Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 52 (30.12.1898)
- Date
- 1898-12-30
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3228257-3228310--55153-3291354- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
62. Jahrgang. Nr. 52. ffV Berlin, 30. Dezember 1896. Werkcrcze zur „Allgemeinen Zeitung des Iuöenthums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 25. Dezember. Die letzte diesjährige Repräsentantenversammlung war kurz und verlief recht geschäftsmäßig. Unter geschäftlichen Mittheilungen berichtete der Vorsitzende, Herr Landsberger, von einer Verfügung des Landraths des Kreises Niederbarnim, wonach auf Wunsch der jüdischen Gemeinde zu Oranienburg die in den Ortschaften Dalldorf, Schulzendorf und Heiligensee wohnhaften Israeliten aus der genannten Gemeinde herausgenommen und der jüdischen Gemeinde zu Berlin zugetheilt werden. Der Vorstand hat seine Zustimmung dazu ertheilt. Zu einer längeren Debatte gab eine Eingabe des Vereins Malbifch Arumim, welcher die Gemeindebehörden um einen Zuschuß von 1000 Mk. ersucht hat, Anlaß. Vorstand und Kommission beantragen, nur einen solchen von 500 Mark zu bewilligen, mit Rücksicht auf die ungünstige materielle Lage des genannten Vereins und die an ihn gestellten großen Anforderungen. Der Referent sowie verschiedene Redner der Diskusston gaben ihren Bedenken darüber Ausdruck, Präzedenzfälle zu schaffen durch Subventionirung privater Vereinigungen. Die gegentheilige Anschauung gipfelte darin, daß man damit kein Präjudiz schaffe, vielmehr in jedem Einzelfalle die Sachlage genau geprüft werden müsse. Bei der Abstimmung wurden nur 500 Mk. bewilligt. — Dem Religionsverein Westen wird für die ersten beiden Etatsjahre eine Erhöhung seiner Subvention von 4500 Mk. auf 5500 Mk., für das letzte Etatsjahr auf 5300 Mk. bewilligt. Dem früheren Wunsche der Gemeindebehörden entsprechend, hat der Verein sich bereit erklärt, die Religionsschule in eigene Verwaltung zu nehmen unter der Voraussetzung, daß keine Mehrkosten daraus entstehen, und die Beamtengehälter analog denen der Gemeinde festgesetzt werden. Hinsichtlich des letzteren Punktes könne, wie der Referent, Herr Leonhard Sachs, erklärte, selbstverständlich keine Garantie übernommen werden. Infolge von Ausfällen bei der Vermiethung der Plätze ist ein Defizit entstanden, das voraussichtlich auch in den folgenden Jahren andauern wird wegen der Nähe der neuerbauten Synagoge Lützowstraße; außerdem hat der Verein eine Schuld von 3000 Mk. mit jährlich 300 Mk. zu amortisiren. — 150 Mk. jährlich werdendemJsraelitischen Armenhospital in Meran bewilligt.— In ausführlicher Weise gab Herr Isidor Sachs einen Bericht über den Abschluß der Gemeindehauptkasse. Es ist diesmal nur ein Ueberschuß von 103 000 Mk. gegen 210 000 Mk. im Vorjahre erzielt worden. "Von Ausgabeposten werden vom Referenten angeführt: Für Gehälter 150 000 Mk., für Pensionen 9500 Mk., für Remunerationen 6500 Mk., für Schulwesen 144 000 Mk., für Armenwesen 96 000 Mk., für Waisenpflege 102 000 Mk., für Krankenhaus 79 000 Mk., für das Hospital 26 000 Mk., für Koscherfleisch 12 000 Mk., für das Quellbad 2500 Mk., für Subventionen 49 600 Mk. Nachbewilligt werden noch vier Positionen, nämlich für Büreaukosten 7371 Mk., für Hilfsarbeiter 4233 Mk., für Bekleidung von Gemeindeboten 132 Mk., für liegende Gründe 1800 Mk. Die von Herrn Lö w enberg gestellte Anfrage, wie viel der Synagogenbau in der Lützowstraße gekostet, wird vom Referenten dahin beantwortet, daß für den Bau die Summe von 1134 000 Mk. erforderlich gewesen ist. Im Anschluß an diesen Bericht wird der Gemeindehauptkasse Decharge ertheilt. — Von authentischer Seite wird uns mitgetheilt, daß die feierliche Abschiedsrede für die aus der Versammlung ausscheidenden Mitglieder von Herrn Justizrath Dr. Apolant in der geheimen Sitzung gehalten worden ist. Die Einführung der in die Versammlung neugewählten Mitglieder findet nach derselben guten Quelle am 4. Januar Abends 7 Uhr statt. S£2 Berlin, 28. Dezember. Die Verhandlungen und Beschlüsse der Generalversammlung des Rabbinerverbandes in Deutschland zu Berlin am 1. und 2. Juni d. I. sind jetzt nach stenographischer Niederschrift in einem stattlichen Bande (in Poppelauers Buchhandlung hier) erschienen. Dieselben werden um der besprochenen Materien willen (Zionismus, Stellung des Rabbiners in der Gemeinde, Gründung einer Reliktenkasse, der obligatorische Religionsunterricht, Einführung der Predigt am Freitagabend, Dimissoriale bei Trauungen, Stellung der Halacha zur Veterinärkunde) für weite Kreise sicher von großem Interesse sein. Einzelne Reden und Referate haben bleibenden Werth, das ganze Werk ist ein Zeugniß für die Bedeutung des Rabbinerverbandes und gewährt die besten Hoffnungen für dessen Zukunft. Im Anschlüsse hieran die Mittheilung, daß am 27. d. hier eine Sitzung des Centralausschusses des Rabbinerverbandes stattgefunden hat. 8. Berlin, 27. Dezember. Der erste Verbandstag des Verbandes jüdischer Lehrervereine im Deutschen Reiche fand gestern und heute in dem Verwaltungsgebäude der hiesigen jüdischen Gemeinde unter zahlreicher Betheiligung von Delegirten und Gästen statt. Von ersteren waren 24 Herren erschienen, welche folgende Lehrervereine vertraten: Berlin, Brandenburg, Hamburg, Hannover, Hessen- Cassel, Hessen-Nassau, Hessen-Darmstadt, Mitteldeutschland, Oberschlesien, Ostpreußen, Ostprovinzen, Pommern, Rheinland und Westfalen, Schlesien-Posen, Südwestdeutschland, Westfalen und Nheinprovinz und Westpreußen. In emsiger, vierzehnstündiger Arbeit berieth die durch den zeitigen Berbandsvorsitzenden Herrn Rektor Dr. Adler trefflich geleitete Versammlung fast die reichhaltige, aus 15 Punkten bestehende Tagesordnung durch und schied nur 2 Punkte derselben aus. Cursorisch erwähnen wir heute nur, daß die Satzungen der „Pensions-, Wittwen- und Waisenkasse des Verbandes", welche bereits vom Staatsministerium genehmigt sind, von den Delegirten en bloc angenommen, bezüglich der Zusammensetzung des Verbandsvorstandes und betreffs des Statuts wesentliche Aenderungen beschlossen wurden. Die Abfassung einer Denkschrift über die Bedeutung der jüdischen Schulen wurde ebenfalls genehmigt, um dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde sowie den bestehenden Gemeindeverbänden dadurch das Material für die Behandlung dieser Frage zu gewähren. Die sehr eingehenden, von lebhaftem Beifall aufgenommenen Referate der Herren Lehrer Marx-Alsheim und Mittelschullehrer Feiner-Hamburg wurden noch zurückgestellt, da die Angelegenheit in Form eines Verbandsthemas für den nächsten Delegirtentag geklärt und spruchreif werden soll. Im Prinzip erklärt sich die Versammlung auch mit Begründung eines Stellennachweises für die Mitglieder des Verbandes einverstanden und überweist die Ausführung dieses Antrages dem Verbandsvorstand. Der Geist der Eintracht wehte fast über sämmtlichen Berathungen, und zu heißen Kämpfen über Meinungsverschiedenheiten kam es so gut wie gar nicht. Offiziell begrüßt wurde der Verbandstag im Namen der Gemeinde von Herrn Geh. Sanitätsrath Dr. Boas, im Namen des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes von Herrn Prof. Dr. Philippson. Der Gemeindevertreter gab der Hoffnung Ausdruck, der auch wir uns anschließen, daß es dem Verbände und seinem edlen Eifer recht bald gelingen möge, selbst die kleinste Vereinigung in seinen Kreis zu ziehen und an den Segnungen t heilnehmen zu lassen, welche unwillkürlich von dem Verbände ausströmen Einen ausführlichen Bericht bringen wir in der nächsten Nummer. L2 Berlin, 27. Dezember. In der festlich geschmückten Synagoge der Adaß Jisroelgemeinde fand heute die Feier des fünfundzwanzigjährigen Jubiläums des orthodoxen Rabbinerfeminars unter sehr zahlreicher Betheiligung der Lehrer, Schüler und Freunde der Anstalt statt. Nach Eröffnung durch Chorgesang hielt Herr Rabbiner Dr. S. Auerbach-Halberstadt die Festrede, die sich mit der Geschichte, den Aufgaben und Zielen des Instituts beschäftigte. Dann hielt Herr Dr. A. Berliner einen höchst interessanten Vortrag über die Geschichte des Talmudstudiums, der wohl demnächst durch den Druck weiteren Kreisen zugänglich gemacht werden wird. Die Ansprachen eines der ersten Zöglinge der Anstalt, des Herrn Landrabbiners Dr. Löb-Ernden, und des Dr. N. Cohn sowie ein in klassischem Hebräisch abgefaßtes und von Herrn Dr. D. Hoffmann vorgetragenes Gebet vor geöffneter