Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 62 (1898)
- Issue
- Heft 52 (30.12.1898)
- Date
- 1898-12-30
- Page
- Seite 623 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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IWMMWWßMWWWWWDWWRMVMMMWWMWWSNMWMNWWSMWWMWMNSMWWPWWW.. , . 623 Silo ansichtig wurden. Stracks in Kenntniß davon gesetzt, schlich ich unbemerkt ihm nach und sah ihn treten in das Haus eines Hebräers, Namens Dathan, welches unterhalb Moriah auf öden Felsgrund gebaut ist. Als der Prophet in dem Hause verschwunden, begannen Resons Treue efft eifriges Spüren und Herumschleichen und Horchen und Aufpaffen um den Bau des Hebräers. Nun, der betrügerische Fuchs hat Löcher gebohrt in den Grund seiner Höhle, und dort liegt Reson, und mit ihm ist ein altes Weib gefangen, eine Tochter Edoms, deren Schicksal wir nicht erfahren konnten!" Die Königin hatte während dieser Erzählung die gefahrvolle Lage Resons vollkommen ermessen, und der Ausdruck ihrer Züge wurde zusehends trauriger und trostloser. „Und wie retten wir ihn nun?" fragte sie leise, und nun erst zog sie den Schleier über ihre blaffen, von Thränen überströmten Züge. „Ich kenne nur ein Mittel," versetzte der sidonische Mann mit schwer unterdrücktem Zorn. „Wir sammeln die Treuen Resons, die zerstreuten Söhne Edoms, die Männer der wilden Wüste, wir rufen Edoms Freiheit aus durch die Straßen Jerusalems, wir brennen die Häuser Israels an, und dann tragen wir unseren Führer aus feinem Kerker, rauben Edoms gesunkenen Stern und eilen den Bergen Selr zu. Dort ist Edoms Treue und die ungebrochene Kraft der Bergsöhne. Das ist Hirams Meinung." Iva schüttelte traurig das Haupt. „Gewalt kann hier nicht nützen. Die unerschöpfliche Macht Salomos umlagert uns und ist Reson und den Edomitern feindlich. Die Bewohner von ganz Jerusalem würden aufstehen gegen so tollkühnen Angriff. Wir müssen Reson durch List retten!" „Wohlan, unter meinen Spürhunden sind flinke, schlaue Männer, die den Fuchs und den Schakal überlisten. Ich will ihnen Auftrag geben und dann die List mit den Schwertern und Keulen der Söhne Edoms unterstützen." „Diesen treuen Herzen dürfen wir, darf Reson vertrauen?" Der sidonische Mann versetzte in tiefen Tönen: „Fürstin der Wüste, uin Edoms vertriebenen Helden sind wir versammelt seit Jahren und streifen an seiner Seite zwischen Damaskus und Edom, und unter den Gefahren der Wüste sind wir geworden wie treue Brüder. Und die Treue der Wüstensöhne ist anders als die Treue der Menschen, welche in den Städten wohnen, oder welche friedlich bauen den Oelbaum und die Rebe. Die Treue der Wüstensöhne hat Sonnenbrand und blutige Gefahr und schmachtender Hunger und Wüsteneinsamkeit geschaffen und geprüft, aber die Treue der glücklichen Menschen ist eine zierliche Blume, welche der Hauch eines Windes zerreißt. Und siehe, wir sagen es mit Stolz: wir sind Edoms vertriebenem Helden immer treu gewesen!" Aus Jvas Augen floß eine Thräne der Rührung und des Entzückens. „Wohl ihm," rief sie, „die Götter seines Landes entzogen ihm nicht alle Huld, da sie ihm so treue Herzen bewahrten!" Der Phönizier sagte mit verdüsterten Zügen: „Sie haben ihm ihre Huld entzogen, und das Herz eines schwachen Mädchens, dem er vertraute, hat sich dem fremden Herrscher zugewendet, hat das gefallene Edom vergessen, ist selber gefallen, ein schönes, erloschenes Gestirn! Zwar hat Resons Heldenkraft nie geklagt, da wir in der Wüste streiften, und damals hoffte er noch. Nun ist Edoms Stern gesunken und untreu geworden. Siehe, ich habe Schmerz ob dem Gram Resons, aber ich will die Spürhunde der Wüste sammeln und mit ihnen vor Reson hintreten und ihm sagen: Vertriebene Heldenkraft Edoms, laß Alle untreu werden, mag kein Herz Dir bleiben, es ist alles der Klage nicht werth! Siehe, die Söhne der Wüste stehen um Dich, eiserne, geprüfte, treue Genossen! Laß' alles dahinsinken, laß Alles untreu werden, die Söhne der Wüste kämpfen Dich heraus aus den Abgründen der bösen Geister!" Die Fürstin fiel dem Sprecher in die Rede, ihre Stimme war von Thränen erstickt, als sie rief: „Halte ein — nicht Alle wurden untren — unter Sabas Zelten find Kissen für ein müdes Haupt, siud treue Herzen und tröstende Reden für seinen Kummer. Euere Herzen sind ihm treu, aber Ihr seid nicht die Einzigen. Laßt uns Jeder die Größe unserer Treue ermessen. Iva ist auch zu jedem Opfer bereit!" Der Phönizier schwieg eine Weile. Eine tiefe Bewegung arbeitete in seinen finsteren Zügen. Daun ließ er sich auf die Kniee nieder und rief mit Bewunderung und tiefer Empfindung: „Du sagst recht, es blieben ihm edle Herzen treu! Aber noch einmal, nur die Kinder der Wüste blieben ihni treu. Die glücklichen Menschen in Städten und nnf den blühenden Fluren sind von ihm abgefallen. Nur die Wüste hält fest an ihm, denn auch Du, Du bist ja die Königin der Wüste!" Einige Minuten später waren Iva und der Phönizier in tiefer Berathung begriffen, wie Reson den Klauen seiner Peiniger mit List zu entreißen sei. (Forts, folgt.) Fitteraturb erichte. Von Dr. M. Kayserling. ine Biographie Frankels ist bisher ein pium desiderium geblieben! wurde noch vor wenigen Monaten in diesen Blättern geklagt. Es ist in der That zu verwundern, daß unter seinen zahlreichen, besonders seinen älteren Schülern sich keiner gefunden, der diesem hervorragenden Gelehrten in einer ausführlichen Biographie ein Denkmal gesetzt hat. Bei der ganz eigenartigen Richtung Frankels ist es allerdings keine leichte Ausgabe, dem vor bald vierundzwanzig Jahren aus dem Leben geschiedenen ersten Direktor der ältesten jüdisch-theologischen Lehranstalt in Deutschland, dem Gründer der „positiv-historischen Schule", ganz objektiv behandelt, nach allen Seiten gerecht zu werden. Nun hat es ein gewandter Hebraist, der als Uebersetzer des Graetz'schen Geschichtswerkes bekannte S. P. Rabinowitz, unternommen, unter dem Titel: usrnö ri'2i “msD. uror. rn ‘jpjtna it-d? 'n (Warschau isg8, Achiafaf) eine Biographie Frankels zu bearbeiten, und ist das erste Heft bereits erschienen. Herr Rabinowitz scheint die Biographie hauptsächlich für seine osteuropäischen Glaubensgenossen geschrieben zu haben, denn über manches, was nur kurz angedeutet zu werden brauchte, wie über die Lage der Juden unter Kaiser Joseph, ihre Stellung in Sachsen, läßt er stch ungebührlich weit aus. Da hätte er auch die Aufforderung Israel Frankels, nicht Fränkels, wie Rabinowitz Seite 22 schreibt, des Primas oder ersten Vorstehers der israelitischen Gemeinde zu Prag, zu einer allgemeinen Armenversorgungsanstalt füglich nicht übergehen sollen (Monatsschrift, 1859, Seite 433 ff.). Das in acht Sprachen abgefaßte Gesuch Frankels um das Leitmeritzer Kreisrabbinat ist, gleichviel ob diese Polyglottengesuche eingereicht wurden oder nicht, immerhin charakteristisch, ebenso wie die übrigen aus Frankels Nachlaß von Brann jüngst veröffentlichten Briefe. Ueber die Wirksamkeit Frankels als Lokalrabbiner in Teplitz eilt Rabinowitz schnell hinweg, und doch hätte er mehreres darüber erfahren können, wenn er Ad. Rosenzweigs „Skizze zur Geschichte der Juden in Teplitz" in der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" (1887, Seite 110) zu Rathe gezogen hätte. In einem Schreiben an die „Herren Vorsteher der israelitischen Gemeinde zu Teplitz" versicherte Frankel, daß er nicht gekommen sei, „Neuerungen zu machen", doch strich er später einige Pijutim. Dafür wurden ihm eines Tages die Fenster eingeworfen. Die verletzten, weil verscheuchten Pijutim hatten wahrscheinlich in der „hinteren Gasse" den Stein be- % fi;P c i i | | I ■i