die von ihnl Zeit seines Leberts hochgehaltenerr Traditionen auch von beu Familienallgehörigen weiter gepflegt werderr mögerr. Als erste offizielle Deputatioil erschierrell als Vertreter der ' Berliner Stadtverordnetenversammlung der Stadtverordnetell-VorstehersteÜvertreter Michelet und R.-A. Ladewig. Dr. Langerhans lvar durch Krallkheit am Erscheinell behindert. Herr Michelet gab denl Gefühle" des Dankes und der hohen Verehruilg Ausdruck für die erfolgreiche Thätigkeit des Jubilars im kommunalen Leben und überreichte dann eine schriftliche Adresse, die Rechtsanwalt Ladelvig verlas. Die Adresse spricht von dem berechtigten Stolze, beu die Stadtverordnetenversammlung empfinde, beu Jubilar, der seinen unermüdlichell Fleiß und sein reiches Wissen in beu Dienst der Allgemeinheit gestellt, den Ihrigen llemlell zll dürfeil. Mit besonderem Nachdruck, wird tu derselben hervorgehoben, wie der Jllbilar werkthätig geholfen habe all dem Ansban vieler öffentlicher Einrichtnligeli der . Reichshallptstadt, und wie er seine ganze Kraft dafür eillgesetzt, daß die Gewissensfreiheit aller Staatsbürger gur That werde., Zum Schluß wird dem Wullsche Ausdruck gegeben, daß der Jubilar noch nlanches Jahr in Ullgetrübter Gesundheit lvirken möge, sich selbst zur Ehre, der Stadtverordnetenversanlmlullg zur Freude und zum Heile der gesammterl Bürgerschaft. Der Jubilar gab iu seiner Erwiederung seine Freude zu erkennen, daß es ihm auch in einer ihm zur Genngthuung gereichenden Weise vergönnt gewesen sei, all der Ausgestaltung der Entwickelung Berlins theilnehmen zu köunell. Deil Allsgmlgspunkt der neuen Entwickelung erblicke er in der Stadtverordlletenversammlling. In herzlichen Wortell gedachte er der Genossell. die mit ihm zugleich im Dienste der Komnlune thätig wareir itub lloch hellte sind, und welche dem neuen Geiste Wege lind Wirksainkeit geschaffen haben. Er habe nach Kräften stets dafür zu sorgeil versucht, daß das gleiche Recht der Konfessionen zur Anerkennung gelange, ulld zwar habe er dies nicht vom kollfesstouellen Stalidpunkt aus gethall, sondern er habe irnnler darauf hiugewiesen, daß es der Stadt Berlin itub seiner Stadtverordnetenversammlung zur Ehre gereichen müsse, das Recht der Minderheit in besonderer Weise zu schützen. Für beu Deutsch-Israelitischen Gemeiudebund sprach Geheimer Sailitätsrath Dr. Kristeller, der mit Prof. Philippson zur Feier delegirt war. Er betonte das unermüdliche und segeilsreiche Wirken des Jubilars für die Sache der Freiheit, Aufklärung und der Gerechtigkeit, die Begeisterung und das kraftvolle (äüntreteu desselben für die innere Entwickelung und die äußere Gleichberechtigung der israetitischell Religionsgenossenschast. Der Jubilar bezeichllete irr seiner Gegenrede den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund als eine der bedeutendsten Institutionen der jüdischen Gegeilwart, der nach seiner Meinung stets freiwillig das thue. was tu Vergessenheit oder mit Absicht der jüdischen Gesammtheit blsher versagt worden sei. Er hoffe, daß es denr Gemeindebnnde gelingerr werde, beit großen Gemeinden den Gedanken beizubringen, daß das Jndeilthnnr sich eigentlich in der Diaspora befiitbe, und daß die Großgemeinden eine moralische Verpflichtung hätten, den kleinen Gemeinden Anerkennung zu verschaffe,,. Für das Rnssenkomitee irr Frankfurt a. M. überbrachte Herr Speyer Glückwünsche. Für beu hier bestehenden Hilfsverein für jüdische Studirende. zu dessen Stiftern der Jubilar zahlt ulrd dem er seit rrnnnlehr 60 Jahren angehört, überreichte Geh. Sanitätsrath Dr. Abrahanr eine Adresse. Der Jubilar betonte in seiner Ansprache den Antheil, den der Verein an der Entwickelung der Wissenschaft nehme, durch das, was die Stipendiatell leisten uub werden. Von der städtischen Deputation für Statistik kamen mit einer Adresse der Direktor des statistischell Amtes Geheimrath Böckh lind Stadtrath Dr. Weigert. Die Adresse feiert den Jubilar als beit Begründer der Statistik der Stadt Berlin, den Pflicht, getreuen Förderer der Berathungen der städtischell Deputation. Geheimrath Böckh überreichte alsdann beu Sonderabdrnck des von ihin verfaßten Vorwortes 311m 24. Jahrgang des Statistischell Jahrbuches der Stadt Berlin, iu welchem das Wirken Nelimanns für das Wohl der Stadt Berlill in ausführlicher Weise geschildert wird. In launiger Weise dankte der Jubilar hier nur in kurzen Worten, da er fürchten müsse, daß seine Worte voll beu Statistikern gezählt werden möchten. Für die Berliner Mediziilische Gesellschaft erschienen deren Vorsitzellder Geheimrath Rudolf Virchow und Geheimrath Professor Dr. Ewald; voll Mitgliedern der Gesellschaft bemerkten wir noch Geheimrath Julius Wolff und Professor James Israel. Virchow bezeichllete iu seiner Ansprache sich gewissermaßen als das Produkt des Jubilars, da letzterer es gewesen sei. der Virchow als Stadtverordneten in Vorschlag brachte und ihll zur Aullahme des Mandates überredete. Die Zahl von Jahren, Monaten und Tagen, in denen er mit dem Jllbilar in Beziehungen gestanden, sei so groß, daß es ihnl schwer werde, ein kurzes Resümee zu geben. Wie der Jubilar seine Stellung dem Reste von Uuabhängigkeit verdanke, welchen er sich bewahrt hätte, so schätze auch die Medizillische Gesellschaft in ihm dell Mann, der, würdig seiner großen. Vorfahren, unelltwegt ans den Bahnen selbständigen Denkens fortgeschritten ffei. Der.Jubilar gab tu seiner Erwiderung der großell Freude Ausdruck, sich in der Alljprache mit Rudolf Virchow assoziirt zu seheil. Er verwies auf seine in der Neuen Friedrichstraße belegene Sammlung von Erinuermlgell berühmter Männer, unter denen sich auch die Reden Virchows, die er für die Juden und deren Rechte unelltwegt und nubehiudert gehalten, befänden. Für das Kuratorium der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums, dessen Vorsitzender der Jubilar ist, überbrachte Professor Philippsoll eine Adresse, die ihn als treuen und bewährten Mitarbeiter der Anstalt feiert, der stets sein reiches Wissen und Können für die heilsame Entwickelung der Anstalt eingesetzt. Rechtsanwalt Dr. Heinrich Meher Cohn begrüßte alsdann dkl, Jllbilar als Kurator einer aus Anlaß des Festes von einigen Freunden für die Zlvecke der Lehranstalt ills Leben gerufenen Nenmann-Stistnug mit einem Fonds von 10000 Mark, den ein bekannterWohlthäter aus der nächsten Umgebung des Jubilars sofort um 25000 Mark erhöht hat. Die Festsetzung der Bestimmungen der Stiftung soll dem Jubilar überlassen bleiben. Letzterer gab seine Frellde zu erkennen, daß die Feier auch etwas Praktisches ergeben hätte, tuib stellte auch seinerseits einen Beitrag zur Stiftllng in Aussicht. Für die Zunz-Stiftung. dessen Vorsitzender ebenfalls der Jubilar ist, sprach Rechtsanwalt Dr. Veit Simon, der mit deil Herren Geheimrath Abraham, Professor Liebermann und Dr. Kirschstein abgeordilet war. Der Redner hob dic markante Eigerlart des Jubilars hervor, die iu der besondereil Harmonie liege, in der er den Sinn für das Besondere und für das Allgemeine Zeit seines Lebeils zu verbindell gewußt hätte. Die Förderung der Zunz-Stiftung sei tit erster Reihe dem Jllbilar zu verdanken. Im Name,: des Kuratoriums überreichte er alsdallll eine Zusammenstellung der Bücher, die mit Hilfe der Zunz-Stiftung herallsgegebcn worden ftitb. In seiner Erwiederung gedachte Sanitätsrath Neumaun in warmen Worten der regen Mitarbeit der übrigen Mitglieder des Kuratoriums und des wissenschaftlichen Beirathes und bat. das Streben Zunz' nach Kräften sortzusetzen, die jüdische Wissenschaft im Bereiche der Wissenschaft als vollkommen gleichberechtigt zur

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