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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-12-30 · Heft 52 (30.12.1898) · p. Seite 624

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624 flügelt, der gegen das Fenster flog. Frankel soll den Stein lange verwahrt haben. Gr hat einen Protest gegen dieses Gebühren beim Vorstand eingebracht und die Bestrafung des Thäters verlangt. In Dresden war Frankel nicht der Nachfolger David Landaus, wie Rabinowitz Seite 27 schreibt,-sondern Abraham Löwys, der aber nicht 1836," wie es Seite 33 heißt, sondern den 28. April 1835 gestorben ist; auch widmete er die „Vorstudien zur Septuaginta" nicht dem Herrn v. Wintersheim (Seite 60), sondern v. Wietersheim. Ein Wort über sein Auftreten gegen R. Moses Sopher in der Angelegenheit des ungarischen Rabbiners Alexandersohn wäre wohl am Platze gewesen. Der Distriktsrabbiner Nathan Bamberger in Würzburg schildert das Leben und Wirken seines Vaters und Vorgängers, des durch Gelehrsamkeit und Frömmigkeit ausgezeichneten Rabbiners Seligmann Bär Bamberger (Würzburg 1897). Rabbiner S. B. Bamberger (geb. den 6. November 1807, gest. den 2. Tag Sukkoth, den 13. Oktober 1878, in der Synagoge während des Gottesdienstes), der Lieblingsschüler des R. Wolf Hamburger in Fürth, betrieb seit seinem zwanzigsten Jahre in seinem Geburtsort Wiesenbronn eine Materialwaarenhandlung, lag aber dabei unermüdlich dem Studium des Talmud ob. Als einmal ein Kunde in sein Geschäft kam, während er in seinen Folianten vertieft war, rief er dem Eintretenden zu: „Giebt's denn hier kein Geschäft mehr, daß Sie gerade zu mir kommen?" und lernte weiter. Nachdem der Oberrabbiner Abraham Bing, der den 9. Adar 1841 nicht den 7. Adar 1839, wie es Seite 8 heißt — starb, sich 1840 seines hohen Alters wegen vom Amte zurückzog, erlangte Bamberger nach Beseitigung verschiedener Hindernisse das Rabbinat in Würzburg, wo er viele Jahre einer von vielen Schülern besuchten talmudischen Hochschule Vorstand und mehrere Werke, wie über die Vorschriften beim Schreiben der Thorarotten, über das rituelle Schächten, über Chaliza u. a. m., verfaßte. Im Jahre 1864 begründete er die noch heute bestehende Israelitische Lehrerbildungsanstalt in Würzburg, für die er unausgesetzt thätig war. Schüler und Verehrer Bambergers, der ein Hort der Orthodoxie war, sind dem Verfasser der Biographie, der eine zuerst im Jahre 1850 erschienene Schrift in Betreff der Emanzipation der Juden als Anhang beigegeben ist, zu Dank verpflichtet. Von dem früheren nordamerikanischen Gesandten bei der Pforte, dem verdienstvollen Simon Wolf in Washington, erschien in prachtvoller Ausstattung „Mordecai Manuel Noah. A biographical sketch“ (Philadelphia). Es ist dies die erste ausführliche Biographie des amerikanischen Staatsmannes und schwärmerischen Juden, dessen Leben, in diesen Blättern (Nr. 9 dieses Jahres) .dargestellt,' im Allgemeinen als bekannt vorausgesetzt werden darf. Eine recht schätzbare Beigabe bilden die in den Anhängen mitgetheilten Briefe, Auszüge aus Noahs Reisewerk u. a. Auch sonst erfahren wir Näheres über Major Noahs Vater und dessen Familie, von der ein Zweig den Namen Noel führt. Bemerkenswerth ist, daß General Washington, zu dessen Stab Manuel Noah zeitweilig gehörte, und der mit Noahs Schwiegervater innig befreundet war, der Hochzeit Noahs beiwohnte und — die „Kethuba" mit Unterzeichnete. Einen Beitrag zur Biographie des bekannten jüdischen Arztes und Diplomaten Salomo ben Nathan Aschkenast erhalten wir in der interessanten Schrift „Rabbi Scelomo Askenazy e la Republica di Venezia“ (Venezia, Carlo Ferrari 1898) des am 14. März d. I. aus dem Leben geschiedenen gelehrten Marco Diena. Nach der Schlacht bei Lepanto wollte man aus „religiösem Enthusiasmus" die Juden aus Venedig vertreiben: am 18. Oktober 1571 erließ der Senat der Lagunenstadt das Verbannungsdekret. Der Doge Moeenigo hatte darauf bestanden, den gefaßten Beschluß vollstrecken zu lassen. Da erschien Aschkenast als rettender Engel. Er knüpfte mit Soranzo, dem venetianischen Gesandten in Konstantinopel, im Interesse seiner mit Ausweisung bedrohten Glaubensgenossen Unterhandlungen an und brachte es zu Wege, daß das Verbannungsdekret am 29. Juni — nicht Juli — 1573, wie G. Wolf (Hebr. Bibliographie I, 18) und nach ihm Graetz (Geschichte der Juden IX, 416) schreibt, widerrufen wurde. Im folgenden Jahre kam Aschkenast als Botschafter der Türkei nach Venedig, um den Frieden zwischen der Pforte und der Republik abzuschließen. Graetz nimmt an, daß er bereits im Mai dorthin gekommen wäre (u. a. O. LXXII). Aus einem hebräischen Dokument, welches der Rabbiner Leone Luzzatto in Venedig, der Neffe Dienas, in einer Synagoge zu Venedig aufgefunden hat, und das mit einem anderen Dokument in italienischer Uebersetzung in der Schrift Dienas mitgetheilt wird, ergiebt sich, daß Aschkenast in der Woche des Thoraabschnittes „Schlach lecha", d. i. zwischen dem 6. und 12. Juni 1674, seinen feierlichen Einzug in Venedig gehalten hat. Seine Glaubensgenossen segneten den Mann, „per 8uo mezzo la sentenza (d’esilio) fu annullata“, und beteten, „daß Gott seinen Ruhm erhöhe, alle seine Wünsche erfülle und ihn behüte auf allen seinen Wegen". „Moses Mendelssohn als Pädagoge" wurde von Dr. M. .Spanier in Magdeburg auf der Konferenz des Vereins israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands am 29. Mai 1898 zu Eisenach in einem Bortrag behandelt, der auch gedruckt erschien. Der Verfasser, der eine große Belesenheit in der pädagogischen und philosophischen Litteratur zeigt, versucht „werthvolle pädagogische Ideen, die ihn in Mendelssohns Werken begegnet sind, nach gewissen Gesichtspunkten geordnet, darzustellen; „er findet Urtheile über Grundfragen der Erziehung und des Unterrichts, die an frühere und zeitgenössische Pädagogen erinnern, aber auch vielfache Berührungspunkte mit Pädagogen jüngeren Datums." Was bei Mendelssohn ganz besonders anmuthet, ist, daß er, der glaubenstreue Jude, sich von jedem einseitigen Denken, jedem engherzigen Konfesstonalismus fernhielt und für eine Pädagogik echter Menschlichkeit sich und Andere begeisterte." Auch in hebräischer Sprache sind mehrere Biographien rabbinischer Autoritäten in jüngster Zeit erschienen. Vor allem ist ein Sammelwerk zu nennen, das unter dem Titel: „Hagoren. Abhandlungen über die Wissenschaft des Judenthums" unter der Redaktion des strebsamen S. A. Horodezky erscheint (Berditschew, Scheftel 1898). Außer verschiedenen Beiträgen von Professor Bacher, A. Harkavy, S. Lauterbach u. A. enthält dieses erste Buch die ausführliche Biographie des R. Moses Jsserles (Remah) von Horodezky, welche sich an die von demselben Verfasser früher veröffentlichten Lebensbeschreibungen des R. Samuel Edels (Meharschah) (Drohobyez 1895) und des R. Salomo Luria (Meharschal) (das. 1896) würdig anschließen, dann die Biographie des R. Meir Lublin von Lewinstein und Horodezky sowie die des R. Hirsch Hanau, eines Zeitgenossen des R. Jair Chaim Bacharach von Professor David Kaufmann mit Gutachten des mährischen Oberrabbiners David Oppenheim. Eine umfangreiche gelehrte Abhandlung von Joseph Kohn-Zedek, welche reiches biographisches Material enthält, bildet den Schluß des ersten Buches des „ Hagoren“, dem eine weite Verbreitung zu wünschen ist. Eine recht fleißige und gründliche Arbeit ist die Biographie des R. Moses ben Nachman j"2Ö,in von M. Rapaport- Hartstein (Krakau, Fischer, 1898), was von der unter dem Titel „Mekor " Chajim", die „ausführliche" Biographie des R. Chajim ibn Atter (Atthar) und die „Minhage Trefot" der jüdischen Gemeinde in Fez von R. Jehuda ibn Atter" enthaltend, erschienenen Schrift des Dr. Jakob Nacht (Drohobyez, Zupnik, 1898) nicht behauptet werden kann. Es fehlen dem noch jungen Verfasser, wie er selbst klagt, die nothwendigsten Quellen, so daß er auf „Brockhaus' Lexikon" zu verweisen (S. 5) gezwungen ist. In Steinschneiders Berzeichniß der hebräischen Handschriften der königlichen Bibliothek zu Berlin heißt es S. 30 richtig R. Chajjim b. Atthar, nicht aber, wie Nacht (S. 8) verbessernd bemerkt, R. Chananjah Atthar. Mit mehreren historischen Werken und Monographien werden wir uns im nächsten Litteraturbericht beschäftigen. Fitterarifche Mittheilungen. Das Novemberheft des 42. Jahrgangs der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums (Berlin, S. Calvary L Comp.) hat folgenden Inhalt: David Rosin s. A. Die Religionsphilosophie Abraham Ibn Esras (Fortsetzung). W. Bacher, Ein polemischer Ausspruch Jose ben Chalafthas. I. Bergmann, Aus den Briefen Abraham Bedersis. Moritz Steinschneider, Die italienische Litteratur der Juden (Fortsetzung). Albert Wolf, Jüdische Ex-libris. Besprechungen: Mandel, Dr. Simon. Der Bann. Bon Dr. D. Feuchtwang. Schwab, Mo'ise. Vocabulaire de l’Angelologie. Bon Professor W. Bacher. Druck und Verlag von Rudolf Blosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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