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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1898-01-14 · Heft 2 (14.1.1898) · p. Seite 20

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
62 (1898)
Issue
Heft 2 (14.1.1898)
Date
1898-01-14
Page
Seite 20 (sequence 8)
Language
German
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Bezirksrabbiners von Braunau, Juda Schlesinger, dem wir im Folgenden die bezeichnendsten Stellen entnehmen. . . . 27. Adar 559S. . . . . ein Mann, der flch seit seiner frühesten Jugend mit größtem Eifer auf das Studium der rabbinisch-theologischen Wissenschaften gelegt und sich in diesem Fache durch Anstrengung mit Nachhilfe seines angeborenen Scharfsinnes und großer Denkungsart ein so ausgebreitetes und gründliches Wissen erworben, daß er jede dunkle und verwickelte Stelle in dieser tiefen Lehre nach richtigen Begriffen auseinanderzusetzen versteht und ein Mann in seinem^. Alter so selten sich ihm zur Seite stellen dürfte. Nicht minder war er auch um seine anderweitige Ausbildung in wissenschaftlicher Hinsicht bemüht und auch hier ist es seinem umfassenden Geiste gelungen, sich auf eine bedeutende Stufe zu erheben. Mit welchen Kenntnissen er zugleich einen religiösen, moralischen und ganz uneigennützigen Charakter und unbescholtenen Lebenswandel verbindet. Da ich überdies noch überzeugt bin, daß er all sein Wissen nur dazu anwenden wird, um unter seinen Glaubensgenossen echte Religiosität und Moralität zu verbreiten und da er es wirklich versteht, sich den Weg zum Herzen der ihn Umgebenden zu bahnen, und für diese edle Gesinnungen empfänglich zu machen, so glaube ich . . . Schon der 27 jährige Holdheim wußte sich derart die Anerkennung großer Männer zu erwerben. Warum trotzdem die Wahl auf einen anderen Kandidaten fiel . . . eine Rabbinerwahl hängt von gar vielen Umständen, Zufällen und Nebensächlichkeit^: ab, die ein groß angelegter Geist in der Regel verschmäht. . . Samuel Holdheim kam nicht nach Hohenems, weil die Vorsehung dieser bedeutenden Kraft auch den geeigneten Wirkungskreis Vorbehalten. — Hohenems die Ehre der Bewerbung, Berlin aber der Segen des Wirkens. Aus bangen Tagen. historische Erzählung aus der römischen Aaiserzeit. Von Carl Griot. ' II. n einem mit schwelgerischem Luxus ausgestatteten Gemach ruhte auf purpurnen Kissen Calpurnia Pulchra, die schöne Freundin Domitians. Sie hatte soeben ihren Morgenimbiß genommen und lag jetzt im wohligen Behagen da, die Hände unterm Haupt verschränkt, die schönen Augen träumerisch zur Decke gerichtet. Um ihre vollen Lippen schwebte ein glückliches Lächeln, und auf ihrem Antlitz spiegelte sich der Abglanz heitersten Behagens. Wohl war der Tag bereits vorgeschritten und die Stunde des Ankleidens da, allein sie vermochte sich heute von dem wohligen Lager gar nicht zu trennen, süße Bilder zogen vor ihr Inneres und zauberten auf ihr Antlitz ein strahlendes Lächeln. Sie wollte noch ruhen; es war so gut, noch einmal all das Schöne zu durchleben, das ihr die letzten Tage gebracht, all den Triumph nochmals zu durchkosten, den sie über so zahlreiche Rivalinnen — und das waren ja alle Damen des vornehmen Rom — davongetragen hatte, und den sie ihr wohl auch von Herzen mißgönnten; ja, sie war glücklich, und mochten ihre Feinde und wohl noch mehr ihre zahlreichen Neiderinnen ihr auch noch so viel Böses nachsagen, sie verleumden und hinterrücks anschwärzen, was kümmerte sie das hämische Jntriguenspiel des Hofes — Domitian liebte sie, und das Gefühl, dem Herzen des Mächtigsten der Welt so nahe zu stehen, vermochte sie wohl für allen Haß reichlich zu entschädigen, den — sielwußte es — so Viele in stiller Brust gegen sie verschlossen. Sicher, der Kaiser liebte sie, liebte sie mit glühender, überströmender Leidenschaft, und was noch mehr des Wunders — mit einer bei dem flatterhaften Herrscher ungewohnten Ausdauer. Und ein Gefühl des Stolzes schwellte ihre Brust, wenn sie daran dachte, daß es gerade ihr, Calpurnia Pulchra, gelungen sei. den Unbeständigen zu fesseln, daß er, der von Blume zu Blume eilte, und dessen Verweilens nie lange war — nun schon beinahe ein Jahr kein Auge für Andere hatte und ihr seine Liebe weihte. Und.wahrlich, Mühe hatten sie sich genug gegeben, all die schönen Damen des Hofes, die tugendhaften sowohl gleich jenen, deren Lebenswandel nicht fleckenlos genannt werden durfte, sie aus dem Herzen des Imperators zu verdrängen; aber es war ihnen noch nicht gelungen, und, bei der großen Göttin! es sollte-ihnen auch fürderhin nicht! Stand sie ja im Zenith ihrer Macht, und ihre strahlende Schönheit sicherte ihr wohl auch noch lange die Herrschaft über die Leidenschaft ihres kaiserlichen Freundes; so lange, hoffte sie — und ein Triumphgefühl schwellte ihre Brust — bis es ihr gelungen sei, ihre Schultern mit dem kaiserlichen Purpur zu umkleiden und ihr stolzes Haupt mit der Kaiserkrone zu schmücken. Darum aber galt es vor allein, die Kaiserin, die lästige Domitia, aus dem Wege zu schaffen. War Jene erst fort, dann stand ihren kühnen Wünschen auch kein Hemmniß mehr im Wege — Domitian schmachtete nach ihrer Liebe gleich einem girrenden Schäfer, und itjre Künste mußten ihn wohl dahin bringen, wo als leuchtendes Zukunftsbild die Kaiserkrone winkte. O, wie sie sie haßte, diese „tugendhafte" Kaiserin, dieses ehebrecherische Weib! Ja, gewiß: ehebrecherisch! Nicht umsonst ging ein Geflüster durch die Stadt, daß sie den schönen Tänzer auszeichne lind mit ihrer Gunst beglücke, und mochte das Gerücht auch lügen, die Kaiserin den Gaukler nur seiner Kunstfertigkeit wegen auszeichnen — mag sein —, allein die Thatsache mußte benutzt werdeil, und sie hätte nicht die schlaue, in allen verderblichen Künsten erfahrene Calpurnia sein müssen, wenn es ihr nicht gelingen sollte, Jene zu verderben, im Herzen Domitians den Argwohn zu erwecken, der die Schuldige in den Tod treiben mußte. Stand ja bei dem gewagten Spiel ein tüchtiger Kämpfer an ihrer Seite, und was dem Zauber ihrer Schönheit nicht gelang, mußte wohl seiner Schlauheit weichen: ihr Oheim Ascletarion, der Günstling des Kaisers. Im Verein mit Jenem mußte es ihr gelingen, an das heiß begehrte Ziel zu gelangen. Doch, wo weilte er? Weshalb kam er nicht, wie täglich, ihr zu berichten? Von der Laune des Cäsars sowohl wie von ihren eigenen Angelegenheiten, vom Hofgespräch und^ von so vielen und mannigfachen Dingen, die zu wissen sie verlangte. Vielleicht aber war die Stunde noch nicht vorgerückt, und sie hatte nur einige Augenblicke dagelegen und ihre Seele mit ^ehrgeizigen Zukunftsplänen genährt. Jedenfalls aber war es Zeit, sich ankleiden zu lassen. Sie berührte mit leisem Drucke eine silberne Schelle, auf deren Klang die Sklavinnen herbeieilten. Geschäftig gingen sie an die Arbeit, die Herrin für den Tag zu schmücken, und da hatte Jede ihre Beschäftigung. Denn während Zoe die Sandalen an den zarten Knöcheln der Herrin befestigte, löste Lais wieder das reiche, lang herabwallende Haar, um es in kunstvolle Schlingen zu legen und mit goldenen Nadeln auf dem Haupte der Gebieterin zu befestigen; eine Dritte hielt das weiße, goldgestickte Gewand bereit, um es an der Schulter mit kostbaren Spangen zu verbinden. EUILLETON

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